Mercedes SLK (neu) - 3 Sterne für den Stern
01.07.2004
Pro:
Design, Variodach, Technik
Kontra:
Verbrauch
Empfehlenswert:
Ja
 madfly
Über sich:
Mitglied seit:14.06.2002
Erfahrungsberichte:65
Vertrauende:9
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 36 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
SIXT hatte ein Einsehen und gewährte uns den neuen SLK 200 als Mietwagen. Der Test erfolgte zwischen Hamburg und Berlin. (1) Design
Kurz: Ist schon ok! Dem neuen SLK wurde im Bereich der Motorhaube eine Falz a la McLaren Mercedes Formel I eingezogen, die in einem doch auffälligen Stern endet. Der Kofferraum-Bereich wurde dem Design des SL angelehnt, und kommt sportlich-dynamisch daher (herrlich, wie man doch in die Benutzung der Begriffsschablonen der leicht beschränkten Fachpostillen abgeleitet!). Die aufgesetzte Antenne sieht etwas dürftig aus und erinnert eher an die Gummistäbe, die man aus Frustration manchmal bei alten Polos aus der Verankerung schraubt. Der Einstieg des Wagen liegt relativ tief bzw. der Schweller relativ breit und im Sitzen hoch, so daß man das Bein eher nicht lahmend nachziehen sollte, sondern beschwingt a la Joppi Heesters selig in die Höhe reissen sollte (sonst zerkratzt man den schönen Mercedes Schriftzug auf dem Schweller; wär doch schade!). Um das Außendesign abzuschließen: Wer Probleme hat ne Frau zu finden und nun alles versucht hat von Singlekochen bis Sackhüpfen für Alleinstehende, der sollte es als letztes Mittel mit dem SLK versuchen. An Ampeln in der Innenstadt haltend sowohl von Hamburg als auch von Berlin, sahen die Mädels angesichts der McLaren-Nase doch genauer auf den Wagen (!). Von da aus läßt sich aufbauen, klappt es immer nich nicht, kann man den SLK mit der McLaren-Nase immer noch an den nächsten Brückenpfeiler lenken!
Im Inneren erinnert der SLK von den Türverkleidungen an den TT. Die Ausstattung im Testwagen war leichtmetall mit plasteveredlungen. Die Armablagen an den Türen sind angenehm ergonomisch gestaltet, so daß man tatsächlich während der Fahrt den Arm ablegen kann ohne nach 20 Minuten den Ameisenkrieg einer mittleren Durchblutungsstörung zu empfinden. Das Lenkrad ist kleiner; aber sonst Benz-Standard mit den üblichen 4 Multifunktionstasten, die (1) belastbar erscheinen und (2) anders als bei anderen Wagen der Luxusklasse logisch illustriert (Menü = mehrere hintereinandergelegte Seiten! Macht Sinn, oder?!) Mit den Tasten kann man das im Armaturenbrett liegende Display ansteuern. Dies wurde im SLK allerdings in 2 kleinere Displays zersplittert; eines oben, eines unten, was leider deren Einsatz und Sichtbarkeit erheblich einscränkt im Vergleich zu anderen Benz-KLassen. Die Zersplitterung ist bedingt durch den Drehzahlmesser und den Tacho die wie Betonröhren aus dem Armaturenbrett streben. Hier kriegt "in die Röhre gucken" eine neue Bedeutung. Leider nicht so prall! Soll aber sportlich wirken. Im Display werden so nette Funktionen wie der Navi-Wegweiser, Radio, Temperatur außen, innen, unten, oben, rechts, links, etc. angezeigt, Störungen, Bordcomputer, Geschwindigkeit, etc. etc. etc. Insgesamt alles relativ logisch in Menü-Sets zusammengebündelt. Die Temperaturregler auf der Mittelkonsole ebenfalls in Metallic-light und analog zum Design der neueren E-Klasse. Da der SLK ein 2-Sitzer ist, gibt es entsprechend auch 2 Temperaturzonen. Die Stärke des Gebläses wird allerdings durch die Stärke der Fahrenden determiniert: wer sich durchsetzt bestimmt die Beblasung des Unterlegenen! Radio über dem Gebläse ebenfalls analog zur E-KLasse mit Tastenblock, großem Display in Multicolor (dieses wechselt auch automatisch zwischen Nacht-und Tagmodus, wenn man bspw. in einen Tunnel fährt: kurz: Tags weiß, nachts blau). Was im Vergleich zur E-KLasse leider fehlt ist die Möglichkeit das Gebläseventil auf der Beifahrerseite von der Fahrerseite aus zu öffnen / schließen durch die Anbringung der entsprechenden Räder in der Mitte statt an den Seiten. Man muß sich also sportlich-schnittig über die Mittelkonsole beugen und den Arm ausrenken, um zum Beifahrerventil rüberzulangen. Auf der Mittelkonsole befinden sich die Schalter für die elektrischen Fensterheber, sowie ein Schalter, der zunächst Rätsel aufgibt sich dann aber zum Einklappen der Außenspiegel geeignet erweist. Praktisch, wenn man im Parkhaus nicht Pfeiler rasieren will oder doch versucht in engen STraßen sich gegen den Gegenverkehr durchzusetzen. Neben diesem Schalterblock ist der Hebel für das Öffnen des Variodaches. Daneben befindet sich in der Mittelkonsole das Daimler-übliche Ablagefach, wobei die Abdeckung als Armablage rechts dient. Die Sitze sind für sportlich-schnittige Menschen gedacht; gute harte Lederpolsterung mit hohen Seitenwulsten, so daß man im Sitz hängt wie einbetoniert.
