Moulin Rouge

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Prämierter Erfahrungsbericht

Lieben und geliebt zu werden...

5  02.12.2001

Pro:
Kameraführung, Farbenpracht, Darsteller, Musik

Kontra:
leichter Kitsch (macht aber nix), gegen Ende zieht sich der Film etwas

Empfehlenswert: Ja 

Manuel

Über sich: (18.01.2010) Keine Sorge, es gibt mich immer noch :-)

Mitglied seit:15.06.2000

Erfahrungsberichte:204

Vertrauende:91

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 209 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Die Zeit der Filme, in denen Musik ein wesentlicher Bestandteil spielt, liegt eigentlich schon lange zurück. Unvergessen sind natürlich „Dirty Dancing“ aus den 80er Jahren oder „Save The Last Dance“ – aber das Vorhaben, ein Musical auf die große Kinoleinwand zu bringen, scheint mehr als gewagt.
Nichtsdestotrotz versuchte sich Baz Luhrmann an diesem Vorhaben, und heraus kam ein farbenprächtiges, verspieltes und wunderbar musikalisch unterlegtes zweistündiges Werk, dass sich ohne Probleme in die Reihe der typischen Hollywood-Blockbuster in den Kinosälen reihen kann.

Die Handlung
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Die Handlung ist in diesem Film beinahe Nebensache, sie wird von der Musik und den Bildern geradewegs in den Hintergrund gedrängt. Die eigentliche Story ist in einem Satz erzählt: ein junger Schriftsteller reist nach Paris und verliebt sich in die Attraktion des Moulin Rouge. Soweit so gut, schließlich lieferte dieser eine Satz bislang in unzähligen Filmen Stoff genug für einen abendfüllenden Spielfilm. Die ausführliche Thematik des Filmes sei nun dargestellt:
Der junge Schriftsteller Christian (gespielt von Ewan McGregor) kommt um das Jahr 1900 nach Paris. Es verschlägt in ausgerechnet in das aufgrund von Glückspiel und Prostitution verruchte Montmatre in eine Unterkunft gegenüber des Moulin Rouge. Eigentlich möchte er nur in aller Ruhe ein buch zum Thema „Liebe“ schreiben – doch wie soll er über dieses Thema etwas schreiben können wenn er die wahre Liebe selbst noch nicht erlebt hatte? Durch einen unglücklichen Umstand gerät er in eine chaotische Laien-Theaterspielgruppe, in welcher er sogleich eine Part erhält. Dieses Musikstück soll Fidler, dem Inhaber des Moulin Rouge, schon bald darauf vorgestellt werden. Ziel ist es, mit Hilfe einer Finanzspritze eines edlen Gönners das Tanz- und Amüsieretablissement in ein Theaterhaus umzubauen. Eines Abends lernt Christian während einer Vorstellung im Moulin Rouge die Attraktion der Show kennen – die bezaubernde Satine (Nicole Kidman). Dummerweise hält Satine unseren jungen mittellosen Schriftsteller für den edlen Geldgeber, aber auch wenn dieser Irrtum sehr rasch auffliegt, entwickelt sich eine Liaison zwischen ihnen – wenn nicht der eigentliche Geldgeber, ein reicher Duke, seine Finger im Spiel hätte... Dramatisiert wird die Beziehung durch eine ernsthafte Krankheit Satines.

Nach relativ kurzer Zeit des Filmes sind die Handlungsstränge vollkommen besetzt: es geht um eine geheimgehaltene Beziehung, um die Aufführung des Theaterstücks und die Eifersüchteleien am Rande.


