Mucha / Arthur Ellridge

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ALFONS MUCHA - EIN KÜNSTLER DER JUGENDSTIL-EPOCHE Alfons Mucha war ein Maler, Plakatentwerfer und Zeichner in Paris um die Jahrhundertwende. Obwohl er sich selbst als "eigenständigen Stil" empfand, ist er mit der Epoche des Jugendstiles eng verbunden. Formen und Symbole aus Esoterik ... Bericht lesen





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Alfons Mucha - Jugendstil- / Symbolismus-Bildband
Erfahrungsbericht von silbertanne3 über Mucha / Arthur Ellridge
15.05.2006


Produktbewertung des Autors:   


Pro: 170 Farbdrucke von Muchas Werk,  auch  weniger bekannter  Bilder .
Kontra: z . T .  werden seine Werke etwas überinterpretiert, vielleicht das dann nicht lesen  .  .  .  einfach nur gucken reicht durchaus  .  .  .

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

ALFONS MUCHA - EIN KÜNSTLER DER JUGENDSTIL-EPOCHE

Alfons Mucha war ein Maler, Plakatentwerfer und Zeichner in Paris um die Jahrhundertwende. Obwohl er sich selbst als "eigenständigen Stil" empfand, ist er mit der Epoche des Jugendstiles eng verbunden. Formen und Symbole aus Esoterik und Religion gibt es häufig bei Mucha, selbst bei "kommerziellen" Plakaten für Likör oder Baby-Getränke. Er gestaltete auch die Mode eines neuen fragilen Frauen-Typs der meist sehr ernst und sinnierend blickte, wenn die Gestalt der "Femme-Fragile" auch nicht ganz so schwindsüchtig-mager dargestellt wurde, wie z.B. bei Gustav Klimt oder Jan Toorop.

Mit dem 1. Weltkrieb kam der Jugendstil allmählich aus der Mode, einige Jahrzehnte waren Jugendstil-Künstler in Malerei-Lexika kaum mehr vermerkt. In den Sechziger Jahren wurde diese Richtung wieder bekannt. Psychedelische Konzertplakate (z.B. Doors) wurden manchmal fast 1 : 1 von Muchas Werken kopiert, als ob es sich um Dinge der unmittelbaren Gegenwart gehandelt hätte.
Dieses Buch beeinhaltet sowohl die bekannten als auch weniger bekannte Drucke und Zeichnungen des Künstlers und liefert einiges an Facts und Informations über den Maler selbst und sein Umfeld.

OFFIZIELLE DETAILS ZUM BUCH
Autor: Arthur Ellridge
Deutscher Titel: Mucha (schlicht und einfach), Originaltitel: Mucha - The Triumph of Art Nouveau.
Seitenumfang: 223, 170 farbige Abbildungen
Erscheinungsjahr: April 1994
Herausgeber: Stewart, Tabori, & Chang
ISBN: 3898361942
Preis: 16.95 Euro

KAPITEL DES BUCHES:
JUGEND UND ERSTE WERKE

Alphonse Mucha wurde am 24. Juli 1860 in der kleinen ungarischen Stadt Ivancice (Moravien) geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf, die Eltern achteten trotz geringer Finanzen auf die Weiterbildung und Förderung ihrer Kinder. Seine Familie bemerkte posthum, daß Alphonse schon zeichnen wollte, angeblich bevor er das Laufen lernte. Ein wichtiger Einfluss seiner Kindheit war die Religion, d.h. Kirche, welche in seiner Gegend bei Gemälde und Architektur der byzantinischen Tradition verhaftet war. Seine Überzeugung der Existenz des Übernatürlichen (was später an esoterischem Wissen und Aktivitäten in Paris noch wuchs) zieht sich durch sein gesamtes Werk, selbst wenn es sich um Produkte wie Zigarettenpapier oder ein Fahrrad handelte. Diese kreative Freiheit würde sich heute so mancher Gebrauchs-Graphiker von seinen Auftraggebern wünschen.

