Amateur oder Profi? Was kann die Dynax 800si?
01.09.2001
Pro:
integrierter Blitz, Belichtungsreihenautomatik, AF - Funktionen, robustes Gehäuse
Kontra:
langsamer Autofokus
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Bildqualität
Ausstattung
Bedienung
Verarbeitung
Akkulaufzeit
Zuverlässigkeit
Service
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 qwer13
Über sich:
23-jähriger Azubi mit Interesse an Photographie, Wirtschaft, Sport und Internet. Das Schreiben von B...
Mitglied seit:02.05.2001
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Vertrauende:4
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"Betörender Bolide – Grenzgänger – Insidertipp – Schweizer Taschenkamera – Nichts muss, aber alles kann - Der Preishammer!" Was steckt hinter diesen Schlagzeilen aus der Fachpresse? Was kann man für 1.149 DM (Stand: Sommer 2001) von einer analogen Spiegelreflexkamera erwarten? Gelang es Minolta aus dem Schatten von Canon und Nikon hervorzutreten? Mein Bericht gibt Antworten auf diese Fragen...
Inhaltsübersicht: >>>>>>>>>>>>>>>>> 1. Einleitung 2. Ausstattungsmerkmale 3. Funktionalität 4. Autofokus 5. Belichtungsfunktionen 6. Blitzlicht 7. Fazit und Ausblick
1. Einleitung: Die Minolta Dynax 800si ist nun schon seit vier Jahren auf dem deutschen Fotomarkt erhältlich, bietet aber nach wie vor ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Mit einem Preis von ca. 1.149 DM bietet das robuste Gehäuse eine praxisgerechte Ausstattung zu einem vernünftigen Preis! In puncto Design schneidet das eher bullig wirkende Gehäuse bei den meisten Benutzern nicht so gut ab. Ich für meinen Teil habe mich daran gewöhnt und verlange bei einem Fotoapparat auch kein verchromt glitzerndes Kameragehäuse. Die Funktionalität sollte im Vordergrund stehen. Alle Bedienelemente müssen logisch und ergonomisch angeordnet sein. Modernste Fototechnik soll dem Fotografen ein Spektrum von Möglichkeiten anbieten, ohne ihn dabei einzuengen. Die Anforderungen an eine Spiegelreflexkamera der Mittelklasse sind also sehr hoch.
2. Ausstattungsmerkmale (Details in den Teilen 3.-6.): - eingebauter Blitz mit hoher Leistung (LZ 14-20 bei ISO 100) und Zoomreflektor von 24-80mm Brennweite - Synchronanschlussbuchse für Studioblitzanlagen - Synchronisation auf den 2. Verschlussvorhang (wahlweise) - eingebaute Motivprogramme (Portrait, Landschaft, Sport, Nahaufnahme, Nachtportrait) - programmierbare Spezialfunktionen (z.B. Auslöse-/Schärfepriorität, Bildzähler, Position der Filmlasche, Filmrückspulung, AF-Meßfeld usw.) - speichern individueller Einstellungen auf 3 Plätzen, die jeweils folgende Parameter festhalten: Blende, Verschlußzeit, Filmtransportfunktion, Blitzfunktionen, Belichtungskorrekturen, Blitzbelichtungskorrekturen, Belichtungsmeßmethoden, AF-Meßzonen, Auslösebetriebsart - speichern fototechnischer Daten (Blende, Verschlußzeit, Empfindlichkeit, Belichtungskorrektur, Brennweite, Blitz) von maximal 9 Filmen mit 40 Aufnahmen - Autofokus mit Prädiktionssteuerung durch 4 AF-Sensoren - hochkomplexes Belichtungssystem mit 14-Segment-Honeycomb Mehrzonenmessung - eingebauter Dioptrienausgleich von –2,5 bis +0,5 dpt - Abblendtaste zum Beurteilen der Tiefenschärfe - automatische Beleuchtung des LCD-Datenmonitors bei wenig Umgebungslicht - Belichtungsindikator im Sucher mit Hintergrundbeleuchtung (grün/gelb) - Anschluss einer Datenrückwand QD (Quarz Date) möglich, um Zeitpunkt der Aufnahme zu dokumentieren - Handgriff VC-700 ist optional erhältlich - die seltener benötigten Funktionen werden über kleine Tasten in der Handgriffklappe bedient.