Die Hauptdarsteller
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Christian: der junge Schriftsteller, der ungünstigerweise über ein Thema schreiben möchte von dem er keinerlei Ahnung hat ist der Sympathieträger schlechthin. Ewan McGregor setzt das Lächeln eines kleinen Jungen auf – und somit das Mitgefühl des Publikums auf seiner Seite. Nicht nur durch sein schauspielerisches Talent, sondern vor allem durch seine kraftvolle Stimme ist er für mich eine Idealbesetzung in diesem Film. Auch wenn alle anderen Schauspieler versuchen, mehr oder minder schlecht ihre musikalische Ader auszuleben, übertrumpft Ewan McGregor allesamt um ein Vielfaches.
Wer Ewan McGregor nicht kennt, wird ihn aber sicherlich schon gesehen haben, z.B. als Junkie in „Trainspotting“ (1996) oder in „Star Wars – Episode I“ in der Rolle des Obi-Wan Kenobi.

Satine: eine geheimnisvolle Schönheit, der Star des Moulin Rouge, um den sich die gesamte Männerwelt reiht – so wird sie dem Publikum anfangs präsentiert; Kühl, unnahbar, berechnend, und um ihre eigenen, persönlichen Interessen bemüht, doch später dringt mehr und mehr ihre menschliche Seite durch.
Es ist vielleicht nicht gerade die bedeutendste Rolle von Nicole Kidman, die ihr komplettes schauspielerisches Können erfordert, doch an der Seite von Ewan McGregor kommt man leicht in Versuchung ein neues Traumpaar Hollywoods heraufzubeschwören. Und siehe da, Nicole Kidman kann auch singen! Dies beweist sie derzeit ebenfalls im Duett mit Robbie Wiliams (Album „Swing When You’re Winnig“).
Vielleicht musste sie aber dennoch ihr gesamtes schauspielerisches Können an den Tag legen, denn kurz vor den Dreharbeiten in Australien erlitt sie eine Fehlgeburt, und während des Drehs tobte mit Schlammschlacht mit (mittlerweile) Ex-Ehemann Tom Cruise.

Auch die anderen Darsteller sind mit ihrer Rolle durchweg perfekt besetzt, sei es als Chef des Moulin Rouge oder als kaltherziger reicher Duke – aber nicht nur die Hauptdarsteller sind ein wesentlicher Bestandteil des Films, viel mehr sollte man auch auf die zahlreichen Nebendarsteller achten, ohne diese die Handlung sicherlich nicht derart schwungvoll wäre.
Ein nicht so schnell zu vergessender Gastauftritt beschwert uns Kylie Minouge als kleine grüne „Absinth-Fee“ – ein überraschender Gag, der mit vielen weiteren Überraschungen das Besondere an diesem Film ausmacht.


Der Regisseur
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Baz Luhrmann – ob es jemals einen langweiligen Kinofilm von ihm geben wird? Er versteht es immer wieder, einen nicht alltäglichen Film auf die Leinwand zu zaubern. Spätestens seit „William Shakespeares Romeo & Julia“ (1996) kennt man seinen Stil, den Zuschauer mit kuriosen Bildern, opulentem Farbenzauber und einem Stil fernab aller Konventionen zu überraschen. Bereits „Romeo & Julia“ war ein auf die MTV-Generation zugeschnittener Kinofilm, der durch schnelle Schnitte und ungewöhnlicher Kameraführung auffiel. Und auch in „Moulin Rouge“ erkennt man eindeutig seine Handschrift.


Die Musik
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Natürlich spielt in einem Musical die Musik die entscheidende Rolle, und wer meint, er müsse mit dem üblichen Geplänkel rechnen, wird sich wundern. Klassiker aus Pop und Rock sind neu interpretiert und eingespielt, von Sting über die Beatles bis zu Joe Cocker sind zahllose Musikhits der letzten Jahre verbunden. Meist erkennt man sie erst nach einiger Zeit, oder das Lied kommt einem auf jeden Fall bekannt vor, derartig neu sind die Stücke interpretiert und inszeniert. Alleine schon wegen der Musik lohnt es sich, diesen Film anzuschauen. Die Handlung tritt stellenweise in den Hintergrund, derart dominant präsentiert sich die Filmmusik.
Alle Darsteller singen ihre Parts selbst – mehr oder minder schlecht, aber Ewan McGregor ist mit seiner Stimme der herausragende Sänger, doch auch Nicole Kidman kann überraschenderweise sehr passabel mithalten.
Der Soundtrack (u.a. auch mit „Lady Marmelade“ von Christina Aguliera und Co.) ist im Handel für rund DM 30.- erhältlich.

