Wallander - Part 8
12. Nov 2005
Pro:
gute Themen, Wallander, Spannung
Kontra:
Schwächen in der Story, anfangs holprig
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
mehr
 Lady-Alexa
Über sich:
1 Woche off, CIS mach ich für die Zeit aus.
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 105 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Þ AUSSEN Jetzt geht es wieder einmal um einen Fall von Mankells Kriminalkommissar Kurt Wallander: „Mittsommermord“. Erschienen ist dieser Roman 1997 und ich habe die Taschenbuchausgabe für etwa 10€ bei Libro erstanden. Das Cover ist schwarz und auf der Vorderseite ist das Bild einer Frau zu sehen. Sie liegt auf dem Rücken und trägt ein türkises Kleid. Ein schönes Bild, erotisch meine ich, wenn auch nicht übertrieben aufreizend. Das Buch umfasst stolze 602 Seiten.
Henning Mankell, der Autor der Wallander-Serie wurde 1948 in Schweden geboren. Er betätigt sich als Schriftsteller und Autor, abwechselnd in Schweden und Mosambik. Er zählt zu den meistgelesenen schwedischen Schriftstellern und schuf mit Kurt Wallander einen der weltweit beliebtesten Kommissare. ISBN 3-423-08607-6
Þ INNEN Unsere Geschichte beginnt in Schweden, es ist die Zeit um Mittsommer (ich hab mich da mal schlau gemacht: Mittsommer ist eine allgemeine Bezeichnung der astronomisch definierten Sommersonnenwende, 21. Juni in jedem Jahr. Ab diesem Zeitpunkt werden die Nächte länger und die Tage kürzer – bis zur Wintersonnenwende.). Martin Boge, Astrid Hillström und Lena Norman wollen eine Mittsommernachtsfeier veranstalten. Die drei Freunde sind zwischen 20 und 23 Jahren alt und wählen für ihre Feier einen Platz im Freien, gut geschützt vor fremden Einblicken, inmitten eines Reservats. Eigentlich
sollten sie 4 sein, doch ein Mädchen wird krank und muss absagen. Die 3 beginnen ihre Feier mit verkleiden und herrichten – sie stylen sich im Stil des 18. Jahrhunderts und beginnen schließlich zu feiern. Dann taucht völlig überraschend jemand auf – 3 Schüsse fallen.
Ortswechsel: Kommissar Kurt Wallander erscheint erst einmal als Privatmensch. Er leidet unter seiner Müdigkeit, extremen Durst und Übergewicht. Den dringend nötigen Arztbesuch schiebt er aber immer nur vor sich her. Er kann sich nicht überwinden, endlich hinzugehen. Eine mögliche Krankheit einzugestehen erscheint ihm wie eine Schwäche. Ein nur zu menschliches Verhalten, das ich selbst von einigen Männern dieses Alters kenne. Das Auseinandersetzen mit der eigenen Verwundbarkeit und dem Altern erscheint Kurt Wallander als unüberwindbare Hürde. Schließlich erscheint Kurt Wallander im Büro, wo er gleich eine hysterische Mutter beruhigen muss, die ihr Kind als vermisst. Kurt Wallander will die Mutter seinem Kollgen Svedberg anhängen – er hat keine Nerven für so etwas. Doch der Kollege ist nicht da, hat sich nicht krank gemeldet und ist unauffindbar. Kurt Wallander wundert sich noch, weil Svedberg eigentlich sehr zuverlässig ist, doch er wendet sich anderen Dingen zu und vergisst bald die Sache mit dem Kollegen. Unterdessen hatte die hysterische Mutter von Astrid Hillstöm einig Verdächtigenliste zusammengestellt. Kurt Wallander glaubt der Frau nicht, doch sie besteht darauf. Interessant wird es, als sie Postkarten präsentiert, die ihre Tochter geschickt hat. Die Mutter ist überzeugt davon, dass es sich um Fälschungen handelt. Kurt Wallander will die Frau beruhigen und glaubt ihr nicht. Hier wird wieder ein interessantes Thema aufgegriffen: Wie weit kennen Eltern ihre Kinder