Anarchischer Rausch der Sinne !!!
21.10.2001
Pro:
Kein Einwegfilm
Kontra:
Aus meiner Sicht, nichts .
Empfehlenswert:
Ja
 URGS2001
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:130
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 78 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Es grenzt schon an ein Wunder, das ich mir diesen Film im Kino angeschaut habe, nachdem ich wochenlang mit dem dazugehörigen Song “ Lady Marmalade” gequält wurde. Warum ich es trotzdem getan habe ? Zum einen wegen Nicole Kidman, die mir in “ Eyes Wide Shut “ schon angenehm auffiel, zum anderen, weil mir die Ausschnitte zum Film (übrigens ein Musical ) gut gefielen. Der Film beginnt auch gleich explosionsartig mit einer Vorstellung im Moulin Rouge um 1900. Wilde Kamerafahrten über das alte Paris führen uns in den sündigen Nachtclub. Tanzende Menschenmengen zelebrieren hier Nacht für Nacht einen Rausch der Sinne. Rasante Schnittfolgen und knallbunte Farbfilter lassen den Zuschauer keine Sekunde von der Leinwand starren. Die Gruppe der Kurtisanen (veraltet für Prostituierte) steht tanzend einer Gruppe fracktragender Freier gegenüber. Während die Frauen zur temporeichen Musik ihre Röcke heben um mit ihren Unterleibern zu locken singen sie “ Voulez-vous couchez avec moi, ce soir ? “. Die Herren singen dagegen immer wieder die Textzeile “ Here we are now, entertain us “ von Nirvana. Dieses sexuelle Duell findet seinen Höhepunkt mit dem Auftritt des “funkelnden Diamanten”, der in Form von Nicole Kidman von der Decke herab auf die staunende Menschenmenge sinkt. Sie singt einen wilden Mix aus “ Diamants are the Girls best Friend “ und “ Material Girl “.
Dieser Einstieg in den Film schlägt ein wie eine visuelle und akustische Bombe. Im weiteren Verlauf lernt die Kurtisane den armen Schriftsteller Christian kennen und lieben. Doch wie ein dunkler Schatten schwebt die Zukunft des Moulin Rouge über dieser Liebe, für die sich die (unwissend ) todkranke Frau, an einen reichen Bösewicht verkaufen soll. Es kommt zum tragischen Ende. Bis dahin wird der Zuschauer aber mit grandiosen Szenen verwöhnt. Sämtliche Farbfilter, die die Filmtechnik zu bieten hat werden eingesetzt und die äußerst passende Videoclip Esthetik bilden einen Tempo das erst zum Ende hin etwas nachlässt. Die Bandbreite der gesungen Popsongs ist riesig und sie werden schamlos miteinander verknüpft. Gerade dieser Stilbruch, moderne Songs in das alte Paris zu betten, bringt dem Film einen anarchischen Charme ein, der einmalig ist.
Auch der Humor kommt keineswegs zu kurz. Hat man Nicole Kidman gerade noch als angebeteten funkelnden Engel gesehen, liegt sie kurz darauf schon am Boden, um merkwürdig zuckend einen Orgasmus vorzutäuschen, während ihr ein Gedicht vorgetragen wird. Die beiden Hauptdarsteller verfügen übrigens über sehr kraftvolle Stimmen, was mich doch überrascht hat. Sicher wurde hier mit tontechnischen Tricks gearbeitet, trotzdem kann sich das Ergebnis hören lassen.
Nicole Kidman überzeugt mit einem Sexappeal den sie überwiegend durch ihr Gesicht zum Ausdruck bringt und nicht, wie heute oft üblich, durch Arsch und Titten. Fazit : --------
Absolut lohnenswertes Kinoerlebnis, das man wohl nur absoluten Musicalhassern nicht empfehlen kann. Alle anderen sollten besser nicht warten bis der Film auf Video erscheint, sondern ihren Augen und Ohren die große Leinwand gönnen. Möglicherweise ist hier ein neuer Kultfilm entstanden, der zum “immer wieder anschauen” einlädt. ------------------------------------------------------
Regie : Baz Luhrmann Darsteller : Nicole Kidman Ewan Mcgregor John Leguziamo Jim Broadband Richard Roxburgh
Länge: 126 Min. ------------------------------------------------------
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10.02.2007 13:29
Ganz genau!
06.01.2002 23:17
Hoppla, unser Geschmack filmbezogen liegt bis jetzt auf gleicher Ebene...
03.11.2001 21:00
Auch sehr treffend. Raileigh