Morbus Kitahara / Ransmayr, Christoph

Morbus Kitahara / Ransmayr, Christoph

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... Morbus Kitahara ist ein in sich stimmiger Roman, sehr ungewöhnlich durch seine Grundstimmung und faszinierend durch die spürbare Kälte des Handlungsortes. ... Bericht lesen





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Morbus Kitahara / Ransmayr, Christoph Morbus Kitahara / Ransmayr, Christoph
Taschenbuch, 439 S., Roman, Erschienen: 1997
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Morbus Kitahara - Christoph Ransmayr Morbus Kitahara - Christoph Ransmayr
Im Jahr 1988 erschien in der angesehenen Anderen Bibliothek -- damals wie heute eine der ... mehr
besten Adressen für den Bücherfreund -- Christoph
Ransmayrs Roman Die letzte Welt. Der
österreichische Autor schildert darin
sprachgewaltig das Exil des römischen Dichters
Ovid am Schwarzen Meer. Die Literaturkritik
feierte das Buch als eine literarische Entdeckung
ersten Ranges, und man wartete gespannt auf die
nächsten Werke des Schriftstellers -- schließlich
war man ja von der deutschsprachigen
Gegenwartsliteratur nicht sonderlich verwöhnt. Die
Jahre vergingen, und endlich ließ sich sogar der
Papst aller Literaturpäpste, Marcel Reich-Ranicki,
herab und sprach mahnende Worte an den säumigen
Dichter.  Doch das Warten hat sich gelohnt. Im
Herbst 1995 erschien, nunmehr im S. Fischer
Verlag, Morbus Kitahara. Und schon die ersten
Zeilen zeigen, daß der 1954 im
oberösterreichischen Wels geborene Autor nach wie
vor einer der sprachmächtigsten Schriftsteller
seiner Generation ist. Alleine durch den
rhythmischen Sprachduktus wird man schon nach
wenigen Seiten in den Bann des Buches gezogen.
Doch auch inhaltlich ist Ransmayr ein großer
literarischer Wurf gelungen, denn er erschafft
einen sehr düsteren, fremden, fiktionalen Kosmos
und erlaubt es dem Leser/der Leserin dennoch, die
Handlung mit dem Wissen um die jüngste
Vergangenheit in Beziehung zu setzen.  Der
überwiegende Teil des Romans spielt in Moor, einem
abgelegenen Dorf im Gebirge, am Rande eines großen
Sees. In ihm wird gegen Ende eines großen
europäischen Krieges Bering, einer der drei
Hauptfiguren des Romans, während einer Bombennacht
geboren. Der "Friede von Oranienburg" beendet zwar
diesen Krieg und die Brutalitäten der
Unterlegenen, ist aber verbunden mit dem
Umerziehungsplan Stellamours. Letzterer sieht die
völlige Deindustrialisierung des Landes vor. Schon
bald werden Schienen, Fabriken und
Elektrizitätswerke demontiert, und Moor versinkt
in einer vorindustriellen Dunkelheit. Die
Einwohner von Moor und Umgebung werden von den
Besatzern im Rahmen der Umerziehungsmaßnahmen
regelmäßig gezwungen, jene grausamen Szenen
nachzuspielen, die sich während der Kriegsjahre in
einem als KZ geführten Steinbruch abspielten.  Als
junger Mann lernt der "Vogelmensch" Bering, der
außer an Vögeln auch leidenschaftlich an Maschinen
interessierte Schmied von Moor, den "Hundekönig"
Ambras kennen, einen ehemaligen Häftling des
Steinbruchs und dessen derzeitiger Verwalter.
Bering repariert nach einem Unfall den Wagen
Ambras', die einzige Limousine in weitem Umkreis,
und erschafft in wochenlanger Arbeit ein
Kunstwerk, ein Fahrzeug in Vogelform. Er greift
hierfür auf seinen Eisengarten zurück, der sein
Haus umwuchert und die benötigten Ersatzteile
abwirft. Danach verläßt er die gehaßte Schmiede
und wird Fahrer und Leibwächter des "Hundekönigs".
Schon bald bemerkt Bering, daß sein Blickfeld
trüber und trüber wird, sich mehr und mehr
verfinstert. Seine Augenkrankheit trägt den
klingenden Namen Morbus Kitahara.  Auch Lily, die
"Brasilianerin" genannt, ist ein außergewöhnlicher
Mensch. Alleine in einem Strandturm lebend, begibt
sie sich immer wieder auf Schleichwegen durch das
Gebirge, um durch einen regen Tauschhandel Moor
mit begehrten Gütern zu versorgen. Ihr lebenslang
gehegter Traum, eine Reise nach Brasilien, erfüllt
sich schließlich als die Besatzungsmacht
beschließt, die Gegend um Moor zu evakuieren, um
aus ihr einen riesigen Truppenübungsplatz zu
machen. Lily begibt sich mit Ambras und Bering auf
die weite Reise.  Doch diese Inhaltsangabe ist für
den Roman Ransmayrs eigentlich eine sehr
unbefriedigende Form der Annäherung, weil sie die
zentrale sprachliche Dimension des Werkes
vernachlässigt. Die Art der Schilderung dieser
düsteren Gegend, des Eisengartens und der
