Mittsommermord / Mankell, Henning

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Mittsommermord / Mankell, Henning

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„Immer unterwegs und immer unter Strom...“

5 27. Mai 2002

Pro:
spannend wie immer mit einem gehörigen Schuss schwedischem Schwermut

Kontra:
manches ist nicht wirklich realistisch, aber es ist ja auch ein Roman, gell? !

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau:

Unterhaltungswert:

Spannung:

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StonerMcT

Über sich: Summertime!

Mitglied seit:06.03.2000

Erfahrungsberichte:307

Vertrauende:100

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 54 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Zu Henning Mankells Krimis braucht man ja eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Sie verkaufen sich quasi von selbst, und angesichts meiner eher ablehnenden Haltung gegenüber Bestsellern habe ich auch recht lange gewartet, bis ich tatsächlich einen dieser Krimis gelesen habe - auch oder gerade weil alle gesagt haben: Die MUSST Du lesen (ich bin ja dickköpfig ;o)).

Zum Glück habe ich mich eines Besseren belehren lassen: Henning Mankells Bücher verkaufen sich deshalb gut, weil Qualität und Lesevergnügen sich rumgesprochen haben - zu Recht, wie ich finde.

„Mittsommermord“ ist Kommissar Wallanders siebter Fall, da allerdings die Bände in Deutschland in ziemlich verquerer Reihenfolge erschienen sind, gibt es ihn nun noch vor dem vierten Band als Taschenbuch.
Somit habe ich - wie die meisten Mankell-Fans - ebenfalls in verquerer Reihenfolge gelesen, wobei zwar keine Verständnisschwierigkeiten auftreten, jedoch wirkt es doch ein wenig merkwürdig, wenn Personen, die im vorher gelesenen Roman bereits tot sind, auf einmal wieder ganz lebendig werden. Oder wenn Wallander die Geliebte, mit der er längst nicht mehr zusammen ist, kennenlernt...

So, nun wird es aber Zeit, dass ich Euch ein bisschen über den „Mittsommermord“ erzähle. Am 21. Juni, in der Mittsommernacht, feiern einige Jugendliche im Naturschutzgebiet von Schonen ein Verkleidungsritual. Danach gibt es als einzige Lebenszeichen einige Postkarten von einer Europareise, an deren Echtheit die Mutter einer Jugendlichen von Anfang an zweifelt.

Da es abgesehen davon keine Hinweise auf ein Verbrechen gibt, unternehmen die Polizisten trotz eines unguten Gefühls zunächst wenig.
Wenig später macht Wallander eine grausige Entdeckung: Er findet seinen Kollegen Svedberg mit zerschossenem Gesicht in dessen Wohnung vor. Svedberg, ein ruhiger und gewissenhafter Kollege, über den kaum jemand etwas Persönliches wusste, hatte in den letzten Wochen seines Leben an dem Fall gearbeitet, und einiges deutet schon recht früh darauf, dass Svedberg wusste, dass etwas Schreckliches geschehen sein muss. Dazu noch hatte er seinen gesamten Urlaub genommen und - wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellt - war dies keineswegs ein Erholungsurlaub, sondern Svedberg hat währenddessen weitere Befragungen durchgeführt. Welchen Zusammenhang gibt es also zwischen Svedberg und den verschwundenen Jugendlichen?

Wanderer finden schließlich Wochen später die Leichen der drei Jugendlichen. Und es geschehen weitere Morde, die auch Wallanders im wahrsten Sinne des Wortes unermüdlicher Einsatz nicht verhindern kann.

Da passt es nicht gut zusammen, dass Kurt Wallander soeben - da von Dauermüdigkeit, Durst und Harndrang geplagt - von seinem Arzt erfahren hat, dass er an vermutlich an Diabetes leidet. Und dass er seinen Lebenswandel ändert muss, was natürlich für einen Workoholic wie Wallander in einem solch spektakulären Fall kaum möglich ist. So möchte man dann dem Helden dann als Leser/in gelegentlich mal ins Gewissen reden, doch andererseits ist ja fürs Lesevergnügen nur gut, dass dieser Kommissar so ermittelt, wie er ermittelt: atemlos und quasi immer im Dienst. Nur für mich. Naja, und für ein paar Millionen andere, die sich gern mit einem guten Krimi die Nacht um die Ohren schlagen. Wen kümmert schon, ob das realistisch ist und ob Wallander nicht in der Realität schon zehn Jahre früher an einem Herzinfarkt gestorben sein müsste?!?