Alphonse Mucha besuchte die Kunstakademie in Prag und bekam eine erste Anstellung in Wien. Bei einer Firma, welche Theater-Vorhänge und Bühnenbilder entwarf. Sowohl in seiner persönlichen Neigung als auch in der täglichen Arbeit legte er einen grossen Wert auf zeichnerische Details. Was ihn auch später noch sehr unterscheiden sollte von den Malern des Expressionismus. Als 1881 das Ringtheater seine Pforten schloss (der grösste Auftraggeber) musste Mucha sich eine neue Beschäftigung suchen. Ohne Geld zog er in die Stadt Mikulov und bekam den Auftrag ein Fresko für den Palast Emmahof des Grafen Khuen zu malen. Von dem Ergebnis war der Graf so beeindruckt, daß er ihn nach Bozen sandte, um für das Schloss seines Bruders etwas ähnliches zu gestalten. In Norditalien kam er zufällig mit dem einflussreichen Münchner Kunstprofessor Wilhelm Kray in Kontakt, der von seinem Stil angetan war. Dieser bemerkte, daß Mucha allerdings noch weiteres zeichnerisch-farbliches Training benötigte. Solche Kurse besuchte Mucha in der bayrischen Hauptstadt und 2 seiner Bilder gewannen erstmalig Preise. Anschliessend ging er auf eine weitere Fortbildung auf die Académie Julian nach Paris - damals das künstlerische Zentrum Europas, wenn nicht der ganzen Welt. Er traf dort auf lokale Groessen wie Laurens, Toulouse-Lautrec oder Boulanger, sein Leben bestritt er anfangs mit Ornamenten und Zeichnungen für Bücher und Zeitschriften. Er bezog eine kleine Wohnung, die er notdürftig als Studio herrichtete. Sie befand sich im Studenten- und Künstlerviertel von Paris, wo er u.a. Gaugin, William Morris, Verlaine und Puvis de Chavannes kennenlernte. Bei dem nahegelegenen Flohmarkt kaufte er oft Requisiten für seine Arbeit. Durch die Fachzeitschrift "Costume au Théatre" kam es zu einer Begegnung, die ihn schlagartig berühmt machen sollte und sein Leben veränderte.

SARAH BERNHARDT

1895 bekam er den Auftrag für das Theaterstück "Gismonda" neben anderen Künstlern in einer Art Wettbewerb einen Plakat-Entwurf zu machen. Hauptdarstellerin war keine Geringere als Sarah Bernhardt, damals "die Göttliche" genannt und die bekannteste Schauspielerin Europas. Obwohl das Theater dem Plakat anfangs obstinat gegenüberstand, war die Schauspielerin selbst von dem Entwurf angetan. In diesem Stil wollte sie künftig von der Öffentlichkeit auf Bildern wahrgenommen werden ! Sie setzte sich dafür ein, daß Alphonse Mucha alsbald einen 6-Jahres Vertrag bekam. Bald konnte er sich ein groesseres Studio in der Rue Val de Grace leisten, welches für seine exzentrische Einrichtung, exotischen Bäume, ausgestopften Tiere und sakral-esoterischen Gegenstände bekannt wurde. Dort verkehrten ab 1896 regelmässig Schriftsteller wie Strindberg, Journalisten, Esoteriker, Politiker, Touristen und Musiker.

Man kann bei ihm schwer eine Zeit-Parallele zu Künstlern wie Toulouse-Lautrec oder Gaugin wahrnehmen, die eher in groben und groesseren geometrischen Figuren und ihre Bilder gestalteten. Sehr beeindruckt war Mucha dagegeb von den Brüdern Lumière und ihren frühen kinematographischen Experimenten.

In der Zeit bis 1900 entstanden eine Vielzahl an heute noch bekannten Plakaten für Sarah Bernhardt, auch für andere Auftraggeber von Produkten des Handels. Sein bekanntestes Werk in jenen Jahren war der Zyklus "Die 4 Jahreszeiten".