vermodernden Maschinen, der gefährlichen Gänge
durch das Gebirge ("das Steinmeer") und der dort
lebenden brutalen Räuberbanden läßt vor dem
geistigen Auge des Lesers/der Leserin eine ganz
einzigartige Welt entstehen.  Trotzdem (oder
vielleicht gerade deswegen) ist es auch ein
politischer Roman, etwa wenn Ambras seine
grausamen Erlebnisse im Steinbruch schildert oder
wie es dazu kam, daß er als "Rassenschänder" dort
inhaftiert wurde. Und gerade diese
außergewöhnliche Kombination von Poesie und
Politik ist eine der herausragenden Qualitäten des
Romans. Denn so wird wieder einmal deutlich, daß
gerade ein literarisch sehr ambitioniertes Werk
nicht gezwungen ist, auf eine politische Ebene zu
verzichten. Auch das ist ein Signal für die oft
Nabelschau betreibende deutschsprachige
Gegenwartsliteratur der letzten Jahre. Christian
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nächsten Werke des Schriftstellers -- schließlich
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Jahre vergingen, und endlich ließ sich sogar der
Papst aller Literaturpäpste, Marcel Reich-Ranicki,
herab und sprach mahnende Worte an den säumigen
Dichter.  Doch das Warten hat sich gelohnt. Im
Herbst 1995 erschien, nunmehr im S. Fischer
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vor einer der sprachmächtigsten Schriftsteller
seiner Generation ist. Alleine durch den
rhythmischen Sprachduktus wird man schon nach
wenigen Seiten in den Bann des Buches gezogen.
Doch auch inhaltlich ist Ransmayr ein großer
literarischer Wurf gelungen, denn er erschafft
einen sehr düsteren, fremden, fiktionalen Kosmos
und erlaubt es dem Leser/der Leserin dennoch, die
Handlung mit dem Wissen um die jüngste
Vergangenheit in Beziehung zu setzen.  Der
überwiegende Teil des Romans spielt in Moor, einem
abgelegenen Dorf im Gebirge, am Rande eines großen
Sees. In ihm wird gegen Ende eines großen
europäischen Krieges Bering, einer der drei
Hauptfiguren des Romans, während einer Bombennacht
geboren. Der "Friede von Oranienburg" beendet zwar
diesen Krieg und die Brutalitäten der
Unterlegenen, ist aber verbunden mit dem
Umerziehungsplan Stellamours. Letzterer sieht die
völlige Deindustrialisierung des Landes vor. Schon
bald werden Schienen, Fabriken und
Elektrizitätswerke demontiert, und Moor versinkt
in einer vorindustriellen Dunkelheit. Die
Einwohner von Moor und Umgebung werden von den
Besatzern im Rahmen der Umerziehungsmaßnahmen
regelmäßig gezwungen, jene grausamen Szenen
nachzuspielen, die sich während der Kriegsjahre in
einem als KZ geführten Steinbruch abspielten.  Als
junger Mann lernt der "Vogelmensch" Bering, der
außer an Vögeln auch leidenschaftlich an Maschinen
interessierte Schmied von Moor, den "Hundekönig"
Ambras kennen, einen ehemaligen Häftling des
Steinbruchs und dessen derzeitiger Verwalter.
Bering repariert nach einem Unfall den Wagen
Ambras', die einzige Limousine in weitem Umkreis,
und erschafft in wochenlanger Arbeit ein
Kunstwerk, ein Fahrzeug in Vogelform. Er greift
hierfür auf seinen Eisengarten zurück, der sein
Haus umwuchert und die benötigten Ersatzteile
abwirft. Danach verläßt er die gehaßte Schmiede
und wird Fahrer und Leibwächter des "Hundekönigs".
Schon bald bemerkt Bering, daß sein Blickfeld
trüber und trüber wird, sich mehr und mehr
verfinstert. Seine Augenkrankheit trägt den
klingenden Namen Morbus Kitahara.  Auch Lily, die
"Brasilianerin" genannt, ist ein außergewöhnlicher
Mensch. Alleine in einem Strandturm lebend, begibt
sie sich immer wieder auf Schleichwegen durch das
Gebirge, um durch einen regen Tauschhandel Moor
mit begehrten Gütern zu versorgen. Ihr lebenslang
gehegter Traum, eine Reise nach Brasilien, erfüllt
sich schließlich als die Besatzungsmacht
beschließt, die Gegend um Moor zu evakuieren, um
aus ihr einen riesigen Truppenübungsplatz zu
machen. Lily begibt sich mit Ambras und Bering auf
die weite Reise.  Doch diese Inhaltsangabe ist für
den Roman Ransmayrs eigentlich eine sehr
unbefriedigende Form der Annäherung, weil sie die
zentrale sprachliche Dimension des Werkes
vernachlässigt. Die Art der Schilderung dieser
düsteren Gegend, des Eisengartens und der
vermodernden Maschinen, der gefährlichen Gänge
durch das Gebirge ("das Steinmeer") und der dort
lebenden brutalen Räuberbanden läßt vor dem
geistigen Auge des Lesers/der Leserin eine ganz
einzigartige Welt entstehen.  Trotzdem (oder