(2) Variodach, Navi & Radio Hauptwitz des SLK ist das Hardtopdach, dass sich im Kofferraum versenken läßt in Haste-nicht-gesehen-kurzen Sekunden.
Nach dem Einschalten der Zündung und dem Zurückziehen des entsprechenden Hebels auf der MIttelkonsole verschwindet das Dach in kurzer Zeit im Kofferraum. Dazu ist allerdings vorher eine entsprechende Abdeckung im Kofferaum zu schließen durch einfaches nach vorne ziehen. Früher war dies beim SLK eine Matte mit Metallstiften, die genau aufliegen mußten in den Fugen sonst war ncihts mit Dach-offen! Die Abdeckung heute ist eine Hartplastehaube, so daß man definitv nichts falsch machen kann. Diese dient zugleich als Schutz des darunterliegenden verbleibenden Kofferraums. Eine Aktentasche oder ein Kasten Bier passen da schon noch rein; ein Kinderwagen nur bei Extremstkleinwüchsigen mit Kinderwagenspezialanfertigung! Das Display im Armaturenbrett zeigt jeweils den Verlauf der Dachversenkung an (sowie mögliche Störungen, wenn man z.B. die besagte Abdeckung im Kofferraum nicht geschlossen hat). Dachversenkungen machen ob ihrer Einfachheit und Schnelligkeit durchaus einen gewissen Spaß, so daß man eigentlich an jeder Ampel das Dach aufmachen will, um es an der übernächsten Ampel wieder zu schließen. (Für die Übriggebliebenen: Da schauen erst die Frauen! Auch die 70-jährigen mit Pudel!!). Kurz: Dies ist eine INvention, die Benz durchaus von der Konkurrenz abhebt. Das Navigationssystem ist der E-KLasse entlehnt. Ob es Standard ist oder ob demnächst auch Wagen mit dem fiesen Navi von Becker/VDO auftreten, wissen wir nicht. In dem Benz-Navi sind die Ziele aber bequem einzugeben über die Pfeiltatsten des separaten Tastenblocks rechts neben dem Display. Zudem waren auf der CD Sonderziele enthalten, die allerdings relativ eingeschränkt sind im Vergleich zum VDO-Navi. Angenehm ist die Vorhersage von mehreren Schritten bei Vielfachverzweigungen wie sie sich gerade bei AB-Kreuzen finden. Das Radio überzeugt ebenfalls durch guten Sound, wobei die Bässe in den höheren Stufen eher die Verkleidung strapazieren und leicht überdrehen. Aber für den Durchschnittsvolksmusikhörer ist sowieso die Höhe entscheidend damit glockenhell dem Heintje sein Zäpfchen vibrieren hören kann!
(3) Fahrspass & Verbrauch Der Verbrauch ist für so eine kleine Karre wie den SLK pervers hoch. Auf Autobahn wurden ca. 11 Liter verbraucht; das Display zeigte für den Langzeitverbrauch der Vorgänger einen Durchschnittsverbrauch von ca. 10.5 Liter an. Kurz: Ein Sparbrot ist der Wagen nicht!
