Clarissa Dalloway führt ein großes Haus im vornehmen Londoner Stadtteil Westminster. Eine ihrer glänzenden Soireen soll an einem Junitag des Jahres 1923 stattfinden. Der Ablauf... mehr
Erfahrungsbericht von LasloJamf über Mrs Dalloway - Roman / Virginia Woolf 18.08.2011
Produktbewertung des Autors:
Niveau
sehr anspruchsvoll
Unterhaltungswert
sehr hoch
Spannung
durchschnittlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
sehr ergreifend
Pro:
Alles
Kontra:
Nichts
Empfehlenswert?
Kompletter Erfahrungsbericht
Es gibt sicherlich einfachere Aufgaben, als einen Roman von Virginia Woolf zu besprechen, zumal mit der Rezension von Logan schon eine Besprechung vorliegt, der man eigentlich nichts mehr hinzufügen kann. Aber auch, wenn mein Wort bei gerade mal zwölf Buchbesprechungen vielleicht nicht sonderlich viel Gewicht hat, trägt mein Beitrag möglicherweise dazu bei, dem Buch ein paar Leser zu gewinnen und dann wäre er nicht umsonst gewesen.
Ich muß aber gleich eine Warnung aussprechen: Wenn man einmal anfängt, Virginia Woolf zu lesen, kann man nicht mehr aufhören. "Die Fahrt hinaus" machte bei mir den Anfang, es folgten "Die Wellen", "Zum Leuchtturm" und nun eben "Mrs. Dalloway". Was ist es aber, wodurch Woolf uns gefangennnimmt? Die Handlung? Wohl kaum. Bei "Mrs. Dalloway" ließe sich, etwas polemisch überspitzt, geradezu sagen, der Roman handle eigentlich von nichts. Clarissa Dalloway, angesehene Dame der britischen Oberschicht, gibt eine Gessellschaft und wir folgen ihr und den anderen Protagonisten durch einen ganz gewöhnlichen Tag. Aber wie wir sie dabei kennenlernen, wie sie Tiefenschärfe bekommen, das ist eben die Kunst. Wir folgen ihren Gedanken - teilweise völlig inkohärenten Gedanken, sprunghaften Assoziationen, Widersprüchen oder, wie bei Septimus Warren Smith, schierem Wahnsinn - und fühlen uns, unbeschadet der Tatsache, daß der Roman sich überwiegend in einer Gesellschaftsschicht abspielt, der wohl die wenigsten von uns angehören, auf wundersame Weise gerettet. Wir begreifen, daß auch wir Gegenstand eines Romans von Virginia Woolf sein könnten und daß es interessant wäre, uns zu folgen. MIt anderen Worten: Wir müssen unser Leben gar nicht einer großartigen Idee, einer Mission, einem gesuchten Tiefsinn unterstellen, um gerechtfertigt zu sein. Virginia Woolf hat die Aufgabe des modernen Romanciers in ihrem Essay "Moderne Romankunst" so umrissen: "Prüfe nur einen Augenblick ein gewöhnliches Bewußtsein an einem gewöhnlichen Tage. Das Bewußtsein empfängt eine Unzahl von Eindrücken - triviale, phantastische, flüchtige oder wie mit einem scharfen Stahl gestochen. Von allen Seiten kommen sie, ein unaufhörlicher Schauer unzähliger Atome; und wie sie da fallen, wie sie sich zum Leben am Montag oder Dienstag formen, fällt der Akzent anders als früher; der Augenblick der Bedeutsamkeit kam nicht hier, sondern da; wenn also ein Schriftsteller ein freier Mann wäre und nicht ein Sklave, wenn er schreiben könnte, was er wollte, nicht was er muß, wenn er sein Werk auf seinen eigenen Gefühlen aufbauen könnte und nicht auf Konventionen, dann gäbe es keine Fabel, keine Komik, keine Tragik, keine Liebesgeschichte oder Katastrophe im üblichen Sinne und vielleicht keinen einzigen Knopf, der so angenäht wäre,wie die Schneider in Bond Street es vorschreiben.Das Leben ist keine symmetrisch angeordnete Reihe von Wagenlampen; das Leben ist ein leuchtender Nimbus, eine halb-durchsichtige Hülle, die uns vom Anfang unseres Bewußtseins bis zum Ende umgibt. Ist es nicht die Aufgabe des Romanciers, diesen sich wandelnden, diesen unbekannten und unfaßbaren Geist samt all seinen Verirrrungen und Vielschichtigkeiten mit möglichst wenig Zutat an Äußerlichem und Fremdem zu vermitteln"?