SEINE POPULÄRSTEN JAHRE IN PARIS

Die Weltausstellung war ein Triumpf für den neuen Jugendstil, der sich da in voller Blüte präsentierte. Muchas Beiträge wurden von der Presse und den gestrengen Kunstkritikern wohlwollend aufgenommen. Mittlerweile wurden bereits Büsten und Schmuckgegenstände (in Auftrag sowie in seinem eigenen Atelier) nach seinen Zeichnungen gefertigt. Weibliche Modelle (bekleidet / unbekleidet) gehörten zu Muchas Alltag. Allerdings ist keine Beziehung des Künstlers zu den Damen in Paris überliefert, bis er seine Ehefrau kennenlernte vergingen noch einige Jahre. Er arbeitete normalerweise 12-14 Stunden täglich..

Trotz seines Erfolges und aufwendiger werdenden Lebensstils war Mucha nicht in der Lage Geld zu sparen. Nicht selten wurde er auch bei Rechnungen und Verträgen übers Ohr gehauen.

MUCHA VERLÄSST FRANKREICH AUF DEM HÖHEPUNKT SEINER POPULARITÄT

Nach 1900 arbeitet er für den bekannten Juwelier George Fouquet, die Kreationen in beider Zusammenarbeit werden Mode. Er bekommt die Ehrenbürgerschaft der Stadt. 1903 lernt er Maria Chytilova kennen.

Mittlerweile wurde Sarah Bernhardt mit Tourneen auch ein erfolgreicher Star in Amerika. Nachdem sie Mucha von den - im Vergleich zu Frankreich - attraktiveren finanziellen Konditionen der Neuen Welt erzählte, entschoss er sich 1904 ebenfalls nach Amerika überzusiedeln. Das Unerwartete passierte: er verliess Paris auf dem Kulminationspunkt seiner Karriere.

Mucha war im Laufe der Jahre ein Meister im farbigen Pastell geworden im Laufe der Jahre, obwohl diese Technik nicht unbedingt die typische ihrer Zeit war. Er war sich um 1904 nicht bewusst, daß er in den Vereinigten Staaten mit Öl arbeiten musste, was er bisher nicht geübt hatte. Aber er war auch in Übersee erfolgreich. Auftraggeber waren z.B. der Fabrikant Charles Schwab, das Magazin "Beatitudes for the Century" oder Colonel Mann. Er bekam parallel Gastprofessuren und hielt Kurse / Vorlesungen in New York und Chicago. Daß heute Chicago noch viele Jugendstil-Ornamente hat geht nicht zuletzt auf ihn zurück. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, daß die Öl-Bilder in Übersee nicht ganz von der Qualität im Vergleich zu seinen früheren Pastellen waren, was Ausdruck und Feinheit der Striche betraf. Er malte eine Anzahl an Portraits für gerade populäre amerikanische Schauspielerinnen, z.B. Ethel Barrymore.

RÜCKKEHR IN DIE ALTE WELT

Am 10.Feb. 1906 heiratet er in Prag Maria Chytilova, die bald zu ihm nach Amerika übersiedelte. In Übersee bekam er für seine Aufträge zwar eine höhere Entlohnung, etwa bei der Innenausstattung des Deutschen Theaters in New York City. Allerdings war auch dort Mucha nicht in der Lage mit den Finanzen Haus zu halten, sein Ausgabe-Verhalten blieb das gleiche wie in Paris. Nach dem unerwarteten Flop eines Theaterwerkes mit Leslie Carter (er entwarf 250 Zeichnungen für das Stück, für die er nicht bezahlt werden konnte) bekam Alphonse langsam wieder Sehnsucht nach der Alten Welt.

Mucha bekam den alsbald einen Auftrag, das Rathaus in Prag mit einem Grossen Fresko "The Slav Epic" auszuschmücken. Ein epochales Gemälde, voll von slavwschem Nationalismus, vielen Details der osteuropäischen Geschichte und Mystik. Weil Muchas offizieller Wohnsitz noch in Amerika war, wurde er von einheimischen tschechischen Künstler sehr um diesen Auftrag beneidet, welche (vergeblich) versuchten ihm seinen Aufenthalt in der Stadt unangenehm zu machen.

