Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Wahnsinnsfans, Kultclub, das gewisse etwas, hübsches Stadion, geiles Wappen |
| Kontra: |
solange Du nicht grad den Max markierst, ist alles paletti |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Achja, ist das manchmal schön – ein lauer Mittag, n bisschen Fischsuppe, n heisser Tee und n paar Ideen für Berichte oder so, aber es muss ja schliesslich auch Geld verdient werden, oder ?
Also lassen wir mal das nützliche mit dem spaßigen verbinden....
Kommen wir zum Thema – MILLWALL.
Millwall ? Yo, wer ist das ? Wieder n neuer Schokoriegel ? Wieder n neuer Fackelmann-Dingsda ?
Weit gefehlt, Supernasen, Millwall ist, wie soll ich es sagen – Kult.
Aber ganz langsam, bevor den Dortmund-„Fans“ unter uns wieder mal der Schweiss die Stirn runterläuft, als würden se bei nem Derby wieder mal eingemacht werden...
ENMACHEN
Ist ein gutes Stichwort, nech ? Denn Millwall ist ein englischer Fussballclub, ein Club, der die Worte Kult und Einmachen neu definiert – ein Club, der weniger durch sportliche Erfolge, mehr aber von seinen Supportern reden macht – und sich so weltweiten Respekt verdient – denn wo Feyenoord Rotterdam den Schwanz einziehen, da legen Millwall erst richtig los.
Neinnein, wir werden heute nicht dem Hooliganismus huldigen, doch irgendwie bekommt man selbst als neutraler Beobachter gewissen Respekt vor diesen Jungs, die selbst gegen solch große Club wie Manchester United oder Chelsea nicht den Schwanz einziehen, sondern ihren Mann stehen
Denn wie sagten schon John King und seine Kumpels in ihren Romanen ?
„MILLWALL SIND DURCHGEKNALLT.“
GESCHICHTE
Aber Millwall hat auch ein klein wenig mehr zu bieten, als seine Supporter, auf die ich später mal eingehen werde – wie gewohnt sollen wir mal kurz einen Blick auf die ruhmreiche Geschichte dieses Fussballclubs werfen – ganz kurz nur, wir sind doch nicht bei Telekolleg hier, oder ?
Wie es sich für einen guten Arbeiterclub gehört, wurde Millwall im Jahre 1885 von ein paar Arbeitern einer Fabrik auf der Isle of Dogs geründet und da die meisten der Jungs Schotten waren, bestimmte man blau und weiß direkt als Vereinsfarben – ne gute Wahl, wie ich finde.
Erfolge konnte man da aber (im Gegensatz zu anderen großen englischen Clubs) nicht vorweisen und so machte Millwall eher durch das Stadion – The Den - und durch ihren Spitznamen – The Lions (also praktisch die Löwen in ihrem Käfig) von sich reden- denn während man mehr oder weniger von Beginn irgendwo zwischen 1st und 3rd Division umhertrieb, war das Publikum stets sehr „patriotisch“ und war gefürchtet, was ihre Heimspiele gegen die achsogroßen Clubs Englands anging – Millwall war auf den Tribünen und ausserhalb gefürchtet – Support und die dritte Halbzeit waren eher im Zusammenhang mit diesem Club zu bringen als Fallrückzieher und FA-Cup Siege.
Erst in den 70er und 80er Jahren machten die Lions auch sportlich von sich reden – so entdeckte ich noch vor kurzem in dem Season Guide der FA aus dem Jahre 1988 ein Foto, das mich zum Erstaunen brachte – niemand anders als TEDDY SHERINGHAM (auch genannt -> BayernKiller) spielte seit 1982 unter der Federführung von Goerge Graham (Arsenal-Legende) im blau-weißen Jersey von Millwall.
Zwar ging Graham kurze Zeit später zu Arsenal zurück, doch Teddy Sheringham und sein kongenialer Partner Tony Cascarino (ne irische Stürmerlegende) bombten die Lions in die 1st Division, worauf natürlich wieder Ab- und Aufstiege folgten – so spielt Millwall heute wieder in der 1st Division (nunmehr die zweite Liga), nachdem man zwischenzeitlich wieder in die dritte Liga abgestiegen war.
Einzig und allein die FA-CUP-Finalteilnahme aus der letzten Saison bleibt einem im Kopf hängen, denn Millwall wird diese Saison im UEFA-CUP spielen – jaja, so kann´s kommen....
