Über sich:Ich habe mir ein neues Lieblingszitat ausgesucht: "Meine Niedlichkeit überlagert die Brisanz me...
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Liebe Leser und Leserinnen,
wer hätte es so schnell für möglich gehalten - aber es ist Sommer, und damit steht auch die Festivalsaison vor der Tür. Open-Air-Konzerte, Sonne und kühle Drinks - leider befinden sich auf solchen Veranstaltungen die Getränkepreise inzwischen in Regionen jenseits von gut und böse. Was liegt da näher, als sich seine Getränke selbst herzustellen? Diese Idee kam uns bei einer Biervernichtungsaktion im April 2005. Freunde, die noch Gärhefe im Haus hatten, gaben den Anstoß dazu: Fruchtsaft, vergoren mit Hefe, ergibt Fruchtwein, um es in einem kurzen Satz zu sagen. Und was mit Früchten geht, muß doch eigentlich auch mit Honig funktionieren - nur daß das Ergebnis der Gärung kein Wein ist, sondern Met, welchen man ja auch als Honigwein bezeichnet. Was wir wollten, war aber nicht irgendein Met, sondern ein ganz besonderes kühles Naß: Apfelmet.
Gewöhnlichen Met setzt man mit Wasser an - bei der Herstellung von Apfelmet haben wir das Wasser durch Apfelsaft ersetzt, und zwar den von Aldi. Der ist schön herb und die preisgünstigste Variante, und weil's grad so günstig war, haben wir auch dort auch gleich den Honig erworben. Man glaubt es kaum, aber die für den Gärprozeß notwendige Reinzuchthefe, eine spezielle Gärhefe, gibt es in den Baumärkten und Gartencentern erst im Herbst, wenn die Trauben reif sind - für unser Projekt viel zu spät, denn wir wollen jetzt loslegen und nicht erst im Oktober, und warum probieren wir das ganze nicht mit ganz gewöhnlicher Backhefe? Ich verrate es gleich: Die Trockenhefe von Dr. Oetker eignet sich allerbestens dafür. Die hatten wir sogar noch im Haus. Was jetzt noch fehlte, war ein geeignetes Gefäß zum Ansetzen des Mets, und zu diesem Zwecke erstand mein Mann im Baumarkt zwei Kunststofftanks mit Gäraufsatz und Zapfhahn (Füllmenge je 30 Liter) zum Preis von knapp 30,-- Euro. Die Vorteile dieser Plastikfässer gegenüber den sattsam bekannten Glasballons liegen in folgenden Faktoren:
1) ihr geringes Eigengewicht 2) gute Transporteigenschaften durch die seitlichen Griffmulden 3) man kann sie gut reinigen, weil sich der obere Teil abschrauben läßt
Und nun, liebe Leser, folgen an dieser Stelle noch einmal die Zutaten mit Mengen- und ungefähren Preisangaben zum Mitschreiben:
Gärfaß: 30 Liter --- ca. 15,-- Euro Apfelsaft: 10 Liter --- 0,45 Euro pro Liter Honig: 4 kg ------ 1,29 Euro pro Glas
Hefe: 1 Tütchen - was die kostet, kann ich nicht sagen, weil wir eigentlich immer einen Vorrat im Haus haben, für den Fall, daß Kuchenbacken ansteht - diesem haben wir einfach ein Tütchen entnommen.
Nachdem uns nun alle Zutaten zur Verfügung standen, setzten wir in der 18. Kalenderwoche des Jahres 2005 unsere Idee in die Tat um, weil wir wußten, daß der Reifeprozeß einige Wochen in Anspruch nehmen würde und wir spätestens zum M'Era-Luna-Festival ein süffiges Getränk haben wollten.
Ein großer Topf, der so an die 20 Liter fasst, mußte her - in dem brachten wir Apfelsaft und Honig zum Kochen, wobei wir darauf achteten, daß vor dem Abkühlen der gesamte dabei entstehende Schaum abgeschöpft wurde. Apfelsaft und Honig alleine gehen aber noch nicht in den Gärzustand über, denn dazu bedarf es eines Antriebs, und das ist der Augenblick, an dem die Hefe ins Spiel kommt. Für den Hefeansatz zweigten wir eine kleine Menge ab (ein Liter genügt), diese ließen wir soweit abkühlen, bis sie lauwarm war - dann fügten wir ein Tütchen Trockenhefe hinzu.
Zwischendurch eine Anmerkung zu der Füllmenge: unser Faß hat eine Kapazität von 30 Litern, da sich aber der Inhalt während der Gärung mehr oder weniger stark ausdehnt, die Menge, die wir einfüllen würde, liegt zwischen 15 und 20 Litern pro Faß… Weiter geht's nun hier mit dem recht unspektakulären Teil der Metproduktion:
Der Inhalt im großen Topf mußte indes komplett abkühlen, was so ungefähr über Nacht geschah, so daß wir am nächsten Morgen die in Flüssigkeit aufgelöste Hefe hinzugeben konnten - Deckel drauf, und ab damit in den dunklen Keller. Ein heftiges Blubbern im Gäraufsatz hub an, ein Blubbern, zunächst noch rasend schnell, im Verlauf weiterer Wochen jedoch immer langsamer werdend.