SLAWISCHE THEMEN

1911 machte er erstmals einen Besuch im Herzland des Pan-Slawismus (ein nationales wie irrationales Gefühl jener Zeit): Russland. Er war beeindruckt von den Kunstwerken der russischen Städte und der orthodoxen Kirchen. Sein Sohn Jiri Mucha äußert sich später natürlich positiv über die nationalen Motive seines Vaters: Wenn jede Nation ihre besten Fähigkeiten einbringt, so wäre das ein bedeutender Schritt zu einer humanen Welt in Muchas Ansicht. Falls er wirklich so dachte, unterschied sich seine Denkungsart hier deutlich von den oberflächlichen Nationalismen jener Zeit in anderen Ländern Europas.

In den Folgejahren hatte Mucha weiterhin eine Vielzahl an Aufträgen. Obwohl der von Sagen, Natur und Mythen verklärte Jugendstil / Art Nouveau ab 1914 langsam aus der Mode kam.

Aber trotz des Abflauens des Jugendstils hatte dieser durch seine ansprechende Ästhetik und Schönheit einen weiten Schatten in die Folgejahrzehnte geworfen. Art-Deco hatte in den Zwanzigern einige Elemente übernommen.

Es gab in den Zwanzigern und Dreissigern durchaus noch Aufträge von staatlichen und privaten Institutionen, die Mucha erlaubten, seinen Stil ohne grosse Änderungen fortzuführen. Ein breit angelegtes weiteres Auftragswerk (mit slavischer Thematik) beschäftigte ihn jahrelang in der Stadt Prag, wo er anschliessend auch die Kathedrale Sankt Veit dekorierte und ausmalte.

Nach all diesen Erfolgen, Ehrungen und weiterer Verfeinerung seiner persönlichen Themata war das letzte Jahr seines Lebens von dem (völlig unerwarteten, da Deutschland und Preussen bis dato gute Beziehungen zu diesem Land hatten) Einmarsch der Nationalsozialisten in der Tschechoslowakei überschattet. Mucha starb am 14. Juli 1939 in Prag eines natürlichen Todes und wurde auf dem Friedhof Vyserhad beigesetzt.

FAZIT des Buches

Das Buch ist Freunden des Jugendstils zu empfehlen. Die Druckqualität der meist ganzseitig-farbigen Abbildungen ist recht gut. "Mucha" von Arthur Ellridge ist vom Umfang und der fachlichen Auswahl den Mucha-Büchern um 10 Euro sowie den immergleichen Kalendern um einiges überlegen. Das Buch von Arthur Ellridge ist ebenfalls mit 17 Euro deutlich preiswerter im Vergleich zu den umfangreichen teuren 500-seitigen Werken (um 70 Euro aufwärts), welche man in Bibliotheken ausleihen kann.

Jugendstil ist eher was fürs Auge (wenns gefällt) und sollte nicht zu ernst genommen werden. Leider überinterpretiert der Autor in diesem Buch manchmal einige Werke Muchas. ich denke Mucha selbst nimmt intellektuellen Kritikern bei Vorwürfen und Kritik den Wind aus den Segeln, indem er (wie Warhol) gerne sagte "ich bin doch nur ein Gebrauchsgraphiker und kein "richtiger" Künstler."

BILDANHANG UNTEN:

Bild 1:
Links: - Plakat für "Gismonda", 1895, Kunstgewerbemuseum Prag. Dieses Plakat für das "Theátre de la Renaissance" machte Alphonse Mucha berühmt. Jenes Theaterstück lief nicht weniger als 15 Monate in Folge. Sarah Bernhardt liebte das Plakat so sehr, daß sie gerichtlich in anderen europäischen Ländern und Amerika durchsetzte, daß stets das gleiche Ursprungsmotiv von Mucha verwendet werden durfte.

