Ein Elch zum knutschen
08.12.2002
Pro:
Vielfältige Ausstattung, solide & praktisch
Kontra:
Teures Zubehör, eingeschränkter Komfort
Empfehlenswert:
Ja
 heiligenschein
Über sich:
Mitglied seit:01.09.2002
Erfahrungsberichte:5
Vertrauende:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 43 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wozu ein weiterer A-Klasse-Erfahrungsbericht? Um aufzuzeigen wie folgende Problemstellung elegant gelöst werden kann und was mich bisher an der Kiste gefreut oder auch geärgert hat: Gesucht war ein kompakter aber geräumiger Zweitwagen, der wirtschaftlich und zuverlässig ist und eine zeitgemäße Sicherheitsausstattung bietet. Nicht zu teuer sollte er sein (unter 15.000 EUR) und möglichst neuwertig. Ach ja und ein Diesel wäre nett: Langlebig, günstig im Verbrauch, i.d.R. wartungsarm und mit guten Chancen beim Wiederverkauf. Und flott bewegen kann man die Teile ja auch (Stichwort: „Drehmoment“) Und bitte mit Sitzheizung denn ich habe keine Garage und der nächste Winter kommt bestimmt.
10 lange Jahre hatten meine Frau und ich viel Freude an unseren beiden Citroen AX Diesel. (vielleicht sollte ich da mal einen separaten Bericht schreiben – ist jemand interessiert?) Nachwuchsbedingt haben wir einen AX letztes Jahr gegen einen Kombi eingetauscht und der zweite war schon seit langem meinem Schwager zum 18. Geburtstag versprochen worden – und der war vor drei Monaten. Also habe ich angefangen die Angebote zu vergleichen: Unter 10.000 Euro konnte ich gar keine befriedigende Lösung finden. (Über die Erfahrungen mit einem weißen 99er Polo ohne Klima aus Leasing- / Mietfahrzeugbestand soll mal jemand berichten - ich wäre sehr interessiert)
Nachdem ich mein Anliegen einigen Verkäufern vorgetragen hatte, war ich eigentlich schon ein wenig frustriert: Sollte ich wirklich 17.000 EUR für einen A3 Jahreswagen mit 80.000 km ausgeben oder für knapp 12.000 EUR einen Basis Polo (EU-Neuwagen) mit drei Zylindern Benzinmotor ohne alle Extras erwerben? Die Wahrheit mußte in der Mitte liegen! Ich habe schließlich einen 170 CDI-Klassik, Erstzulassung 10/2000 mit knapp 9.000km erstanden und 14.600 EUR bezahlt. Gefunden habe ich das gute Stück im Gebrauchtwagenzentrum der Mercedes Niederlassung Frankfurt/Offenbach wo ich ebenso zuvorkommend beraten wurde wie in Bad Homburg beim Mercedes-Vertragshändler wo ich nicht fündig wurde. In vielen anderen Autohäusern (und ich habe einige abgeklappert von Alfa bis VW) kam ich mir zum Teil wie ein Bittsteller vor. Natürlich sind die wirklichen Schnäppchen eher selten. Wenn der Preis richtig günstig ist, kann man davon ausgehen, das irgend ein Grund dafür vorliegt (Vorschaden oder viele Vorbesitzer...). Was beim kleinsten Mercedes interessant ist sind die vielfältigen Aussattungsvarianten bei den Gebrauchten. Gerade Extras wie z.B. eine Sitzheizung ist in vielen Fahrzeugen drin, Klima sowieso (Aber sucht mal ´nen Seat Leon oder Peugeot 206 mit Popowärmer...) In meinem Fall kann ich noch einen Campinganhänger kaufen, denn auch eine Anhängerkupplung war mit dabei (offensichtlich noch nie benutzt!) Über den Grünkeil in der Frontscheibe kann man geteilter Meinung sein aber ich finde ihn nützlich. Die elektrischen und beheizbaren Außenspiegel sind serienmäßig und sollten hier der Vollständigkeit Erwähnung finden.
