KAUFEN OHNE ZU LESEN !
26.10.2001 (27.10.2001)
Pro:
CD
Kontra:
Oberflächliches Blablabla
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Informationsgehalt
Unterhaltungswert
mehr
 URGS2001
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:130
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 70 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Das Musikgeschäft ist, wie allgemein bekannt, ein schmutziges. Heute noch auf dem Musikolymp, morgen schon ein drogenabhängiges Wrack, das erst die körperlichen Strapazen und dann den plötzlichen Ruhmesentzug nicht verkraftet. So geht es vielen Stars die durch die Mühlen der Musikindustrie gewandert sind, mit deren Gesichtern Millionen verdient wurden. Angesichts solcher Eindrücke kann einen Musikfreak schon schlecht werden. Spätestens wenn er mitbekommt wie auch sein Liebling marketingtechnisch bearbeitet wird und zielgruppengerecht in Szene gesetzt wird, wird man immer skeptischer, immer wählerischer. Besonders dann, wenn man, mit der Zeit, ein Gehör für die musikalischen Kompromisse bekommt. Aber ich schweife ab. Dieses ganze Dilemma wird mir nämlich nicht nur dann klar, wenn ich das Radio einschalte, sondern auch beim Kauf der Zeitschrift: MUSIKEXPRESS/SOUNDS Das Magazin gibt es schon seit einer halben Ewigkeit und erscheint monatlich zum Preis von 7,90 DM. Der Musikexpress zielt auf die Fans, vermeintlich anspruchsvollerer Musik, die über eine möglichst große Bandbreite an Musikstylen informiert werden wollen. So findet man hier Beiträge über Neuerscheinungen zu Rock / Pop, Hip Hop, Metal, Jazz, Techno, Elektro, Blues und alles was noch halbwegs gewinnträchtig auf den Markt geworfen werden kann. Man findet auch mit Sicherheit eine Kritik zum neuen Backstreet Boys Album, nur ein Interview mit der Boygroup kann man sich verkneifen, weil es nicht ins Image des Heftes passen würde und freilich auch ein Schlag ins Gesicht der Zielgruppe wäre. Viel passender kommt da das Cover der aktuellen Ausgabe daher, auf der dem Käufer die überdimensionale, unrasierte Fresse von Lenny Kravitz anglotzt ( ich nehme zumindest an das er die Augen nicht geschlossen hat, hinter der fetten Sonnenbrille). “Ein Mann für alle Fälle - Lenny ! “, so der Text. Mehr lese ich, normalerweise nicht, denn der einzige Grund warum ich mir den MUSIKEXPRESS kaufe ist die mitgelieferte CD. HOT SHOTS --------------- Gründe für meine Abneigung finde ich schon, wenn ich auf Seite 4 ankomme. Fotos von aktuellen Stars werden hier “lustig” kommentiert, daneben gibt es eine Spruchecke, in der Promis zitiert werden, ebenfalls lustig kommentiert.
DA GEHT WAS -------------------- Danach folgen einige Seiten die man unter den Begriff “News” zusammenfassen kann. Ob Ferris MC( “...Drogen verticken, Fahrräder klauen...” ) oder Ozzy Osbourne ( “ ich toure nur, wenn es genug Bier gibt “ ) , hier kommt alles rein, was irgendwie aktuell ist. TITELTHEMA ---------------- Hier präsentiert uns die Redaktion voller Stolz das sie Lenny Kravitz höchstpersönlich nach Hause ( Miami ) eingeladen hat. Es ist einer dieser Bericht die einem ein “ Ich bin mittendrin “ Gefühl vermitteln sollen. Lennys Luxus-Haus, Lennys Studio, Lennys Kumpel Mick J. , Lennys innerer Frieden “den man nicht mit Geld kaufen kann” und natürlich Lennys neues Album. TIERISCH IRISCH ---------------------- Es folgt zwei ähnliche Berichte über die Cranberries und Pulp (Platte des Monats). Während die Cranberries eher als bürgerliche Langweiler mit Hang zum familiären dargestellt werden, wird dem Pulp Frontmann die “Rückbesinnung auf einfache Wahrheiten” nach dem großen Rausch attestiert. Eine dieser Wahrheiten findet man dann auch fettgedruckt: " Jim Morrison war ein fetter, aufgedunsener Idiot, der besoffen war und zu viele Schlaftabletten geschluckt hat “. INTERVIEWS ---------------- Es folgt eine Reihe an Interviews, die allesamt versuchen einem den Star persönlich näher zu bringen, was ja ganz nett ist, nur gehen dabei Kritische Töne fast völlig unter. Ob nun Sven Regner (Element of Crime), Kylie Minouge, Rosenstolz oder Farin Urlaub. Ihnen wird möglichst viel Raum gegeben, um