Moulin Rouge

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Moulin Rouge

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Folgt der Grünen Fee in einen Rausch der Sinne!!!

5  09.10.2001

Pro:
Musik, Bilder, Story, Ausstattung,

Kontra:
manchmal fast zu kitschig

Empfehlenswert: Ja 

Schini

Über sich: Ich bin noch immer in Kreativpause, aber sonst geht es mir gut. Liebe Grüße an alle, die mich noch v...

Mitglied seit:19.02.2001

Erfahrungsberichte:48

Vertrauende:44

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 192 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Mit dem Ende des Sommers naht auch das Ende der cinematographischen Durststrecke, die mich die ganzen Ferien verfolgt hat... Alle Filme, die ich gesehen habe, gefielen mir nicht wirklich und vor dem Rest wurde ich gottseidank gewarnt. Aber jetzt bin ich über einen Film gestolpert, von dem ich wirklich begeistert bin - Moulin Rouge.

=
Einleitung
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Schon allein der Beginn erinnert an einen klassischen Hollywoodfilm. Der Vorhang öffnet sich und ein Dirigent dirigiert die Twentieth-Century Fox Hymne und die Musik für das Intro: The Sound of Music, gemischt mit einem dramatischen Teil und der klassischen Can Can aus Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt".

Trüb und trist ist der Beginn, das Elend der Straße, der Bauch von Paris tut sich auf und wir betreten ein schäbiges Zimmerchen in einer Pension (die ironischerweise L'Amant, "Der Liebende" heißt). Ein verhärmter Schriftsteller beginnt die Geschichte seines Lebens in die Schreibmaschine zu hämmern...


Was jetzt folgt, sollte all jene NICHT lesen, die den Film noch nicht gesehen haben, denn hier findet sich die Handlung...
Ich habe mich nach langem Überlegen doch dafür entschlossen, sie aufzuzeichnen (auch wenn mir die Übersetzung nicht immer gelungen ist), allein schon, um eine Andeutung der Liederfülle zu geben.

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SPOILER!!! SPOILER!!! SPOILER!!! *****************************===============


The greatest thing you'll ever learn is just to love…
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Im Jahre 1900 kam Christian voller Hoffnung nach Paris um das Leben der Bohème kennenzulernen. Seine Schreibblockade wird durch ein plötzlichen Einfall unterbrochen, ein bewusstloser Argentinier fällt sprichwörtlich durch die Decke und ein als Nonne verkleideter Zwerg entschuldigt sich blumig für die Störung. Man probe gerade ein Stück, ein spektakuläres Spektakel, man sei unter Zeitdruck und suche einen sensiblen jungen Poeten, der den Schlafenden ersetze... Voilà!

Nachdem Christian die zündende Idee für die Performance geliefert hat (ein unsägliches Lied aus meinem meistgehaßten Musical "The Sound of Music"), wird er prompt engagiert und als Lockvogel ins das berühmte Mpulin Rouge geschickt.

Here we are now, entertain us!
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Zur Feier des Tages erhält er sein erstes Glas Absinth, einer wahrhaft wunderbar gefährlichen Droge, die eine verdammt sexy Grüne Fee mit dem Antlitz (und der Figur) von Kylie Minouge erscheinen läßt.

Harold Zidler ist der Zeremonienmeister dieser wahrhaft höllische erscheinenden Ausgeburt des Vergnügens, die Mädels begleiten ihn in einer zuhälterhaft brutalen Version von Lady Marmelade, und wie passend, die "Gäste" antworten in diesem schaurigen Duett mit den berühmten Zeilen aus Nirvanas Smells like Teen Spirit.

Satine sinkt auf die wartende Menge hernieder, mit einer wunderbar rauchigen Stimme Diamonds are Girls best Friends singend, klarstellend, daß sie das Material Girl sei, von dem sie singt.

