Erfahrungsbericht über

Merrick / Anne Rice

Gesamtbewertung (4): Gesamtbewertung Merrick / Anne Rice

 

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Voodoo und Blut? - oder: Vampire treffen auf Hexen

5  15.09.2006

Pro:
der Schreibstil, Merrick, einzelne Darbietungen der Charaktere

Kontra:
es sind nur 447 Seiten ; - )

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Stil

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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EvilEye

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 286 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo und herzlich willkommen zu einem weiteren, neuen Bericht aus dem Hause EvilEye!

Ich habe nun wieder ein wenig überlegen müssen, worüber man denn so schreiben kann, dabei hielt ich es jede Nacht in der Hand, was einem Bericht würdig wäre. Mein aktuelles Buch, was ich letzte Nacht zu Ende gelesen habe. Doch lasst mich noch einen Schritt zurück gehen, und Schritt für Schritt hier alles durchgehen.

1.) Zu Anne Rice
2.) Hardfacts zum Buch und Umschlagtext
3.) Das Cover
4.) Zusammenfassung des Inhalts
5.) Die ausschlaggebenden Figuren
6.) Leseprobe
7.) Eigene Meinung

1.) Zu Anne Rice

Anne Rice ist in den USA schon seit längerem eine sehr bekannte Autorin, die mittlerer weile auch in Deutschland sich einen Namen verschafft. Durch Bücher wie "Interview mit einem Vampir" und/oder "Memnoch der Teufel" ist sie wohl bekannt unter den Anhängern der Dunkelheit und Rollenspielern.

Anne Rice ist 1941 geboren und lebt in New Orleans. Im Jahre des Herren 2001 ist ihr Mann gestorben, doch zuvor war sie glücklich verheiratet und hat einen Sohn. 1976 hat sie ihren ersten Roman (Gespräch mit einem Vampir) veröffentlicht, der sowohl als Buch, als auch als Film zum weltweiten Erfolg wurde. Amüsanter Weise lässt sich noch anmerken, dass Anne Rice, bevor sie mit den Vampirchroniken angefangen hat, eine begnadete Autorin für homosexuellen Romane war. Was ich daran amüsant finde? Man merkt es teilweise doch sehr in den Büchern, wenn Lestat z.B. seine Gedanken über einen Mann niederschreibt, der ihm gefällt.

Bislang verfasste Anne Rice viele Chroniken, die Vampirchronik ist nur eine der vielen!

Neulich musste ich in einer Buchhandlung feststellen, dass Anne Rice auch andere Bücher geschrieben hat. Ich hielt an der Kasse das Buch "Merrick" in der Hand, als die Kassiererin mich ansah und meinte "Guter Geschmack". Sie deutete mir dann auf ein anderes Bücherregal, wo noch weitere Bänder von Anne Rice stünden würden, allerdings aus einem ganz anderen Bereich, und zwar dem Bereich Erotik. Davon nahm ich dann aber doch Abstand ;)

2.) Hardfacts zum Buch und Umschlagtext

Titel original: Merrick
Erscheinungsdatum: Juli 2005
Autorin: Anne Rice
Verlag: Fischer
ISBN: 3-596-15336-0
Stil: Roman
Neupreis: 8,90 €
Auflage: dritte Auflage
Seitenanzahl: 447

Kommen wir mal zum Umschlagtext:

"Vampire - voller Sinnlichkeit und Erotik

So unsterblich sinnlich können nur Vampire sein: Die Lebens - und Liebesgeschichte dieses attraktiven Blutsaugers reicht von Venedig der Renaissance bis in die Gegenwart. Eine schwere Prüfung für Vampir Louis Pointe de Lac, den Helden aus Interview mit einem Vampir: Kann er sich durch Voodoo-Zauber von einer alten Schuld befreien? Und das ausgerechnet mit der verführerischen Mayfair-Hexe Merrick? Louis nimmt das Risiko auf sich..."