vielleicht gerade deswegen) ist es auch ein
politischer Roman, etwa wenn Ambras seine
grausamen Erlebnisse im Steinbruch schildert oder
wie es dazu kam, daß er als "Rassenschänder" dort
inhaftiert wurde. Und gerade diese
außergewöhnliche Kombination von Poesie und
Politik ist eine der herausragenden Qualitäten des
Romans. Denn so wird wieder einmal deutlich, daß
gerade ein literarisch sehr ambitioniertes Werk
nicht gezwungen ist, auf eine politische Ebene zu
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feierte das Buch als eine literarische Entdeckung
ersten Ranges, und man wartete gespannt auf die
nächsten Werke des Schriftstellers -- schließlich
war man ja von der deutschsprachigen
Gegenwartsliteratur nicht sonderlich verwöhnt. Die
Jahre vergingen, und endlich ließ sich sogar der
Papst aller Literaturpäpste, Marcel Reich-Ranicki,
herab und sprach mahnende Worte an den säumigen
Dichter.  Doch das Warten hat sich gelohnt. Im
Herbst 1995 erschien, nunmehr im S. Fischer
Verlag, Morbus Kitahara. Und schon die ersten
Zeilen zeigen, daß der 1954 im
oberösterreichischen Wels geborene Autor nach wie
vor einer der sprachmächtigsten Schriftsteller
seiner Generation ist. Alleine durch den
rhythmischen Sprachduktus wird man schon nach
wenigen Seiten in den Bann des Buches gezogen.
Doch auch inhaltlich ist Ransmayr ein großer
literarischer Wurf gelungen, denn er erschafft
einen sehr düsteren, fremden, fiktionalen Kosmos
und erlaubt es dem Leser/der Leserin dennoch, die
Handlung mit dem Wissen um die jüngste
Vergangenheit in Beziehung zu setzen.  Der
überwiegende Teil des Romans spielt in Moor, einem
abgelegenen Dorf im Gebirge, am Rande eines großen
Sees. In ihm wird gegen Ende eines großen
europäischen Krieges Bering, einer der drei
Hauptfiguren des Romans, während einer Bombennacht
geboren. Der "Friede von Oranienburg" beendet zwar
diesen Krieg und die Brutalitäten der
Unterlegenen, ist aber verbunden mit dem
Umerziehungsplan Stellamours. Letzterer sieht die
völlige Deindustrialisierung des Landes vor. Schon
bald werden Schienen, Fabriken und
Elektrizitätswerke demontiert, und Moor versinkt
in einer vorindustriellen Dunkelheit. Die
Einwohner von Moor und Umgebung werden von den
Besatzern im Rahmen der Umerziehungsmaßnahmen
regelmäßig gezwungen, jene grausamen Szenen
nachzuspielen, die sich während der Kriegsjahre in
einem als KZ geführten Steinbruch abspielten.  Als
junger Mann lernt der "Vogelmensch" Bering, der
außer an Vögeln auch leidenschaftlich an Maschinen
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Ambras kennen, einen ehemaligen Häftling des
Steinbruchs und dessen derzeitiger Verwalter.
Bering repariert nach einem Unfall den Wagen
Ambras', die einzige Limousine in weitem Umkreis,
und erschafft in wochenlanger Arbeit ein
Kunstwerk, ein Fahrzeug in Vogelform. Er greift
hierfür auf seinen Eisengarten zurück, der sein
Haus umwuchert und die benötigten Ersatzteile
abwirft. Danach verläßt er die gehaßte Schmiede
und wird Fahrer und Leibwächter des "Hundekönigs".
Schon bald bemerkt Bering, daß sein Blickfeld
trüber und trüber wird, sich mehr und mehr
verfinstert. Seine Augenkrankheit trägt den
klingenden Namen Morbus Kitahara.  Auch Lily, die
"Brasilianerin" genannt, ist ein außergewöhnlicher
Mensch. Alleine in einem Strandturm lebend, begibt
sie sich immer wieder auf Schleichwegen durch das
Gebirge, um durch einen regen Tauschhandel Moor
mit begehrten Gütern zu versorgen. Ihr lebenslang
gehegter Traum, eine Reise nach Brasilien, erfüllt
sich schließlich als die Besatzungsmacht
beschließt, die Gegend um Moor zu evakuieren, um
aus ihr einen riesigen Truppenübungsplatz zu
machen. Lily begibt sich mit Ambras und Bering auf
die weite Reise.  Doch diese Inhaltsangabe ist für
den Roman Ransmayrs eigentlich eine sehr
unbefriedigende Form der Annäherung, weil sie die
zentrale sprachliche Dimension des Werkes
vernachlässigt. Die Art der Schilderung dieser
düsteren Gegend, des Eisengartens und der
vermodernden Maschinen, der gefährlichen Gänge
durch das Gebirge ("das Steinmeer") und der dort
lebenden brutalen Räuberbanden läßt vor dem
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politischer Roman, etwa wenn Ambras seine
grausamen Erlebnisse im Steinbruch schildert oder
wie es dazu kam, daß er als "Rassenschänder" dort
inhaftiert wurde. Und gerade diese
außergewöhnliche Kombination von Poesie und