Währenddessen stellt der Herzog, der neue Finanzier des Moulin Rouge klar, daß sein Investitionsobjekt auch die ausschließliche Nutzung der bezaubernden Kurtisane umfaßt. Doch sie verwechselt den reichen Herzog mit Christian und bittet diesen statt dessen während einer des Tanzes zu Rhythm of the Night zu einem intimen Abendessen und anschließender Dichterlesung…

Doch schon ziehen die ersten grauen Wolken auf, Satine wird während des Singens. Die tiefroten Lippen Satines sind unheilvolle Zwillinge der Blutflecken auf ihrem Taschentuch.

How wonderful life is while you're in the world
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Im Elephanten, dem Chambre separée der berühmten Kurtisane, kommt es erst zu gewissen Mißverständnissen: Während Satine krampfhaft versucht, sich dem vermeintlichen Herzog hinzugeben, hat der Chistian verständlicherweise Probleme, sich auf seine Rezitation zu konzentrieren.

Doch dann brechen seine Gefühle aus... in einer wunderbar kitschigen Interpretation von Elton Johns "Your Song". Er schwebt mit Satine über den Wolken (inklusive einem lachenden Mond ;-) und sie verliebt sich in ihn.

Als sich jedoch herausstellt, daß er nicht der reiche Herzog ist, für den sie ihn hält, taucht zu allem Unglück auch noch der echte Duke auf. Christian muß sich verstecken und Satine tut in bester Slapstickmanier ihr Bestes, um ihm dabei zu helfen - leider erfolglos. Christian wird entdeckt, doch seine Freunde kommen ihm zu Hilfe seine Anwesenheit wird durch eine anstehende Probe für das nächste Stück erklärt, dem Spektakulären Spektakel, dessen Premiere bevorstehe.

Spectacular Spectacular
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Die Bohemiens, Zidler, Christian und Satine schummeln sich durch die Improvisation des Stücks, daß von der tragischen Liebe einer indischen Kurtisane handelt und schaffen es sogar, dem Herzog dieses Investmentobjekt schmackhaft zu machen. Die Children of the Revolution feiern ihren Erfolg, nur Christian kann Satine nicht vergessen.

Er überrascht Satine bei einem sehnsuchstvollen "I will fly away". Sie versucht ihn auf Distanz zu bringen, aber beide können ihre Gefühle Schlußendlich nicht verleugnen. Die Dialoge und der Gesang gehen in ein großartiges Medley von wunderbaren Liebesliedern über. Was ich wiedererkennen konnte, war: I was made for Loving you Baby, In the Name of Love, Don't leave me this way, Silly Lovesongs, Love lifts us up where we belong, Heroes, I will always Love you und was weiß ich noch…

You're going to be bad for business, I can tell
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Inzwischen willigt Zidler in die grausamen Bedingungen des Herzogs ein, und verspricht ihm Satines Gunst. Doch noch wähnen sich die Liebenden nicht in Gefahr, zu viele Gelegenheiten bieten sich während der Proben für intime Zusammenkünfte. Doch der Herzog wird ungeduldig und fordert Satine für ein Abendessen ein. Zidler, der mittlerweile die Liaison entdeckt hat, will Satine zwingen, zu dem Abendessen zu gehen, doch ihre tödliche Krankheit fesselt sie ans Bett. Zidler vertröstet inzwischen den Herzog, sie fühle sich "Like a Virgin".

Satine versucht Christian beizubringen, daß ihre Liebe keine Zukunft hat, er jedoch schreibt ein Lied für sie, daß sie in ihren schweren Stunden an ihre Liebe erinnern soll: "Come what may".

The show must go on
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Es kommt, wie es kommen muß: Der Herzog entdeckt die heimliche Liebesgeschichte. Satine versucht alle zu retten, indem sie sich dem Herzog hingibt, während dies in einer herzzerreißenden Tangoversion von "Roxanne" gespiegelt wird. Doch ihre Gefühle sind zu stark, der Herzog wird wütend und nur ihr Diener Chocolat kann sie vor einer Vergewaltigung retten.

Die Flucht der Liebenden wird durch die Todesdrohung des Herzogs verhindert und Zidler macht ihr klar, "The Show Must Go On". Sie verläßt Christian um sein Leben zu schonen.