NEWS UND DASEINSBERECHTIGUNG
Der Osten Londons ist fussballerisch geplagt, denn sowohl West Ham als auch Millwall schaffen es nicht, aus den Fußstapfen der Rivalen zu kommen, denn obwohl man die besten Fans Londons hinter sich hat, fehlt es am nötigen Kleingeld, große Spieler in die Clubs zu holen.
Klar, zwar haben West Ham mit ihrem Boleyn Ground und Millwall mit ihrem New Den ihre Stadien neu bzw. umgebaut, aber wer in Steine investiert, hat nunmal nicht die Möglichkeit, für n paar Beine noch was draufzusetzen – und durch einschlägige Erfahrungen mit den jeweiligen Fangruppierungen sind vor allem die Jungs von Millwall nicht gerade sehr beliebt, auch wenn man durch Resozialisierungsmaßnahmen nunmehr dazu übergegangen ist, sich die Fans zu erziehen und ein neues Image zu erschaffen, dass auch anderes (und zahlungskräftiges) Publikum locken soll.
Doch dies ist nicht einfach, denn der Vorteil von West Ham (und vor allem Millwall) sind eben die Fans, die bis heute noch den Ruf haben, laut und dreckig (gut) aber auch gewalttätig (schlecht) zu sein – im Vergleich zu den „Nobelclubs“ Arsenal und Tottenham bietet Millwall also Fussballatmosphäre pur, jedoch mit gewissen Begleiterscheinungen – wenn auch andere Clubs (wie Cardiff City) ihnen längst den Rang abgelaufen haben.
Einzig die UEFA-CUP Teilnahme wird nun die Möglichkeit bieten (wie hierzulande auch Aachen), sich der großen weiten Fussballwelt zu präsentieren, was finanziell und marketingtechnisch von Vorteil sein dürfte.
DAS TEAM
Ganz ehrlich, wenn ich die ganzen Namen so lese, stellen sich selbst bei mir ein Haufen Fragezeichen ein, daher wollen wir heute mal keinen so „genauen“ Blick auf die Positionen werfen, sondern eher einen Überblick über den gesamten Kader bekommen.
Und da fällt einem direkt etwas ins Auge – mit Dennis Wise, Kevin Muscat und Daniele Dichio hat man direkt drei Jungs im Kader, die sehr erfahren sind.
Allen voran ist da natürlich Dennis Wise, der wie geschaffen zu sein scheint für Millwall, denn dieser hat sich vor allem in seiner Zeit bei Chelsea durch Nickligkeiten und rüpelhafte Spielweise einen Namen gemacht – ein unangenhmer Spieler, der hart austeilt und immer was zu kacken hat, jedoch auch einer mit einer großen Erfahrung, der junge Spieler führen kann und in lichten Moment ein sehr guter Fussballer ist und als Stürmer sehr unangenehm zu spielen ist.
Daniele Dichio kennen wir noch aus seiner Premier League Zeit der Queens Park Rangers – ja, lang lang ist´s her – mit 10 Treffern in 21 Spielen hatte er seine beste Saison (1995/96) und wurde schon als ein großer Stürmer Englands gesehen, doch wir wissen, wie konkrrenzreich die Premier League an Stürmern ist und so hatte Dichio nunmal das Pech, stets bei Zweitligisten wie Sunderland, Derby und West Brom unter Vertrag zu sein – mit seiner Erfahrung und seinem immer noch vorhandenen Torriecher ist er einer der wichtigsten Spieler bei Millwall.
Der dritte Erwähnenswerte im Bunde ist also Kevin Muscat, Baujahr 1973 – ebenso ein erfahrener Recke, der seine Karriere bei Crystal Palace begann, der aber als ein Free Agent von den Glasgow Rangers (!) zu Millwall kam, hat immerhin schon ein Europapokalspiel auf dem Buckel (ok, Wise hat n paar mehr) und ist ebenfalls einer der Stützpfeiler des Teams, welche (endlich kommen wir mal ran) aus alten Recken besteht, die schon so manche Zweitligasaison gespielt haben und aus den Jungs, die vom Millwall aus der Jugend gezogen wurden (z.B. Andy Roberts) – so geht Millwall einen ählichen Weg wie West Ham, die aber etwas angesehener sind in der Talentförderung (Cole, Lampard etc.).