Politik ist eine der herausragenden Qualitäten des
Romans. Denn so wird wieder einmal deutlich, daß
gerade ein literarisch sehr ambitioniertes Werk
nicht gezwungen ist, auf eine politische Ebene zu
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Ransmayrs Roman Die letzte Welt. Der
österreichische Autor schildert darin
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Ovid am Schwarzen Meer. Die Literaturkritik
feierte das Buch als eine literarische Entdeckung
ersten Ranges, und man wartete gespannt auf die
nächsten Werke des Schriftstellers -- schließlich
war man ja von der deutschsprachigen
Gegenwartsliteratur nicht sonderlich verwöhnt. Die
Jahre vergingen, und endlich ließ sich sogar der
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herab und sprach mahnende Worte an den säumigen
Dichter.  Doch das Warten hat sich gelohnt. Im
Herbst 1995 erschien, nunmehr im S. Fischer
Verlag, Morbus Kitahara. Und schon die ersten
Zeilen zeigen, daß der 1954 im
oberösterreichischen Wels geborene Autor nach wie
vor einer der sprachmächtigsten Schriftsteller
seiner Generation ist. Alleine durch den
rhythmischen Sprachduktus wird man schon nach
wenigen Seiten in den Bann des Buches gezogen.
Doch auch inhaltlich ist Ransmayr ein großer
literarischer Wurf gelungen, denn er erschafft
einen sehr düsteren, fremden, fiktionalen Kosmos
und erlaubt es dem Leser/der Leserin dennoch, die
Handlung mit dem Wissen um die jüngste
Vergangenheit in Beziehung zu setzen.  Der
überwiegende Teil des Romans spielt in Moor, einem
abgelegenen Dorf im Gebirge, am Rande eines großen
Sees. In ihm wird gegen Ende eines großen
europäischen Krieges Bering, einer der drei
Hauptfiguren des Romans, während einer Bombennacht
geboren. Der "Friede von Oranienburg" beendet zwar
diesen Krieg und die Brutalitäten der
Unterlegenen, ist aber verbunden mit dem
Umerziehungsplan Stellamours. Letzterer sieht die
völlige Deindustrialisierung des Landes vor. Schon
bald werden Schienen, Fabriken und
Elektrizitätswerke demontiert, und Moor versinkt
in einer vorindustriellen Dunkelheit. Die
Einwohner von Moor und Umgebung werden von den
Besatzern im Rahmen der Umerziehungsmaßnahmen
regelmäßig gezwungen, jene grausamen Szenen
nachzuspielen, die sich während der Kriegsjahre in
einem als KZ geführten Steinbruch abspielten.  Als
junger Mann lernt der "Vogelmensch" Bering, der
außer an Vögeln auch leidenschaftlich an Maschinen
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Steinbruchs und dessen derzeitiger Verwalter.
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abwirft. Danach verläßt er die gehaßte Schmiede
und wird Fahrer und Leibwächter des "Hundekönigs".
Schon bald bemerkt Bering, daß sein Blickfeld
trüber und trüber wird, sich mehr und mehr
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"Brasilianerin" genannt, ist ein außergewöhnlicher
Mensch. Alleine in einem Strandturm lebend, begibt
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Gebirge, um durch einen regen Tauschhandel Moor
mit begehrten Gütern zu versorgen. Ihr lebenslang
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beschließt, die Gegend um Moor zu evakuieren, um
aus ihr einen riesigen Truppenübungsplatz zu
machen. Lily begibt sich mit Ambras und Bering auf
die weite Reise.  Doch diese Inhaltsangabe ist für
den Roman Ransmayrs eigentlich eine sehr
unbefriedigende Form der Annäherung, weil sie die
zentrale sprachliche Dimension des Werkes
vernachlässigt. Die Art der Schilderung dieser
düsteren Gegend, des Eisengartens und der
vermodernden Maschinen, der gefährlichen Gänge
durch das Gebirge ("das Steinmeer") und der dort
lebenden brutalen Räuberbanden läßt vor dem
geistigen Auge des Lesers/der Leserin eine ganz
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vielleicht gerade deswegen) ist es auch ein
politischer Roman, etwa wenn Ambras seine
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wie es dazu kam, daß er als "Rassenschänder" dort
inhaftiert wurde. Und gerade diese
außergewöhnliche Kombination von Poesie und
Politik ist eine der herausragenden Qualitäten des
Romans. Denn so wird wieder einmal deutlich, daß
gerade ein literarisch sehr ambitioniertes Werk
nicht gezwungen ist, auf eine politische Ebene zu
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Was wäre wenn?
Erfahrungsbericht von Colendo über Morbus Kitahara / Ransmayr, Christoph
5. Januar 2000


