Erfahrungsbericht über

Missing Link - Thriller / Walt Becker

Gesamtbewertung (7): Gesamtbewertung Missing Link - Thriller / Walt Becker

 

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Bücher, die die Welt nicht braucht

2  29.02.2004

Pro:
gute Ideen für eine gute Story, extrem spannend .

Kontra:
logische Fehler, schlechte Umsetzung, viele Vorurteile,sehr niedriges Niveau

Empfehlenswert: Nein 

Details:

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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Penthesilea

Über sich: "There's a difference between knowing the path and walking the path..." (Morpheus, The Mat...

Mitglied seit:07.11.2000

Erfahrungsberichte:56

Vertrauende:38

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 134 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es war einer jener Nachmittage, an denen ich unbedingt eine Ablenkung brauchte. Eine Ablenkung vom alltäglichen Stress, eine Ablenkung von meiner Arbeit am Computer, eine Ablenkung von nervenaufreibender, geistiger Arbeit. Und wobei kann man besser abschalten, als bei einem spannenden Buch? Eben! So kam es, dass ich in der größten Buchhandlung dieser Stadt die Regale mit den Taschenbüchern durchstöberte und schließlich "Missing Link" von Walt Becker in die Hände bekam, es kaufte und einen großen Teil des Wochenendes lesend auf der Couch verbrachte.

Vielleicht war mein Wunsch nach Ablenkung ohne zu viel Anspruch doch zu groß gewesen, denn das Buch erwies sich zwar als äußerst spannend (ich habe es innerhalb eines Wochenendes trotz 456 Seiten durchgelesen), war jedoch SEEEEHR seicht, gespickt von logischen Fehlern, primitivem Halbwissen und Vorurteilen und teilweise war es einfach nur blöd.

Um was es geht?
Die schöne und intelligente Paläonthologin Samantha macht in einer Höhle in Afrika eine sensationelle Entdeckung: Sie findet dort ein jahrtausende altes Skelett, welches ein Metall bei sich trägt, das auf der Erde gar nicht vorkommt. Aber wie kommt ein Mensch, der vor Jahrtausenden auf der Erde gelebt hat, zu einem solchen Metall? Und wofür wurde es genutzt? Zunächst einmal ein guter Start, für ein spannendes Buch. Leider beginnt hier aber auch die größtenteils haarsträubende Geschichte. Nach kurzer Zeit wird klar, dass es sich bei dem Skelett nur um einen Außerirdischen handeln kann. Schließlich hat das Skelett nicht nur dieses merkwürdige Metall bei sich, sondern hat unmenschlich große Augenhöhlen und nur 4 Finger. Autsch, so viele Vorurteile auf einmal tun schon richtig weh!
Samantha ruft ihren Ex-Freund und Wissenschaftler Jack zu sich. Dieser hatte auf eine solche Entdeckung sein Leben lang schon gewartet, da er sich seit langem sicher war, dass sich der Mensch nicht einfach aus Menschenaffen entwickelt haben kann. Nein, es muss einen Missing Link geben, ein fehlendes Glied in der Evolution, z.B. in Form von Außerirdischen, die den "Urmenschen" ihr Wissen und ihre Weisheit vermittelt haben und sich auch genetisch mit diesen vermischt haben? Klar, wie sollen so primitive Urmenschen auch sonst so plötzlich das Wissen und die Fähigkeiten erlangt haben, unglaubliche Kenntnisse in Astronomie zu haben und so fantastische Tempel, Städte und Pyramiden zu bauen, wie sie in Südamerika und Ägypten zu finden sind. Dies alles ist natürlich nur mit außerirdischer Technologie möglich!

Die Spur führt nach Südamerika zu der versunkenen Stadt Tiahuanaco in den Anden, die vermutlich über 15000 Jahre alt ist. Innerhalb kürzester Zeit gelingt es den Forschern, das gesamte Rätsel der Menschheit zu entschlüsseln, weitere außerirdische Skelette zu entdecken und von den Außerirdischen zurückgelassene Maschinen und Geräte. Selbstverständlich können die Forscher diese nach kurzem schon bedienen und verstehen.
Waffenschmuggler spielen eine Rolle, korrupte Polizisten und der Weltuntergang droht. Alles verpackt in nur knapp 500 Seiten. Und IMMER gelingt es den Helden alles in LETZTER SEKUNDE zurechtzubiegen. Dabei zerstören sie, wie es für Wissenschaftler üblich ist, "versehentlich" sämtliche Relikte und archäologische Entdeckungen, die sie während ihrer Entdeckungsreise machen...

