Mittsommermord (Hörbuch)/ Mankell, Henning

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Mittsommermord (Hörbuch)/ Mankell, Henning

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Mausetot in Rüschen und Korsett

4 5. Mar 2004 (21. Jul 2004)

Pro:
sehr spannend, geradlinig, mit Showdown, professionell gesprochen, erträgliche Musik

Kontra:
hoher Preis

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Spannung:

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mima17

Über sich: Hallo! Mein jüngster Bericht: "Die Flügel der Sphinx" (Audio, 3 Bilder). +++ Ich wünsche e...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 68 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Drei junge Leute werden im Wald von einem Unbekannten erschossen. Sie hatten es gewagt, die Mittsommernacht am 22. Juni in Rokoko-Kleidern zu feiern. Merke: Try this only at home!

Der Autor
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Henning Mankell, 1948 in Härjedalen geboren und jetzt in Mosambique lebend, sieht sich selbst weniger als Krimiautor denn als Gesellschaftskritiker. Bereits mit 20 arbeitete er in Stockholm als Autor und Regisseur an einem Theater. In den siebziger Jahren veröffentlichte er mehrere Werke, die sich den Klassenkampf und die Arbeiterbewegung zum Thema machten.

Seit 1990 widmet er sich seinem Hauptwerk: den neun Fällen des Kommissars Wallander. Sie wurden Weltbestseller und alle im Hörverlag in Höspielfassungen veröffentlicht. "Mittsommermord" wurde 2001 von Wolfgang Butt ins Deutsche übersetzt.

Das Titelbild
°°°°°°°°°°°°°°

... zeigt ein Gemälde des viktorianischen Malers George Frederick Watts von 1886, das in der Londoner Tate Gallery hängt. Es trägt den seltsamen Namen "Hoffnung", hat also allegorischen Charakter. Auf einer braunen Kugel kauert eine weibliche Gestalt, deren Augen verbunden sind. Hinter dem gebeugten Kopf umklammert die linke Hand ein emporragenden Holzrahmen, der entweder ein Saiten-Instrument oder einen Webstuhl darstellen soll und mit einer Kette versehen ist. Bis auf einen letzten sind alle Fäden am Rahmen gerissen: blinde Hoffnung, die sich an einen letzten Faden (= Strohhalm) klammert.

Die Sprecher
°°°°°°°°°°°°°°

Ulrich Pleitgen spricht diesmal den Kommissar. Pleitgen kann auf eine lange, erfolgreiche Sprecher- und Schauspielerkarriere zurückblicken. Geboren 1946 in Hannover, erhielt er seine Schauspielerausbildung an der Staatl. Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken.

Handlung
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Am Mittsommerabend, dem 22. Juni, feiern drei junge Leute im Wald von Ystad ein feuchtfröhliches Fest. Sie sind in Rokoko-Kostüme gekleidet und gepudert. Ein Mann tritt zwischen den Bäumen hervor und jagte jedem eine Kugel durch die Stirn. Er ist zufrieden: Ihnen ist das Lachen vergangen. Eine von ihnen war Astrid Hillström.

Etwa sechs Wochen später wird Wallanders Kollege Kalle Svedberg ermordet ins einer durchwühlten Wohnung aufgefunden. Nun endlich erfahren die Kollegen mehr über ihren zurückhaltenden Kollegen. Wie sein bester Freund Bror Sundelius verrät, hatte Svedberg eine Freundin namens Louise. Die ist nicht aufzutreiben, lediglich ihr Foto fällt dem Kommissar in die Hände. Und das Foto von vier jungen Leuten in Kostümen des 18. Jahrhunderts. Eine der abgebildeten Frauen ist Astrid Hillström, die ihrer Mutter noch nach dem 22.6. eine Postkarte schrieb, die die Mutter als Fälschung bezeichnet.

Wallander und seine (nicht mehr ganz so neue) Kollegin Ann Britt Höglund ahnen einen Zusammenhang zwischen dem Mord an Svedberg und den verschwundenen jungen Leuten, als Astrids Mutter erzählt, Svedberg habe schon im Juli und August nach ihrer Tochter gesucht und Fragen gestellt. Er hatte ihr offenbar geglaubt, im Gegensatz zu seinen Kollegen.

Als das vierte Mädchen auf dem Foto stellt sich Isa Edengren, eine junge, von ihren reichen Eltern seelisch misshandelte Frau, die versucht hat, sich das Leben zu nehmen. Wallander ist verblüfft: Das Mittsommerfest war völlig geheim, und Isa überlebte, weil sie krank geworden war. Woher kannte der Mörder Ort und Zeitpunkt des Treffens?

Als er nach dem Verhör in Isas Versteck auf einer Insel schläft, weckt ihn ein Schrei. Er kommt zu spät, um Isa vor dem unsichtbaren Killer zu retten. Doch woher konnte dieser Mann oder diese Frau wissen, wo sich Isa befand?

Schon bald hat sich der Mörder neue Opfer ausgesucht, denen das Lachen vergehen soll. Ob Wallander noch rechtzeitig erkennt, wie der Killer seine Opfer findet?

Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°°

Die Dramaturgin Valerie Stiegele hat das Hörspiel für den Westdeutschen Rundfunk bearbeitet. Sie achtete dabei auf die Herausarbeitung eines logischen Roten Fadens, den Aufbau von Spannung und einen Action-Höhepunkt. Das gelingt auch ganz gut.