3. Funktionalität Da schau' her! Der Sucher ist sehr benutzerfreundlich aufgebaut und bietet alle notwendigen Informationen auf einen Blick. Selbst aus einigem Abstand (High-Eyepoint bis 2,27 cm) lässt sich das gesamte Sucherfeld noch überblicken, was besonders für Brillenträger interessant ist. Zusätzlich gibt es einen Dioptrienausgleich. Die Beleuchtungsdauer des Suchers lässt sich individuell einstellen (5, 10 oder 30s).
Alles auf einen Blick. Die Flüssigkristallanzeige (engl. LCD) des Datenmonitors enthält folgende Informationen: Batterieanzeige, Filmempfindlichkeit, Anzahl der belichteten/verbleibenden Aufnahmen, Blende, Verschlußzeit, evtl. Belichtungskorrektur, Automatik oder Manuellbetrieb, Belichtungsmodus (Einzel/Serie), Selbstauslöserfunktion, Autofokuseinstellungen, Blitzaktivierung und evtl. Programmauswahl. Sucher- und Monitorinformationen sind reichlich vorhanden und lassen den Fotografen nicht im Regen stehen. Das eigene Kraftwerk immer dabei. Die Zeiten, in denen SLR Kameras mechanisch und ohne Batterien betrieben werden konnten, sind vorbei. Heutzutage hängt nicht mehr nur die Belichtungsmessung vom ‚tragbaren’ Strom ab. Bei der Dynax 800si sorgt die Lithiumbatterie 2CR5 außerdem für Verschluß- und Blendensteuerung, Filmtransport und automatische Scharfstellung. Ohne sie läuft also gar nichts mehr! Mit der 2CR5 hat sich Minolta für die stärkste und teuerste Batterieform entschieden. Sie liefert die notwendige Energie, um auch den AF großer Objektive schnell zu bewegen. Wer Geld sparen möchte, der besorgt sich den Handgriff VC-700, der mit vier Mignonzellen bestückt werden muss, die auf der ganzen Welt zu kaufen sind. Ersatzbatterien sollten aufgrund des hohen Verbauches (z.B. beim Blitzen) in keiner Fotoausrüstung fehlen!
Ein Individualist dank der Spezialfunktionen. Die Dynax 800si bietet genügend Raum (16 Spezialfunktionen!), um die Arbeitsabläufe und Bedienbarkeit der Kamera individuell einzustellen. Hier eine kurze Aufzählung der verschiedenen Möglichkeiten, wobei die Optionen jeweils in Klammern dahinterstehen: 01. Auslösepriorität (reagiert auf Knopfdruck) oder Autofokuspriorität (wartet bis scharfgestellt worden ist) 02. Filmrückspulung (automatisch oder manuell) 03. Filmzunge (in die Patrone eingezogen oder herausragen lassen) 04. DX-Memory (automatische oder manuelle Einstellung der Filmempfindlichkeit) 05. Aufhellblitz bei Programmautomatik (manuell oder automatisch) 06. Fokussierstop am Objektiv (aktiviert, umschalten auf das zentrale AF-Meßfeld oder kontinuierlicher AF) 07. Eyestartsensoren (aktivieren/deaktivieren) 08. Bildzähler (aufwärts- oder abwärtszählend) 09. Autofokuszielfeld (Gesamt/Einzel- oder Mittelfeld) 10. Messwertspeicher (bei drücken der AEL-Taste an oder aus) 11. Belichtungsreihenabfolge (Normal-/Minus-/Plusbelichtung oder Minus-/Normal-/Plusbelichtung) 12. Rückspulgeschwindigkeit (leise und langsam oder schnell und laut) 13. Dauer der Sucheranzeige (5, 10 oder 30s) 14. AF-Anzeige (Freigabe oder Sperrung bei Betätigen der Taste AF) 15. Eyestartknopf (aktiv bei Betätigung, immer aktiv, immer inaktiv) 16. Zoomreflektor (Blitzleuchtwinkel wird mit Brennweite eingestellt oder bleibt in Weitwinkelstellung)