Es geht hier also um das Buch Merrick, in dem - wie im KP und in dem Titel angedeutet - zwei Chroniken von Anne Rice aufeinander treffen. Zum einen haben wir die uns nur zu bekannte und von mir geliebte Vampirchronik, und zum anderen die Hexensaga von Anne Rice, von der ich bislang eine weniger gute Meinung hatte. Wir kennen aus Filmen wie "Underworld" schon die heikelsten Zusammenkünfte: Vampire und Werwölfe, Vampire und Fledermäuse, Vampire und Menschen ... Aber Vampire und Hexen? Das kam mir eigentlich so direkt noch nicht in den Sinn. Aber es gab etwas anderes, was mich extrem angelockt hat, als ich durch meinen Buchhändler des Vertrauens gelaufen bin ...

3.) Das Cover

Eben das ist der ausschlaggebende Punkt gewesen, warum mir das Buch "Merrick" in die Hände gefallen ist. Nicht der Titel, nicht die Autorin, nein, einfach der Fakt, dass das Cover extrem düster und verlockend aussieht. Ein kleines Bild vom Cover hängt im Dateianhang des Berichts.

Hier in der Kategorie von Ciao ist das Cover der Erstauflage zu sehen, was ich dezent und langweilig finde. Die zweite Auflange weiß ich nun nicht, aber die Dritte, die ist einfach ergreifend, und meiner Meinung nach extrem fesselnd. Was ist zu sehen? Typisch sind die schlichten Schriftzüge "Anne Rice", der Titel - in diesem Falle "Merrick" und das Wort "Roman", doch dieses Cover hier ist meiner bescheidenen Ansicht nach das Beste, was je auf einem Buch von Anne Rice zu sehen war. Es ist das Auge und der rechte Wangenknochen von Merrick, den wir hier sehen. Ein düsteres, grünes Auge, welches einen schwarz geschminkten "Rand" besitzt.

Als ich durch den Buchladen gestöbert bin, sah ich das Regal von Anne Rice, und dort stach dieses Cover hervor, und ich wusste, ganz gleich wie schlecht das Buch auch sein möge, es muss in meinen Besitz kommen. Gollum würde wohl sagen "Mein Eigen, mein Reichtum,
Bilder von Merrick / Anne Rice
Merrick / Anne Rice Bild 21155304 tb
Das ist das Cover der dritten Auflage (ich find es extrem genial!!!)
mein Schatzzzzz"... aber ich belasse es bei "Mein Buch" ;-)

4.) Zusammenfassung des Inhalts

Es beginnt mit einem wie von Anne Rice bekannten Prolog, in dem sich der Geschichtenerzähler dieses Romans vorstellt. Dieses Buch ist ebenfalls eine Schöpfung des Vampirs David Talbot, ein ehemaliger Generaloberst der Talamasca. Mit den Worten - eigentlich auch traditionell von Anne Rice - "Mein Name ist David Talbot" beginnt der Prolog, und auch die Geschichte "Merrick". Wir erfahren durch die Worte von David, was eigentlich die Talamasca sind, obwohl wir diesen "Verein" schon zur Genüge kennen sollten. Die Talamasca leben nach der Philosophie:

"Wir wachen, und wir sind immer da"

Wir erfahren im Prolog die aktuelle Situation, die uns bereits bekannt sein sollte, aus dem Buch "Blut und Gold". Lestat ist noch immer total neben der Spur, nach seiner Reise durch Himmel und Hölle, geführt von Memnoch, dem Teufel. New Orleans war ein Schauplatz für jedwede Form von Vampiren, gleichgültig wie alt sie sind. Gerade nach dem Tod von Akasha, der Göttin der Vampire, die Mutter aller, war "die Hölle los", im wahrsten Sinne des Wortes. Es sind nur noch wenige der Vampire in New Orleans geblieben, und zwar der menschlichste Vampir aller Zeiten Louis, Lestat und David, der uns eben diese Geschichte erzählt. Allerdings hat sich etwas geändert, denn Louis ist von Sorge und Leid geplagt, nach dem Tod seiner Vampirtochter, Claudia. Er macht sich Vorwürfe, warum Sie denn gestorben sei, und er will, dass Ihr Geist Ruhe findet. Wie soll man dies bewerkstelligen? Es muss jemand her, der sich in den Kreisen der schwarzen Magie bestens auskennt, und jemand, der weiß, wie man Geister beschwört. Die Kunst der Voodoo Magie sei hier behilflich, und unser geliebter David, der einst in Brasilien die Kunst der Voodoo Magie lernte. Er weiß, wie man diese Dinge handhaben muss, und er weiß auch, wen man Kontaktieren kann ... Die Hexe Merrick muss also konsultiert werden, um den Geist von Claudia zu beschwören.