Schade, aus dem Stoff hätte man echt eine gute Story machen können. Zumal einige der Fakten, die der Geschichte zugrunde liegen, wahr sind. Die jahrtausende alte Stadt Tiahuanaco in Bolivien existiert wirklich und ihr genaues Alter, ihre Funktion und ihre Erbauer sind bis heute unklar. Sicher ist, dass sie weit älter ist, als zunächst vermutet. Z.B. findet man dort eine komplette Hafenanlage und Spuren von heftigen Regenfällen, obwohl die Stadt fast 3000 m über dem Meeresboden liegt und der nächste See viele Kilometer weit entfernt ist. Vieles deutet darauf hin, dass die Stadt zu einer Zeit gebaut wurde, als sie noch auf Meereshöhe lag, also gegen Ende der letzten Eiszeit. Die Stadt ist aus riesigen Monolithen gebaut, die ohne Mörtel perfekt aufeinander passen und mehrere Tonnen wiegen, sodass es fraglich ist, wie man solche Kolosse je bewegen konnte. Selbst heute wäre dies nur schwer möglich, wenn überhaupt.

Weiterhin wird z.B. die tatsächlich existierende Landkarte Piri-Re'is erwähnt, die 1513 von einem türkischen Admiral gezeichnet wurde und die exakte Küstenlinie der Antarktis zeigt, obwohl diese erst 300 Jahre später entdeckt worden ist. Auf dieser Karte sind sogar Küstenabschnitte exakt aufgezeichnet, die unter meterdicken Eisschichten verborgen sind. Angeblich beruht diese Karte auf älteren Quellen. Dies müssen Quellen aus einer Zeit sein, zu der die Antarktis noch nicht von Eis bedeckt war...

Und woher konnten die frühen Hochkulturen auf der Erde wissen, dass sich die Erde um die Sonne dreht, woher kannten sie komplizierte Bewegungen am Himmel, die Präzession, oder die exakte Neigung der Erdachse...?

Viele Rätsel der Menschheit werden in diesem Buch angerissen, viele Fragen werden gestellt, die wir bis heute nicht beantworten konnten. Wirklich gute Grundlagen für ein gutes Buch. Die Umsetzung ist dem Autor leider überhaupt nicht gelungen. Das Buch ist, wie bereits gesagt, mit Klischees und logischen Fehlern überladen. Und alle nicht gelösten Rätsel unserer Vergangenheit mit dem Auftreten von Außerirdischen zu erklären ist meiner Meinung nach die primitivste und langweiligste Lösung.
Das Niveau des Buches erinnert an "Indiana Jones"-Filme oder an "Relic Hunter". Überhaupt hat man beim Lesen oft das Gefühl, dass das Buch mit dem Hintergedanken geschrieben wurde, es irgendwann einmal zu verfilmen...

Ich kann das Buch nicht weiter empfehlen. Wer niveaulose, aber spannende Unterhaltung für ein verregnetes Wochenende sucht, dem mag es gefallen, ich war allerdings sehr enttäuscht.
Für die wahrhaft spannenden Fragen und Rätsel, auf dem dieses Buch basiert, vergebe ich einen Stern, für die Spannung einen weiteren. Aber mehr ist beim besten Willen nicht drin.

Wer das Buch trotzdem lesen möchte, es ist als Taschenbuch erhältlich (Knaur-Verlag) und kostet 8,90 Euro. ISBN 3-426-62546-6.

© Penthesiliea


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Kim-Sue

Kim-Sue

23.06.2006 15:45

Huhu.. Gut, dass ich den Bericht gelesen habe, wollte mir das Buch eigentlich kaufen *grins*, werde es aber dabei belassen.

mario_siegen

mario_siegen

16.06.2006 10:13

Bin zwar anderere Meinung als du, trotzdem ein sh von mir, weil du deine Meinung ausführlich begründet hast.

ibikat

ibikat

13.02.2006 21:12

sehr guter bericht. eigentlich hatte ich vor es mir zu besorgen. aber ich glaube das spar ich mir lieber. danke jedenfalls

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