Motorrad-Winterpflege

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Warum einmotten - jetzt wirds erst interessant

5  18.09.2009

Pro:
unvergessliche Erlebnisse, tolle Eindrücke, gute Gefühl

Kontra:
aufwändig, für ungeübte schwierig

Empfehlenswert: Ja 

uwbiker

Über sich: Hallo an alle meine Freunde. Ich bin ja nur noch selten hier zu finden. Job und Familie sind eben do...

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Es scheint als wollten hier alle Biker im Winter nur mit Sitz- und Standheizung mobil sein. Das ist nichts für mich, denn auch in der kalten Jahreszeit macht Motorrad fahren Spass,obwohl es überlebenswichtig ist einige Grundregeln zu beachten, von der richtigen Fahrzeugpflege über die Bekleidung bis hin zur Umstellung der Fahrweise.

Auf Selbstverständlichkeiten wie funktionierende Beleuchtung und das besondere Augenmerk auf die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs will ich nicht eingehen.

Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass Motorräder im Allgemeinen als Sportgeräte für den Sommerbetrieb konstruiert, gebaut und verkauft werden. In der Praxis zeigt sich dies oft durch fehlenden Korrosionschutz, durch anfällige Bremsen und Bedienelemente, sensible Elektrik, Startschwierigkeiten, vereisende Vergaser, zu kleine Batterien, zu schwache Lichtmaschinen, rostende Ketten, hakelige Schlösser und vieles mehr. Wer sich also für den Wintersport auf 2 Rädern entscheidet, der sollte überlegen ob er dafür sein teuer bezahltes und evtl. liebevoll mit zusätzlichen Extras ausgestattetes Motorrad verwendet oder ob dafür nicht ein älteres Wintermotorrad mit weniger Gewicht, einem niedrigen Schwerpunkt, weniger Leistung und geringem Wertverlust geeigneter ist.

Ich für meinen Teil habe viele Jahre lang ein Gespann 12 Monate im Jahr bewegt, daneben aber auch Solomotorräder für alltägliche Winterfahrten und mehrere Roller im Winter auf dem Weg ins Büro genutzt. Dabei hat sich immer wieder gezeigt, dass das Salz der größte Feind des Wintermotorrads ist. Es greift die Alu-Teile des Motorblocks an. (Getriebedeckel und Ritzelabdeckung) Diese werden schnell unansehnlich. Noch schlimmer werden Stahlteile wie Rahmen, Schutzbleche und in ganz besonderem Maße Auspuffanlagen in Mitleidenschaft gezogen.

Schmutz zieht Feuchtigkeit an und ist somit eine ideale Brutstätte für jegliche Art von Korrosion. Wer also einen Waschplatz hat und nach jeder Fahrt das Salz mit viel Wasser entfernen, danach das Bike gut trockenen und mit Sprühöl konservieren kann ist klar im Vorteil. WD 40 ist sehr dünnflüssig und wird schnell wieder abgewaschen. Zähflüssige Viskositäten führen zwar zunächst zu einer katastrophalen Optik, schützen aber deutlich besser, was man nach ausgiebiger Reinigung im Frühjahr erfreut zur Kenntnis nehmen kann. Nach einer salzigen Ausfahrt neigen unbehandelte Teile (Kette, Züge usw.) schnell dazu Rost anzusetzen und zu verschleißen. Wer schon VOR dem ersten Sauwetter alle gefährdeten Teile entsprechend vorbereitet hat hinterher weniger Aufwand.

Stahlteile so weit wie möglich mit Rostschutz durch Verzinken und Lackierung oder Pulverbeschichtung versiegeln.

Bewegliche Teile wie Züge, Lager, Armaturen überdimensional schmieren und Feuchtigkeit erst gar nicht in die Nähe der sensiblen Stellen kommen zu lassen und so Korrosionsschäden zu vermeiden. Im Handel gibt es genügend extrem gut haftende Schutz- und Schmiermittel. In den meisten Fällen reicht aber erfahrungsgemäß ein zähes Kettenfett.

Elektrische Bauteile und Steckverbindungen nach Möglichkeit vor Salz und Feuchtigkeit schützen und nach jeder Fahrt pflegen. Außerdem den Zustand der Batterie beobachten, falls möglich gegen geeigneten Ersatz mit mehr Kapazität ersetzen. Manchmal gibt es aber trotzdem Spannungsprobleme, denn es ist ganz normal, dass die Batterie bei Kälte an Kapazität verliert und dass bei Korrosion ein erhöhter Widerstand am Massekabel entsteht. Durch die hohe Stromaufnahme des Anlassers bricht die Batteriespannung dann zusammen und an der Zündung und/oder der Elektronik liegt zu wenig Spannung an. Oft reicht es aus die Kontakte zu reinigen um so Spannungsverluste zu vermeiden.
Einige Zweiräder haben darüber hinaus keinen Lichtausschalter, d.h., dass beim Einschalten der Zündung bereits automatisch das Licht an ist. In solchen Fällen empfehle ich einen Ein/Aus-Schalter nachzurüsten um die Batterie zu schonen.


Die Bremsen reagieren oft sehr unwirsch auf die Salzeinwirkung. Vorbeugend entferne ich vor dem Winter die Kolben prüfe die Dichtungen und setze sie dann, satt mit Bremsenpaste versehen wieder ein. Dadurch kann kein Salz zwischen Kolben und Sattel eindringen, was zum fressen führen kann. Mir selbst ist einmal passiert, dass im Vorderrad während des Bremsvorgangs der Bremskolben festgefressen war, dadurch die Bremse nicht mehr aufging, was zum Sturz führte. Erst nach dem Zerlegen des Bremssattels waren die Kolben wieder gänig.

