Netscapes zweite Chance
11.05.2002
Pro:
Alles was der Internet Explorer bietet und noch mehr
Kontra:
. . . noch in der Beta - Phase . . .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Stabilität:
Benutzerfreundlichkeit
mehr
 basscadet
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:112
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 42 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Damals, als die Welt noch in Ordnung war, galt Netscape als der Standardbrowser, und Bill Gates hatte die Entwicklung des WWW verschlafen. Dann wachte Gates auf, machte die Verbesserung des Internet Explorers zur wichtigsten Sache die es bei Microsoft überhaupt gibt, und irgendwann zahlte sich das aus, indem der IE zum Standardbrowser wurde. Natürlich hilft es, dass der IE bereits in Windows integriert ist und man somit seinen Browser bereits mitgeliefert bekommt. Da sich Microsoft ordentlich Mühe gegeben hat, was Features und Bedienerfreundlichkeit angeht, war er nicht mal eine schlechte Wahl. Und über die eklatanten Sicherheitslücken sieht man halt hinweg.
Netscape (mittlerweile von AOL aufgekauft) arbeitete unterdessen an der Version 6 seines Browsers, da man der Entwicklung des Webs mittlerweile um einiges hinterherhinkte. Und als der erschien, bot sich ein so grandioser Schwachsinn, dass sich Gates endgültig die Hände reiben konnte. Netscape 6 war zu gross, zu umständlich und am Benutzer vorbei programmiert. Irgendwann fand ich mich mit meinem Schicksal ab und wurde zähneknirschend zum IE-Nutzer. Doch jetzt naht Rettung. Eine Gruppe (oder Armee) von Programmierern arbeitet an Mozilla, basierend auf dem guten, alten Netscape. Und die bisherigen Ergebnisse sind bereits so gelungen, dass ich den IE endlich wieder hinter mir lassen kann.
Grundsätzliches
Mozilla wird nicht von einer Firma programmiert und veröffentlicht (allerdings von AOL unterstützt) , sondern ist ein Open Source Project. Dies bedeutet, dass jeder an Mozilla arbeiten kann, wenn er denn eine Möglichkeit sieht, den Browser zu verbessern. Grundsätzlich gibt es bei der Entwicklung des Browsers selbst zwar Vorgaben und ein Team, dass das Projekt koordiniert, weil sonst alles im Chaos versinken würde. Aber erstens kann jeder mitmischen, der sich dazu berufen fühlt, und zweitens gibt es neben der Programmierung des Browsers selbst noch Nebenprojekte namens "Plug-Ins", die jeder auf eigene Faust durchziehen kann. Ausserdem ist es noch wichtig zu wissen, dass es bisher keine endgültige Version von Mozilla gibt. Derzeit befindet sich die Version 1 in der Betaphase, die aktuelle Version ist der Release Candidate 2. Dementsprechend erhält man mit dem Download kein fertiges Produkt, und Bugs sind nicht ausgeschlossen. Trotzdem habe ich bisher noch keine Abstürze erlebt (die eine der grossen Spezialitäten von Netscape waren) und bin auch sonst nicht auf Probleme gestossen. Allerdings ist die eine oder andere Seite in der Hilfedatei noch leer, und das Mozilla Team leistet grundsätzlich keinen Support.
Installation
Mozilla steht unter www.mozilla.org zum Download bereit. Die komplette Datei ist etwa 10 MB gross, wenn man nur den Browser ohne weitere Komponenten herunterlädt sind es immerhin noch 6 MB. Was natürlich nichts ist im Vergleich zu den 70 MB, die ein kompletter IE 6 umfasst. Hat man die Datei heruntergeladen geht die Installation schnell über die Bühne. Es werden auch keine Dateien nachgeladen. Mozilla bleibt auf der Festplatte mit 20 MB schlank, und nimmt zudem keine Änderungen am Betriebssystem vor, wie es der IE so gerne tut. Dafür importiert Mozilla automatisch die Favoriten, die dann Bookmarks heissen, so dass man sich hierum nicht mehr kümmern muss.