Nun aber zu den praktischen Erfahrungen mit dem Baby-Benz: Zunächst mal die Kostenseite: Unerfreulich sind die Kosten für die Kfz-Steuer – 234 EUR. Bei der Versicherung ist die Einstufung recht günstig. Und außerdem kommt der kleine mit 5,5 Litern Diesel aus (bei moderater Fahrweise). Richtig gestaunt habe ich über die Preise für Zubehör: Ein Plastikteil zur Montage einer Halterung fürs Handy (nennt sich Telefonkonsole) kostet über 60 EUR und die Nachrüstung eines CD-Wechslers passend zum original Mercedes Cassettenradio (Audio 10) sollte inkl. Montage um die 1.200 EUR kosten. Zu empfehlen ist eine Plastikwanne für den Kofferraum (Originalteil 50 EUR). Ach ja, und ein Satz original Mercedes Schonbezüge für die Sitze sind für etwa 350 EUR zu haben – Noch Fragen? Die Alufelgen habe ich gleich von der Wunschliste gestrichen... Nun aber rein in die Kiste: Mit einer Fernbedienung für die Zentralverriegelung läßt er sich leicht öffnen: Mein Elch ist außen schwarz und innen „petrol“ (ich würde das Jacobs-Krönung-Light-grün nennen). Eine hübsche aber nicht unproblematisch Kombination: Auf dem Schwarzen Lack sieht man jeden Fingerabdruck und die hellen Sitze sehen schnell angeschmutzt aus. Die Sitze sind nach meinem Gefühl recht straff und ich habe ehrlich schon bequemer gesessen. Aber man hat reichlich Kopffreiheit und einen guten Überblick. Auch große Limousinen erscheinen an der Ampel irgendwie „tiefergelegt“ und man hat in keinem Fall das Gefühl in einer 90PS-Keksbüchse zu sitzen. Auch hinten sitzt es sich gut aber straff. Es gibt 5 Kopfstützen, wobei die mittlere einen Platz unter den Sitzen hat, wenn Sie nicht gebraucht wird, was die Sicht durch den Rückspiegel verbessert.
Der Blick nach vorne läßt nur erahnen wo die Stupsnase aufhört – aber mit der Zeit bekommt man Übung. Das Ein- und Ausparken ist wirklich easy. Die Rücksitze sind sehr variabel: Sie lassen sich verschieben (vor und zurück wie die Vordersitze) um entweder den Fußraum oder den Kofferraum zu vergrößern. Man kann sie 1/3 zu 2/3 umlegen oder ganz einfach ganz rausnehmen. Der Kofferraum kann so zwischen 350 und 1750 Litern variiert werden.
Mein erster Griff nach dem Anlassen den Motors gilt in aller Regel dem Radio. Das Audio 10 CC (mit Cassette) und RDS ist aus dem Hause Becker und hebt sich im Design wohlwollend von den blinkenden Ungetümen mit 1.000 Knöpfen und Schaltern ab. Es ist leicht zu bedienen und hat einen super Empfang. Der Klang eher durchschnittlich aber nicht wirklich schlecht; das Gerät ist mit über 400 EUR in der Zubehörpreisliste notiert. Ein Audio 10 CD (mit CD Spieler) bekommt man bei ebay zwischen 150 und 250 EUR – umrüsten geht in etwa 30 Sekunden (wenn man die Entriegelungshaken hat!!!). Eine andere Variante ist: Alles raus und neue Boxen, einen Verstärker und ein neues CD Radio + MD Wechsler. Platz ist genug da nur mit dem Selbsteinbau wird es schwierig, denn es ist nicht eben leicht die ganzen Plastikteile zu demontieren (Trittleiste, Seitenverkleidung der Türen usw.). Schnell ist da mal ein Plastiknippel abgebrochen. Wer hier nicht genau weiß ob gezogen, gedreht oder gedrückt werden muß sollte die Finger weglassen. Wie fährt er sich nun? Die Gänge lassen sich leichtgängig schalten und über 3000 Touren muß man eigentlich nicht gehen – mehr als 4500 Umdrehungen pro Minute sind eh nicht drin und dann wird er auch brummig, der Elch! Die Autobahn ist nicht so sehr sein Revier obwohl eine Reisegeschwindigkeit von 160 km/h durchaus ohne Gehörschaden möglich ist und auch an Steigungen kommt man ohne Zurückschalten aus. Den Heizern jenseits der 180 Sachen muß man dann eben Platz machen – das ist eine andere Kampfklasse. In der Stadt und auf der Landstraße ist die A-Klasse in ihrem Element. Das Fahren ist mühelos und streßfrei mit den 66kw (90 PS) kann man flott vorankommen. Meiner Meinung nach macht es einfach Laune das Teil zu bewegen. (Unser A6 TDI mit 140PS geht ganz klar besser aber da muß man hefig aufs Gas latschen um die träge Masse ins Rollen zu bringen der Mercedes ist einfach Leichtfüßiger und wenn ich auf dem Parkplatz stehe mit 2 Schlüssel in der Hand gehe ich lieber zum Benz)
Die Verarbeitung macht einen recht ordentlichen Eindruck und es gibt keinerlei Klappergeräusche auf unebenen Wegen. Die Federung in Verbindung mit den Reifen im Format 195/50 R15 macht dabei einen etwas rustikalen Eindruck. (Bisher habe ich vor allem Wagen französischer Bauart bewegt, vielleicht kommt mir das deshalb alles etwas härter vor?!?) Wer von der Ampel zu schnell beschleunigt oder zu forsch in der Kurve geht den gemahnet eine Warnlampe zur Vorsicht wenn ASR (Anti Schlupf Regelung) oder ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) bremsend eingreifen. Ein Stück Sicherheit im Fall der Fälle das in der A-Klasse zum Standard gehört (seit dem besagten Elchtest anno 1997). Die Fahreigenschaften sind also ziemlich nah am Prädikat „Narrensicher“ aber über die Gesetze der Physik kann man sich auch mit den elektronischen Helfern nicht hinwegsetzten – irgendwann ist diese Sicherheitsreserve auch aufgebraucht. Wer sich bevormundet fühlt sollte ein anderes Fabrikat in Erwägung ziehen und ggf. seine Lebensversicherung erhöhen. Der Bremseingriff erfolgt recht sanft und unspektakulär aber ich habe auch keinem wirklichen Extremtest durchgeführt und möchte das weder dem Auto noch mir zumuten. Zwei Airbags waren serienmäßig, die Windowbags kosteten Aufpreis. Die Urteile in den Chrashtests waren meines Wissens nach recht gut ausgefallen.