Zusammen, was zusammen gehört – das Bajonett. Auch bei der Dynax 800si sorgt der Bajonettverschluss für eine sichere und exakte Verbindung von Objektiv und Gehäuse. Vorbei sind die Zeiten, in denen beide Komponenten durch Schraubverschlüsse umständlich verbunden werden mussten. Der moderne Anschluss der Dynax stellt die Schnittstelle zwischen Kamera- und Objektivcomputer dar. Durch vergoldete elektronische Kontakte wird der Datentransfer gewährleistet. Informationen über Lichtstärke und Brennweite des angesetzten Objektivs dienen der Kamera zur Berechnung von Verschlußzeit, Blende und Scharfstellung im Automatikmodus. Der Motor im Boden der SLR Kamera steuert über diese Verbindung die Scharfstellbewegung des Objektivs an. Sollte es an diesem meschanischen Kupplungselement zu Ungenauigkeiten kommen, so hätte dies katastrophale Folgen für das folgende Foto. Bei der Dynax 800si ist nach vier Jahren kein Verschleiß zu erkennen. Formel 1 im Kameragehäuse – der Verschluß. Mit einer schnellstmöglichen Verschlußzeit von 1/8000s bietet die Dynax 800si eine mechanische wie elektronische Meisterleistung dar! Der vertikal ablaufende Metallschlitzverschluß besteht aus zwei Metallrollos, die in unterschiedlicher Geschwindigkeit und in einem sich verändernden Abstand über das Filmfenster (24mm breit) rasen. Das Zusammenspiel aller Komponenten erläutere ich aus Platzgründen lieber nicht. Wichtig ist, das der Fotograf einen Belichtungsspielraum von 1/8000s bis 30s hat. Im manuellen Betrieb kann der Verschluß unendlich lange offen gehalten werden (bulb Funktion). Bei Blitzgeräten, die über keine High-Speed-Synchronisation verfügen, liegt die Blitzsynchronzeit bei 1/200s Alle anderen Geräte (Minolta HS5400 oder Metz 54 MZ-3) synchronisieren mit allen Verschlußzeiten!
Science Fiction im Sucher – der Eyestart. Stellen sie sich vor, die Kamera ahnt, wann sie ein Foto machen wollen und aktiviert sich automatisch! Das gibt’s wirklich, denn die Dynax 800si merkt durch Sensoren am Griff und im Sucherbereich, ob sie die Kamera ans Auge halten oder nicht. Diese Funktion lässt sich natürlich ein- und ausschalten. Nur bei der Verwendung von Handschuhen oder einem Draht-/Fernauslöser funktioniert diese Spielerei nicht mehr. Spiegel hoch - die Abblendtaste Diese Taste simuliert das Auslösen der Aufnahme, d.h. das Objektiv blendet ab und der Fotograf kann die Tiefenschärfe besser beurteilen. Die Abblendtaste erspart zahlreiche Testaufnahmen, da man Korrekturen an der Blendeneinstellung sofort beurteilen kann.