wirklich? Besonders in diesem Alter? Die Mutter wird mit ihren Befürchtungen Recht behalten, doch wie soll man das erkennen? Haben Eltern prinzipiell Recht, wenn es um ihre Kinder geht? Der Fall wird als unwichtig abgetan und es vergeht ein Tag ohne besondere Ereignisse. Kurt Wallander versucht sein Leben umzustellen: mehr Bewegung und bessere Ernährung und er zwingt sich sogar zu dem längst nötigen Arztbesuch. Wegen leichter Diabetes verordnet dieser ihm viel Bewegung und gesunde Nahrung. Kurt Wallander gibt sich wirklich Mühe und es liest sich wirklich sehr rührend, wie er da vor seinem gesunden Essen sitzt und zusehen muss, wie andere leckere Pizza und ähnliches verschlingen. Da bekommt man richtig Mitleid mit dem armen Mann. Spannung kommt auf, als Kurt Wallander mitten in der Nacht aus dem Schlaf hochschreckt und eine Eingebung hat: Der Kollege Svedberg. Irgendetwas muss passiert sein. Kurt Wallander macht sich sofort auf den Weg und bricht die Tür des Kollegen auf. Svedberg liegt da auf dem Boden, der Stuhl umgerissen – tot. Ein riesiger Schock für Wallander. Der geschätzte Kollege, einfach erschossen auf dem Boden. Wir erleben einen wirklich verzweifelten und tieftraurigen Kurt Wallander, der sich mit Schuldgefühlen quält und auch seine Kollegen mit Vorwürfen überhäuft.
Doch nun kommt Leben in den Fall, Kurt Wallander nimmt den Fall auf und hängt sich richtig rein. Es wird noch richtig spannend und es legt sogar noch zu, als die verschwundenen Jugendlichen auftauchen. Die drei liegen tot im Wald – aufgebahrt und arrangiert. Die Polizei sucht nun nach einem Verrückten, aber sehr intelligenten Täter. Etwas haarsträubend finde ich den Zusammenhang zwischen den Verschwundenen und Svedberg. Irgendwie leuchtet mir das nicht wirklich ein, dass die Fälle zusammenhängen wird Wallander bald klar, die Begründungen erscheinen mir etwas an den Haaren herbeigezogen zu sein. Das ist in meinen Augen eine Schwachstelle in der Story, weil ich von den anderen Fällen eigentlich gewohnt bin, dass alles recht schlüssig dargestellt ist. Dieser Fall ist besonders spannend und atemberaubend bis zur letzten Seite. Der Anfang ist aber etwas holprig, und der Fall kommt nur mühsam in Gang. Die Zwischen-Sequenzen aus der Sicht des Killers (was wir ja schon aus anderen Wallander-Fällen kennen), halten den Leser zwischendurch bei der Stange, wenn der Fall droht, einzuschlafen. Dennoch kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Fall erste Schwächen aufweist und im direkten Vergleich mit den anderen Wallander-Fällen nicht mithalten kann. Wallander-Fans wird das sicherlich nicht vom Lesen abhalten und der Fall ist interessant und spannend. Bei einer so umfassenden Serie ist es kaum verwunderlich, dass die Qualität etwas nachlässt. Deshalb ziehe ich 2 Sterne ab, eine Empfehlung gibt es aber trotzdem.
Þ EMPFEHLUNG 3 Sterne und eine Empfehlung.
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Mittsommermord / Mankell, Henning
Taschenbuch, 604 S., Roman, Erschienen: 2002
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16.12.2005 12:54
Wow... Du wägst Für und Wider für eine faire Bewertung sehr genau ab. Kompliment! :-) Erinnert mich an meine Beurteilung von Drei???-Hörspielen und -Büchern. ;-) Wieviele Wallander-Fälle gibt es eigentlich?
13.11.2005 09:05
un dbesonders deprimierend, dass ein mädchen ermordet wird, während wallander zu ihrem schutz im gleichen haus sich aufhält
13.11.2005 07:07
wie immer ein super bericht von dir.lg stephan