Der Blinkerhebel ist recht klobig und will mit Nachdruck bewegt werden. Das Fehlen einer Temperaturanzeige finde ich in dieser Preisklasse unangemessen – hoffentlich ist der Motor nicht bereits überhitzt wenn die entsprechende Warnlampe angeht. Auch die kombinierten Anzeigen sind für mich ein Indiz fürs Sparen an der falschen Stelle: Man kann nur entweder den Gesamt-Kilometerstand oder den Tageskilometerzähler sehen und das gleiche gilt für die Uhrzeit und die Außentemperatur. Das Lenkrad ist griffig und die Servolenkung macht das Auto super handlich. Das eine Lenkradverstellung Extra fehlt finde ich schade. Die Vorglühzeit ist vernachlässigbar und der Motor läuft ruhig auch mit Klimaanlage, die standardmäßig angeschaltet ist. (Bei vielen Autos geht die Motorleistung merklich zurück wenn die Klimaanlage läuft) Ich bin ja kein Anhänger der Kaltluftgebläse, da man sich schnell einen Schnupfen einhandeln kann – aber meine Erfahrungen bisher sind überraschender Weise positiv: Es zieht nicht eisig und man kann den Luftentfeuchter separat steuern. Klimaanlage ist offensichtlich nicht gleich Klimaanlage! Apropos prima Klima: Noch erwähnenswert ist der Zuheizer, der bis zu einer Kühlwassertemperatur von 70°C dafür sorgt, das man im Winter nicht stundenlang im Kalten sitzt. (Moderne Diesel sind da ziemlich lahm und durch diese Zusatzheizung soll dieser Nachteil kompensiert werden – klappt nach meinen Erfahrungen der letzten kalten Tage recht zufriedenstellend). Noch was? Ach ja das Licht ist meiner Meinung nach ausgezeichnet, eingeschlossen die Nebelscheinwerfer!
Als Literaturhinweis kann ich noch folgendes anführen: Ein recht nützlicher Bericht zu gebrauchten A-Klasse Fahrzeugen war in der „Auto Bild Nr. 30 vom 26. Juli 02. Noch was zur Außenwirkung: „Ein Elch!?!“ rief meine Mutter halb amüsiert und halb neugierig aus und grinste mich an. Ausgerechnet eine A-Klasse sollte es sein? So reagieren zunächst die meisten, denen ich von meinem Neuerwerb erzähle. Aber dann kommt die Neugier durch und wenn man dann die ganze Geschichte erzählt, erntet man so etwas wie Zustimmung: Ja ein adrettes Auto – kein protziger Sternträger aber jede Menge Auto auf knapp dreimetersechzig Länge. Und fast überlege ich den Kombi zu verkaufen, denn meine Frau meint der würde für Sie und das Kind völlig reichen – ja aber womit soll ich dann zur Arbeit fahren bitte sehr? Soll ich etwa noch ´nen Elch kaufen???
Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren!
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12.06.2004 20:58
Hey, ein guter, informativer Bericht. Ich liebeäugle schon seit längerem mit dem kleinen Benz und da sind mir die "unabhängigen Berichte" einfach am vertrauenswürdigsten.
30.01.2004 11:16
Eing toller Bericht! Danke!
19.04.2003 13:00
Doller Bericht, der sich angenehm list. Gruß Hope0815