Und hier beginnt dann das erste Kapitel. Wir haben also einen Überblick über die aktuelle Situation bekommen, und nun befinden wir uns in der Gegenwart. Auch das erste Kapitel beginnt in einer direkten Ansprache, was meiner Meinung nach auch ein Merkmal von Anne Rice ist. "Warum bittest du mich um so etwas?", dies ist der erste Satz im ersten Kapitel. David und Merrick, die in der Gegenwart eine sehr reife Frau im Alter von rund 25 - 27 Jahren ist, sitzen in einem Café, und David bittet Sie darum, dass er den Geist vom Vampirkind Claudia beschwören soll, damit Louis mit Ihr nochmal reden kann, und damit Claudia so ihren Weg zum Frieden finden kann. Binnen des Gesprächs erfahren wir David seine Gedanken, wie er an alte Zeiten denkt, wie er darüber nachsinnt, wie damals, als er noch menschlich war, ein Kind Namens "Merrick" vor den Toren der Talamasca stand, und dort um Asyl harrte. David und sein Freund Aaron nahmen Merrick zu sich auf, und erfuhren so immer mehr über die Mayfair-Hexen, und deren Sippschaft. Dies sind aber alles nur Eindrücke, die uns die Gedanken von David erzählen. Merrick und David unterhalten sich eine Ewigkeit in diesem Café, bis dann Merrick sich total betrinkt, und David Sie in ein kleines, aber luxuriöses Hotel bringt. Dort lässt er sie hernieder ins Bett, und Sie schläft direkt ein.

Auf dem Weg nach Hause erlebt David allerdings etwas, was Ihm nur zu seinen menschlichen Zeiten einst in Brasilien widerfuhr: Geister suchen ihn heim. Dies macht ihn wahnsinnig, wollte er doch nur zu Louis, um Ihn auf dem aktuellen Stand der Dinge zu halten. Rasch bahnt sich sein Weg zurück zu Merrick, wo er dann auf einmal einen aufgebauten Voodoo-Altar auffindet. Merrick hat also David bewiesen, welche Macht und Kraft in Ihr steckt. Allerdings, bzw. vielmehr bedauerlicher Weise liegt Merrick noch immer im Schlaf versunken auf dem Bett, und David bekommt sie auf Gedeih und Verderb nicht zum Erwachen, um sie zur Rede zu stellen. Kurzer Hand beschließt er sich, blind zu Louis zu gehen, um ihm dort von den aktuellen Geschehnissen zu berichten. Kaum erreicht er sein Haus in New Orleans, geht dort der Spuck weiter. Er hört ein Klavierspiel von Mozart, dieses jene, welches Claudia bevorzugt gespielt hat, und er hört Vögel im Hintergrund aufkreischen.

Es stellte sich jedoch heraus, dass dies nur eine Einbildung war, hervorgerufen durch den Geist Claudias. David liegt hilflos und verwirrt am Boden, bis ihm dann die stützende Hand von Louis erreicht, und direkt beginnt David ihm die Geschichte von Merrick und Ihm zu berichten, wie alles angefangen hat, welche Macht Merrick hat, und wie es nun weitergehen soll. Auch offenbart er Louis, dass Merrick im Stande ist, den Geist von Claudia zu beschwören ...


.... an dieser Stelle möchte ich mit meiner Inhaltsangabe stoppen, denn nun befinden wir uns ca. am Ende des ersten Viertels des Buches, und die eigentliche Geschichte über Merrick beginnt nun. David erzählt nun in aller Ausführlichkeit die Erlebnisse mit Merrick, berichtet über die verführerischen Stunden mit Ihr und auch darüber, wie es nun weitergehen soll. Nach dieser Rekapitulation über Merrick beginnt dann das sekundäre Abendteuer des Buches: Die Beschwörung des Geistes von Claudia.