Optik und Bedienung
Mozilla startet etwas langsamer als der IE, was aber nachvollziehbar ist, da viele Komponenten des IE bereits mit Windows geladen werden bzw. Teil von Windows sind. Bei Mozilla hat man die Möglichkeit, ebenfalls Teile des Browsers mit Windows zu starten, was den Bootvorgang aber wiederum etwas verlangsamt. Aber immerhin hat man die Wahl. Da Browser dazu da sind, Webseiten anzuzeigen, besteht kein Zwang, dass sie selbst besonders gut aussehen. Wichtiger ist schon eher, dass sie selbst nicht zuviel Platz einnehmen, damit möglichst viel von den Seiten angezeigt werden kann. Hier gibt es leider den ersten Minuspunkt für Mozilla, denn die oberen Leisten sind kaum konfigurierbar. Bei den Buttons hat man die Auswahl, ob man sie anzeigen lassen möchte oder nicht, das war es schon. Die Grösse der Buttons lässt sie nicht verändern, und sie sind für meinen Geschmack viel zu gross. Ansonsten kann man sich nur entscheiden, ob man eine Leiste angezeigt haben möchte oder nicht.
Die Bedienung des Browsers ist denkbar einfach. Das verwundert allerdings nicht besonders, da man normalerweise nicht viele Befehle benötigt, um durchs WWW zu navigieren. Mit "Vor", "Zurück", "Neu laden" und "Stop" hat man vermutlich schon 99 % der Aktivitäten abgedeckt. Was ich schmerzlich vermisse, ist der Button "Bilder laden", der mir bei Netscape so einiges an Onlinezeit erspart hat. Mit ihm konnte man das automatische Laden von Bildern ausschalten und die Bilder dann bei Bedarf nachladen. Jedem Webmaster ist das vermutlich ein Graus, aber es hat sich als äusserst praktisch erwiesen. Wem Mozilla nicht bunt genug ist, der kann Themes hinzufügen um die Optik etwas aufzupeppen. Standardmässig sind "Classic" und "Modern", weitere Themes findet man leicht über Google.
Browsing
Ein Nachteil von Netscape gegenüber IE war die Geschwindigkeit beim Laden der Seiten. Der IE lädt vorzugsweise die Seite ohne Grafiken, um anschliessend die Bilder nachzuladen (was in der Praxis natürlich nicht immer funktioniert). Netscape wartete gerne mal, bis alle Bilder vorhanden waren, und zeigte die Seite dann erst an, was teilweise halbe Ewigkeiten dauern konnte. Bei Mozilla läuft es jetzt wie beim IE, so dass es meinem persönlichen Empfinden nach keine Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Browsern gibt. Mozilla macht auf mich eher einen schnelleren Eindruck. Aber mit dem Laden der Seiten allein hat ein Browser seine Aufgabe natürlich nicht erfüllt, und jetzt kommt der Teil, in dem Mozilla den IE weit hinter sich lässt. Durch einige eingebaute Features sowie Plug-Ins erhält man viele nützliche Zusatzfunktionen, für die vorher spezielle Programme nötig waren, und die sich jetzt in den Browser selbst integrieren lassen oder schon integriert sind.
Da uns ciao seit einiger Zeit mit einem wunderschönen Pop-Up nervt, und diese Art der Werbung allgemein sehr beliebt ist, haben Programme wie Web Washer oder Pop-Up Killer Hochkonjunktur. Bei Mozilla benötigt man diese Programme nicht mehr, da sich die entsprechenden Java Scripte einzeln abschalten lassen. Unter "Advanced" und dann "Scripts & Windows" kann man zum Beispiel verhindern, dass die ansgesprochenen Pop-Ups aufgemacht werden (sehr schön als "unrequested windows" bezeichnet), die Grösse und Position des Browsers verändert wird oder ein Script den Text der Statusleiste ändert. Damit haben Online Casinos also keine Chance mehr.
Natürlich gibt es dann noch andere Werbeformen, namentlich Banner, und damit sind wir bei den Plug-Ins angekommen. Unter www.mozdev.org finden sich viele kleine Helfer, die den Surf-Alltag angenehmer machen, unter anderem Banner Blind, dass seinem Namen alle Ehre macht und Werbebanner entfernt. Banner Blind arbeitet dabei mit den gängigen Grössen von Werbebannern, die dann automatisch gefiltert werden. Profis werden weitere Einstellmöglichkeiten vermissen, aber Banner Blind wird ständig verbessert. Weitere Plug-Ins sind Rechtschreibungsprüfung, erweiterte Bookmarkverwaltung, ein Media Player und diverse andere Projekte. Insgesamt ist die Mozillagemeinde sehr rührig und arbeitet ständig darin, den Browser zu verbessern und zu erweitern.
