Darfs noch etwas sein, Herr Baron?
12.10.2004
Pro:
günstiger Preis, gutes Kaffearoma, einfache Bedienung
Kontra:
nur Melitta - Pads verwendbar
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Bedienung
Reinigung
Design
Kaffee Aroma
mehr
 butler_carlo
Über sich:
Mitglied seit:26.03.2001
Erfahrungsberichte:251
Vertrauende:51
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 179 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Gelobt sei Georg Franz Kolschitzky! Ach, ihr wisst nicht, wer das ist? Kolschitzky hat sich einerseits als Kurier und Dolmetscher in einer der großen Türkenbelagerungen vor Wien verdient gemacht, anderseits gilt er als Begründer der Wiener Kaffeehaustradition. Als Dank für seine Dienste erbat er sich nämlich lediglich einige Säcke mit wertlos anmutenden dunklen Bohnen aus den Lagern der vertriebenen Türken, die ihm in Anbetracht des Umstandes, dass es sich um vermeintlich wertloses Zeug handelte, gerne übergeben wurde. Kolschitzky hatte den Wert dieser Bohnen jedoch kennen und das Gebräu daraus schätzen gelernt und so kam es, dass er die Wiener Gesellschaft bald mit einem Kaffeehaus erfreute – eine schöne Geschichte, aber leider absolut nicht wahr. Das erste Kaffeehaus in Wien wurde nämlich durch den Griechen Johannes Theodat eröffnet. Auch mit der Wiener Kaffeehaustradition ist es nicht mehr weit her – es gibt nur mehr wenige typische und so waren wir versucht, unser eigenes Kaffeehaus einzurichten. Das kleine, weiße gusseiserne Tischchen mit der dunklen Marmorplatte und einen bequemen Sessel hatten wir schon, ebenso die Zeitungen, allein es scheiterte am Oberkellner Schani (Koseform für Johann) und am wichtigsten Utensil – der Espressomaschine. Der Markt bietet hier zwar etliche Fabrikate an, doch benötigt man für diese Gerätschaften einerseits eine Menge Platz, anderseits den berühmten Goldesel, der sich als Dukatenscheißer betätigt und das nötige Bargeld heranschafft (wird natürlich vorher ausgiebig gewaschen!). Diese Hinderungsgründe hielten uns bisher ab, den heimischen Kaffeetempel „Don Carlo“ zu eröffnen – bis … wir in einem Elektronikschleudermarkt eine neue Maschine von Melitta fanden, die alle nötigen Voraussetzungen erfüllte – die Melitta Mycup. Packungsinhalt: °°°°°°°°°°°°°°°°°° Der relativ große Karton wird zum größten Teil von der Espressomaschine und den lästigen Styroporplatten eingenommen. Außerdem findet sich darin eine Betriebsanleitung, 1 Set zum Entkalken und Reinigen
Bilder von Melitta E 901 MY CUP
der Maschine und – welche Freude – gleich 48 Kaffee-Pads, damit man das Ding gleich ausprobieren kann.
