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Eine Untersuchungs-Tortur ohne Ausmusterung!

3  09.09.2006 (06.05.2011)

Pro:
kompletter, sehr eingehender Gesundheitscheck

Kontra:
strenger, rauher Umgangston; lange Untersuchungen, keine Ausmusterung trotz Befunden

Empfehlenswert: Ja 

MichaelH72

Über sich:

Mitglied seit:16.06.2006

Erfahrungsberichte:3

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 32 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Was ist die Musterung?

·eine sehr eingehende und umfassende ganzkörperliche medizinische Untersuchung junger Männer (meist im Alter zwischen 18 und 20 J.) am Ende der Schulzeit zur Ermittlung der Tauglichkeit für Wehr- oder Zivildienst, durchgeführt im jeweils zuständigen Kreiswehrersatzamt (KWE)
·meine Musterung war zu Beginn der 1990er Jahre und erstreckte sich über 2 Untersuchungstermine im KWE (Musterung 1990 und Nachmusterung/Überprüfungsuntersuchung 1993) mit anschließender Überweisung in eine Bundeswehrklinik (BWK) zu weiteren Untersuchungen bei verschiedenen Ärzten (Gastroenterologe, Chirurg, Urologe, Hautarzt) zur Abklärung mehrerer Befunde
·die Musterung halte ich - trotz einiger fragwürdigen Ergebnisse bei mir (im BWK diagnostizierte der Gastro-Arzt Reizdarm, ein halbes Jahr später wurde nach der Einstellungsuntersuchung zum Zivildienst bei mir Morbus Crohn festgestellt!) - halte ich die Musterung für eine sehr wichtige Vorsorgeuntersuchung jugendlicher bzw. junger Männer; die Untersuchungen bewahrten mich evt. auch vor Schlimmerem, nachdem hier bei mir u.a. auch auffällige Muttermale/Hautkrebsvorstufen entdeckt und noch rechtzeitig entfernt wurden (siehe mein EB im Bereich Hautkrebs/Thema Dysplastisches Naevus-Syndrom)

Da der Ablauf der Musterung recht verschieden sein kann, möchte ich versuchen, meine Untersuchungen etwas detaillierter zu schildern, auch wenn diese schon lange zurück liegt. Ich hatte damals leider gar nicht gewusst, was mich erwarten kann (meine Mutter erklärte mir, dass ich evt. gar nicht untersucht werde, wenn ich sage, dass ich Zivildienst machen möchte, so dass ich schon entsprechende Hoffnungen hatte).

ABLAUF MEINER MUSTERUNG

Die Vorladung zur 1.Musterung erhielt ich wenige Tage nach meinem 18. Geburtstag, als ich gerade die 11.Klasse des Gymnasiums besuchte (wegen massiver gesundheitlicher Probleme, v.a. Magen-Darm, mit drei Klinik- und zwei Kuraufenthalten im Jugendalter hatte ich ein Schuljahr wiederholen müssen, was meine Schulzeit verzögert hatte!); die Vorladung enthielt noch einige Vorgaben (persönliche Papiere wie Führerschein mitbringen, ausreichend Zeit einplanen, kein Alkohol, nicht Rauchen, keine sonstigen Drogen vor den Untersuchungen, Unter- bzw. Badehose mitbringen).

Mein Musterungstermin war im November 1990 mittags um 13.00 Uhr, so dass ich von den letzten beiden Schulstunden befreit wurde, um rechtzeitig ins KWEA zu kommen. Meine Mutter fuhr mich hin und gab mich beim Pförtner ab, der mich in einen Raum zur Anmeldung schickte; meine Mutter fragte noch nach, wann sie mich wieder abholen kann. Als der Pförtner ihr sagte, dass es ca. 3 Std. dauern würde, stockte mir der Atem, da ich damit gerechnet hatte, schnell wieder gehen zu können. Aber da hatte ich mich - wie sich dann herausstellen sollte - massiv geirrt.

VORRAUM
Ich war der letzte von insgesamt sechs Musterlingen, die kamen. Das hatte einen Nachteil: man kam stets in der Reihenfolge dran, in der man gekommen war, womit ich stets als Letzter dran kam

ANMELDUNG
Zunächst wurden alle der Reihe nach in einen Nebenraum aufgerufen, in dem ein Beamter die ganzen Personalien aufnahm und prüfte (u.a. Personalausweis, Führerschein, etc.). Der fragte auch nach ärztlichen Unterlagen, von denen ich allerdings keine dabei hatte (meine Mutter hatte mir die von früher nicht gegeben, weil sie nicht mehr aktuell waren). Zurück im Vorraum erhielten wir noch einige Belehrungen und Verhaltensmaßregelungen von einem Beamten (er schloss mit einem Satz, den ich mir gut merken konnte: „Sie wollen keinen Ärger und wir sind Beamte und wollen keine Arbeit!“). Wir mussten dann einer Arzthelferin in einen weiteren Raum folgen, der das Wartezimmer war.