Alles in allem kann man also sagen, dass Millwall einen dermaßen ausgeglichenen Kader hat, der zudem noch mit „Leckereien“ gespickt ist, dass es schwer auszurechnen ist, wo Millwall anzusiedeln sind, denn die 1st Division ist in England ohnehin wie eine Wundertüte, wo die Nummer 1 schnell zur Nummer 20 werden kann – viele Team wechseln die Ligen so häufig wie JediCassio seine Unterwäsche – so kann Millwall (letztes Jahr auf Platz 6) aufsteigen, aber auch genauso gut absteigen....
Im UEFA-CUP dürfte es interessant sein – man ist fussballerisch sicherlich beschränkt, doch gerade englische Zweitligisten können einigen Teams Europas sehr wehtun, sie so gesehen bis zum letzten niederkämpfen – da werden sich sicherlich einige ganz schön umgucken.
LIONS DEN UND DER SÜDOSTEN
Millwall hatte ja sein „old den“ jahrelang als kleine Hool-Bastion gepflegt, doch im Laufe des Taylor-Reports mussten ja alle englischen Stadien versitzplatzt werden, alles wurde verboten (Doppelhalter in England ? Gibt’s nich mehr...) – das Den war alt also baute man ein neues (auch Millwall hatte/hat seinen Mäzen) – ein pikfeiner Sitzplatzpalast, der aber dennoch irgendwas furcheinflößendes behalten hat.
Ich denke da vor allem an das „brühmte“ Eingangstor, das einem den Weg zum Stadion weist und mit der guten Überschrift „Millwall The Den“ so etwas von alten Zeiten vermittelt – Zeiten, in denen man zu Millwall am besten gar nicht ging – und das ist bis heute eigentlich so, denn....
...trotz Business-Seats, VIP-Boxen und knapp 20 000 Sitzplätzen (gewohnt englisch – vier offene Tribünen für sich stehend) ist das Publikum das gleiche geblieben, denn obwohl man Racism und co. die red card zeigt und die Polizei gerade hier sehr hoolginanerfahren ist, wird den Gästefans bis heute empfohlen, nicht in „colours“ anzureisen, um dem Heimmob nicht sofort in die Hände zu fallen.
Ohnehin – die „seltsamen“ Clubs in London sind an sich sehr schwer zu erreichen – so kann man nach Tottenham und auch nicht nach Millwall direkt per U-Bahn fahren (wie in London sonst üblich) – nein, Millwall liegt im tiefsten Süden (mehr nach ost hin) und gerade die Gegend um die Docks (also der Dreck Londons) ist „schwer“ zu erreichen – so fährt man mit der U-Bahn bis zu South Bermondsey oder den Surrey Quays (was ohnehin am Arsch der Welt liegt und nur von der East London Line angefahren wird, die nur alle Jubeljahre fährt) und dann muss man sich auf die Tramlink schwingen – für Touristen, die den Zyklus der Circle Line (Haupt U-Bahn Londons) gerade so kapieren ist das eine andere Welt und nicht zu empfehlen.
SUPPORT/FANS
Ok, ich war noch nicht da – bzw. ich habs nicht gepackt, weil ich nen Zeitmangel hatte und man von City bis Bermondsey auch gute 60 Minuten (oder mehr braucht), doch Millwalls Ruf ist bis heute berühmt-berüchtigt, wovon einiges nur noch Legenden sind.
Denn auch an den Docks tun sich unglaubliche Sachen – die Stadt London investiert in den südlichen Teil immer mehr Kohle, baut Touristenattraktionen und Kunstgalerien auf – so bekommt Bermondsey und die Quays ein neues Gesicht, was sicherlich auch der Bevölkerung zu Gute kommt, die nicht mehr im ständigen grau der Häfen und Kräne leben muss.
So sind Millwall wohl nicht mehr ganz so frustriert als sie es in früheren Jahren waren und der Club tut bisweilen eine Menge, um die Krawallbrüder in Schach zu halten – Krawallbrüder, die nur noch von sich reden machen, wenn sie auf andere heftige Clubs treffen, die sich an ihnen versuchen wollen (wieder zu nennen Cardiff und Swansea), nur um es sich selbst zu beweisen – so sollten Spiele wie Millwall gegen Wigan eigentlich relativ sicher sein, was aber auch bedeuten kann, dass der agressive Support drunter leidet, denn Millwall können sich nicht nur prügeln, sondern auch singen und brüllen (und so ein Lions Roar ist auch was feines, ne ?).