Aussehen und Technik: °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Das Gehäuse der Maschine ist aus schwarzem Kunststoff und hat ein eigenwilliges Design, das durch silberfarbene Teile noch mehr auffällt. Mit einer Größe von 33 x 33 x 28 cm hält sich der benötigte Platz halbwegs in Grenzen. Der Wasserbehälter, der sich an der rechten Seite des Gerätes befindet, ist aus durchsichtigem Kunststoff und kann für das Befüllen abgenommen werden. Er fasst etwa einen Liter Wasser. Unter dem Kaffeehahn, aus dem zukünftig unser aromatisches Getränk fließen wird und den man je nach Tassenhöhe auch in der Höhe verstellen kann, befindet sich eine Abtropftasse, die mit einem abnehmbaren Aluminiumgitter abgedeckt ist. Darin befindet sich ein Schwimmer, der eindeutig anzeigt, wenn es Zeit wird, die Abtropftasse zu entleeren. Durch einen einfachen Griff kann man diesen Behälter aus der Maschine ziehen, wobei gleichzeitig der Auffangbehälter für die gebrauchten Kaffee-Pads entfernt wird, den man gleichfalls leeren sollte. An der Oberseite der Maschine befindet sich ein Mengenwahlregler zum Einstellen der gewünschten Wassermenge, der Start-Button, mit dem der Brühvorgang gestartet werden kann und der Hebel, mit dem die Brüheinheit zum Einlegen eines neuen Kaffee-Pad geöffnet werden kann. Beim neuerlichen Öffnen wird das alte Pad automatisch in den Auffangbehälter befördert. Die Maschine arbeitet nicht wie ähnliche Geräte mit einem Boiler, sondern mit einem Thermoblock – das heißt nach jedem Brühvorgang wird das Leitungssystem komplett entleert und für einen neuen Vorgang frisches Wasser in die Maschine gepumpt. Der Wasserdruck ist mit 3 bar eigentlich recht niedrig im Vergleich zu ähnlichen Geräten, die mit weit höherem Druck arbeiten. Bedienung: °°°°°°°°°°°°° Die Bedienung der Maschine ist wirklich kinderleicht. Zuerst wird der Wasserbehälter befüllt und wieder in die Maschine eingesetzt. Danach wird der Netzschalter aufgedreht und die Maschine vorgeheizt. Im vorgeheizten Zustand bleibt die Maschine nun eine Stunde im Standby-Betrieb und schaltet sich danach selbst ab. Will man allerdings einen Kaffee, so öffnet man mit dem Hebel die Brüheinheit und legt eines der Pads mit dem Kaffeepulver ein und verschließt die Einheit wieder. Nach der Wahl der Wassermenge drückt man nur mehr auf den Startknopf und schon beginnt die Maschine heißes Wasser durch das Pad und in weiterer Folge den Hahn in die Tasse zu füllen. Nach dem Aufbrühen sollte man seine Neugier zügeln und nicht gleich das metallene Abtropfgitter heben, denn es ist wahnsinnig heiß! Autsch!
Lautstärke: °°°°°°°°°°°° Bekanntlich sind solche Maschinen wesentlich lauter als eine normale Filtermaschine. Dies trifft auch auf die Melitta Mycup zu. Der Lärm hält sich aber in einem erträglichen Maß und man kann auch durchaus in den frühmorgendlichen Stunden die Maschine in Betrieb nehmen, ohne Gefahr zu laufen, die halbe Nachbarschaft zu wecken. Nach dem Aufbrühen des Kaffees wird das überflüssige Wasser aus den Leitungen gepumpt, wobei heißes Wasser durch die Leitungen in den Auffangbehälter gedrückt wird, was zu einem leichten Zischen führt. Nicht weiter schlimm, aber etwas ungewohnt. Der Kaffee: °°°°°°°°°°°° Der Sinn solcher Maschinen ist natürlich nicht unbedingt, uns das Leben zu erleichtern, sondern den Kaffeeabsatz des Herstellers um ein Vielfaches zu erhöhen. Deshalb können für diese Maschine nur eigene Melitta-Pads verwendet werden. Die Pads bestehen aus einem Material, dass stark an die bekannten Filtertüten erinnert, die allerdings verschlossen sind und eine bestimmte Menge Kaffee beinhalten. Jedes Pad kann nur einmal verwendet werden. Natürlich haben die Pads eine eigenwillige Form, die man nur schwer kopieren kann, wodurch man wieder auf den Hersteller angewiesen ist. Um in Erfahrung zu bringen, wo man die Kaffee-Pads nachkaufen kann, bietet Melitta einen Emailservice, bei welchem man den nächsten Händler in der Nähe erfährt. Um die verschiedensten Gaumen zu befriedigen gibt es 4 verschiedene Mischungen: Voll & rund, kräftig & würzig, mild & aromatisch und entkoffeiniert. Die beiden ersteren sind für den Espresso-Liebhaber und die Namen versprechen wirklich nicht zuviel. Voll & rund hat in einer gewissen Konzentration sogar einen leichten Schoko-Geschmack, der nicht unangenehm ist. Der Kaffee selbst hat nach dem Aufbrühen eine leichte Schaumkrone, die von Melitta als Crema bezeichnet wird. Diese Crema ist eine lästige Sache – überhaupt für Bartträger! – und hält sich relativ lange in der Tasse.