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Aufmachung:  

Pro: eindrucksvoll und klar formuliert
Kontra: kein einfach zu lesender Roman (Nachteil?)

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Europa nach dem Zweiten Weltkrieg – wie hätte es ohne den Marshallplan und den Wiederaufbau ausgesehen? Ransmayr skizziert in seinem Roman ein armseliges österreichisches Bergdorf – das Land wurde nicht wiederaufgebaut, im Gegenteil: noch heute werden Reparationsleistungen verlangt. In dem Dorf begegnen sich Ambras, ein ehemaliger Lagerhäftling und nun, seit seiner Befreiung, Verwalter in dem örtlichen Steinbruch, die geheimnisvolle Lilly, die Geld durch gefährliche Grenzgänge verdient, und Behring, der Schmied des Ortes.

Ransmayr gelingt es, durch seine geschliffene Wortwahl eine eisige und lebensfeindliche Landschaft zu entwerfen. Nur in dieser Endzeitstimmung können die Figuren sich entwickeln und verstehbar werden. Morbus Kitahara ist ein in sich stimmiger Roman, sehr ungewöhnlich durch seine Grundstimmung und faszinierend durch die spürbare Kälte des Handlungsortes.

 

weitere Erfahrungsberichte
Verstörend
Bewertung für Morbus Kitahara / Ransmayr, Christoph von Johanna

Pro: Zum Nachdenken anregendes Gedankenexperiment, läßt einen nicht kalt
Kontra: Nichts für zarte Seelen

Kein einfaches Buch: “Morbus Kitahara” spielt in einer fiktiven Welt, in der Deutschland und Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg, mit Ausnahme weniger Wirtschaftsregionen, zu verarmten Agrarländern gemacht werden. Das triste Leben wird von Arbeit und Schuld- und Erinnerungsritualen bestimmt. Bering, der Schmied, wird eines Tages zum Gehilfen von Ambras, der als Ex-KZ-Insasse eine Art Herrschaftsposition genießt, aber sich von den körperlichen und ... Bericht lesen

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18.11.1999

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