Zwei Wochen später gab es die erste Verköstigung. Allerdings war die entnommene Probe noch nicht gefiltert und daher naturtrüb, aber durchaus trinkbar. Wenn ich auch feststellen mußte, daß ich - im Gegensatz zu unseren Gästen - dieses erlesene Stöffchen mitten in der Heuschnupfenzeit nicht vertrage. Ob's am Apfelsaft liegt oder am Honig vermag ich nicht zu sagen. Fest steht nur, daß mir nach dem zweiten Gläschen bereits die Schleimhäute anschwollen und mein Hals zu kratzen anfing. Einen ähnlichen Effekt auf mich haben diverse Weine, die geschwefelt daherkommen. Die allergische Reaktion häng bei mir von der Intensität der Schwefelung ab. Vielleicht sind ja die Früchte, die in dem guten Rio-d'Oro-Apfelsaft stecken, auch geschwefelt? Es könnte aber auch Einbildung sein, und ich reagiere auf vergorenen Fruchtsaft allgemein so. Daher bedauere ich zutiefst, daß ich nicht noch mehr von diesem köstlichen Getränk zu mir nehmen konnte, denn geschmeckt hat mir diese Probe wirklich gut. Der Honig war sehr gut herauszuschmecken, und dank des Apfels war das Ergebnis herb-fruchtig.
Dem ersten Filtern konnte nun nichts mehr im Wege stehen. Mein Mann füllte den naturtrüben Met vorsichtig in ein zweites, bereits gründlich gereinigtes Faß um und achtete dabei peinlich genau darauf, daß sich die am Boden abgesetzte Hefe nicht auch mit auf den Weg machte. Das Weinchen war nun bereits merklich klarer, mußte aber wiederum eine gute Weile in dem Faß ruhen. Das Blubbern war indes noch nicht zum Ende gekommen, da sich noch immer feinste Hefeteilchen in dem Metansatz befanden.
Das Umfüllspielchen wiederholte sich danach noch einmal, und jetzt, in der 22. Kalenderwoche, sieht das Ergebnis wirklich wie richtiger Met aus: goldgelb und fast gänzlich durchscheinend. Mein Mann hat auch tatsächlich alles feinsäuberlich in gut gereinigte Plastikflaschen in der praktischen Halblitergröße umgefüllt und sicher in unserem Zweitkühlschrank verstaut. Die Kälte dort sorgt zusätzlich dafür, daß da nichts mehr gärt und blubbert. Klar, daß wir bei der Geburtstagsfeier meines Mannes die ersten Fläschlein geöffnet haben, und die Tester waren so angetan davon, daß sie jetzt selbst damit angefangen haben, na ja, schließlich muß der bei ebay im Großgebinde ersteigerte Honig irgendwie aufgebraucht werden. Dann also hoch die Hörner! So laßt uns denn zechen wie die alten Wikinger, bei denen der Met äußerst beliebt war. Schleck!
Genuß muß man sich sichern - und eine etwas ausführlichere Beschreibung, wie wir Wein herstellten, wird demnächst folgen, wenn es heißt "Met und Wein mach' ich nun ganz allein - Teil 2". Nicht wundern, wenn da vom Frühling die Rede ist, denn im Frühling habe ich angefangen. Nun soll's aber erst einmal gut sein.
Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen, Bewerten und Kommentieren
UPDATE vom 28. August 2005: Soeben verriet mir mein Mann, daß er den Alkoholgehalt hat analysieren lassen. Heilig's Blechle: Der Test mit dem Gaschromatographen ergab einen Wert von knapp über 16 Prozent. Na, wenn das man kein Stöffchen ist - zum Wohl, denn.
en-Met überzeugt durch die einzigartige Geschmackskombination von edelherbem Honigwein mit der natürlichen Süße besten Yukatan-Honigs. Gut gekühlt wie heiß ein Hochgenuss.
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29.08.2005 00:57
Honigwein ist lecker, ich habe ihn immer gekauft. Den kannst Du echt selbst machen? Klasse Bericht Liebe germanische Gruesse Thomas
11.07.2005 22:31
Das sollte ich mal probieren. Wir hatten letztes Jahr unmengen selbstgepressten Apfelsaft, das muss noch leckerer schmecken!
01.07.2005 10:06
Super Idee und klasse Bericht. Zum Selbermachen von alkoholischen Getränken hätte ich auch Lust. Gruß Tapioca