"Join in black December's sadness,
lie in August's welcome corn.
Stir the cup that's ever-filling
with the blood of all that's born."
Jede Frau kennt Geschichten von plötzlich einsetzender Blutung, roten Spuren auf weißen Hosen, vergessenen Tampons und notdürftig mit Toilettenpapier ausgestopften Hosen. Bei mir selbst setzte auf einem Langstreckenflug eine ausserplanmässige Blutung genau nach Abgabe des Gepäcks ein. Klasse. Gott sei dank versteht die Thai es als Service, auf ihren Toiletten Binden zu deponieren. Ansonsten wäre der Flug der reinste Horror geworden. Warum sind solche "Anekdoten" manchen Frauen peinlich, ist die Menstruation an sich immer noch Tabu-Thema? Eine Selbstverständlichkeit ist die monatliche Blutung für die meisten Frauen jedenfalls nicht. Davon zeugen auch die vielen Namen. Angefangen mit den normalen, in unserem Sprachgebrauch von jedem verstandenen Begriffen (Regel, Zyklus, die Tage, Periode), über den mehr oder weniger originellen Volksmund ("Tante Rosa kommt", "die rote/n Königin/Woche/Tage", "Mondblut" und "rotes Meer") bis hin zu eindeutig negativ besetzten Begriffen ("Unwohlsein", "Unpässlichkeit", "die kritischen Tage", "die hat ihr Zeuch/ ihren Kram", meine Großmutter sprach sogar von "der Schweinerei", im Englischen spricht man von "the curse", der Fluch).
Die Werbespots zum Thema Menstruationshygiene sprechen für sich. Sauber und diskret muß sie sein, die Menstruation ebenso wie das dazugehörige Produkt. Der Tampon verschwindet dezent in der Hand einer freundlich lächelnden Frau und auf die Binden tropft im Werbespot selbstverständlich nur blaue, klare Flüssigkeit. Die Werbung suggeriert uns, dass nur mit den Produkten der jeweiligen Firma die "Menstruationsflüssigkeit" sicher in der jeweiligen Binde bzw. dem Tampon eingeschlossen wird. Dafür legen wir Frauen gerne den einen oder anderen Euro mehr auf den Tresen. Die Angst vor dem Blut hat eine lange, traurige Tradition. Schon Aristoteles galt die Menstruation als Beweis für Schwäche und Unterlegenheit des weiblichen Geschlechts. Christen, Muslime und Juden waren sich einig: menstruierende Frauen müssen aus den Gottesstätten leider draußen bleiben. Im Mittelalter hatte man Angst davor, daß die blutende Frau den Wein zu Essig werden lässt, die Ernte verdirbt und ähnlichen Humbug. Ich kann mich vage erinnern, dass sogar mir erklärt wurde, dass irgendwelche Haushaltsverrichtungen nicht klappen, so frau sie denn ausführt, wenn frau ihre Mens hat (irgenwas gerinnt oder wird schneller schlecht).Nach all diesen unschönen Geschichten jetzt zum guten Teil dieses Berichtes: Juchu, ich muß nie wieder Tampons oder Binden kaufen. Unvorstellbar. Nein, ich bin noch nicht im Wechsel. Auch Hormone (unter gestagenhaltigen Verhütungsmitteln wie der Mirena oder dem Implanon bleibt teilweise die sonst pillenübliche Entzugsblutung aus) sind nicht des Rätsels Lösung. Mein mehr oder weniger alle 28 Tage (das einzig regelmässige an der Regel ist ihre Unregelmässigkeit) auftauchendes Menstruationsblut wird von dem Mooncup aufgefangen.
Bitte was ist das?Der Mooncup ist ein glockenförmiges, nach oben offendes Gebilde welches an der Basis einen Durchmesser von ca. 4,5 cm misst. An der konisch zulaufenden Seite befindet sich noch eine Art "Stiel" der ca. 3 cm lang ist. Das ganze Ding ist aus weichem, medizinischen Silikon, wer das Lea kennt, kann sich darunter etwas vorstellen. Getragen wird der Mooncup vor der Gebärmutter, dort schließt er mit den Wänden der Vagina ab und sammelt so das Blut in seinem Innern. In seinem Innern können sich 30 ml Flüssigkeit sammeln. Im Schnitt verliert frau so um die 60 ml Blut während der gesamten Menstruation, also fasst der Mooncup eine ganze Menge. Der Mooncup ist wiederverwendbar.