In "Mrs. Dalloway" ist Woolf die Lösung dieser Aufgabe großartig gelungen. Das führt zu einem Effekt, wie er sich - zumindest bei mir - bei allen ihren Romanen einsteltt: Wir schließen Freundschaft mit ihren Figuren. Wir mögen sie. Wir finden hier das Denken und Empfinden nicht so dargestellt, wie ein mittelmäßiger Romancier es darstellen würde, also nicht logisch, folgerichtig, linear, Denn Aufgabe des Logikers ist nicht, das Denken darzustellen, wie es ist, sondern wie es sein sollte. Der gute Romancier aber macht es umgekehrt. Er stellt das Denken dar, wie es wirklich ist. So trivialerweise wahr es auch sein mag, daß wir alle in der Gegenwart leben, so wahr ist es auch, daß wir ständig in der Vergangenheit leben (und in gewisser Weise wohl auch in der Zukunft). Woolfs Figuren - Clarissa selbst, ihre Jugendliebe Peter Walsh, ein Mann, den man nach bürgerlichen Maßstäben vielleicht schon einen Versager nennen könnte, der wahnsinnige Septimus Warren Smith, der Selbstmord begeht (Woolf war selbst, wohl auch, weil sie als Kind sexuellem MIßbrauch ausgesetzt war, psychisch labil und nahm sich 1941 das Leben), Rezia Smith, seine Ehefrau und all die anderen (eine genauere Aufstellung der Figuren entnehme der Leser der Rezension von Logan) - chargieren ständig zwischen der Jetztzeit und ihren Erinnerungen, Gegenwart und Vergangenheit verschwimmen ineinander. Es gibt eine triviale Allerweltsweisheit, die uns empfiehlt, ganz im "Hier und Jetzt" zu leben. Dieser Werltsicht zufolge ist nur der Neurotiker nicht in der Lage, sich von der Vergangenheit zu lösen. So wahr es nun auch sein mag, daß wir das Leben immer wieder neu auf uns nehmen müssen und daß uns aus der Zukunft etwas zukommt, so wahr ist es doch auch, daß wir die Vergangenheit nicht einfach vergessen (jedenfalls nicht zur Gänze), sondern nur uns anverwandeln können. Wir müssen dann immer auch an ihrem - und damit auch unserem - Besseren festhalten.
Besonders klar ist mir das an Peter Walsh geworden, der in Clarissa immer noch die Frau sieht, die er einmal geliebt hat. Wie gesagt, er ist nicht das, was man einen "positiven Helden" nennen würde, er ist ein Mann, der immer irgendwie Pech hat (vor allem bei Frauen), und doch ist da etwas an ihm, das mich anspricht. Auch wenn andere Leser ihn anders bewerten mögen, möchte ich sein Verhältnis zu Clarissa als Treue bezeichnen, Treue zu sich selbst. Kein anderer darf hier über uns richten, aber das ist auch nicht nötig, wir wissen schon von allein, wann wir uns selbst verraten. Walsh jedenfalls hat es nicht getan und - wie ich finde - nicht von ungefähr schließt mit seinem Blick auf Clarissa der Roman: "Was ist dieses Entsetzen? dachte er bei sich. Was ist es, das mich mit so außerordentlcher Erregung erfüllt? Es ist Clarissa, sagte er. Denn da war sie." Der Talmud lehrt uns, daß wir, wenn wir die Wahl haben, über einen Menschen das Bessere oder das Schechtere zu denken, das Bessere denken sollen. Dadurch ehren wir den anderen und auch uns selbst. Im Falle der Liebe mag das soweit gehen, daß wir an dem anderen gar nicht mehr nur das lieben, was er ist, sondern das, was er hätte sein können. Oder eben das,was er für uns war. Eine solche Sicht der Dinge ist natürlich melancholisch und "Mrs. Dalloway" ist für mich auch ein melancholischer Roman.Aber Melancholie ist eben auch ein Festhalten, ein Festhalten im Wissen des Verlusts und vielleicht kommt darauf am Ende alles an.