Sieht nicht nur wichtig aus – der Funktionshandgriff. Der Funktionshandgriff VC-700 ist eines der interessantesten Zubehörteile zur Kamera. Er bietet neben einer besseren Handhabung auch Extra-Funktionen wie einen Auslöser im Hochformatbetrieb, zusätzliche Batterieleistung (Lithiumblock, Mignon Batterien und Akkus) und eine weitere Snychronanschlussbuchse. Weiterhin sind Spot- und Autofokustaste, vorderes und hinteres Einstellrad, Griffsensor und Stativgewinde integriert. Hilfreich ist auch der Knopf, mit dem man die Bedienungselemente deaktivieren kann, um versehentliches Auslösen zu vermeiden. Dieser Funktionshandgriff hat natürlich seinen Preis und muss extra gekauft werden. Wenn gerade kein Tourist zur Seite steht – Stativ, Selbst- und Fernauslöser. Weder Fernauslöser noch Stativ (;-) sind im Lieferumfang der Dynax 800si enthalten, gehören aber notwendigerweise zur Ausrüstung eines Fotografen. Deshalb kurz einige Worte dazu. Ohne diese nützlichen Helfer, braucht man sich gar nicht erst mit Spezialgebieten der Fotografie zu beschäftigen. Bei der Makrofotografie beispielsweise, verlangt das nur spärlich zur Verfügung stehende Licht lange Belichtungszeiten und einen festen Kamerastandpunkt. Scharfe Aufnahmen sind ohne Stativ und Fernauslöser nicht zu machen. Außerdem sind diese Utensilien hervorragend geeignet, um Stimmungen einzufangen, die ein Blitzgerät zerstören würde. Die Dynax 800si unterstützt die Fernauslöser RC-1000L und RC-1000S. Das Gewinde am unteren Boden des Gehäuses ist genormt und passt auf fast jeden Stativkopf. Ich selber bevorzuge Stative mit einem Kugelkopf-Gelenk, aber das wäre einen eigenen Bericht wert (© by qwer13 2001 ;-).
4. Autofokus Der Autofokus wird eigentlich immer direkt mit der Schärfe eines Bildes in Verbindung gebracht. Natürlich ist er maßgeblich daran beteiligt, jedoch spielen Parameter wie Blende, Verschlusszeit, Bewegungsschärfe, Raumschärfe, Filmmaterial, Entwicklung und Vergrößerung eine ebenso große Rolle. Außerdem ist eine scharfe Aufnahme nicht unbedingt auch ein gute Aufnahme, aber das gehört hier nicht hin :-) Die Mikroelektronik in der Dynax 800si sorgt für ein extrem großes Autofokusmessfeld, das einen guten Teil der Bildmitte ausfüllt. Die multidimensionale Prädiktionssteurung ist in der Lage, die Richtungs- und Geschwindigkeitsänderung von fokussierten Objekten mitzuverfolgen! Hört sich aufregend an, oder? In der Praxis dient sie dazu, eine Schwäche der Minolta auszugleichen, die AF-Geschwindigkeit. Zielt man auf ein sich bewegendes Objekt, so versucht die Kamera, die voraussichtliche Bewegung zu berechnen. Anhand dieser Daten stellt der Autofokus nun scharf bzw. führt die Schärfe kontinuierlich nach. Der Kamera stehen hierfür vier Autofokusmessfelder zur Verfügung. Der "Boardcomputer" der Kamera wählt bei Aktivierung durch Knopfdruck eines dieser Felder aus. Diese Auswahl kann man auch manuell vornehmen. Auf den Aufbau der Mikroelektronik im Gehäuse des Boliden werde ich aus Platzgründen nicht eingehen. Eine weitere Besonderheit ist der AF-Hilfsilluminator, der bei schwachem Licht oder kontrastarmen Motiven ein Lichtmuster auf das gewünschte Objekt projiziert, damit der Autofokus scharfstellen kann. Er funktioniert bis zu einer Entfernung von sieben Metern. Der AF kann auf drei verschiedene Betriebsarten eingestellt werden. Standardmäßig ist er auf A (wie 'automatic') eingestellt, den Automatikbetrieb. Weiterhin gibt es für bewegliche Objekte die Möglichkeit auf C (wie 'continue'), oder auf S (wie 'static') für statische Objekte umzustellen. Der Autofokus ist zweifelsohne ein entscheidenes, aber oft auch überbewertetes Kriterium beim Kamerakauf. Bei der Minolta Dynax 800si oft als Negativpunkt genannt (auch bei mir), leistete er bei mir bisher immer hervorragende Arbeit. Einziger Wehrmutstropfen ist die Scharfstellgeschwindigkeit. Sie ist im direkten Vergleich zur Konkurrenz aus dem Hause Canon und Nikon wirklich geringer. Dies ist mir aber erst aufgefallen, als ich mal mit einer anderen Kamera fotografierte.
