Über sich:"Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück" (Gottfried Benn) ciao-Merksatz 2006: "...
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Was kann man von einem Film erwarten, der einen in der Anschaffung Einsfuffzich gekostet hat? Ich weiß nur, was ich erwartet habe. Oder besser: was ich nicht erwartet habe. Ich habe zum Beispiel nicht erwartet, dass mir im Vorspann die Namen von Sharon Stone, Gena Rowlands, Gillian Anderson, Meat Loaf, James Gandolfini und Harry Dean Stanton begegnen. Ich habe auch nicht erwartet, dass die Musik zum Film aus der Feder eines renommierten Komponisten stammt. Tatsächlich aber ist für mich auch Trevor Jones, der für die Musik von "The Mighty" verantwortlich zeichnet, kein Unbekannter; und Sänger Sting, der einen Song beigesteuert hat, ist mir natürlich auch ein Begriff.
Schon bei Ansicht des Vorspanns vermittelt sich mir der Eindruck: "The Mighty" ist alles andere als ein B-Film.
Der gute Eindruck, den der Vorspann hinterlässt, erfährt dann nach den Credits Bestätigung. Der Beginn des Films wartet mit einem netten Schmunzler auf, der mich auf Anhieb für "The Mighty" eingenommen hat. Der Off-Sprecher, der uns in die Handlung einführt, stellt uns gleich zu Beginn seine Großeltern vor. Die wirkten auf ihn, findet der 15-jährige Enkel und Erzähler, stets reichlich grämlich. Deshalb habe er sie auf den Namen "Grim" und "Gram" getauft. In der Folge vergleicht er die beiden dann noch mit zwei Figuren, die er mal auf einem Gemälde gesehen habe - den Namen des Bildes kenne er zwar nicht, aber der Mann und die Frau darauf stünden vor einem Bauernhaus, sähen so aus, als ob sie niemals lachten und der Mann habe eine Mistgabel in der Hand.
Wer jetzt noch nicht weiß, auf welches Bild hier angespielt wird, darf Google mit dem Begriff "American Gothic" füttern und sich darüber freuen, dass er das Bild, zu dem ihn die Trefferanzeige weiterleitet, ja wirklich kennt. Wer sich jetzt noch vorstellt, dass besagter Grandpa Grim von Harry Dean Stanton ("Paris, Texas") verkörpert wird, hat einen ersten Eindruck vom leisen, unaufdringlichen Humor, mit dem Regisseur Peter Chelsom ("Hear my Song") seinen Film aus dem Jahre 1998 unterfüttert hat.
"Unterfüttert" - das soll hier heißen: "The Mighty" hat seine komischen Momente, aber der Film ist wie das Leben selbst: wenn das eine Komödie ist, dann braucht man schon einen verdammt ausgeprägten Sinn für schrägen Humor, um darüber lachen zu können.
Kevin Dilllon (Macauley Culkins kleiner Bruder Kieran), den alle nur "Freak" nennen, hat ihn. Das zeigt schon allein die Tatsache, dass er den Spott nicht nur erträgt, sondern die beabsichtigte Herabwürdigung für sich in eine Auszeichnung umgemünzt hat: Kevin ist ein Freak, und das ist gut so. Was dem Jungen mit dem verkrüppelten Rückgrat an körperlicher Beweglichkeit fehlt, macht er mit Geisteskraft wieder wett: Dieser Freak unterscheidet sich nicht nur äußerlich von seinen Altersgenossen, sondern auch hinsichtlich seiner geistigen Fähigkeiten. Das Gleiche lässt sich auch von Maxwell "Max" Kane (Elden Henson) sagen, aus dessen Blickwinkel wir die Geschichte erleben, die der Film erzählt. Allein die Vorzeichen unterscheiden sich etwas: So sehr Riesenbaby Max seinen Altersgenossen körperlich voraus sein mag, so sehr hinkt der hünenhafte Junge seinen Klassenkameraden hinterher, wenn der Intellekt gefordert ist.
Mit anderen Worten: Max und Kevin sind zwei Seiten einer Medaille, die aus der Prägeanstalt für Außenseiter stammt. Das finden die beiden ziemlich flott heraus, und bald wächst zwischen den beiden jene Art von fester Freundschaft, wie es sie so unverbrüchlich vielleicht nur unter echten Underdogs geben kann. Freak Kevin bringt den Geist und die Lesefähigkeiten von Freak Max auf Trab, und der bärenstarke Max revanchiert sich bei Kevin, indem er dem gehbehinderten Jungen im wahrsten Sinne des Wortes Beine macht: Als die beiden gemeinsam eine Feuerwerksvorführung besuchen und der kleine Freak vor lauter Beinen und Köpfen nichts vom Geschehen mitzubekommen droht, nimmt ihn der große Freak kurzerhand huckepack - an diesem Arrangement getreu der Devise "He ain't heavy" wird sich von Stund an nichts mehr ändern, solange die beiden zu ihren gemeinsamen Streifzügen aufbrechen. Max ist das Ross, Kevin der Reiter. Mehr noch: auf den Schultern von Max wird Kevin zu einem der Ritter aus den Büchern, mit denen er nach dem Unterricht Maxens Lesevermögen weiter schult.
Chelsoms Geschichte über die Freundschaft zweier Außenseiter könnte sich, bis hin zu ihrem traurigen, aber doch nicht unversöhnlichen Ende, fast nach jeder Wendung des Plots im allzeit drohenden Kitsch-Untergrund festfahren. Wenn der Film das nicht tut, verdankt er das sicher zu gleichen Teilen einem guten Drehbuch, einer stilsicheren Regie und einer Darstellerriege, die ich durch die Bank famos finde. Kieran Culkin und Elden Henson machen ihre Sache ganz fabelhaft, aber auch alle anderen Figuren werden von Schauspielern verkörpert, die ihre Nebenrollen mit Leib, Seele und sichtlicher Spielfreude ausfüllen. Harry Dean Stanton als gutmütiger, etwas unbeholfen wirkender Großvater macht seine Sache ebenso gut wie James Gandolfini, der hier Max' ungeliebten Unsympater geben darf, Meat Loaf als kleiner Ganove Iggy überzeugt ebenfalls; Gillian Anderson als leicht exaltiertes Ganovenliebchen und Sharon Stone als patentes Muttertier gehen ebenfalls sichtlich in ihren Rollen auf.
R e s ü m e e
"The Mighty" ist ein wirklich sehenswerter Film: mit ruhiger Hand und gutem Blick fürs Detail inszeniert, schön fotografiert und mit einigen magischen Bildern, die entfernt an Szenen aus Terry Gilliams "König der Fischer" erinnern. Dass ich die DVD, auf der sich neben "The Mighty" noch ein weiterer Film befindet, für läppische 2,99 bekommen habe, lässt mich von einem Glückskauf sprechen. Ein toller Film, der eine glaubwürdige Geschichte mit liebenswerten Figuren erzählt, die von überzeugenden Schauspielern verkörpert werden - auf einer DVD, die einem belanglosen, bunten Werbeheftchen ("SFT") für Erwachsenenspielzeug beigeklebt ist: das ist doch wirklich mal eine Mogelpackung der angenehmen Art, oder?
12.08.2005 10:40
das ist kein Film nach meinen GEschmack...LG, Vanessa
11.08.2005 18:16
Der gewohnt sehr gute Text.
11.08.2005 14:43
ich feelte mich very good beim film...schööööön.....