MIr hat der Roman etwas beigebracht, was vielleicht immer in mir war, was sich nun aber erst wieder aussprechen läßt. Clarissa Dalloway ist weder besonders schön noch in irgendeiner Weise talentiert, ihrer eigenen Selbsteinschätzung zufolge gibt es nichts,was sie besonders gut kann. Und doch liebt Walsh sie (und wir lieben sie auch). Die Sprache ist notwendig, ohne sie könnten wir nicht leben. Und doch fühlte ich mich beim Lesen an die Worte Maeterlincks erinnert, die Musil seinen "Verwirrungen des Zöglings Törless" vorausschickt: "Sobald wir etwas aussprechen, entwerten wir es seltsam. Wir glauben in die Tiefe der Abgründe hinabgetaucht zu sein, und wenn wir wieder an die Oberfläche kommen, gleicht der Wassertropfen an unseren bleichen Fingerspitzen nicht mehr dem Meere, dem er entstammt. Wir wähnen eine Schatztruhe wunderbarer Schätze entdeckt zu haben, und wenn wir wieder ans Tageslicht kommen, haben wir nur falsche Steine und Glasscherben mitgebracht; und trotzdem schimmert der Schatz im Finstern unverändert." Es ist dies das Eingeständnis, daß wir alle über eine Tiefe verfügen, die durch Worte nur angedeutet, aber nicht ausgelotet werden kann. Es ist da immer ein Mehr an uns, das unser eigentliches Leben ausmacht, etwas, das die Worte nur umkreisen können und vor dem sie am Ende geradezu versagen, so wie "Mrs. Dalloway" mit der Darstellung einer reinen Präsenz endet, mit einem schlichten Vier-Wörter-Satz, dem nichts mehr hinzuzufügen ist (sehr im Unterschied zur sonstigen Sprache des Romans, die oft sehr kompliziert ist; der Sinn ihrer verwickelten Schachtelsätze erschließt sich oft erst ganz zuletzt, so daß wir zweimal lesen müssen, aber bei Virginia Woolf lesen wir gerne zweimal).
Es mag sein, daß ich bei dieser Buchbesprechung zuviel von Mrs. Dalloway und Peter Walsh geredet habe, zum Schaden der anderen Romanfiguren Mag sein. Es ist zugegebenermaßen.eine sehr subjektive Lesart, der ich bei dieser Rezension gefolgt bin und wer es nicht gut mit mir meint, wird mir vorwerfen, ich habe eigentlich nicht von "Mrs. Dalloway", sondern von mir geschrieben. Aber dies ist eben keine wissenschaftliche Arbeit, sondern ein Erfahrungsbericht und ich habe die Erfahrung niedergeschrieben, die ich mit dem Roman gemacht habe. Andere Leser werden sicherlich andere Erfahrungen mit diesem Buch machen, aber ich verspreche: So sie nicht völlig taub sind, wird das Buch auch sie berühren, wie es mich berührt hat. Kann man mehr erwarten?
Virginia Woolf Mrs. Dalloway Fischer Verlag ISBN 9783596900381 9 €
Leider bin ich nicht in der Lage, die genaue Seitenzahl anzugeben, da ich das Buch entliehen und wieder abgegeben habe. Ich werde das nachtragen. 0
Pro: sehr schöner Sprachstil, intelligent aufgebaut, einfach lesenswert Kontra: teilweise sehr anstrengend
Es hat vier Jahre gedauert. Vier Jahre, bis ich das Buch "Mrs. Dalloway" endlich einmal gelesen habe. Wirklich neugierig wurde ich erst, als ich vor sehr, sehr langer Zeit den Film "The Hours" gesehen habe, in dem sowohl das Leben der Schriftstellerin Vi ...