5.) Die ausschlaggebenden Figuren

~ Merrick ~

Merrick, der Titel des Romans ist wie der Charakter. Merrick, eine Hexe der Mayfair-Sippe. Über Jahrhunderte hinweg bewanderte sich diese Sippschaft in dem Bereich der schwarzen Magie und des Voodoo Kults, und reicherte so das Wissen und die Macht an. All dies liegt gebündelt in Merrick, ein kleines unschuldiges Mädchen, welches zu den Talamasca stößt. Sie weiß bescheid über ihre Kräfte, und dies zeigt sie auch oft.

In dem Buch "Merrick" wird sie zu Beginn als eine unschuldige, liebevolle Person dargestellt, die wortgewandt zu David und Aaron spricht. Durch Merrick erfahren wir als Leser allmögliche Dinge über die Mayfair-Hexen. Später stellt sich jedoch heraus, dass Merrick eine sehr verführerische, und auch reizvolle Frau ist, die gerne mit ihren Reizen spielt.

Mit David erlebte Merrick in Ihrer Jugend die meiste Zeit, und mit David zusammen wuchs sie (in jedweder Hinsicht) zu einer Frau heran. Viele Eindrücke, Erlebnisse und Gedanken erfahren wir in dem Buch "Merrick", so dass wir uns eine eindrucksvolle Meinung über sie bilden können.

~ David Talbot ~

David betitelt sich selbst als den Geschichtenschreiber unter den Vampiren. Es gibt niemanden, der mehr Zeit in die Geschichte und die Kultur der Vampire investiert, als David. Zu seinen menschlichen Zeiten war er ein alter Mann, der sein Leben für die Talamasca und das Übernatürliche gab. Nach einem tragischen Unfall, und nach dem Körpertausch von David wurde er durch Lestat zu einem Vampir gemacht, und nun ist er stark wie ein Hundertfaches von Menschen, und seine Erinnerungen reichen zurück über die Jahre, jedes kleine Detail erzählt er gerne.

Bereits zu seinen menschlichen Zeiten war er sehr weise, und extrem intelligent, so dass ihm eigentlich nichts in irgendwelche Verlegenheiten bringen kann. Auch als Vampir, mit seinen nun geschärften Sinnen, vermag er es, geschickt und rasch zu handeln, so dass ihm auch Merrick erneut zu Füßen legt. David strahlt eine Autorität ab, die ihm niemand absprechen kann, und auch nicht wird.

~ Aaron ~

Aaron ist eigentlich nur durch das Buch "Merrick" so richtig "groß rausgekommen". Er ist einer der wenigen Talamasca, die eine wichtige Rolle in der Chronik von Anne Rice spielen. Aaron war es, der ein Begleiter für Davids menschliche Zeit war. Aaron und David waren die Entdecker, die Spürhunde und die Weisen der Talamasca.

Allerdings hat Aaron nichts mehr von David gehört, seither David zum Vampir wurde. Dies quält David, als auch Aaron, da Aaron sterben musste, und sich dies nun David zum Vorwurf macht. Beide zusammen haben das damalige Kind "Merrick" groß gezogen.

~ Louis ~

Der menschlichste aller Vampire. Er ist geplagt von Sorge und Leid, von Kummer und Sehnsucht. Dies alles wegen seiner Vampirtochter, Claudia. Sie starb bereits sehr früh - im Verhältnis für Vampire. Louis hatte nicht einmal mehr die Zeit, sich von Claudia zu verabschieden, und dies plagt ihn am Meisten. Er gibt sich selbst die Schuld dafür, dass Claudia sterben musste - was natürlich nicht so richtig ist.

Louis ersucht die Hilfe von Merrick, die den Geist von Claudia beschwören kann, da er der Meinung ist, sie habe keinen inneren Frieden gefunden. Louis möchte Claudia dadurch die Möglichkeit geben, zum Frieden zu finden.

Wie er uns bereits aus Büchern wie "Gespräch mit einem Vampir" bekannt ist, so verhält er sich auch hier. Die Ruhe in Person, der Nachdenkliche, der Gentleman. Dies wird erneut sehr schön von Anne Rice beschrieben, und man empfindet tatsächlich stellenweise doch Mitleid mit Louis Pointe de Lac.