5. Belichtungsfunktionen Die Dynax 800si bietet, eine Palette von Motivprogrammen an. Für eine semi-professionelle SLR-Kamera recht ungewöhnlich, da diese Art der Programmautomatik bei den meisten Fotografen verpönt ist. Meiner Meinung nach ist das ungerechtfertigt, da man nicht immer die Zeit und Muße hat, detailierte Einstellungen an Blende und Zeit vorzunehmen. Hier kurz die wesentlichen Auswirkungen auf die Aufnahme:
Portrait - Schau' mir in die Kamera, Kleines! Die Kamera wählt hierbei eine große Blendenöffnung, um die Schärfentiefe so gering wie möglich zu halten. Deshalb sollte man beachten, dass bei einem Portrait die Augen scharfgestellt sind, da sie als Blickfänger gelten. Also, zuerst die Augen fokussieren, die Einstellung mit der AF-Taste speichern, und dann den richtigen Bildausschnitt auswählen. Nachtportrait - Augen zu und durch. Das Ziel der Kamera ist es, eine harmonische Mischung aus Blitz- und vorhandenem Dauerlicht zu erreichen. Es bedarf nicht immer der schnellsten Verschlusszeit von 1/200s, auch wenn dann die Gefahr von Bewegungsunschärfe steigt. Der Fotograf hat hierbei viel Spielraum für Experimente.
Landschaft - So weit der Himmel reicht. Es werden besonders kleine Blendenwerte bevorzugt, um die Tiefenschärfe auf ein Maximum zu erhöhen. Diese Tendenz kann durch den Einsatz von Weitwinkelobjektiven noch unterstützt werden. Nahaufnahme - Biene Maja mal ganz groß. Hierbei werden ebenfalls kleine Blendenöffnungen angestrebt, da besonders im Nah- bzw. Makrobereich die Tiefenschärfe stark abnimmt. Der Grat zwischen Schärfe und vorhandener Lichtmenge ist dort besonders schmal.
Sport - Weg war der Vogel! Die Kamera bevorzugt kurze Verschlußzeiten, da sie schnelle Bewegungen damit einfrieren kann. Natürlich müssen dies nicht nur Motive aus dem Bereich des Sports sein. Überall, wo etwas passiert, kann dieser Modus eingesetzt werden. Blenden- und Zeitautomatik - Auch was für Profi's? Bei der Blendenautomatik wird die Verschlußzeit vom Fotografen festgelegt. Er behält die Kontrolle über die Bewegungsschärfe. Mit der Zeitautomatik legt der Fotograf die Blende und damit die Schärfentiefe fest. In jedem Fall sorgt die Kamera für die richtige Belichtung. Diese beiden Automatiken sind für mich eigentlich die beste Möglichkeit, kreativ zu fotografieren, ohne das Motiv aus den Augen zu verlieren. Sowohl die Zeit-, als auch die Blendenautomatik erlauben es dem Fotografen, deutlichere und genauere Prioritäten zu setzen, als mit der Programmautomatik. Der Werteshift ist bei der Minolta zusätzlich eingebaut, um schnell neue Prioritäten zu setzen. Blende und Verschlußzeit können so im vollautomatischen Programm (P) direkt verändert bzw. angepasst werden. Beim Werteshift ändert sich der Lichtwert nicht.
Messmethoden - Geeicht, aber nicht intelligent. Der in der Dynax eingebaute Belichtungsmesser misst das vom Objekt reflektierte Licht (Objektmessung). Es gibt drei verschiedene Messverfahren, die ich hier kurz vorstelle: Wabenfeldmessung - Kein Streuverlust! Hierbei nutzt die Dynax eine 14-Segment-Wabenfeldmessung, die anhand der verschiedenen Messfelder eine Art Motivanalyse durchführt, um bestmögliche Belichtungsergebnisse zu erreichen. Diese Methode hat sich sehr bewährt und macht Eingriffe des Fotografen (Belichtungsreihe) bei den meisten Motiven überflüssig.
