Mittsommermord / Mankell, Henning

Erfahrungsbericht über

Mittsommermord / Mankell, Henning

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Beklemmend spannendes Katz-und-Maus-Spiel

5 29. Mar 2002 (16. Apr 2002)

Pro:
spannend, niveauvoll, unnahbare Einblicke in die seelischen Abgründe eines psychisch Gestörten

Kontra:
ziemlich teueres Lesevergnügen

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau:

Unterhaltungswert:

Spannung:

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medicus1

Über sich: Hallo Ihr Lieben! Endlich bin ich wieder da! Auch wenns leider etwas länger gedauert hat. Verzeiht...

Mitglied seit:19.02.2002

Erfahrungsberichte:15

Vertrauende:5

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 64 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo liebe Ciolaner,

in meinem neusten Bericht möcht ich mich Henning Mankells Meisterwerk "Mittsommermord" widmen.

"Mittsommermord" ist einer der fesselndsten Krimis, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Fast unerträgliche Spannung durchzieht abwechselnd mit düsterster Melancholie den 602 Seiten starken Roman des schwedischen Autors Henning Mankell.

In der Mankell-Reihe ist Kurt Wallander Kommissar in Ystad im südlichsten Schweden. Ende des Sommers 1996 muss er einen Massenmörder fangen, der durch seine bestialischen Taten nicht nur das Gemüt der Bevölkerung sondern auch das des Lesers zutiefst erschüttert. Abwechselnd wird die Geschichte aus Sicht des noch unbekannten Täters und aus Sicht Wallanders erzählt.

Aus Sicht des Täters beginnt das Buch mit dem grausamen Mord an drei Jugendlichen, die - verkleidet in Kostümen des 18. Jahrhunderts - Mitte Juni im Wald Mittsommer feiern wollen und erschossen werden. Genauestens geplant und fast ohne irgendein Risiko begeht der Mörder die für den Leser nervenaufreibende Tat. Schon hier offenbart sich dem Leser mit welch großer Perfektion der Mörder vorgeht, wobei seine Motive jedoch im Dunkeln bleiben. Im Laufe des Buches wird man den Täter immer besser kennen lernen, erfahren, dass er keine glücklichen Menschen ertragen kann und sie deshalb tötet, dass er nie Spuren hinterlässt, dass er in Einsamkeit lebt - jedoch die tiefen Abgründe seiner Seele und seine wahre Motivation bleiben dem Leser bis zum Schluss verborgen.

Für Kommissar Wallander beginnt die Mordserie mit dem bestialischen Mord an seinem Kollegen Svedberg, den er mit weggeschossenem Gesicht in dessen Wohnung findet. Nur sehr langsam findet der erfahrene Kommissar heraus, dass Svedberg schon erfolgreich Nachforschungen zu dem Mord an den Jugendlichen angestellt hatte und er somit sterben musste. Die Tatsache, dass er völlig allein lebt und scheinbar nicht einmal seinen Kollegen und Freund richtig gekannt hatte, offenbart Wallander seine eigene Einsamkeit. Nur mit Widerwillen und größtem Unbehagen beginnt er Svedbergs Leben zu durchleuten und fördert immer ihm neue und befremdliche Details ans Tageslicht. Nur in mühsamster Kleinarbeit gelingt es ihm Svedbergs schrecklichen Tod mit dem Mord an den drei Jugendlichen in Verbindung zu bringen. Jedoch kann er trotz größter Bemühungen - mit der Presse und der Bevölkerung im Nacken - weitere grausame Morde an glücklichen Menschen nicht verhindern. Zweifelnd an seiner fachlichen Kompetenz, wird er sich seiner Einsamkeit bewusst, die neben seinem Beruf noch bleibt.
Wallander ist jedoch nicht nur einsam, sondern auch gesundheitlich stark angeschlagen: Er hat Diabetes, Bluthochdruck, fühlt sich ausgelaugt. Je näher er dem Täter im Verlauf der Handlung kommt, desto schwächer wir Wallander und denkt sogar an Rücktritt als Ermittlungsleiter. Jedoch die Angst vor neuen Morden und die Abscheu vor solch einer grausamen Kreatur treibt ihn immer wieder an, weiter zu suchen, obwohl er - je weiter die Ermittlungen die krankhafte Psyche des Mörders offenbaren, er psychisch und physisch immer angeschlagener wird.

Der Krimi ist deshalb so spannend, weil Wallander, je näher er dem Täter kommt, er mehr und mehr den Boden unter den Füßen verliert. Wallander kommt ihm immer näher, so nahe dass der Leser den Eindruck gewinnt, er müsste ihn fast greifen können. Jedoch scheint der Täter ihm immer noch einen Sprung voraus zu sein. Physisch ungreifbar, psychisch undurchdringbar. Schlussendlich wagt sich Wallander jedoch zu weit aus dem Fenster und kommt dem Täter zu nahe, merkt aber nicht, dass er das nächste Opfer werden soll...

Das Buch hat mich ncht nur aufgrund seiner Spannungsmomente gefesselt, sondern auch weil die zwei Gegenspieler faszinieren:
Der Täter: körperlich fit, psychisch gestört, kaum Risiken eingehend, selbstbewusst
und Wallander: gesundheitlich angeschlagen, menschlich (verliert oft die Beherrschung, muss Fehler eingestehen, geht zu große Risiken ein), seiner Intuition folgend.

Das ganze ist geschrieben vor dem Hintergrund letzter ungewöhnlich warmer Somertage im kargen und einsamen Schweden. Leise Zwischentöne und facettenreiche Töne machen somit neben Spannung und einer gesellschaftkritischen Grundhaltung der Protagonisten den Erfolg des Buches aus.
Ich kann dieses tiefgehende Meisterwerk nur jedem empfehlen, der von diesem Buch nicht nur einen gewissen Thrill sondern auch Einblick in die Abgründe der Menschen erwartet, auch wenn die Motive des Täters auch am Schluss noch teilweise undurchschaubar sind.

Das Buch ist momentan nur in gebundener Ausgabe für 23,50 Euro zu erstehen. Als Taschenbuch wird es voraussichtlich 11,50 Euro kosten.
ISBN: 3552049622

Weitere Bücher von Mankell sind:
Die falsche Fährte; der Mann der lächelte; die weiße Löwin ,...
Viel Spaß beim Lesen!

B.b. medicus1 und frohe Ostern! 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
jeanie1

jeanie1

14.07.2003 13:01

mein lieblingsbuch von mankell.toller bericht

Linnie1978

Linnie1978

10.04.2003 14:05

auch 11 Euro für ein Taschenbuch finde ich noch ziemlich viel.... Bücher sind in Deutschland einfach zu teuer geworden. Aber für Mankell gebe ich es trotzdem aus ;-)

Sprachlos69

Sprachlos69

18.11.2002 17:42

Ich lese es gerade (hab schon 358 Seiten) und werde heute Abend weiterlesen :-) Liebe Grüße von der Sprachlosen

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