WARTERAUM
Ich erinnere mich noch, dass der Raum recht kahl eingerichtet war (Sitzbänke, Fächer zum Ablegen der Kleidung, Waage, Maßband, eine Liege an der Wand, Tisch in der Mitte mit BW-Infomaterial, vergittertes Fenster, kein Fernseher o.ä.!). Wir erhielten von der Helferin die Anweisung uns auszuziehen (bis auf Unterhose, ansonsten ganz nackt, auch Uhren und Schmuck); ich durfte aber meine Brille noch aufbehalten. Die Helferin rief jeden nacheinander in der gewohnten Reihenfolge (ich als Letzter) auf zum Wiegen und Messen (Größe, Kopf-, Brust-, Bauchumfang) und notierte die Werte in ihre Unterlagen. Dann war Warten angesagt.

URINABGABE
Nacheinander wurde man schließlich in einen Toilettenraum gerufen, wo man in einen Urinbecher Urin abgeben sollte. Danach hieß es dann im Warteraum wieder Warten, Warten, Warten, da nun jeder nacheinander zur Untersuchung dran kam (bei jedem dauerte es unterschiedlich lange, im Schnitt ca. 30 Min.)… Da ich auch wieder als letzter an der Reihe war, musste ich von allen am längsten warten, was ganz schön nervte. Als zum ersten Mal die Türe vom Arztzimmer aufging, war ich erschrocken festzustellen, dass eine Ärztin jeden zur Untersuchung aufrief, die ziemlich streng wirkte, wodurch ich ein richtig unwohles Gefühl im Bauch bekam (ich erinnerte mich an Untersuchungen bei einer Amtsärztin, bei der ich als Jugendlicher zweimal untersucht wurde, wo mir während der Untersuchung übel war und ich erbrochen hatte!).

GANZKÖRPERLICHE UNTERSUCHUNG
Nachdem alle dran waren, hatte das lange Warten für mich auch ein Ende (es war fast 16 Uhr) und die Ärztin rief auch mich auf in den Untersuchungsraum. Im Raum bemerkte ich gleich eine weitere Helferin, die die Ärztin als Schreibkraft unterstützte.

Die Ärztin machte auf mich einen recht unsympathischen Eindruck, war ziemlich streng und dominant, und wirkte auf mich etwas arrogant und herablassend. Kaum, nachdem ich im Raum war, monierte die Ärztin bereits drei Dinge bei mir, die sie der Helferin gleich in die Unterlagen diktierte: sie monierte erst meine Trichterbrust, dann, dass ich einen vorgewölbten Nabel habe und schließlich, dass ich sehr viele Muttermale überall habe und wies gleich darauf hin, dass sie sich das später genauer ansehen muss. Dann sollte ich mich erst Mal setzen und die Ärztin begann mir eine ganze Menge an Fragen zu stellen.