Rechts: Schmuckmotive in Zusammenarbeit von Mucha und Foquet.

Bild 2:
Links: "Der Mond" 1902, Privatbesitz Jiri Mucha. Die Serie "Vier Sterne" hatte mehrere Versionen. Diese da finde ich besonders ansprechend, nicht zuletzt wegen der besonderen Grazie der weiblichen Modelle. Und dem dunklen Charakter zum Kontrast der sparsamen Helligkeit der Planeten. Das Licht scheint fast aus dem Inneren des Bildes zu kommen.

Rechts: "Der Polarstern" 1902

Bild 3:
Links: "Der Abendstern" 1902

Rechts:
- Plakat für das Zigarettenpapier "Job". Hier zeigt sich der Einfluss des Pariser "Salon des Cent", der in jener Zeit jährlich unter grossem Publikums-Interesse (organisiert von dem seltsamen Esoteriker und Schriftsteller Josephin Péladan) in Paris abgehalten wurde. Die dort ausgestellten Künstler des Symbolismus hatten bei diesen Vernissacen vielfach esoterische und religiöse Motive gemalt, was auch als Protest gegen den offiziellen Naturalismus in Literatur, Technik und Wirtschaft angesehen werden kann.Um 1900 alles andere als "zeitgemäss". Vielleicht vergleichbar der heutigen Popularität von Esoterik seit ca. 1990 in Buch und Film, was in dem Mega-Erfolg von "Herr der Ringe" im Kino gipfelte.
Ob der Raucher anno 1897 gemerkt hatte, daß die Werbung seines Zigarettenpapieres geheime Symbole der Rosenkreutzer und Freimaurer hatte?

- "Nestlé's Food", 1897, Victoria and Albert Museum. Obwohl Mucha niemals England besuchte, war dieses Poster für den britischen Markt bestimmt. Selbst milchtrinkende Babies hatten um die Jahrhundertwende einen sakralen und ätherischen Zug. Heute grinsen die Babies von Nestle einfach und jede Art von Esoterik ist denen wurscht, ein Desinteresse, was sich in der heutigen Werbe-Mode durchaus mal wieder in eine ähnliche Richtung verändern könnte.

Bild 4:
Links:
- "Die Befreiung russischer Bauern 1861", Tempera 1914, Galerie der Hauptstadt Prag.

Rechts: "Die Verherrlichung der slawischen Nationen", 1926, Galerie der Hauptstadt Prag. Vier symbolische Farbzonen zeigen diesen Teil der "Slawischen Allegorie". Die mystische Vorzeit ist blau, das ruhmvolle Mittelalter rot, die Knechtschaft ist schwarz und die letztendliche Freiheit der Slawen ist gelb.

Bild 5:
Links: "Die Madonna mit den Lilien", 1905, Privatbesitz Jiri Mucha. Auch während seines Amerika-Aufenthaltes kehrte Mucha jährlich für einige Monate nach Paris zurück. Dort arbeitete er an den Glasfenstern und Fresken der "Kathedrale Jerusalem". Die Ähnlichkeit zu den Werken von Carlos Schwabe ist hier besonders deutlich. Vom Ausdruck des weiblichen Modelles ist dies evtl. das würdevollste Frauenporträt. Das etwas grantig schauende Mädchen links wurde auch als eigenes Bild "Kummer" ein paar Jahre später erneut veröffentlicht.

Bild 6:
Links: "Ostergeläut erweckt die Natur", 1896. Privatbesitz Jiri Mucha. Die geflügelten Feen, Engel und Kobolde waren in der Kunstrichtung des Symbolismus in jener Zeit sehr beliebt. Ein deutsches Äquivalent wäre z.B. die Villa Franz Stuck in München, wo es von Fabelwesen nur so wimmelt. Der zarte Ausdruck der Frau und die feinen Pastell-Schattierungen erinnern an Werke des deutschen Malers Carlos Schwabe. So schön dieses Aquarell ist, im Detail wirkt es im Vergleich zu Muchas anderen Werken eher ungenau, etwa die Baumstämme.