~ Die Große Nananne und Honey in the Sunshine ~

Diese beiden Namen sind ein Begriff für die Hexenreihe von Anne Rice. Beides sind große Namen in der Mayfair-Sippschaft. Honey in the Sunshine ist die große Schwester von Merrick, die uns in dem Buch "Merrick" beweist, welche eindrucksvolle Macht doch Geister haben können. Sehr reizvoll beschrieben wird in diesem Buch, wie sich Honey den Körper von Merrick "schnappt", und somit versucht, David und Aaron zu verführen.

Die Große Nananne hingegen ist die Tante von Merrick, aber mehr war sie die Lehrmeisterin, als eine Verwandte. Die Große Nananne lehrte Merrick alles über die Zaubersprüche, und durch eben diese Person erfahren wir in dem Buch auch weiteres über die Stärke der Mayfair-Sippschaft. Beide zusammen ergeben in dem Buch "Merrick" einen gewagten, aber auch interessanten Eindruck darüber ,was die Hexenreihe von Anne Rice für uns verspricht.

6.) Leseprobe

Ich beginne mit Seite 405, und dieser kleine Auszug zieht sich hin bis zu Seite 407. Viel Spaß!

"Wenn ich mich nicht irre, wird das Sonnenlicht mich einäschern. Ich bin noch nicht alt genug, als dass ich nur schwere Verbrennungen davontragen würde, und nicht mehr jung genug, als dass ich für die, die meine Überreste beseitigen wollen, eine blutige Masse zurückbliebe. Ich werde zu Asche zerfallen wie einst Claudia, und du, mein geliebter David, sollst diese meine Asche zerstreuen.
Dass du meine endgültige Erlösung beaufsichtigen wirst, steht außer Zweifel, denn wenn du dich meinen Überresten gegenüber siehst, wirst du Merrick schon getroffen haben und das Ausmaß meiner Untreue und meiner Liebe erkennen.

Ja, ich plädiere auf Liebe, wenn es zu verteidigen gilt, was ich getan habe, in dem ich Merrick zu einem Vampir machte. Ich kann dich in diesem Punkt nicht belügen. Aber wenn es denn wichtig ist, dann lass mich dir versichern, dass ich die Vorstellung hatte, ich könnte sie nur erschrecken, könnte sie dem Tode so nahe bringen, dass sie sich dagegen entschiede, könnte sie zwingen, um Ihre Rettung zu betteln.
Aber als der Prozess erst einmal begonnen war, brachte ich ihn schnellstens zu Ende, mit den reinsten Absichten und der reinsten Sehnsucht, die ich je gekannt habe. Und nun - immer noch der romantische Narr und der absolute Meister, wenn es um fragwürdige Taten und geringen Widerstand geht, und wie stets unfähig, mit dem Preis für mein Wollen und Verlangen zu leben - überantworte ich dir diesen exquisiten Zögling, überantworte ich dir Merrick, die du, wie ich weiß, mit kenntnisreichem Sinn lieben wirst.

Wie sehr du mich hasst, so bitt ich dich doch, dass du Merrick den wenigen Schmuck und die sonstigen Werte aus meinem Besitz übergibst.(...)

(...) Dies war der Brief, in Louis' altmodischer Handschrift abgefasst, auf neuem Pergament, mit großen Buchstaben und fester Hand. Und sein Körper? Hatte er richtig vermutet? War er zu Asche zerfallen wie das Kind, das er vor so langer Zeit an ein bitteres Geschick verloren hatte? Ganz einfach, nein. In dem offenen Sarg, der Nachtluft ausgesetzt, lag die schwarz verbrannte Gestalt des Wesens(...)"

7.) Eigene Meinung

Wow, was ein Buch, dachte ich mir, als ich es letzte Nacht zur Seite legte. Ich habe mich viel gedanklich mit diesem Buch verfasst, und im Endeffekt bleibt mir doch nur eines zu sagen: Typisch Anne Rice!

Ich denke aber, dass dies nicht so wirklich ganz meine Meinung widerspiegelt. Anne Rice schreibt schon seit sehr vielen Jahren, und in den letzten Jahren sind einige neue Bänder erschienen, wovon "Merrick" eines ist. Man merkt einen gewissen Stilwandel. Rice hat nach wie vor einen sehr ausführlichen ,detaillierten Schreibstil, wenn es darum geht, dass man eine Umgebung beschreibt, oder das Aussehen einzelner Charaktere, doch hier in Merrick ist ersichtlich, dass man auch mehr Wert auf das Verfassen der Gefühle in Worte gelegt hat. Man kann sich ideal in manch eine Situation hinein versetzen, seien es die Tränen von Merrick, der Kummer von Louis, oder aber auch die Stärke und die Weisheit von David. Man liest, und man fühlt, und gerade das macht den Roman "Merrick" für mich zu einem Genuss der Sinne.