Warum soll das gut sein?Diese simple Konstruktion hat jede Menge Vorteile, so sind im Mooncup sind keine Bleichmittel, Deodorants oder irgendwelche anderen Stoffe enthalten die das Scheidenmillieu schädigen könnten. Auch wird nicht die gesamte Scheidenflüssigkeit aufgesaugt, wie das bei Tampons der Fall ist, es wird wirklich nur das Blut aufgefangen. Tampons trocknen dagegen die gesamte Scheide aus, weswegen einige Frauenärzte Tamponbenutzerinnen raten, wenigstens Nachts Binden zu benutzen. Die Scheidenflüssigkeit ist wichtig um die pH-Balance in der Vagina zu halten und keine Infektionen o.ä. zu bekommen. Auch ist bislang bei dem Mooncup und dem Keeper (eine Art Vorgängermodell aus Kautschuk) noch kein Fall des Toxic Shock Syndrom aufgetreten. Frauen kennen die Warnung vor dem TSS auf jeden Fall von den Tamponpackungsbeilagen. Hier handelt es sich um eine durch Staphylokokken verursachte, im schlimmsten Fall tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Die glatte Oberfläche des Mooncups verhindert das Bakterienwachstum. Außerdem schont man durch die Benutzung die Umwelt (man denke an die ganzen Zellstoffberge die sich in einem Frauenleben so ansammeln) und die eigene Geldbörse, den "Menstruationshygiene" ist eine kostspielige Angelegenheit, vor allem, wenn frau auf Markenprodukte zurückgreift...
Und wie funktioniert das jetzt genau?Der Mooncup wird zwischen Daumen und Zeigefinger zusammengedrückt und ähnlich wie ein Tampon eingeführt. Anfangs scheint der Mooncup recht groß zu sein, es ist deswegen nützlich, ihn entweder mit Wasser oder einem Tropfen Gleitgel angefeuchtet einzuführen. Meine englische Gebrauchsanweisung rät: "Stay relaxed". Naja, für jede Lea-Benutzerin ist die Größe allenfalls ein Witz. Das soll groß sein, pah. Nun tastet frau noch einmal nach ob sich der Mooncup auch entfaltet hat, andernfalls würde das Blut ja daran vorbeilaufen und dann fertig. Zum Entfernen zieht man an dem "Stengel". Bei mir saß das Ganze mal wieder ziemlich fest, aber das kenne ich ja auch schon vom Lea. Ein ploppendes Geräusch zeigt mir an, dass das Vakuum aufgelöst ist und ich den Mooncup nun herausfischen kann. Dann muß der Mooncup nur noch ausgewaschen werden und kann erneut wieder eingesetzt werden.
Und wenn......ich auf einer öffentlichen Toilette bin? Muß ich dann mit dem blutigen Ding zum Entsetzen der anderen Frauen zum Waschbecken laufen und Ding auswaschen, am besten noch mit heruntergelassen Hosen? NEIN. Wenn kein Waschbecken in der Nähe ist, kann man den Mooncup einfach mit Klopapier oder einem Taschentuch ausreiben und dann erneut einsetzen.
...ich aufs Klo muß? Beim Mooncup schaut der "Stiel" noch nicht mal aus der Vagina raus. Man kann unbesorgt aufs Klo gehen, Schwimmen, was auch immer. Keine Gefahr, dass sich irgendwas vollsaugt, verrutscht, oder ähnliches....ich während der Periode Sex haben will? Kann der Mooncup drin bleiben? NEIN. Das geht nicht. Mooncup raus, anderweitig vergnügen oder verzichten (Tipp: in jeder Apotheke kann man sogenannte Softtampons beziehen. Die sind aus Schaumstoff und haben kein Rückholbändchen). Achtung! Es handelt sich beim Mooncup nicht um ein Verhütungsmittel!
...ich schlafen gehe. Kann ich den Mooncup über Nacht tragen? Ohne weitere Probleme....die Menstruation vorbei ist? Dann empfiehlt es sich, den Mooncup ähnlich wie Baby-Eqipment zu sterilisieren, beispielsweise durch fünfminütiges Kochen in einem Topf mit Wasser. Dann kommt er wieder in sein Baumwollsäckchen und wartet auf seinen nächsten Einsatz.
...mir der Mooncup nicht passt? Es gibt zwei Größen, eine für Frauen, die noch nicht geboren haben, und eine für solche, die schon eine vaginale Geburt hatten. Sollte frau aus irgendeinem Grund dennoch nicht mit dem Mooncup zufrieden sein, besteht nach drei "Probezyklen" die Möglichkeit der kostenlosen Rückgabe.Ich selbst habe den Mooncup noch nicht allzu lange. Meine bisherigen Erfahrungen beschränken sich daher auf eine Periode. Ich fand das gesamte Handling aber sehr angenehm. Vor allem für meinen baldigen Rucksackurlaub in Syrien ist es eine praktische Sache. Ich muß keine Tampons und Binden mitschleppen (mit dem Rucksack zählt jedes gewonnene Gramm), kann den Mooncup problemlos reinigen und wiedereinsetzen ohne mich um Entsorgungsmöglichkeiten zu scheren und habe keine Probleme beim Baden. Nur wenn ich das Flugzeug betrete, werde ich das kleine Baumwollsäckchen bestimmt nicht mit dem übrigen Gepäck aufgeben...