Rechts: "Slavia" 1908, Nationalgalerie Prag. Eines der bekanntesten Werke seiner nationalistischen Epoche. Die Auftragsarbeit entstand in Amerika von Charles Crane, der seine Tochter Josephine Bradley Crane von Mucha verewigen lassen wollte. Das gleiche Motiv wurde später für die tschechische Hundertkronen-Banknote und für das Glasfenster der St. Veits-Kathedrale wiederverwendet.

Bild 7:
Links: Bucheinband, fast im englischen Stil des Prä-Raffaelismus.

Rechts: Schmuckmotive in Zusammenarbeit mit Mucha und Forquet.
- Porträt Alphons Muchas.


ANMERKUNGEN UND KRITIK AM JUGENDSTIL
(evtl. nicht mehr weiterlesen)

Der Jugendstil hat thematisch nicht unbedingt aus den Inhalten und Themen seiner eigenen Zeit geschöpft. Eigentlich lediglich in den Ornamenten der Natur. Er griff auf alte Sagen, Religionen, Märchen auf . Er entdeckte sogar asiatische Kulturen, die damals bekannt wurden durch die Zeitungen, in denen damals Asien den Fisch-Export (kein Witz) für Europa einwickelte.

Der Realismus à la Balzac ("La Comédie humaine") und der zeitgleiche Naturalismus von Émile Zola ("Germinal") standen mit ihrer eher realistischen Schilderung des Pariser Lebens im Gegensatz zum Symbolismus in Malerei und Literatur (z.B. Huysmans, Peladan). Naturalisten machten sich lustig über die weiblichen Models in dunklen Hinterhof-Dachwohnungen, die auf Vernissacen oder Werbeplakaten zu strahlenden Göttinen von Planeten mutierten. Auch Picasso in seiner blauen und rosa Phase in Paris war ein eher realistischer Gegenpol zum Symbolismus / Jugendstil, der sich heute wieder großer Popularität erfreut. Das beweisen die erfolgreichen Kalenderdrucke von Mucha und Klimt.

Was ihn speziell machte ist die Komposition und die Fähigkeit, sich aus der Vorgeschichte bestimmte Elemente herauszupicken und sie zu einer neuen Synthese, einem neuen Stil zu kombinieren.

Wenn man dem Jugendstil, Symbolismus und Mucha einen Vorwurf machen kann, dann den der thematischen Realitätsferne zu den "echten" sozialen oder gar politischen Ereignissse. Muchas esoterische Elemente haben so viel, eher so wenig mit der damaligen gesellschaftlichen Realität zu tun ... als die "Unendliche Geschichte" oder "Herr der Ringe" mit der Wirklichkeit unserer Gegenwart. Oder ist "Benzin" oder "Rosenrot" konzentriert-objektiver Zeitgeist des Jahres 2006 ? Könnte in 500 Jahren ein Historiker auf den Zeitzeugen "Rammstein" zurückgreifen ? Wohl kaum. Daher wäre ein Vergleich mit Mucha und "Zeitgeist" um 1900 unangemessen und man könnte den evtl. Kritiker auf die Freiheit im künstlerischen Ausdruck hinweisen.

Oder was ist typisch für die Zwanziger Jahre ? Das fiktive "Metropolis" oder der weinerliche Film über Hunger und Armut "Die Freudlose Gasse". Die Antwort kann schwer gegeben werden, da bereits zu Lebzeiten beide Filme als stark übertrieben und einseitig tituliert wurden. Beide Regisseure hatten Aspekte ihrer Zeit in ihr persönliches literarisches Verständnis gepackt, Fritz Lang futuristisch-ausschweiffend und G.W: Pabst streng klassenmäßig-sozialistisch. Bei letzterem Film (mit Greta Garbo) konnte es theoretisch nur bettelarme Menschen und reiche-korrupte geben, was ebenfalls die Realität einer breiten Mittelklasse ausblendete, ebenso die Unmoral jener Kriegsbegeisterung der "einfachen" Klassen verschweigt.

