Erfahrungsbericht über

Messias / Ralf Isau

Gesamtbewertung (3): Gesamtbewertung Messias / Ralf Isau

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Oh Wunder!

2  15.09.2009

Pro:
stellenweise auch mal spannend

Kontra:
größtenteils langweilig, platt, haarsträubende Auflösung

Empfehlenswert: Nein 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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Campsy

Über sich: blablabla ...

Mitglied seit:15.04.2000

Erfahrungsberichte:41

Vertrauende:7

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 49 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Allgemeine Infos zum Buch
Messias
Von Ralf Isau
Erschienen im Piper Verlag, München 2009
ISBN 3492701426
Hardcover, 426 Seiten, 19,95 € [D]


Inhalt
In einem irischen Dorf erscheint auf spektakuläre Weise der Messias, so scheint es, denn der Mann hat die Wundmale des gekreuzigten Jesus und spricht Hebräisch. Um das Wunder aufzuklären, denn man möchte ja nicht leichtgläubig erscheinen, wird im Auftrag der römisch-katholischen Kirche der Sonderermittler und päpstliche Ehrenkaplan Hester McAteer in seine ehemalige Heimat entsendet. Dort trifft er nicht nur seinen Vater Seamus wieder, der als schwarzes Schaf der Kirche zwei Söhne zeugte, sondern auch auf seine eigene „in Sünde“ gezeugte Tochter und deren Mutter. Neben der Aufklärung um den Messias geht es also auch um die Auseinandersetzung mit Hesters Familiengeschichte, die von einem Fluch überschattet wird, der nur mit der Einlösung von 100 Wundern aufgehoben werden kann.


Kritik
Das Buch beginnt mit dem Auftauchen des Messias sehr spannend. Willig gab ich mich dem Mystery-Feeling um den wieder auferstandenen und in unsere moderne Welt geworfenen Jeschua hin, auch wenn mein lesegeübtes Auge über so manches irische und italienische Wort stolperte (die Anleitung zur richtigen Aussprache des Ortsnamen Graiguenamanagh irgendwo am Anfang des Buches ist nett gemeint aber ändert nicht viel daran) und so manch trockenen Dialog zwischen langweiligen Charakteren überwinden musste. Doch leider …

Achtung, Achtung! Leider ist es mir nicht möglich, dieses Buch angemessen zu rezensieren, wenn ich nicht auf so manche plötzliche Wendung eingehe, und somit wird hier kräftig gespoilert! Wer das Buch noch lesen möchte und sich den (zweifelhaften) Spaß nicht verderben möchte, sollte hier nicht weiter lesen!

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Doch leider wird bereits nach ca. einem Viertel des Buches sehr deutlich gemacht, dass es sich um einen Betrug handelt und welche zwei Personen auf jeden Fall schon mal darin verwickelt sind. Der mysteriöse Jeschua taucht kaum noch auf, ist nur noch ein Statist im Krankenhausbett, ebenso einige andere Charaktere, von denen ich mir mehr versprochen hatte. Die Tochter des Helden beispielsweise, Anny: entgegen ihres Berufes als Journalistin entschließt sie sich, die meiste Zeit der Handlung über an Jeschuas Seite zu sitzen und sein Händchen zu halten, was unerklärterweise wohl tief romantische Gefühle in ihr auslöst (wohlgemerkt sprechen sie nicht mal die selbe Sprache), denn am Ende des Buches sind sie plötzlich ein Paar. Auch die Hauptfigur Hester bleibt relativ blass und oberflächlich. Für einen kirchlichen Würdenträger verhält er sich auch ziemlich untypisch weltlich (zumal gerade Ostern ist).

Sehr an den Haaren herbei gezogen werden die Erklärungen für die Umsetzung der Betrügereien, die in ganz großem Stil mit viel Aufwand betrieben werden und sehr unrealistisch wirken, einige Fragen bleiben leider auch offen. Wirklich haarsträubend fand ich den seltsamen Einschub mit der Pianistin, einer Nachfahrin von Liszt, die es allein mit ihrem Klavierspiel vermag, den falschen Messias aus seiner geistigen Umnachtung zu befreien. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, ist sie die Hauptfigur aus Isaus Roman „Die Dunklen“. Ob er sich mit diesem Cameo-Auftritt eine Werbewirkung für seine anderen Bücher erhofft hat? Jedenfalls fand ich diese Szene ohne dieses Wissen sehr befremdlich. Spätestens hier sank meine Meinung von dem Buch „Messias“ rapide ab.

