Ein technischer Blick auf die XBOX
09.02.2002
Pro:
einfache Softwareportierung von PC auf XBOX
Kontra:
billige x86 Architektur
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Benutzerfreundlichkeit
Spieleauswahl
Ausstattung
Grafik
Sound
 dr.bash
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:21
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 108 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Im folgenden wage ich einen recht technischen Blick auf die Hardware der XBOX: ich bemühe mich, zumindest für den technischen Interessierten einige Konzepte hinter der Konsole aufzuzeigen, übernehme aber weder Gewähr für die Richtigkeit en detail noch Rücksicht auf den technischen Laien. Schaut man sich die Ankündigungen der XBOX an, so sind Hardware-Enthusiast und Spielefreak zugleich verzückt: 733 Mhz Prozessor, 64 Mb RAM, 8 Gb HDD, 4x DVD-Lw und Ethernet-Schnittstelle klingen nach einer Revolution des Konsolenmarktes und lassen auf eine neue technische Dimension in der Konsolenevolution hoffen.
Schaut man sich die XBOX aber einmal von innen an, dann folgt zumindest eine kleine Ernüchterung auf dem Fuße: Microsoft hat seinem Erstlingswerk die Architektur eines LowEnd-PCs spendiert, wahrscheinlich vor allem, um die angebundenen Softwareentwickler auf die Plattform locken zu können. Im schnittigen Gehäuse werkelt eine althergebrachte x86 Architektur mit einem Intel mobile Celeron 733 Mhz, 128 Kb L2-Chache und 133 Mhz Frontside-Bus. Ob dieser Chipsatz dem 405 Mhz PowerPC im GameCube das Wasser reichen können wird, muß die Zeit erst zeigen, denn gerade im Bereich der Fließkommaarithmetik ist der Celeron trotz aller extern im Chipsatz untergrachten Renderingroutinen einfach viel schwächer als sein Pendant von der PowerPC Alliance.
Der Mainboard Chipsatz stammt vom Chiphersteller Nvidia, der den Grafikbefehlssatz seiner N2 Serie um North- und Southbridge Funktionalität erweitert hat. Dieses vom PC bekannte AllIn Konzept könnte zu einem Flaschenhals des Systems werden, wenn die I/O Routinen nicht ausgesprochen performant sind (hierfür ist Nvidia aber Spezialist). Der Arbeitsspeicher ist in "unified memory architecture" ausgeführt und mit einem Samsung 133 Mhz DDR RAM bestückt. Auf dem Mainboard gibt es, da die Entwicklungsprototypen mit 128 Mb bestückt sind, noch ein Lötpad für einen zweiten 64 Mb Baustein gleichen Typs, Hazadeure am Lötkolben können so ihre Box je nach Fingerfertigkeit kostengünstig erweitern oder direkt in die ewigen Jagdgründe verfrachten (dies ist keine Aufforderung!).
Ein Conexant Videochipsatz, der in der europäischen Serienversion der XBOX bestimmt noch durch ein anderes Modell ersetzt werden wird, setzt das Bildsignal nach NTSC um. Diese Modifikation wird mit ziemlicher Sicherheit bedeuten, dass man keine NTSC-Spiele, auch ohne den optionalen Ländercode, auf der europäischen XBOX spielen können wird. Da Microsoft aber eine Zertifizierung aller XBOX Spiele vorschreibt, kann man zumindest davon ausgehen, dass die Qualität der Softwareumsetzung des Herstellers auf PAL bei allen Spielen relativ hoch sein wird. Die anderem Komponenten im System sind Standard: ein billiges Netzteil mit hohem Blindleistungsanteil, eine Standardfestplatte von Seagate mit modifierter Firmware und ein 4x DVD-Lw, wahrscheinlich von Pioneer.
Die LAN-Schnittstelle, ein 10/100 Mbit RJ45-Anschluß nach Standardbelegung, soll die Box mit dem Internet verbinden: klar, dass dies ein Kabelmodem, einen externen Router oder ein DSL-Modem voraussetzt. Mit dem DSL (bzw. dem in Deutschland weniger verbreiteten Kabelmodem) ist es aber so eine Sache: ob die PPPoE Implementation von Microsoft gleich mit allen DSL-Carriern und allen DSLAMs funktionieren wird, wird erst die Praxis zeigen. Insgesamt ist die XBOX ein abgespeckter, angepasster LowEnd-PC zu einem relativ hohen Endverkaufspreis (EUR 480,-). Ob die Box sich am Markt durchsetzt, wird die Marktpenetranz innerhalb der ersten 12 Monate zeigen. Microsoft tut hierfür sein bestes: nicht nur kommt die XBOX zeitgleich mit über 30 Spielen am 14. März in den europäischen Handel, auch eine entsprechende Sättigung der Nachfrage nach Hardware wird bei einer (in Ungarn bei Flextronic bereits angelaufenen) Produktion von 1.5 Millionen Einheiten in den ersten drei Monaten erreicht werden können.
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25.05.2002 22:43
Sehr schöner Bericht..... Gruß .....Ken (Irland)
31.03.2002 19:32
Die ist mir viel zu teuer! Schöne Ostern!
31.03.2002 03:50
Ich finde den Preis für die X-Box ein wenig für übertrieben. Gruß erpel