sich den Fans als kumpelhaften, bodenständigen Typen zu präsentieren, der zufällig auch noch etwas zu vermarkten hat. ZEITLUPE ------------ Hier eine Rubrik die der Redaktion vermutlich sehr lieb ist. Denn, so behaupten böse Zungen, haben die Jungs und Mädels, die golden Zeiten des Rock noch nicht ganz überwunden. Immer wieder wird man mit den alten Heroen von damals belästigt. Ob nun diesmal Freddy Mercury und Fish oder ansonsten die ganzen alten Säcke die auch heute noch rumlaufen, sie werden gehätschelt und getätschelt. Sie haben ja auch schon bewiesen, das sie es draufhaben und schon längst Musikgeschichte geschrieben. GUIDE --------- Die alphabetische Ansammlung der monatlichen Neuerscheinungen, beginnend mit dem ALBUM DES MONATS. Hier werden in kurzen Texten die aktuellen CD’S und Singles getestet. Sterne werden verteilt, insgesamt kann man 6 Sterne abgreifen, was natürlich für Ausnahmeleistungen vorbehalten ist. Die ohnehin schon recht kurzen Texte bestehen dann meist aus 50 % Einleitung und 50 % Analyse und Kritik. Mittendrin findet man auch verschiedene Charts, Gastkritiken, Jazzrubriken, die kleine Rubrik Importplatten oder die Sampler Ecke. Anschließend bekommt der Leser dann doch noch etwas brauchbares: Eine Doppelseite mit Tourdaten. Davor einige Konzertkritiken, die sich in einigen Fällen mit meinen eigenen Erfahrungen deckten. Die Rubrik INTERNET/SPIELSACHEN beschäftigt sich gerne mit dem MP3 Phänomen, allerdings nur mit der legalen Seite, versteht sich. Wer meint, die Jungs wären auch noch kompetent genug sich dem aktuellen Kinoprogramm zu widmen, wird mit einer Doppelseite Filmkritiken bedient. Außerdem am Start: Bücher, Musikfernsehen, Quiz, Leserbriefe, Kleinanzeigen. Ach ja, garniert wird das ganze mit einem Haufen Werbung, vornehmlich bezahlt von der Musikindustrie. Und die CD, mein Kaufgrund ???Nun, sie ist meist den Preis wert. Jede CD stellt ausschließlich die Künstler eines Labels vor und hat damit jedes mal einen ganz eigenen Charakter. Die Labels selbst bestimmen was veröffentlicht wird und die Soundqualität kann sich auch hören lassen. Zwar sind auf der aktuellen CD ein paar ausrangierte Charthits dabei, ansonsten gibt es meist frische Kost. Die Bandbreite streckt sich von Neulingen über bekannte Grössen, die natürlich nicht íhre Nummer eins Hits hier veröffentlichen. Wer, wie ich, auf der Suche nach Neuheiten und Abwechslung ist, findt hier genau das richtige. Alle anderen können schon mal recht abgetörnt sein von dem Angebot. Abschließend möchte ich noch erwähnen, das der Bericht meine Meinung darstellt und selbstverständlich als “subjektiv” anzusehen ist. Mir ist natürlich klar, das es eine Menge Leute gibt die das völlig anders sehen. Vermutlich gehöre ich sogar zu einer Minderheit, mit meiner Meinung. Trotzdem war es mir schon lange ein Anliegen, meine Meinung über dieses Magazin zu äußern das für die Musikindustrie so wichtig scheint, wie die BZ für die Berliner CDU.
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19.01.2002 02:59
sehr hilfreich und in überwiegend gsehr gutem stil geschriebener erfahrungsbericht, wenngleich du teilweise ein bischen sehr unsachlich entgleitest ("Wer meint, die Jungs wären auch noch kompetent genug sich dem aktuellen Kinoprogramm zu widmen, wird mit einer Doppelseite Filmkritiken bedient."- Was für ein unsinniger Satz. 1. Die Filmkritiken schreibt ein Filmkritiker, kein ME- Redakteur oder Musikjournalist, 2. sind die Filmkritiken wesentlich weniger gefällig und kritischer, differenzierter als der Rest des Hefts... hast Du die überhaupt mal gelesen?) Deine sonstige Kritik fand ich teilweise etwas überzogen, oft aber auch berechtigt, zumal Du sehr gut schlechte Textbeispiele herausgepickt hast, anhand derer man sich ein Urteil bilden kann.
13.11.2001 12:26
...oh ja, auch ich zähle zu den leuten, die den me schon nur wegen der cd kauften...monate später entschließe ich mich dann, auch mal durchzulesen...me ist aber mit eine der besten musikzeitschriften auf dem deutschen markt - meiner meinung nach....so, grüße, icke
27.10.2001 09:59
Ein "sh" informativer Bericht. Gruß Huwie