Der einzige Lichtblick sind die wenigen skurrilen Figuren wie die sauertöpfische Witwe, die sich jeden Tag auf dem Friedhof am Grab ihres verstorbenen Mannes ausjammert bevor sie dann im nächsten Pub ihren Schlummertrunk zu sich nimmt, oder der pflichtbewusste Nachbar, der seit dem Tod seines Hahns dessen allmorgendliche Aufgabe des Weckrufs übernommen hat. Sympathisch war mir auch die Figur des 103-jährigen Seamus, dem schnoddrigen Wundertäter, der als Hesters Vater zum Glück eine größere Rolle in der Handlung einnimmt, sonst hätte ich die Lektüre womöglich nicht durchgehalten.

Ralf Isau hat es sich leider nicht nehmen lassen, neben den betrügerischen Pseudowundern die echten Wunder von Seamus und Hester als solche stehen zu lassen, und da wird am Ende des Buches mit gleich mehreren von den Toten Erweckten und vor dem Tode Bewahrten für meinen Geschmack viel zu dick aufgetragen. Nichts gegen kleine Wunder, aber das ist definitiv too much! Ralf Isaus Nachtrag, in dem er noch mal ausdrücklich darauf hinweist, dass man neben den effektheischenden abergläubischen Wundern doch bitte die kleinen wahren Wunder des Lebens nicht missachten soll, konnte ich dann auch nicht mehr so recht würdigen. Mir schmeckt auch die unentwegte Kritik an der römisch-katholischen Kirche recht bitter, ohne diese jetzt in Schutz nehmen zu wollen (ich bin selbst eher kritisch eingestellt). Aber in Ralf Isaus „Messias“ sind sämtliche katholischen Würdenträger entweder schwul, halten sich nicht ans Zölibat oder gehören zu den Bösen. So muss die Geschichte natürlich damit enden, dass sich der Held Hester von seinem Keuschheits-Gelübde und damit auch von seinem Beruf frei macht um endlich seine geliebte Fiona (nachdem er sie fast 30 Jahre nicht gesehen hat) heiraten zu können. Happy End!


Fazit
Skandal! Die Kurzkritik des Focus auf der Umschlagsrückseite muss gekauft worden sein! Dieses Buch ist weder hochspannend noch besser als Dan Brown (geschweige denn auch nur annähernd vergleichbar).
An den Haaren herbei gezogene Erklärungen für große Wunder neben jeder Menge noch größeren „echten“ Wundern – eindeutig zu viele Wunder für mich! Dazu kommen langweilige Dialoge, zu wenig Spannung, blasse Charaktere und eindeutige, sehr platte Kritik an der katholischen Kirche. Wer aufgrund der Inhaltsangabe und der blutigen Covergestaltung einen spannenden, unterhaltsamen Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden.
Das war mein erstes und bleibt mein letztes Buch von Ralf Isau.


Zum Autor
Der 1956 in Berlin geborene Autor Ralf Isau arbeitete lange Zeit in der IT-Branche und begann seine schriftstellerische Tätigkeit mit Kinderbüchern, die er für seine Tochter schrieb und mit denen er auf den Rat von Michael Ende an einen Verlag herantrat. So erschien als erste Veröffentlichung das Kinderbuch „Der Drache Gertrud“ (1994). Es folgten mehrere Romane und mehrbändige Romanserien für Kinder und Jugendliche und mit „Der silberne Sinn“ 2003 schließlich der erste Erwachsenenroman, auf das seitdem mehrere folgten.
In seinen Büchern vermischen sich Fantasie und historische Tatsachen, er selbst bezeichnet seine Werke als „Phantagone“. Ralf Isau ist gläubiger Christ, häufig beschäftigen sich seine Werke mit religiösen Themen. Laut Wikipedia positioniert er sich mit seinem 2005 erschienenen Roman „Die Galerie der Lügen“ auf Seiten der Anhänger des „Intelligent Design“, die die Evolutionstheorie zugunsten einer neokreationistischen Sichtweise (wonach das Leben durch den Einfluss intelligenter Wesen auf die Erde kam) ablehnen.


Bilder von Messias / Ralf Isau
  • Messias / Ralf Isau messias_1 - Messias / Isau, Ralf
  • Messias / Ralf Isau messias_2 - Messias / Isau, Ralf
  • Messias / Ralf Isau messias_3 - Messias / Isau, Ralf
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Messias / Ralf Isau messias_1 - Messias / Isau, Ralf
Messias / Isau, Ralf
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
reggie1

reggie1

22.10.2009 19:23

och nee, davon hab ich schon genug gelesen - aber wieder klasse rezensiert ! LG Regina

Annieswelt

Annieswelt

28.09.2009 21:35

Klingt ja gar nicht gut!

ShoppinQueen

ShoppinQueen

23.09.2009 00:36

Dein Bericht hat mir alles gesagt, das brauche ich dann nicht. VG

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"besonders hilfreich" von (4%):
  1. ShoppinQueen
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