Mittenbetonte Integralmessung - Die goldene Mitte. Sie funktioniert ähnlich wie die Wabenfeldmessung, wobei die Bildmitte stärker in die Messung miteinbezogen wird. Dies empfiehlt sich in Situationen, in denen keine Zeit für die Belichtung und die Wahl der Messtelle bleibt. Gerade bei der Verwendung eines Diafilms macht diese Methode Sinn, da man hier bessere Rückschlüsse auf die Lichtsituation machen kann. Eventuell kann man durch Korrekturen noch eingreifen. Nachteilig wirkt sich diese Technik bei Motiven mit hohem Kontrastanteil aus. Spotmessung - Sie bringt es auf den Punkt. Der Spot entspricht einem sehr kleinen Teil des Sucherbildes (ca. 2,7 %) und sorgt damit für eine starke Mittenbetonung, da das Messfeld genau eingegrenzt ist. Die Belichtung eines kleinen Motives kann mit dieser Methode genau bestimmt werden. Für den täglichen Gebrauch ist diese Technik nicht geeignet, da man immer nur Punkte mittlerer Dichte anpeilen darf, um eine ausgewogene Belichtung zu erhalten.
Messwertspeicher - Gedächtnis der Dynax. Der 'AEL'-Knopf fixiert den gerade gemessenen Belichtungswert, ohne den Autofokus zu deaktivieren. Nach dem Drücken des Knopfes kann man den Bildausschnitt frei auswählen. Memoryfunktion - Bis zu drei gespaltene Persönlichkeiten. Als kreativer Fotograf kann man mit Hilfe des Memory-Drehrades seine eigenen, individuellen Einstellungen speichern und jederzeit wieder abrufen.
Belichtungskorrektur - Die Dynax einfach austricksen. Hiermit kann man eine Serie von Aufnahmen gezielt über- oder unterbelichten. Im Bereich von +3 bis -3 Lichtwerten kann die gemessene Belichtung bis auf 1/2 Lichtwert genau korrigiert werden. Dies wird beispielsweise bei High- bzw. Low-Key-Effekten angewendet. Auch bei Doppelbelichtungen wählt man für die zweite Aufnahme üblicherweise einen Korrekturwert von -0,5 bis -1,0 Stufen. Belichtungsindikator - Tag oder Nacht? Diese Skala im rechten unteren Teil des Suchers gibt an, inwiefern das vorhandene Licht ausreicht, um ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten.
Belichtungsreihenautomatik - Auf Nummer sicher gehen! Einsetzbar bei einem engen Belichtungsspielraum. Bei empfindlichem Filmmaterial (z.B. Diafilm) kann ein halber Blendenwert den Unterschied zwischen perfekt belichtet und gerade noch akzeptabel ausmachen. Diese Automatik erstellt 3er, 5er oder 7er Bildreihen mit Abstufungen von 0,3, 0,5 oder 1 Blendenwert. Manuelle Belichtung - Nur zum Angeben? Wer was auf sich hält, der fotografiert natürlich manuell ;-) So lauten die gängigen Meinungen zu diesem Thema. Da man hierbei das Zusammenspiel von Blende und Verschluss im Schlaf beherrschen muss, sollte man nicht direkt zu Beginn der 'Karriere' damit anfangen. Umgekehrt besteht allerdings die Gefahr, dass man sich an die Automatik gewöhnt. Die Automatik führt den Fotografen immer weiter weg vom kreativen Fotografieren. Übung macht auch hier den Meister.
Mehrfach- und Langzeitbelichtung - Ich seh' nur noch Schwarz oder Weiss. Die Minolta Dynax 800si bietet alle Funktionen, um in diesem Gebiet der Fotografie hervorragende Ergebnisse zu erzielen. Bei Mehrfachbelichtungen sollte man die Belichtungskorrektur der Kamera beachten, damit die hellen Bilder hinterher nicht aus reinem Weiss bestehen. Bei der Langzeitbelichtung ist neben einem Stativ auch ein Fernauslöser notwendig, der einzeln erworben werden muss. Sie verhindern Verwacklungsunschärfe bei Belichtungen von 1/30s und mehr. 6. Blitzlicht (eingebaut) - Der tragbare Studioblitz.