Freedom, Beauty, Truth and Love
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Die Premiere beginnt und Christian schleicht sich (unbewußt seines zu erwartenden Todes) in das Moulin Rouge. Satine versucht ihn wegzuschicken, da sein Mörder schon auf dem Weg ist. Plötzlich auf der Bühne, will er sie enttäuscht dem Herzog übergeben, doch Satine singt sich buchstäblich die Seele aus dem Leib, um ihn zurückzuerobern.

Die Bohemiens retten die beiden Liebenden in einem wahrlich furiosen Finale, Satine und Christian haben sich für einen kurzen Moment des Glücks wiedergefunden, doch die Anstrengungen waren zuviel für Satine, und in ihren letzten Zügen bittet sie ihn, ihre Geschichte zu erzählen. Der Vorhang fällt.

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SPOILER ENDE !!! SPOILER ENDE!!! SPOILER ENDE!!!
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Die Schauspieler
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Nicole Kidman (Satine) wächst nach der einschläfernden Leistung in ihrem letzten Kostümfilm "Portrait of a Lady" bei diesem förmlich über sich hinaus und überzeugt (zumindest mich) sowohl in ihren komischen, als auch in ihren tragischen Szenen.

Ihr bleicher Teint und ihre unterkühlte Erotik machen sie aber auch wie geschaffen für diese Rolle und sie kann auch gesanglich die an sie gestellten Ansprüche erfüllen, besonders in ihrer Eröffnungsszene. Allerdings wirkt sie bei hohen Tönen etwas unsicher.

Ewan McGregor (Christian) spielt die Rolle des naiven Romantikers sehr plakativ, wie auch schon in seinen früheren Filmen ist ihm jedes Gefühl vom Gesicht abzulesen. Er kann nichts dafür, daß Christians Naivität für meinen Geschmack etwas zu stark ausgeprägt ist, aber er läßt den Chrisitan doch irgendwie liebenswert wirken. Außerdem hat er eine nette Stimme, die ganz gut zu der von Nicole Kidman paßt.

Die Bohemiens werden durchwegs von mir unbekannten Schauspielern dargestellt, nur John Leguziamo (Toulouse) habe ich schon öfters gesehen (Summer of Sam, Romeo & Juliet...) und ich staune immer wieder über seine Wandlungsfäigkeit. Außerdem muß es höllisch wehgetan haben, immer auf den Knien zu tanzen.

Jim Broadbent (Zidler) ist meist maskenhaft verzerrt zu sehen (was bei vielen Charakteren Luhrmans so ist) aber er stellt den zynischen Master of Ceremonies als wahres Kind des Show-Business ganz treffend dar.

Richard Roxborough (Der Herzog) ist durch und durch böse, dumm und gierig. Er ist stocksteif und kann nicht einmal singen. Sehr unsympathisch der Mensch, er ist ganz und gar die Antithese zu dem bunten Treiben der Bohemiens. Und so wird er auch dargestellt.

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Regie (Baz Luhrman) Script (Baz Luhrman/Craig Pierce)
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Nach Strictly Ballroom (einem herrlich kitschigen Tanzmärchen) und dem allseits bekannten Romeo & Juliet ist dieser Film sicherlich ein weiterer Höhepunkt in seiner Karriere. Ob es ihm einen Oscar einbringen wird, ist trotzdem fraglich, denn seine Art ist für dererlei zu unkonventionell.

Ein Mix aus traditionellen Slapstick-Elementen, den Musicalfilmen der goldenen Jahre Hollywoods, Anklängen an indische Bollywood-Filme, modernen Popsongs inmitten einer authentischen Kulisse... allein bei dieser Zusammenstellung frage ich mich, wie dieser Film überhaupt funktionieren kann. Aber er tut es, und ich verzeihe ihm auch, daß er mein bestgehaßtes Musical unter all den Musicals, die ich hasse, auch noch in die Handlung vermurkst hat.