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Unterhaltungswert
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Wie ergreifend ist die ...
sehr hilfreich
24.04.2007
Schwermütig... Bewertung für Mrs Dalloway - Roman / Virginia Woolfvon
Christin78
Pro: Das Buch ist eine Bereicherung Kontra: Sehr schwermütig, teilweise schwer zu lesen
Hallo Ihr Lieben,
Nach etwas längerer Zeit in der ich keinen Buchbericht geschrieben, möchte ich euch heute mal wieder ein Buch vorstellen, welches ich vor Kurzem gelesen habe. Geschrieben wurde es von Virginia Woolf und trägt den Titel "Mrs. Dallowa ...
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"Mrs Dalloway" spielt im Oberklassenmilieu Londons der 1920er Jahre. Die verheiratete Clarissa Dalloway, eine Frau in ihren "besten Jahren", bereitet wieder einmal eine Party vor, was in gewisser Weise ihren Lebenssinn darstellt. Zu dieser Party ist a ...
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Pro: Sehr schöner Roman, schöner Sprachstil Kontra: für manchen etwas langatmig und zu ausführlich
Das Buch beschreibt einen Tag, und doch das ganzes Leben der Protagonistin Mrs. Dalloway. Es ist der Tag einer Abendgesellschaft, welche sie auszurichten sucht, und eines der Highlights in Londons gesellschaftlichem Leben werden soll.
Die fünfzig jähri ...
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...Hallo zusammen,
der März war mehr eine Schreibpause, doch heute möchte ich Euch einen neuen Bericht vorstellen
In der Bücherkiste fand ich:
Michael Cunningham ?Die Stunden?
BTB, einmalige Sonderausgabe 2006, ISBN 3-442-73537-8, Taschenbuch, 220 Seiten, erworben für EUR 2,00; angelehnt an ?Mrs Dalloway? Virginia Woolf.
Eine nicht einfaches Buch, darum der Versuch einer
Inhaltsangabe
Der Roman handelt von der Geschichte dreier Frauen aus drei Generationen, die beeinflusst sind von Virginia Woolf Roman Mrs Dalloway. Michael Cunningham erzählt die Geschichte eines einzigen Tag,in drei verschiedenen Leben. Er beginnt mit dem Selbstmord von Virginia Woolf 1941 und der Reflektion ihrer letzen Tage. Der Plot bewegt sich dann zu den anderen Geschichten von den Frauen, die über ihr Leben nachdenken, ihre Freunde...
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...Da sind drei Frauen, die so unterschiedlich gar nicht sind, aber die sich nicht kennen, da sie zu unterschiedlichen Zeiten Leben. Verbunden werden sie durch den Roman "Mrs Dalloway" von Virginia Woolf, die auch eine der drei Frauen ist. Erzählt wird ein Tag, abwechselnd und durchwebt, die eine sucht ihre Ruhe in diesem Buch, die andere wird Mrs Dalloway genannt und die dritte versucht das Buch zu schreiben. Die Sprache errinnert an einen Nebel, denn sie legt sich wie ein Schleier in das Auge und prägt sich ein, und die Darstellung dieser Frauen ist unvergleichlich. Ich denke, fast jeder sollte dieses Buch lieben....
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Pro: poetische Sprache, Schilderung Innenleben der Personen Kontra: -
...Das Leben und die Literatur können genauso miteinander verbunden sein, wie das Leben verschiedener Menschen. Dies beweist der Roman ?Die Stunden? von Michael Cunningham, mit dem der Amerikaner den renommierten Pulitzer-Preis erhielt.
INHALT
Das Buch beschreibt einen Tag im Leben drei verschiedener Frauen.
In New York am Ende der neunziger Jahre bereitet Clarissa Vaughn die Party zu Ehren ihres Freundes Richard vor, der als Literat einen Lyrikpreis bekommen soll. Der an Aids erkrankte Richard nennt seine Freundin Mrs. Dalloway nach der bekannten Romangestalt aus dem gleichnamigen Buch von Virginia Woolf. Verwirrt, ohne dass Clarissa eingreifen kann, stürzt sich Richard aus dem Fenster und stirbt.
In einem Vorort von Los Angeles bereitet an einem Tag 1949 Laura Brown, Hausfrau und Mutter eines dreijährigen Sohnes namens Richard...
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