Max Frisch ganz privat
25.12.2000
Pro:
Eine Vielfalt von existentiellen Themen
Kontra:
Zeitsprünge, Gedanken werden nur angerissen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 Zsofie
Über sich:
Mitglied seit:11.11.2000
Erfahrungsberichte:125
Vertrauende:74
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 27 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Den "Stiller" und den "Homo Faber" kennen viele. Schließlich kommt ja kaum einer in der Schule um diese Romane Frischs herum. Und das ist gut so, denn sie sind beide wirklich lesenswert. Weniger bekannt sind die Erzählungen Frischs, zu denen auch das 1975 bei Suhrkamp erschienene Werk "Montauk" zählt. Zufällig war ich hier bei Ciao auf zwei äußerst positive Meinungen über "Montauk" gestoßen, was mich zum Kauf dieses Buches verleitete.Doch ich wurde enttäuscht. Im Grunde handelt es sich gar nicht um eine Erzählung, sondern vielmehr um eine Anreihung von Gedankenfetzen, die zwar teilweise hochinteressant sind, doch es ist sehr schade, dass Frisch diese nicht näher ausführt. Die eigentliche Handlung, ein mit einer jungen amerikanischen Journalistin verbrachtes Wochenende Frischs in Montauk (das ist die nördliche Spitze von Long Island, 110 Meilen von Manhattan entfernt), spielt eigentlich nicht als Handlung eine Rolle, sondern vielmehr führt sie immer wieder zu Punkten, die zu Reflexionen Frischs über sein vergangenes Leben führen.Von sich selber schreibt Frisch teilweise in Ich-, teilweise in Er-Form. Das mag damit zusammenhängen, wie sehr er sich noch mit seinen Handlungen identifizieren kann. Aufgerollt werden seine zahlreichen Verhältnisse mit Frauen, seine Berufswahl (Er hat ja eigentlich Architektur studiert und arbeitete auch eine Zeit lang als Architekt) sowie allgemeine Fragen über das Leben, die Liebe, Freundschaft, Krankheiten und den Tod. Wie gesagt, das sind alles enorm wichtige Gedanken und teilweise spricht mir Frisch aus der Seele. Doch nichts wird richtig vertieft, schon springt der Autor wieder weiter, in die Vergangenheit, wieder in die Gegenwart, von Manhattan nach Rom, dann wieder nach Berlin etc.. Es fehlt der rote Faden.Empfehlen möchte ich dieses Buch all jenen, die mehr über den Autor Frisch wissen wollen. Sie werden hier sehr viel Neues lernen, ganz persönlich geäußerte Bekenntnisse (auch das Thema Impotenz lässt er z.B. nicht aus). Nicht empfehlen kann ich es Lesern, die auf unbeschwerte Weise ein unterhaltsames Buch lesen wollen. Es ist kein Buch, das man schnell durchlesen kann, sondern die elliptisch gelassenen Gedankenfetzen fordern den Leser dazu auf, weiter zu denken.Weiterhin wünsche ich Euch allen eine schöne Weihnachtszeit! (Esst nicht so viel!) Eure Zsofie
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08.01.2002 22:51
vielleicht sind die gedanken und empfindungen just deshalb nicht immer weiter ausgeführt, weil "monatuk" sich 'lediglich' über ein wochenende hinzieht und so geschrieben sein soll, wie es empfunden worden ist. ... mir hat es sehr gefallen und ich war nicht eine seite lang enttäuscht. dennoch schöner bericht von dir. liebe grüße, nico.
19.03.2001 13:46
seltsam ! wie kommt es eigentlich, dass jede lehrerin dieses gestammel toll findet ...nur weil etwas schwer verständlich und gedankenfetzenmäßig dargestellt wird, ist es noch noch nicht lesenswert. kenne ich auch noch aus der schule: frau deutschlehrerin fand immer das besonders lesenswert, was eigentlich nur aus inhaltsarmer unverständlichkeit bestand. das höchste der gefühle waren damals immerhin noch 'zazie in der metro' von queneuau und der 'fänger im roggen', ächz ! ..dabei hatte ich deutsch-lk und wollte echt 'was lern'n ;-) ...gruss gox
07.01.2001 06:35
sehr gute und informative beschreibung.....danke für diesen tip.....grüße,Big-Air