Erstaunlicherweise klappt die Mischung von normalen Dialogen, Dialogen aus Songtexten und all den vermischten Songs sehr gut, allerdings bezweifle ich, daß dies in der deutschen Übersetzung ebenso funktionieren wird. Also schaut es euch besser auf Englisch mit Untertiteln an.

Der Humor ist manchmal sehr slapstickhaft, Luhrman schreckt selbst vor Soundeffekten nicht zurück, die wir das letzte Mal wohl bei Charlie Chaplin gehört haben.

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Inszenierung
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Die Kostüme (Catherine Martin/Angus Strathie), die Bauten (Catherine Martin) , die Tanzszenen (John O'Connel) hauen einen fast um. Alle Details zu erkennen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, aber zB der lachende Mond wird wohl jedem in dieser surrealen Wahnsinnstrip auffallen.

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Kamera (Donald M. McAlpine), Schnitt (Jill Bilcock)
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Schon zu Beginn wird man durch die außergewöhnliche Kameraführung in den Film förmlich hineingerissen. Zuerst wirken die Bilder noch verzerrt, doch schon bald steigert sich das Tempo und die Schnitte werden comichaft.

Wie schon auch in "Romeo and Juliet" ist Luhrman ein Meister der Darstellung von halluzinogenen Erfahrungen, der Zoom ins Moulin Rouge ist eine visuell kaum zu bewältigende Tour de Force, nicht nur wegen der bebenden Schenkel (ich finde keinen besseren Ausdruck!) der Tänzerinnen...

Die Geschwindigkeit wird durch die romantischen Momente unterbrochen, manchmal dauern diese länger, manchmal kürzer und ab der Mitte des Films verliert sich mit der beginnenden Dramatik auch die Schnelligkeit (was aber nur angenehm für das mittlerweile überretzte Auge ist) und auch die Farbenpracht.

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Musik (Craig Armstrong)
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Die Musik ist wohl der wichtigste Teil des Films. Die Arrangements (beonders das Vermischen von verschiedenen Songs) sind mehr als gelungen und selbst nach mehrmaligem Anhören kann ich noch immer nicht alle darin verwursteten Themen und Titel aufzählen (weiß Gott, ich hab mir Mühe gegeben).

Die Teenies unter uns werden wohl allerdings nicht mehr alle Lieder im Original kennen und die Single Lady Marmelade gibt auch nur einen beschränkten Eindruck davon, wie die Musik im Film wirklich ist. Laßt euch überraschen und vor allem: Laßt euch darauf ein.

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Fazit
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Dafür, daß ich keine Musicals mag, war ich ziemlich hingerissen von dem Film. Man muß sich einfach darauf einlassen, und dann wird Moulin Rouge ein zweistündiger Sinnesrausch, den man nicht so leicht vergißt. Er ist romantisch, dramatisch, modern und doch old-fashioned, furchtbar kitschig und ziemlich anstrengend.

Aber so sind Baz Luhrman Filme eben...

Schaut ihn euch an, egal ob ihr Musicals mögt oder nicht, ihr werdet jedenfalls überrascht sein.

Sorry für die Länge (und die englischen Zitate, ich hab den Film im Original gesehen...), aber wer den Spoiler überliest, hat eh einen normalen Bericht bekommen... und Danke für das Durchhaltevermögen!

Lg,

Schini
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Mezzosopranistin

Mezzosopranistin

10.02.2006 12:36

Den Film fand ich langweilig und oberflächlich. Deinen Bericht finde ich aber gut: von daher ein sehr hilfreich von mir. Gruß von Mezzosopranistin (bin selber Sängerin).

Tuvok1

Tuvok1

20.05.2004 09:42

das ganze übermässige spectaulär ging mir am nerv und zu bunt war er bericht ist gut

Tombo96

Tombo96

09.10.2002 17:56

Spitzen Bericht!! Eigentlich wollte ich mir den Film nicht anschauen- gerade weil ich ein Musical Fan bin, aber das werde ich mir jetzt, dank Deines Berichts, nochmal gründlich überlegen! Gruß Thomas

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  2. Mezzosopranistin
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