JAHRESWAGEN A160 - Harter Elch, sicher, robust
27.08.2001 (27.09.2003)
Pro:
Zuverlässig, sehr gutes Fahrgefühl .
Kontra:
Unnötig hart gefedert .
Empfehlenswert:
Ja
 Lambertus
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:80
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 145 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
“Nee... wie kann man sich nur so’n Auto kaufen...?!” frotzelte Peter kopfschüttelnd. So’n Auto...?! - Junge, du hast ja keine Ahnung! - Das ist mein
MERCEDES A 160 Version: Classic (Standard) Farbe: mondsilber - metallic Baujahr: 08 / 1999, Modell: 2000 1600 ccm, Leistung: 75 kW entspr. 102 PS Spitzengeschwindigkeit: 182 km/h 5-Gang-Schaltgetriebe ASR (abschaltbar) verhindert, dass Räder durchdrehen Länge: 3575 mm, Leergewicht: 1115 kg Ausstattung: elektrische Fensterheber vorn, elektrische Außenspiegel-Verstellung und zeitgemäß-übliche Ausstattung, Ausnahme: Schließvorrichtung (s.u.)
Extras: Klimaanlage, Cassettenradio, Sitzheizung (nicht gewünscht, aber nun mal vorhanden) Kaufpreis incl. MWSt DM 32.000,-- Warum also ausgerechnet dieses Auto? -
Ich wollte keinen “großen Schlitten”, sondern ein praktisches, leicht als “Transporter” umrüstbares Gefährt, das 2 Personen in etwa das von mir gewohnte “C-Klasse-Niveau” bietet. Eine geschickte Lösung für einen Fahrradträger war auch wichtig. - Und schließlich gefiel mir das Konzept der A-Klasse von Mercedes: Mut zu etwas Neuem. Mein Freund Peter ist fanatischer Audi-Fan, seine Frau Luise hat einen schnelleren BMW. Beide unisex in dunkelblau. “Wenn ich mal auf und davon gehe, soll Peter mich nie einholen können,” ist ihre Begründung.
“Und wenn ich mal abhauen sollte, dann möchte ich nichts lieber, als von Luise wieder eingeholt zu werden,” ist seine Antwort. Tiefsinniger Charme, wie ihn nur ein Mann aufbringen kann! Beide lieben sich und ihre Autos. Und davon schwärmen sie so ausgiebig, dass es mir auf den Wecker geht. Was würde wohl passieren, wenn ich auch BMW oder Audi fahren würde?! - Nein, mein Auto ist ein technischer Gebrauchs-Gegenstand, an den ich keine Romantik verschwende; dafür gibt’s Besseres.
Gekauft habe ich das Fahrzeug als Jahreswagen beim hiesigen Mercedes-Vertrags-Händler über das Intranet der Daimler-Benz AG. - Das bedeutet, man bekommt eine genaue Beschreibung des von DB auf Herz und Nieren geprüften und bewerteten Wagens. Das muss man glauben und danach bestellen, ohne das Auto je gesehen zu haben. - Ein Jahreswagen ist ein Fahrzeug, das ein DB-Angehöriger als Neufahrzeug gekauft hat und nach ca. 1 Jahr an DB zurückgibt, wenn er seinen Neuen übernimmt. Bei meinem Auto war der km-Stand mit 13.554 angegeben. Nach einer - wie ich fand - sachkundigen und seriösen Beratung bestellte ich den Wagen, der aus München überführt werden musste. Etwa eine Woche später konnte ich den A 160 abholen, auf mich zugelassen und in einem Tip-Top-Zustand, der von einem Neufahrzeug nicht zu unterscheiden war. Es roch sogar noch nach neu. Im Innern kein Stäubchen, - nichts was daran erinnerte, dass in diesem Auto jemals schon ein Mensch gesessen haben könnte.