Eine Stärke der Dynax 800si ist das eingebaute Blitzgerät, das mit einer Leitzahl von 14-20 bei ISO 100/21° andere Einzelgeräte im Dunkeln stehen lässt. Es besitz einen Zoomreflektor für Brennweiten von 24-80mm und ermöglicht im Zusammenspiel mit geeigneten Fremdblitzen eine Synchronzeit bis zu 1/8000s! Eine Synchronanschlussbuchse für Studioblitzanlagen und die Möglichkeit, auf den zweiten Verschlussvorhang zu synchronisieren gibt es noch dazu. Mit Hilfe des 'Flash Bracketing' können 3, 5 und 7 Blitzbelichtungen in Abstufungen von 0,5 oder 1,0 EV durchgeführt werden. Rote Augen gehören dank des Vorblitzes der Vergangenheit an. Ich kenne keinen vergleichbar leistungsstarken Blitz an einer Kamera in dieser Preiskategorie! 7. Fazit und Ausblick
Mit der Minolta Dynax 800si habe ich einen Volltreffer gelandet! Seit nunmehr vier Jahren leistet sie mir treue Dienste bei der (leider nicht täglichen) Fotoarbeit. Ich habe KEINE einzige Reparatur zu beklagen. In Kombination mit hochwertigen Objektiven entstehen Bilder von professioneller Qualität. Bis heute habe ich persönlich nicht alle eingebauten Features ausreizen können, was aber daran liegen könnte, dass ich kein ausgebildeter Fotograf bin. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Kamera auch im professionellen Bereich eingesetzt wird. Die Zielgruppe dieser Spiegelreflexkamera besteht demnach nicht nur aus ambitionierten Amateuren. Angesichts der Ausstattungsvielfalt und der vielen Details kann auch ein vernünftiger Berufsfotograf mit dieser Kamera (evtl. als Zweitkamera) sein Geld verdienen. In diesem Zusammenhang wirkt sich allerdings der vergleichsweise langsame Autofokus (3 Bilder/Sek.) und das schlechte Image von Minolta nachteilig aus. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Inkompatibilität von einigen Produkten, die nicht aus dem Hause Minolta sind. Mein kürzlich erworbenes Makro-Objektiv (Sigma EX 3.5/180mm) besitzt z.B. einen ultraschall gesteuerten Autofokus (HSM). Dieser wird allerdings vom Minolta Bajonett nicht erkannt :-( Bei Blitzgeräten von Fremdherstellern muss man ebenfalls genau aufpassen, welche Funktionen unterstützt werden. Bei der ganzen Kritik darf man aber nicht vergessen, dass die Dynax 800si mittlerweile nur noch für gute 1.149 DM verkauft wird, und somit 1/3 bis 1/4 dessen kostet, was die Flagschiffe der Konkurrenz (Canon/Nikon) immer noch kosten. Eine richtige Profikamera ist sie also nicht geworden, aber in ihrer Preiskategorie stellt sie die Modelle der Konkurrenz in den Schatten. Es bleibt abzuwarten, wie sich die anderen Anbieter in diesem Mittelklasse-Segment in Zukunft verhalten werden. Hoffentlich kann sich Minolta weiterhin behaupten. Ich bin der Meinung, dass Minolta dem engagierten Fotografen mit der Dynax 800si alle notwendigen Hilfestellungen anbietet, um ein perfektes Bild zu machen. Auf den Auslöser muss er allerdings noch selber drücken ;-)
Ciao aus Kaarst... P.S. Wer noch mehr technische Informationen (Datenblatt) benötigt, der kann diese gerne bei mir anfordern: qwer13@web.de
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24.08.2010 16:01
wollte eben selbst einen Bericht über die 800si schreiben, habe dann aber diesen erstklassigen Bericht gefunden. Da gibt es nix mehr was man noch verbessern oder ergänzen könnte! bh
15.06.2006 13:16
Hier fehlt es an nichts. Mehr hilfreiche Informationen für den Kaufinteressenten kann ein Erfahrungsbericht nicht beinhalten. Daher ist für mich die Bewertung "besonders hilfreich" mehr als angemessen.
29.05.2005 15:18
Guter Aufbau, Randbereiche werden erörtert, gute Einbindung der Fakten mit Erfahrung. Punkt!