Zu beziehen ist der Mooncup über die Internetseite des Unternehmens, für 27,50 EUR incl. Versand und Verpackung bekommt man den Mooncup geschickt. Ich selber habe im Internet eine Sammelbestellung gefunden, ab 10 Stück gibt es nämlich Mengenrabatt, so hat mich der Mooncup genau 19,70 EUR gekostet. Wenn man den Mooncup immer gut pflegt, hat man laut Hersteller mindestens 10 Jahre seine Freude mit dem guten Stück. Hergestellt wird er übrigens in England. Ein ähnliches Modell kann man in Deutschland in den Läden von Globetrotter (ein Outdoor-Ausstatter) kaufen und auch per Katalog oder online bestellen. Es ist von einer anderen Firma und heißt Health Keeper. Der Keeper ist allerdings aus Kautschuk und kostet bei Globetrotter knapp 50 EUR.Herstellerseite: http://www.mooncup.co.uk/
Allgemeine Infos zum Thema Menstruationshygiene mit vielen Links (englischsprachig): http://www.mum.org/produdir.htm
Forum in dem sich die Frauen zur Sammelbestellung gefunden haben (eigentlich zum Thema natürliche Familienplanung), es ist ein Shop angegliedert und der Shopbesitzer (Phil) erkundigt sich derzeit, ob er den MoonCup ins Sortiment aufnimmt: http://www.f3.parsimony.net/forum3467/index.htm
"Pass the word and pass the lady, pass the plate to all who hunger.
Pass the wit of ancient wisdom, pass the cup of crimson wonder."
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Anmerkung: Anfangs- und Endzitat stammen aus der Feder von Ian Anderson, genauer gesagt aus dem Lied, den gleichen Titel wie dieser Bericht trägt und sich auf dem Album "Songs From The Wood" wiederfindet.UPDATE: Der MC ist bei mir nun seit über einem halben Jahr in Gebrauch und hat sich auf einer Rucksackreise mit nicht immer ganz einwandfreien hygienischen Bedingungen als ausgesprochen praktisch erwiesen. Im täglichen (naja, zyklischen trifft es eher) Gebrauch ist er einfach perfekt und nicht mehr aus meinem Leben weg zu denken. Wen das nicht überzeugt: auf der Webpage des Herstellers finden sich weitere begeisterte Zeugenaussagen von Benutzerinnen, man darf sich allerdings nicht wundern, für was einige das monatliche Blut verwenden (zum malen, Blumengiessen, etc.).
UPDATE 6.4.: Es gibt mittlerweile eine deutsche Bezugsadresse: unter http://www.mondtasse.de/ kann man den mooncup für 26,65 EUR incl. Versand bestellen. Auch hier wird, wie beim englischen Hersteller, eine Rückgabemöglichkeit nach 3 Probezyklen angeboten. Man geht also kein Risiko ein. Zudem befinden sich auf der Seite weitere Infos inclusive einer bebilderten, detaillierten Gebrauchsanweisung. Mittlerweile kann ich äusserst positive Rückmeldungen in Bezug auf den MC vermelden, eine Frau mit extrem starker Blutung kann nun endlich während der Periode ein normales Leben führen ohne alle 40 Minuten den Tampon wechseln zu müßen...
PS: Der Bericht erscheint auch im "Natürlich Verhüten"-Forum: http://www.12bb.de/phpBB2/index.php?benutzer=477
14.04.2008 07:15
Danke, für diesen "echten" Erfahrungsbericht! Habe nach dem 1. Lesen gleich geschaut, wo ich das Wunderteil herbekomme: mondtasse.at oder auch mal bei Amazon gucken. ;-)
22.01.2007 01:31
Super Bericht, der nur noch durch Fotos zu toppen wäre. Daher erhälst du eines meiner sehr seltenen BHs! Die Seite www.mondtasse.de existiert nicht mehr, aber über google lassen sich verschiedenen Seiten finden, so gibt es z.B. z.Zt. http://www.pinkies.de/de_mooncup.html
03.12.2006 10:53
Interessanter Bericht! Ich hätte auch gerne einen "Mooncup", aber ich habe eine Gynefix-Kupferspirale und habe Angst, daß ich diese beim Auflösen des Vakuums versehentlich ablösen könnte. Liebe Grüße, steffi1206 (daughty von f. ;) )