* * * * * * * Inzwischen sind 11 Monate vergangen, und ich bin mit dem A 160 etwa 12.000 km gefahren. Wie beurteile ich das Auto heute? - Tabellarisch sieht das so aus:
Ausstattung innen: schlicht, zweckmäßig, “aufgeräumte” Armaturentafel. Alle Instrumente sind gut ablesbar. Radioteil tief unten ist gewöhnungsbedürftig. - Viele Ablageflächen und große Türfächer. - Variabler Kofferraum; durch leicht ausbaubare Hintersitze und zudem ausbaubarem Beifahrersitz geradezu als Klein-Transporter verwendbar. Fahrgefühl: Kurzer Radstand, Vorderrad-Antrieb und hohe Sitzposition verlangen von einem Fahrer, der bisher - wie ich - z.B. ein C-Klasse-Modell fuhr, etwas Eingewöhnungszeit. Man nimmt am Anfang die Kurven etwas “großzügig” und hält das Auto für breiter und länger als es ist. - Ist diese Phase überwunden, verträgt der Wagen eine durchaus flotte Fahrweise, - sogar flotter als mein vorheriges C-Klasse-Modell. Die Seiten-Neigung verunsichert in scharf gefahrenen Kurven zwar oft den Beifahrer, beim Fahrer kommt hingegen kein mulmiges Gefühl auf. - Angenehmer Effekt des hohen Sitzes: Die Autos vor einem wirken alle eine Nummer kleiner... - Im A 160 hat man also selten das Gefühl, das “kleinere” Auto zu fahren. Na, ist doch auch was...! _
Lenkung: ziemlich direkt, ausreichend leichtgängig durch Bremskraftverstärker _ Schaltung: sehr leichtgängig, ohne Hakeln, 3. u. 5. Gang leicht verwechselbar. Untersetzung ist so gewählt, dass man schon recht früh in den nächst höheren Gang schalten sollte. Das spart Treibstoff. _
Seitenwindempfindlichkeit: gering infolge des Frontantriebs. Das Auto wird gezogen statt geschoben! _ Einstieg: Hervorragend. Durch hohe Sitzposition z.B. für Rückenleidende geradezu ideal. _
Sitze: Einfach, aber bequem, nicht zu weich, körpergerecht geformt mit ausreichendem Seitenhalt, in der Höhe verstellbar; hintere Sitzbänke 1/3-2/3-Teilung, einzeln umklappbar und herausnehmbar. Bei den vorderen Sitzen viel Kopf-Freiheit zum Dach, was für mich mit 1,84 m Größe wichtig ist, da ich beim Fahren stets gerade zu sitzen pflege. _ Federung: Hart, da der Wagen nach dem “Elch”-Test tiefer gelegt wurde. Straßen-Unebenheiten sind deutlich spürbar. _
Motorgeräusche: wahrnehmbar, aber erträglich. Keine nervenden Frequenzen. _
Bremsen: sehr gut. Handbremse zwischen den Sitzen. _ Sicht: sehr gut nach vorn und zur Seite, nach hinten etwas eingeschränkt, besonders durch die hintere mittlere Kopfstütze, die aber herausnehmbar ist. _
Be- / Entlüftungs-System: wirkungsvoll, gut regulierbar. Besonders zu erwähnen: Umschalter für Umluft, wenn man im Stau steht (vielleicht sogar noch im Tunnel). _ Ladefläche: gut erreichbar, völlig eben mit 4 versenkten Verzurr-Ösen. Rechts und links Haken, z.B. zum Aufhängen von Einkaufsnetzen, Taschen etc. - _
Verbrauch: Um 7,5 l Super bleifrei / 100 km. - Voll beladen, mit 2 Fahrrädern und sehr häufigem Geschwindigkeits-Wechsel auf voller Autobahn schluckt er nahe 11 l. _
Sicherheit: Als Mercedes das A-Modell als völlig neue, untypische Mercedes-Bauform mit vielen konstruktiven Neuheiten herausbrachte, schien dies Wettbewerb und Auto-Testern ein Dorn im Auge. In extremen Fahrmanövern, die kein normaler Fahrer im Straßenverkehr heil überstehen würde, brachte man in Schweden den A zum Kippen, - wie wohl jedes andere Auto auch. Solche extremen Fahrmanöver könnten notwendig sein - so wurde argumentiert -, wenn plötzlich ein Elch auftaucht. Und so nannte man einen derartig abartigen Versuch den “Elch-Test”. - DB reagierte prompt, baute ein elektronisches Stabilisierungs-System ein und legte den Wagen tiefer, wodurch die Federwege zwangsläufig verkürzt wurden. Die dadurch härtere Federung sorgt für sehr guten Straßenkontakt, wird auf schlechten Wegstrecken aber nicht gerade als angenehm empfunden. “Doppelstock-Volks-Porsche,” witzelt mein Freund Peter. - Soweit mir bekannt, wurden bei Crash-Tests überdurchschnittlich gute Werte erzielt. _ Bedienungsanleitung: Verständlich und umfangreich, jedoch nervend, weil einheitlich erstellt für die ganze A-Baureihe. Ärgerlich, wenn man sich beim Lesen immer erst fragen muss: Hab’ ich dieses oder jenes Detail nun oder nicht. Manchmal hilft’s nur, im Auto nachzusehen. Das muss nicht sein, ihr Poeten vom guten Stern auf allen Straßen! Schon mal was von Computern und Datenbanken gehört...?