Durch einen Vergaser fließen große Mengen Luft. Dadurch kühlt sich der Vergaser bzw. die Düsen im Vergaser stark ab. Bei niedrigen Temperaturen kann nun passieren, dass er vereist, (Wie beim Sahnespender die CO²-Patrone) die Maschine ruckelt dann und geht möglicher Weise sogar aus. In aller Regel taut das Teil durch die Motorwärme aber wieder auf und man kann weiter fahren bis der Effekt erneut eintritt. Je nach Modell gibt es möglicherweise technische Verbesserungen oder man verwendet Zusätze zum Sprit.

Verbrennungsrückstände im Motoröl sind für die heutigen Motoren eigentlich kein Problem mehr. Allerdings ist im Winterbetrieb zu berücksichtigen, dass bei entsprechend niedrigen Außentemperaturen die übliche Betriebstemperatur des Motors möglicherweise nicht erreicht wird. Ich empfehle daher einen Ölwechsel durchzuführen, einerseits um im alten Öl gebundene, aggressive Stoffe (wie z.B. Säuren) aus dem Motor zu entfernen, und um andererseits ein Ölmit der entsprechend angepassten Viskosität zu verwenden.

Bei wassergekühlten Motoren muß darüber hinaus dringend auf sicheren Frostschutz geachtet werden, sonst ist mit dem Einfrieren der Kühlflüssigkeit und dadurch verursachten kapitalen Schäden an Kühlsystem und Motor zu rechnen.

Ein besonderes Augenmerk sollte vor und nach jeder Fahrt auf die Antriebskette gerichtet werden. Ich empfehle sie im Winter besonders gut pflegen. Da die kalte Jahreszeit mit verringerter Haftung auf den Straßenbelägen verbunden ist sollte die Reifenwahl in Absprache mit erfahrenen Winterfahrern oder Reifenhändlern erfolgen. Gute Reifen zu fahren ist eine Lebensversicherung. In einigen Reifendimensionen gibt es sogar spezielle Winterpneus (Heidenau), die sich durch besondere Haftung auf nassem Untergrund und bei niedrigen Temperaturen auszeichnen. Leider ist die Auswahl aber gering. Auf meinen Gespannen habe ich in aller Regel Autoreifen mit möglichst weichen Wintergummis verwendet.

Wenn die technischen Pflegemaßnahmen erledigt sind kann über sinnvolle Extras nachgedacht werden. An erster Stelle stehen da wohl Windschutz und Heizgriffe, die aus dem Zubehör leicht nachzurüsten sind. Zusatzscheinwerfer zahlen sich aus wenn die Lichtmaschine genug Power liefert. Wer weitere Strecken zurücklegen will und auch bei wirklichem Sauwetter unterwegs ist, für den zahlen sich Stulpen und Opas alte Kniedecke an das „moderne“ Bike angepasst genauso aus wie heizbare Kleidungsstücke oder gar eine heizbare Sitzbank.

Ich finde, dass beim Motorrad fahren Mensch und Maschine eine Einheit sind und deswegen nicht nur die Funktionsfähigkeit der Technik, sondern auch die des Fahrers von großer Bedeutung ist. Wichtig ist daher aufgrund der völlig anderen Bedingungen (Sicht, Haftung, usw) im Winter defensiv und vorausschauend zu fahren. Autofahrer sehen bei schlechter Sicht oder im Dämmerlicht Motorradfahrer häufig zu spät und auf den Straßen sorgen Dinge wie Laub, Fallobst oder Kastanien ebenso wie die erste Glätte, Reif oder gar Schnee für verminderte Haftung.

Sich warm zuhalten auf dem Motorrad ist nicht nur eine Frage des Komforts, denn ausgekühlte Biker sind unkonzentriert, körperlich beeinträchtigt und reagieren in Gefahrensituationen deutlich langsamer. Sobald die Finger kalt werden ist eine Pause angesagt. Neben der üblichen Schutzkleidung ist es hilfreich Helmvisiere gegen Anlaufen zu präparieren und zusätzliche Reflexionsflächen anzubringen.

Wer vernünftig ausgerüstet auf dem Motorrad durch den Winter fährt, der wird feststellen, dass einem gerade dann, wenn man als Exote unterwegs ist die interessantesten Menschen begegnen und es im Januar Tage gibt, die das Motorraderlebnis gegenüber den Sommermonaten um Dimensionen übersteigt. Wichtig ist die Risiken zu kennen und entsprechend defensiv zu fahren sowie ein gewisses technisches Geschick zu selber schrauben


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Yolante

Yolante

12.10.2009 14:20

:-) LG Yo

autoklinik

autoklinik

10.10.2009 17:15

Mein Moppett hat ein Warmduscher-Kennzeichen. Ab November kommt die Suzu in die trockene Halle. LG, Stefan

MSBBonn

MSBBonn

18.09.2009 10:20

Da spricht das Herz eines richtigen Bikers. die Zeiten, wo ich den ganzen winter durchgefahren bin, sind vorbei. Jetzt beschränke ich mich auf einzelne Touren bei schönem Wetter. Ein zähes Kettenfett zum schmieren der Züge zu nehmen finde ich suboptimal, das Zeug verharzt doch und schmiert irgendwann gar nicht mehr. In Zeiten des Scottoilers ist die Kette auch im Winter allzeit gut geschützt, erstaunlich was so ein kleines teil ausrichten kann. Bikergruß Martin

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