Ich habe in diesem Buch bewusst eine ausführlichere Leseprobe gegeben, und ebenfalls bewusst eine ausführlichere Inhaltsangabe gemacht, da dieses Buch ein sehr hohes Maß an Komplexität erreicht, welche nur selten vorher von einem Buch der Autorin Anne Rice erreicht werden konnte. "Merrick" ist der schriftliche Beweis dafür, dass man auch zwei große Kategorien ,Vampire und Hexe, vereinen kann. Merrick ist im guten Sinne ein Genuss für jeden Sinn, sei es nun die Leidenschaft, die man ausgeschrieben vor sich hat, oder sei es der Hass, die Verzweiflung.

Ich habe zu jeder freien Minute zu dem Buch gegriffen, da es mich einfach packte. Es fesselte mich in seinen Bann, und manchmal war ich erschrocken, als ich nach einer "kurzen Lesepause" auf die Uhr schaute. Stunden verflogen im Flug. Ich habe bereits bei den Berichten über das Buch "Pandora" und auch bei "Blut und Gold" gesagt, dass dies die besten Bänder von Anne Rice seien ...

... und doch muss ich dies nun revidieren. Merrick hat etwas anderes, etwas dermaßen anziehendes an sich, was man schon alleine - meiner Meinung nach - bei dem Cover spürt. Merrick definiert eine ganz andere Form des Lesen, ein anderes Gefühl. Es ist die pure Faszination beim Lesen, dieses Fesseln ist so unsagbar stark, dass man nur schweren Herzens den Roman aus der Hand legt.

Mein Lob gebührt also erneut Anne Rice für die Meisterleistung, die sie hier vollbracht hat. Ich denke nicht, dass es Worte vermögen zu sagen, was ich empfinde, wenn ich noch immer über das Buch nachdenke. Zugegeben, die ersten Seiten lesen sich wie gewohnt, ein üblicher Stil von Anne Rice, und doch sind es gezielt platzierte Worte, die einem auch mal eine Gänsehaut beim Lesen verschaffen.

Ich persönlich Empfehle das Buch mit klaren fünf Sternen, und spreche eine absolute Kaufempfehlung aus! Ich bedanke mich für das Lesen, Bewerten und Kommentieren! Für den Fall, dass dem Bericht etwas fehlt, oder habt ihr Fragen/Anregungen, so schreibt es in einem Kommentar oder Gästebucheintrag, über beides freue ich mich.

Adieu,

Euer EvilEye
© 15.09.2006

P.S.: Ergänzend, auf Grund eines Kommentars (danke Mareike!): Das Buch "Merrick" ist de facto für Jedermann etwas, der sich für übernatürliche Geschichten interessiert. Ob man nun bereits ein Buch von Anne Rice gelesen hat, oder nicht, spielt hierbei keine große Rolle. Man findet sich schnell in das Geschehen ein, und ich denke, auch Menschen, die noch nichts von Anne Rice gelesen haben (Schande auf Euer Haupt! *g*) sind hier mit dem Buch "Merrick" sehr gut beraten!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
shily

shily

02.12.2006 01:37

hm, so unterschiedlich können geschmäcker sein ;-) verglichen mit ihren bestsellern und anderen büchern aus beiden reihen hat sich merrick bei mir eher hingezogen und mir hat genau diese typische faszination, die bücher von anne rice sonst auf mich ausüben, gefehlt. aber gott sei dank hat sie ja für jeden etwas dabei ;-) lg,marion

lovepea

lovepea

04.10.2006 19:02

*g* - was hast Du denn gegen ein bischen erotische Literatur? ;-)

darkangel28

darkangel28

01.10.2006 16:36

ein wirklich außergewöhnlich toller Bericht!! rgibt dann , wie so oft, ein BH:) lg,Sandra

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