Wallander ist so etwas wie ein einsamer Wolf mit vielen Defiziten, die ihn in der klassischen Heldenrolle eher alt aussehen ließen. Er ist ein Sympathieträger, der einem auch gefühlsmäßig so nahe gebracht wird, dass es einem von Zeit zu Zeit fast ein wenig zuviel wird. Aber das ist okay, das gehört dazu. Ich glaube, das ist auch der Grund, weshalb ich die Wallander-Romane nicht alle hintereinander verschlungen habe, sondern mir dazwischen immer ein paar Wochen Pause gegönnt habe.

Es ist manchmal gar nicht so leicht, Krimis zu besprechen, weil ja deren Auflösung nicht so ganz nebenbei verraten werden sollte. „Mittsommermord“ ist so gestrickt, dass der Leser relativ früh weiß, wer der Mörder ist, jedoch nicht weiß, warum er der Mörder ist. Im Gegensatz zu Wallander, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt, was als nächstes passiert, während man als Leser/in bereits böse Vorahnungen hegt. Das ist der Thrill, das wohlig Gruselige und zuweilen auch Grausame dabei. Ums Schockieren nach dem Motto „je blutiger, desto besser“ geht es Henning Mankell jedoch nicht, sondern in erster Linie um das Motiv, die inneren Beweggründe für eine Tat. Aber die können ja manchmal viel schockierender sein.

[Hm, irgendwie habe ich das Gefühl, dass mein erster Bericht nach meiner Prüfung ein wenig wirr geraten ist. Habt ein wenig Nachsicht mit mir --- schließlich habe ich mich in den letzten Wochen eher mit so unkommunikativen Sachen wie Buchungssätzen auseinandergesetzt. ]

Zum Abschluss nach eine aktuelle Liste der Wallander-Romane in der richtigen Reihenfolge:
1. Mörder ohne Gesicht
2. Hunde von Riga
3. Die weiße Löwin
4. Der Mann, der lächelte (bisher nur geb.)
5. Die falsche Fährte
6. Die fünfte Frau
7. Mittsommermord
8. Die Brandmauer (nur als Hardcover)

Seit einigen Wochen gibt es außerdem einen Erzählband mit dem Titel „Wallanders ersten Fall und andere Erzählungen“. Wie der Name schon sagt, „springt“ Mankell ganz an den Anfang der Geschichte, als Wallander noch ganz jung und unerfahren ist und sich gerade in die Mutter seiner inzwischen längst erwachsenen Tochter verliebt hat.

- Alle Mankell-Taschenbücher sind bei dtv erschienen, die gebundenen Titel bei Zsolnay/Hanser. Es gibt weiterhin zwei „Afrika-Romane“ von ihm (ebenfalls Zsolnay/dtv) sowie verschiedene, ganz hervorragende Kinderbücher (bei Oetinger und dtv junior). -

*Wer das Zitat aus der Überschrift einem mehr oder weniger bekannten Liedtext zuordnen kann, kriegt von mir einen Gummipunkt.
 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Mareike22

Mareike22

19.09.2007 22:29

Dass die Wallanders nicht in chronologischer Reihenfolge erschienen sind störte mich auch immer. Aber Mittsommermord ist neben der fünften Frau eins der besten Bücher von ihm - auch wenn ich das gewollt "düstere" langsam leid bin!

BettyPage77

BettyPage77

27.02.2003 17:03

...das ist gerade mein drittes buch von ihm und ich verschlinge es genauso wie die anderen...einfach nur klasse...auch die verfilmungen sind wirklich gut gemacht - kommt ja eher selten vor bei romanvorlagen...gruesse,icke

Macao

Macao

03.06.2002 20:27

also ich find nicht, dass dein bericht wirr geworden ist, ganz im gegenteil er macht lust auf mehr. und du verrätst viel aus dem buch ohne jedoch die spannung zu nehmen. besser kann man es sich doch gar nicht mehr wünschen *greetz* macao

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  1. jansdarling2002
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