Ich denke, wer auf nen Knaller aus ist, der sollte ruhig zu Millwall gegen West Ham fahren – doch da wird er auffallen, als einziger, der nicht an den Armen tätowiert ist, als einziger, der nicht total durchgeknallt ist und völlig durchdreht – weitere Knaller dürften sicherlich Leeds, Cardiff, Sheffield und Stoke sein, die nur darauf auf sein werden, sich mit Millwall zu messen – doch dürften selbst die Hooligantouristen unter uns nicht vergessen, dass a) ganz London voller Kameras ist und b) die Polizei auch einen guten Mob stellt, der krawallerfahren ist.
Habt Ihr es aber ins Stadion geschafft, dürfte Euch ein agressiver, lauter und guter Support erwarten, der hingebungsvoll ist, es sei denn die Mannschaft spielt wirklich unter aller Sau, doch dann trifft das vorhergegangene eventuell in Kraft.
DIE ZUKUNFT
Millwall wird mit der Zeit bürgerlicher und so bleiben die Heißsporne allein auf ihre Stimme beschränkt und so sollte Millwall ein Erlebnis für sich sein, denn das Publikum ist an sich sehr treu und hot.
So wird Millwall sicherlich nicht so schnell den Bach runtergehen – eher im Gegenteil – nach Jahren des Chaos und der großen Umschwünge scheint der Verein sich nach und nach zu konsolidieren, denn nicht nur das neue Stadion, auch die Investitionen der Stadt London im Süden machen sich bezahlt.
Natürlich, die zweite englische Liga vorauszusagen ist das schwerste der Welt, doch nachdem Millwall nun schon seit ein paar Jährchen dabei ist und die einstelligen Tabellenplätze für sich nach und nach sicher, sollte man es schaffen, es sei denn, es passiert was bescheuertes, in den nächsten Jahren in die Premier League aufzusteigen, auch wenn es dort nur für ein Jährchen wäre.
SONSTIGES
Tickets für Millwall gibt es meist genügend, es sei denn, Ihr wollt zu den Knaller-Spielen anreisen – durch www.ticketmaster.co.uk kommt man meist an Tickets im Den, die, natürlich für englische Verhältnisse, für uns etwas teuer sind (auch wenn die 1st Division nicht die Welt kostet) – fussballerisch ist die 1st Division und Millwall sicherlich nicht die Creme de la Creme, doch offensiver Kampffussball wird auch hier gepflegt.
Wie Ihr nach London kommt, wisst Ihr – nach London Stansted fliegt ja mittlerweile jeder mal – dann zu Eurem Hotel in Bayswater von der Liverpool Street Station aus, dann mit der Hammersmith & City Line bis Whitechapel, dann in die East London Line bis Surrey Quays und dann zu Fuß, per Bus oder Tramlink bis zum Den.
Wenn man sich nicht gerade wie ein Idiot benimmt, sollte man auch sicher zum Stadion gelangen – überall Kameras und Polizei – hier hat der Polizeistaat also seine Vorteile....
JA ODER NEIN ?
Nun, Millwalls sportliche Stärke ist der von Alemannia Aachen anzusiedeln, vielleicht sind die Jungs an einigen Tagen stärker, mal aber auch fussballerisch total unterlegen, doch ein Erlebnis ist jedes englische Team, selbst wenn es noch so niedrig spielt.
Ein neuer Ground ist vor allem immer zu empfehlen, vor allem (oder selbst wenn) es das Den ist, eine Kultstätte des englischen Fussballs, die ruhiger geworden ist, aber schon allein durch den Namen etwas hermacht – Tradition verpflichtet.
Der Kult Millwalls ist gleichzeitig auch seine Schwäche – die Fans, die durchdrehen können – aber seien wir ehrlich – das können alle englischen Fans, es sei denn, sie heissen Liverpool oder so – so ist Millwall zwar noch eine Extremliga höher, doch aus den Schalgzeilen ist man schon längst verschwunden – hier regieren Cardiff und Swansea mittlerweile in den Top 5.
ALSO EMPFEHLEN ? JA
Ja, denn Millwall haben alles, was das Herz begehrt – eine kämpferische Mannschaft, einen tollen Ground und Fans, die etwas anders sind als andere und die bis heute noch zu ihrem Club pilgern, während ihr Nachbar Titel Nr. 14 mit Arsenal feiert – das ist den Millwallboys egal – sie haben ihren Club und supporten diesen – heutzutage nicht mehr selbstverständlich, wo 80 000 Leute zu Borussia Dortmund gehen und nicht mal wissen, wann der Club gegründet wurde.
Also ja, kauft Euch Millwall-Tickets, Millwall-Trikots und Millwall-Wimpel. Kult.