Der Film und meine Meinung
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Das Fazit zuerst: Reingehen und ansehen! Ein absolut wirrer Film mit schnellen Schnitten, die eher an ein Musikvideo erinnern als an einen Kinofilm, hinzu eine teils ungewöhnliche Kameraführung und vor allem eine Farbenpracht, wie man sie selten sieht. Das Auge des Zuschauers wandert von einem Punkt des Bildes zum Anderen, doch es ist kaum möglich die gesamte Fülle der Details und zahlreichen Spielereien zu erfassen. Rasante Action (vor allem die Tanzszenen des Moulin Rouge) wechseln mit sanften, ruhigen Bildern (Liebesszenen) – um sofort wieder von lauter Musik und farbenfrohen Spektakel unterbrochen zu werden. Dem Zuschauer wird kaum eine Pause gegönnt, und nicht selten wandert der Film in Kitsch, was jedoch keines Falls als störend empfunden wird, bestenfalls amüsiert.
Da auch „Romeo & Julia“ zu einer meiner Lieblingsfilmen zählt, konnte ich Vergleiche ziehen. Und leider, muss ich sagen, fiel mir bei Moulin Rouge das gleiche Strickmuster auf: Baz Luhrmann verschießt sehr viel Pulver, spricht Farbenpracht und Verwirrspiel, zu Beginn des Filmes – und verflacht mit zunehmender Länge. Allerdings zieht sich das Ende nicht gar so arg wie in Romeo & Julia, wo der Film einfach kein Ende nehmen wollte. Durch den Wechsel der Musik, von sanften Liebesliedern bis zu tragischen, lauten Werken wird der Zuschauer bei Laune gehalten. Doch das Ungewöhnliche und zugleich Faszinierende nimmt mit zunehmender Länge des Filmes leider ab, so dass man sein Auge auch mal getrost abseits der Leinwand schweifen lassen kann ohne etwas zu verpassen. Und genau wie in „Romeo & Julia“ endet der Film – ohne zu viel verraten zu wollen, wobei das Ende des Films bereits vorweg genommen wird – in einer dramatischen, ja sogar kitschigen Tragödie. Aber Achtung: Taschentücher bereithalten, es haben einige Damen gegen Ende des Films geweint!

Ich selbst habe diesen Film zweimal innerhalb von drei Tagen gesehen, was bei mir persönlich äußerst selten vorkommt! Und nichtsdestotrotz würde ich ihn mir ein drittes Mal ansehen, denn es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken.
128 Minuten Kino, die man nicht so schnell vergessen wird. Und vor allem: ein Zitat aus dem Film kommt mir immer wieder in den Sinn: Das Schönste auf der Welt ist zu lieben und geliebt zu werden...

In diesem Sinne © 2001 Manuel


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Whiteghost

Whiteghost

10.11.2005 17:30

Schöner Bericht! Ein BH kann ich noch nicht vergeben, aber der Diamant ist trotzdem gut verdient! - Lg, Whiteghost

VanessaKellermann

VanessaKellermann

08.05.2005 23:40

ein sehr trauriger Film, habe ihn auch schon öfter angeschaut...LG, Vanessa

Illumea

Illumea

30.05.2004 21:29

Das "Smells like Teen Spirit" Cover war schon sehr originell.. allerdings war das der bisher einzige Film, bei dem ich es miterlebt hab, dass ein Viertel der Zuschauer den Film frühzeitig verlässt und ich fand ihn im Kino auch eher abstoßend als anziehend =) lg Illu

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