Sechziger Jahre: Andy Warhols Suppendose-Campbell hat genauso viel oder wenig mit der zeitgenössischen Politik zu tun, wie Muchas durchgeistigtes "Nestle-Baby" 1887 mit der damaligen Marokko-Krise.

Ich persönlich sehe keinerlei Pflicht der Kunst die politische oder soziale "Wirklichkeit" spiegeln zu muessen, wenn sie es bewusst will ja, ansonsten eben nicht.

Ich schätze auch den auf Jugendstil folgenden EXPRESSIONISMUS. Mit so interessanten Vertretern wie Franz Marc, Macke, Kandinsky oder Chagall. ...
Wenn sich der Expressionismus in den Zwanziger Jahren neben seinem neuen ästhetischen Kunstauftrag von Figur und Farbe ... falls er sich zusätzlich ein gesellschaftliches Veränderungsziel gesetzt haben soll, dann hätte er dieses nicht erreicht ! Mit der Darstellung von Misstand und Leid in Werken der Zwanziger Jahre wurde in meinen Augen keineswegs ein schärferes und verantwortungsvolleres Bewusstsein bei der Bevölkerung geschaffen:
Man suchte in dem "alle ausser mir, meiner Familie und meinen politischen Gleichgesinnten sind korrupt und böse" häufig das eigene Selbstmitleid in Bildern und blendete das der anderen Bevölkerung und der Rest-Welt als grossen blinden Fleck auf dem geistigen Auge aus. Auch verschwieg der polit. Expressionismus, daß z.B. der erste Weltkrieg von der Bevölkerung aller zentral beteiligten Länder regelrecht herbeigesehnt wurde. Als er verloren war, war es eine ausserordentlich unloyale wie sinnlose Geste, dafür plötzlich irgendwelche Feindbilder nun nachträglich dafür verantwortlich zu machen, wie auch für die logischen Misstände einer Nachkriegs-Zeit. Die etwa die Schweiz nicht hatte, dafür Deutschland oder Frankreich. Welches Bewusstsein aus dieser 20-iger Mentalität erwuchs und in was es führte, bzw. was es keinesfalls verhindern konnte ist bekannt ...
Der ästhetische Expressionismus in seiner kühnen Form- und Farbgebung (und sich aus Politik und Agitation heraushaltend) ist natürlich bei dieser Kritik nicht gemeint. Obwohl seltsamerweise gerade der "schöne farbige" Expressionismus von der zeitgenössischen Bevölkerung damals kaum wahrgenommen wurde. Erst Jahrzehnte später konnte man Poster von Macke oder Klee in den hiesigen Wohnzimmern bewundern.

MUCHA HEUTE: Ich kenne Leute, die Kunstgeschichte studierten und durchaus respektvoll von Mucha und seinen Pastellen als Gebrauchsgraphiker sprechen / versus Privatmenschen denen er zu wiederum zu unzeitgemäss und zu künstlich schön erscheint. Und umgekehrt hörte ich Leute in künstlerischen Berufen "Mit Mucha kann ich doch gar nichts anfangen", dann wiederum normale Privatleute, denen Mucha wiederum "irgendwie" gefällt. Geschmack und Kunst ist relativ !

ANDERE MALER DES SYMBOLISMUS:
Wem Alphonse Mucha anspricht, dem könnten evtl. auch folgende symbolistische Maler gefallen:

Carlos Schwabe
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F ernand Khnopff
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Puvis de Chavanne
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Dante Gabriel Rossetti
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Edward Burne-Jones
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Gustave Moreau
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Jean Delville
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Giovanni Segantini
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Jan Toorop
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Sascha Schneider
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Gustave Klimt
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Mucha / Arthur Ellridge

Haupteigenschaften

Kategorie: Kunst / Sonstiges

Medium: Gebundene Ausgabe

EAN: 9783898361941

Autor: Arthur Ellridge

Verlag: Komet

Erscheinungsdatum: 2001

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