Ein Vorteil gegenüber dem IE ist noch der Cache von Mozilla. Die gespeicherten Webseiten werden schneller und vor allem öfter abgerufen und nicht jedesmal neu geladen, wie es beim IE sehr häufig vorkommt. Das spart einiges und Zeit, und wem das noch nicht reicht, für den wurden die Tabs geschaffen.
Tabs Die genialste Neuerung sind die Tabs. Jene Aktenreiter vereinfachen das Browsen so ungemein, dass ich den IE nur noch aufrufe, wenn ich aus Versehen auf das falsche Icon geklickt habe.
Die Tabs funktionieren folgendermassen: Wenn man zum Beispiel bei ciao einen neuen Autor entdeckt hat, dessen alte Berichte man durchlesen will (nennen wir ihn mal "Fratzengulasch"), gab es bisher zwei Möglichkeiten: Man ging in sein Profil, klickte auf einen Bericht, ging nach dem Lesen wieder ins Profil, öffnete den nächsten Bericht usw. Oder man öffnete den Bericht in einem neuen Fenster. Damit waren dann schon zwei Fenster offen, und bei manchem wurden es noch einige mehr. Bei Mozilla hat man die Möglichkeit, mit Rechtsklick auf einen Link zu gehen und "Open Link in New Tab" auszuwählen. Der Bericht wird dann in einem Fenster innerhalb des Browsers geöffnet während das alte Fenster weiterhin über eine neue Leiste, die oben eingeblendet wird, verfügbar ist. Jedes Fenster erhält seinen eigenen Aktenreiter inklusive Bezeichnung (Titel) der Seite. So bleibt es auch bei sechs Fenstern noch übersichtlich, und man spart den Weg über die Taskleiste von Windows. Jedes Fenster verhält sich wie ein eigenständiger Browser, das heisst man kann jeden Tab neu laden, die Übertragung stoppen oder neue Adressen in die Adressleiste eingeben. Schliessen lässt sich jeder Tab einzeln.
E-Mail Client und HTML-Editor
Mozillas E-Mail Client kann von jedem, der mit Outlook Express gearbeitet hat, intuitiv bedient werden und bietet zu dem fast die gleiche Funkionalität. Allerdings sind die Nachrichtenfilter noch nicht sehr ausgereift. Dafür kann man mit dem Client auch Nachrichten aus Newsgroups abrufen, wie man es von Outlook Express gewohnt ist. Der E-Mail Client hat praktische Importfunktionen für Adressbuch, Nachrichten und Provider-Einstellungen aus Outlook, Outlook Express und Eudora und Netscape 4. Der HTML-Editor, Composer genannt, ist nicht gerade umfangreich und kann nicht mal ansatzweise mit professionellen Programmen mithalten. Für einfache Seiten, wie zum Beispiel das Profil bei ciao, ist er jedoch ausreichend.
Fazit
Auch wenn die endgültige Fassung von Mozilla 1.0 auf sich warten lässt, sind die Release Candidates ausgereift und stabil genug, um sie zu installieren. Dafür erhält man einen Browser, der alles kann, was man vom IE gewohnt ist, und vieles, was man Microsofts Browser vermisst. Ein paar Kleinigkeiten sind zwar noch zu verbessern, aber gerade in dieser Beziehung mache ich mir bei Mozilla keine Sorgen. Die Teams, die am Browser und den Plug-Ins arbeiten, sind professionell und kreativ genug, um noch einige Überraschungen bieten zu können. Informationen über den neuesten Stand der Dinge findet man unter www.mozillazine.org und natürlich auf der Mozilla Homepage www.mozilla.org. 9 von 10 Punkten
copyright basscadet 11052002 wer hier klaut ist bill gates-fan
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17.07.2002 21:45
Suuuper, ausführlicher Bericht! Bin selber zufriedener Mozilla-User und finde ihn ebenfalls viel besser als den IE vom lieben Billy...
22.05.2002 20:58
ja wie.. kein support? wenn ich probleme habe, dann gibts keinen kaffee und kuchen und keine 10986876345 entschuldigungen vom cheffe persönlich? neenee.. wo kommen wir denn DA hin?
20.05.2002 14:31
cooler bericht