Angesichts der Motorisierung (der 200er scheint der kleinste SLK zu sein) mußte man auf der Autobahn schon drauftreten, um den SLK auf die Höchstgeschwindigkeit von 230 hochzufahren. Bergab erreichte er sogar 240 ohne daß der Drehzahlmesser ins Rote geraten wäre. Bei höheren Geschwindigkeit fängt der SLK aber an zu eiern. Dies kann an der erhöhten Windgeschwindigkeit gelegen haben, die an diesem Tag herrschte, aber von einem relativ tieffliegenden Wagen würde man so ein Eiern und Abheben nicht erwarten. Kurz: Ab 220 sollte man das Lenkrad dann doch nicht mit einem Finger sondern vielleicht eher mit 3 Fingern pro Hand festhalten; nur für den Fall das neben Wind auch noch ein McLaren-Nase-interessiertes Rotwild sich auf der Strecke einfindet. Im Stadtverkehr spricht der 200er aber durchaus direkt an (d.h. man tritt aufs Pedal an der Ampel und läßt ein paar der anderen schnell zurück). Allerdings fiel bei dem Benziner eine gewisse Lautstärke des Motors auf, die aber wohl als sportlich gilt und deswegen wahscheinlich so gewollt ist. Ebenso direkt funktioniert die Lenkung, angesichts des kurzen Autos auch kein Wunder. Einparkhilfe gab es in dem vorliegenden Wagen nicht; angesichts des kurzen Hecks aber auch nicht zwingend. Die Fenster vorne und hinten erscheinen ausreichend; allein der Rückspiegel sollte ggf. etwas funktionaler und größer sein, statt modetechnisch oval und fieselig klein daherzukommen. (4) Platz
Im Kofferraum läßt sich mit Mühe auch bei geschlossenem Variodach maximal eine Reisetasche unterbringen. Das deutet schon darauf hin, dass der SLK ein reiner Spasswagen ist. Auch das Innenraum-Platzangebot ist eher beschränkt, da hinter den Sitzen keine weitere Sitzreihe mit entsprechendem Fußraum mehr kommt. Reisen sind mit diesem Wagen allenfalls für Singles möglich, sofern man den KOffer auf dem Beifahrersitz transportiert; diesem könnn aber besonders Einsame vielleicht doch noch den einen oder anderen Witz erzählen, wenn denn noch doch kein Mädel Bock auf die McLaren-Nase haben sollte. (5) Preis, technische Details & Schnickschnack
Keine Ahnung. M.E. so um die 60.000 EUR. Kann sich aber jeder selber auf der Benz-Homepage runterladen. Ebenso die technischen Details für die Technik-oder Autoquartett-Freaks ("Opel Trumpf sticht!") bzw. für die tatsächlich Konsumorientierten die Sonderausstattungsliste. (6) Fazit
Wer nicht mehr zu transportieren hat als seinen Sittich Hansi oder einen Kasten Bier oder ..., der kann auf den SLK auch im Alltagsgebrauch zurückgreifen. Ansonsten ist dieser Wagen ein reines Spassfahrzeug zur Ausfahrt über Land. Der Verbrauch erscheint unagemessen hoch, was aber jemanden, der sich den SLK als Spassfahrzeug zulegt, nicht jucken sollte. Die Verarbeitung des Wagens macht einen guten Eindruck, ebenso fallen keine Billigplasteteile auf oder ein übermäßiger Einsatz von Billiggummi (wie z.B. in Alfa Romeos). Die Technik (Variodach, Außenspiegeleinklappung, etc.) ist ein definitiver Pluspunkt.
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05.09.2009 00:19
Zitat: "Kurz: Dies ist eine INvention, die Benz durchaus von der Konkurrenz abhebt." Das stimmt so nicht:, denn das hat Honda mit seinem CRX del Sol schon ein halbes Jahrzehnt früher gemacht. Und preiswerter. War aber trotzdem unterhaltsam zu lesen.
12.03.2006 16:31
Deine eigene Erfahrung fehlt irgendwie. Wie ich weiß ist die Beschleunigung mit Automatik nicht schlecht und ich hab trotz flotter Fahrweise 9,5 Liter Durchschnittsverbrauch. Gruß G-Sun
01.07.2004 19:06
Wie schon gesagt: sehr nett und kurzweilig geschrieben. Mir fehlen sehr wichtige Details wie die Kritikpunkte am Vorgängermodell, z. B. Lenkung und Schaltung (war es überhaupt ein "Handschalter" oder ne Automatik, oder hab ich das überlesen? ;-) Dass die Betriebskosten nicht abgehandelt werden, ist ja klar, wär aber bei einem Pkw-Erfahrungsbericht schon sehr wichtig. Anmerkung am Rande: Dass Du den Durchschnittsverbrauch von 10,5 l als "pervers hoch" empfindest, kann ich ja nun gar nicht nachvollziehen. Bei einem Mietauto, das erfahrungsgemäß von den lieben Kunden sowieso "geprügelt" wird ("ist ja nicht meiner") und noch dazu überwiegend wie in Deinem Fall auf der Autobahn gefahren wird (und die Höchstgeschwindigkeit hast Du ja offenbar getestet :-)) halte ich das in Anbetracht der Motorstärke und der Kompressor-Aufladung für absolut angemessen. Die Zahl der Sitze ist dabei nun völlig wurscht. Ein in etwa vergleichbarer MINI Cooper S ist bei entsprechender Fahrweise auch kein Sparwunder.