Allerdings gibt es auch Brüche oder Lücken, die dem schnellen Fluss der Handlung geopfert werden: So besitzt Isa Edengren zu Wallanders größtem Erstaunen eine Tonbandaufnahme von dem Verhör, dem Svedberg auch sie unterzog. Wir bekommen diese Aufnahme allerdings nicht zu hören. Das wäre auch überflüssig gewesen, denn auch Wallander verhört sie ja, so dass wir das Wesentliche erfahren, was mit den Morden zu tun hat.

Die Kriminalisten von Ystad sind ja auch nur Menschen. Ann-Britt Höglund steht kurz vor der Scheidung, und der Kommissar macht sich Sorgen wegen Diabetes. Na, vielleicht ergibt noch etwas zwischen den beiden. Denn Ann-Britt heißt in den bekannten ZDF-Verfilmungen Maja...

Angesichts von Wallanders physischer Schwäche überrascht den Zuhörer dann doch ziemlich, welche Energie er bei der Verfolgung des Mörders, der ihm an der Wohnung aufgelauert hat, entwickelt. Ja, eine veritable Verfolgungsjagd schließt sich an, die dort endet, wo alles begann: im Wald von Ystad. Dort zeigt sich auch, wozu ein Brett vor dem Kopf alles gut ist.

Was das gesellschaftliche Engagement Mankells in diesem Roman angeht, so macht es sich an dem Grund fest, aus dem der Mörder seine Verbrechen begeht: Er will seinen Opfer das Lachen austreiben. Dies hat etwas mit seiner Rache an dem zu tun, was man ihm als Kind angetan hat.

**Die Sprecher

Alle Sprecher sind Profis, wie deutlich zu hören ist. Am wichtigsten ist natürlich die Figur des Kurt Wallander: Ulrich Pleitgen verleiht dem ebenso beliebten wie beleibten Kommissar eine imposante Statur: einmal voller Energie, dann wieder lethargisch, denn er hat offenbar Diabetes. Dieser Energiemangel wird Wallander fast zum Verhängnis. Im Vergleich zu Heinz Kloss in "Der Mann, der lächelte" wirkt Ulrich Pleitgen allerdings zu nervös, beinah schon aggressiv.

Von den übrigen Sprechern ist mir kaum einer im Gedächtnis geblieben. Sie folgen in rascher Abfolge aufeinander. Nur Anne Weber als Ann-Britt und Kathrin Bühring als Isa Edengren ragen heraus: Sie haben längere Parts und beindrucken durch ihre Modulationsfähigkeit, die besonders im akustischen Medium wichtig ist.

**Die Musik

Auch diesmal ist die Musik eine Geschmacksfrage. Sie wird nur von Saiteninstrumenten gestaltet, also Violinen und Celli etc. Es handelt sich laut Booklet um drei verschiedene Urheber, was aber nicht von Belang ist. Die Musik erzeugt eine angespannte Atmosphäre durch dissonante Harmonien. Dann aber, wenn Action in die Handlung kommt, kippt das Dahinplätschern in recht rhythmische Kadenzen, so dass man fast meinen könnte, in einem James-Bond-Film zu sitzen.

Geräusche gibt es diesmal nur sehr wenige, so etwa Babygeschrei oder klingelnde Telefone. Daher treten auch keine Fehler wie etwa bei "Der Mann, der lächelte" auf.

Unterm Strich
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Insgesamt würde ich das Hörspiel "Mittsommermord" im oberen Mittelfeld einordnen: Hier wird nichts falsch gemacht, es werden aber auch keine künstlerischen Gipfel erklommen. Das Hörspiel eigent sich also recht gut für den Einstieg in Mankells Werk, zumal es nicht mal zwei Stunden lang ist. Dafür wiederum ist es mit 20 Euro recht teuer. Man sollte es sich gebraucht besorgen.

Michael Matzer (c) 2004ff

Info: Steget efter, 1997; Der Hörverlag, München 2001; ca. 110 Minuten auf 2 CDs, EU 19,95, ISBN 3-89584-542-6, aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt. 

Bilder von Mittsommermord (Hörbuch)/ Mankell, Henning
Mittsommermord (Hörbuch)/ Mankell, Henning Bild 1264 tb
Titelbild des Hörbuchs *Mittsommermord*
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
carmen

carmen

22.07.2004 13:41

Den hab ich ja nun schon gelesen - war einer der besseren Romane von Mankell. gruß, carmen

Vanessa.Kensington

Vanessa.Kensington

08.03.2004 14:35

Nachdem ich meine CIS vom gesamten WE gerade durchgegangen bin, konnte (musste) ich Deinen Bericht noch einmal umbewerten. Eigentlich tendierte ich schon heute morgen zu einem BH, war aber nicht sicher, was da heute noch auf mich zukommen würde. Das ist das schwierige an den neuen Bewertungen bei Ciao ;) Dein Bericht war wie imemr besonders gut geschrieben, ich denke die Informationen, die Du gibst sind fundiert und anchvollziehbar, daher Bh.

Vanessa.Kensington

Vanessa.Kensington

08.03.2004 07:26

Mittsommermord als Hörspiel war, glaube ich, mein erster Kontakt zu Mankell. Leider kann ich bislang keine Vergleiche zu dem Buch ziehen, da ich das bisher noch nicht gelesen habe. Dafür durfte ich am WE meine DVD zu "Die fünfte Frau" geniessen. LG iNa

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