* * * * * * *
Die “Classic“-Variante ist die Grundausstattung, bei der man leider an einem Funk-Schließsystem gespart hat zugunsten der üblichen elektrischen Zentral-Verriegelung. Weitere Ausstattungs-Pakete stehen aber zur Verfügung. - Ich hasse jedoch solche Pakete, da sie nur 1/3 Nützliches, 1/3 Überflüssiges und 1/3 modisch Albernes enthalten. - Ratsam ist als Extra aber die Klimaanlage; trotz wärme-dämmender Scheiben heizt sich bei Sonneneinstrahlung das Innere schnell auf, da rundherum sehr viel Glas verbaut wurde.
Da das Auto recht hoch ist, werden als Fahrradträger neben dem üblichen Dachträger zwei Heckträger-Typen angeboten. Einer wird - in bekannter Weise - an eine Anhängerkupplung montiert, die natürlich erst mal vorhanden sein muss. Außerdem wird ein zweites beleuchtetes Nummerschild benötigt, weil das am Fahrzeug befindliche Schild durch die Fahrräder verdeckt wird. - Der zweite Typ, für den ich mich entschieden habe, ist recht pfiffig: Über zwei Haken an der Hecktür und zwei Winkel am Nummernschild wird eine aufklappbare Halterung angebracht für 1 bis 2 Fahrräder. - Mit Lösen von nur 4 Schrauben kann die ganze Halterung leicht und schnell abgenommen werden. Diese Halterung bringt die Fahrräder in eine etwas höhere Position, das Nummernschild wird somit nicht verdeckt. Preis: um DM 450,-- * * * * * * *
“Das muss Dich ja ungeheuer beruhigen, einen Wagen zu fahren, der technisch gerüstet ist, einem plötzlich auftauchenden Elch auszuweichen,” spottete Peter, “hat sich der Fahrer denn auch schon dem Elch-Test unterzogen, heh...?” Und Luise ergänzte gleich: “Ja-hahaha, das muss sein! - Und dann wird aus dem flotten Hirsch von einst ein behäbiger, griesgrämiger, grauer Elch... Buuhhhh!” - Auch tiefsinniger Charme, aber eben der einer Frau.
“Würdest Du Dir dieses Teil da wieder kaufen?” wollte Peter mit einem abfälligen Wink auf meinen mondsilber-metallic-farbenen Mercedes A 160 wissen. - So eine Frage wäre eigentlich keiner Antwort wert gewesen, aber man versteht ja Spaß... “Ja, würde ich. Aber dann den neuen um 18 cm längeren Typ. Hat hinten mehr Platz, wirkt wesentlich größer und hat einen günstigeren Radstand, - vielleicht dadurch auch eine angenehmere Federung. - Ansonsten, Peter, Du wirst es kaum glauben: ich bin mit dem Auto zufrieden. Ein treuer, zuverlässiger, wandlungsfähiger Alltags-Knecht, der meiner Fahrweise bisher klaglos widerstanden hat.”
“... was ja wirklich etwas heißen will,” gab Peter nickend zu. “Nur eines”, gab ich zu bedenken, “ich schaue öfter als früher hinauf zum Mond und bin stets irritiert: wo finde ich dort oben die Farbe meines Autos? - Mondsilber-metallic...”
* * * * * * * Wer mehr über “mein” Auto lästern möchte, der schaue nach unter: www.elchi.de . Besonders geeignet zum Ärgern von A-Klasse-Fahrern sind dort die Elchtestjokes. Viel Spaß... Doch wundert Euch nicht, zufriedene Elch-Fahrer halten das locker aus...
© Lambertus, August 2001
PS.: Der fehlende Bewertungspunkt ist vornehmlich wegen der harten Federung.
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27.03.2010 20:30
Tolles Auto und super Bericht ! ----- Maria ---
26.03.2007 10:00
Ich fahre selbst eine A-Klasse und finde es ist ein super Bericht.
31.01.2002 21:50
Ein informativer und doch zugleich nicht trockener Bericht, der wirklich gut zu lesen ist. CU Winterfuchs