Der Geschmack des Kaffees: °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Wir waren ein wenig überrascht. Einerseits kennen wir das Ergebnis solcher Maschinen, konnten uns aber nicht vorstellen, wie eine Maschine mit einem derart niedrigen Druck auskommt. Es dürfte hier ein Großteil am Kaffee selbst liegen. Da wir eigentlich eher eine kräftigere, würzige Sorte bevorzugen, konnten wir uns für die stärkeren Mischungen begeistern. Der Kaffee ist zwar ein wenig dünn, wenn zuviel Wasser verwendet wird, bei geringer Wassermenge entfaltet er aber seinen vollen Geschmack und ist durchaus bekömmlich. Reinigung: °°°°°°°°°°°° Der Hersteller empfiehlt, alle 200 Brühvorgänge einen Reinigungsstab einzusetzen, der die Maschine von Ölen, Fetten und Kaffeeresten befreit. Alle 100 Brühungen sollte ein Entkalkungsvorgang durchgeführt werden, zu dem ein spezieller Entkalker verwendet werden sollte. Dieser besteht aus einfacher Zitronensäure, die offenbar ziemlich wirksam ist. Sonst genügen das Entleeren der Abtropfwanne und des Auffangbehälters, sowie das Reinigen des Gehäuses mit einem weichen Tuch.
Die Betriebsanleitung: °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Sehr einfach! Das ist das einzige, das uns dazu einfällt. Die Vorgänge sind sowohl in Bild und Worten beschrieben, wobei man sich auf einzelne Wörter beschränkt. Dafür gibt es die Anleitung aber in insgesamt 9 Sprachen. Das ewige Umblättern, weil die Informationen auf einer Seite sehr kurz gehalten sind, ist zwar ein wenig lästig, aber auch der einfältigste Benutzer sollte diese Anleitung verstehen. Resümee: °°°°°°°°°°°° Nachdem uns sowohl die Frau Gemahlin (sie wollte partout nicht das Serviererinnen-Kostüm mit dem weißen Spitzenhäubchen anziehen) und ebenso lieb Töchterlein („Das Kostüm ist absolut uncool!“) etwas gehustet hat – der Junior wurde wegen extremer Ungeschicktheit vorab aus der Wertung genommen – müssen wir uns unseren Kaffee nunmehr selbst servieren. Die Maschine ist aber leicht zu bedienen und stellt somit für uns kein Problem dar. Der Kaffee ist zwar ein wenig dünn, aber sicher gesünder, als die kräftige Brühe beim Kaffeesieder, aber durchaus voll im Geschmack. Ein wenig kostspielig ist das Ding allerdings schon, denn eine Packung mit 12 Pads kommt immerhin auf € 2,29, was also € 0,19 für eine Tasse ausmacht. Die Maschine selbst ist derzeit um etwa € 135,- zu haben. Trotzdem, uns schmeckt’s und so können wir dieses Ding wirklich nur empfehlen.
Als dann, servus, B.C.
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29.11.2005 11:39
stimmt es das man auch die normale runden Pads benutzen kann (z.B. die von Senseo usw.)? irgendwo hab ich das mal gelesen....
18.11.2005 13:24
Ausführlicher und guter Bericht. Was ich nicht kapiere ist, wieso Melitta hier ein eigenes Padsystem entwickelt hat und damit seine Maschine quasi ausgrenzt von Pads anderer Hersteller. Für das Senseo-System gibt es mittlerweile von vielen Herstellern Pads, was der Verbreitung der Maschinen, die "Rundpads" nutzen, hilft. Melitta geht einen eigenen Weg und bremst sich damit meiner Meinung nach selbst aus. Schon andere Firmen haben solche "Sonderwege" mit einem Flopp bezahlt. Mal sehen wie es wird. Gruß stocki
13.07.2005 23:47
tolle maschine, aber wo bekommt man diese pads. mittlerweile haben bei uns alle supermärkte die pads aus dem programm genommen. Schweinerei!!