Langer Fragenkatalog zum Werdegang und zur Krankengeschichte:
-Die Ärztin stellte gleich fest, dass ich noch über zwei Jahre zur Schule gehe und fragte genauer nach warum; es kam gleich zur Sprache, dass ein Schuljahr wiederholt habe, weil ich wegen Klinikaufenthalten und 2 Jugendkuren zu viel gefehlt habe; darüber begann die Ärztin dann ganz genau auszufragen
-Fragenkatalog nach allen möglichen (aktuellen oder früheren) Erkrankungen, u.a. nach Asthma, Zucker, Tuberkulose und sogar Krebs, ebenso, ob diese Krankheiten bei Familienangehörigen auftraten;
-Fragen nach Drogen, Alkohol und Rauchen (was ich stets verneinen konnte!).
-Fragen nach bestehenden Behinderungen, dann nach durchgemachten Kinderkrankheiten und Impfungen
-Fragen nach bestimmten durchgemachten oder bestehende Erkrankungen einzelner Organe (u.a. nach Augen-, Ohren-, Herz/Kreislauf-, Magen-Darm-, Haut- und Geschlechtskrankheiten); bei mir ging es dabei u.a. darum, seit wann ich meine Brille trage, um meine vielen Leberflecken überall (Dyspl. Naevus-Syndrom mit 13 festgestellt) und meine damals massiven Magen-Darm-Probleme
-Fragen nach bisherigen OP´s und meinen Krankenhausaufenthalten; ich hatte hier einiges anzugeben: OP Hodenhochstand mit 3J., Mandel-OP mit 4J. sowie drei Klinikaufenthalte im Jugendalter: mit 13J. wg. Blindddarmverdacht + Nabelentzündung, mit 15J. Blinddarm-OP + Darmentzündung und mit 16J. erneut Darmentzündung;
-die Ärztin wollte noch einiges genauer zu den letzten Klinikaufenthalten wissen (u.a. welche Untersuchungen (ob Koloskopie) gemacht wurden, u.a. ob mein vorgewölbter Bauchnabel genauer untersucht wurde, etc.); sie wollte dann wissen, wann und wie oft bei mir zuletzt Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchweh auftreten.
-Fragen nach Ärzten, bei denen ich schon in Behandlung war und weswegen; die Ärztin fragte mich direkt nach Gastroenterologen, Hautarzt und Urologen, zu denen ich im Kindes- und Jugendalter neben regelmäßigen Terminen beim Kinderarzt oft musste, und wollte wissen wann ich zuletzt dort war

Hörtest + Sehtest
-Hörtest (Töne über Kopfhörer erkennen)
-Sehtest (Zahlenlesen und Farbensehen mit bunten Farbkreisen, die Zahlen enthalten sollten), wobei ich schlecht abschnitt; die Ärztin war nicht zufrieden und diktierte der Schreiberin u.a., dass ich eine Farbsehschwäche habe, die beim Augenarzt abzuklären sei.

Untersuchung im Stehen:
-Die Ärztin musterte mich dann, während ich aufrecht vor ihr stehen sollte; sie monierte dabei, dass ich sehr blass und mager sei, einen recht kränklichen Gesamteindruck mache, was durch meine vielen Pigmentflecken überall noch verstärkt werde.
-sie schaute dann ziemlich kritisch an Armen, Rücken und am Oberkörper oberflächlich nach meinen Leberflecken und wollte wissen, ob bei mir schon mal welche entfernt wurden; da bei mir im Jugendalter bei einer Hautärztin schon mal ein paar Leberflecken vorsorglich (an Brust, Oberkörper/Seite und am Rücken/Schulterblatt) entfernt wurden, wollte die Ärztin dann ganz genau wissen, wo, wann und warum die Leberflecken weg gemacht wurden, ob es sich um Krebs handelte und sah sich dann die kleinen Narben an den Stellen penibel an.
-Sie kontrollierte dann Körperhaltung und meine Füße (auf Senk-, Spreiz- und Plattfüße).
-Danach sagte sie mir, dass ich auch die Unterhose runterziehen sollte. Ich war völlig perplex und folgte ihrer Anweisung ziemlich verdattert und war nun ganz nackt. Die Ärztin kontrollierte und tastete im Stehen zunächst meine Hüftknochen. Danach sollte ich mich vorbeugen und sie tastete meine Wirbelsäule komplett von oben hinab bis zum Steißbein. Danach sollte ich mich wieder gerade hinstellen und die die Beine etwas auseinander machen. Sie griff mir nun mit einer Hand von hinten ans Hodensäckchen und befühlte meine Hoden. Ich sollte dabei einige Male husten. Sie bemerkte kritisch, dass mein rechter Hoden merklich kleiner ist als der linke und diktierte das auch der Helferin in die Akte. Die Ärztin setze sich dann vor mich auf ihren Hocker und tastet beide Hoden einzeln ab.
-Danach sollte ich mich schließlich strecken und den Bauch so pressen, dann einige Male husten. Ich merkte, wie ihr Blick dabei v.a. auf meinen Bauch fixiert war; dabei tastete sie dann schließlich mit einem Finger etwas direkt an meinem (vorgewölbten) Nabel, während ich husten bzw. den Bauch pressen sollte
-Dann wies mich die Ärztin an, meine Vorhaut am Penis zurückzuschieben. Das sollte ich noch dreimal wiederholen; beim letzten Male sagte sie mir schroff, dass ich die Vorhaut nun ganz bzw. soweit es ging ganz nach hinten schieben soll, um dann vorwurfsvoll nachzufragen, ob das denn nicht weiter ginge! Ich wusste gar nicht, was ich antworten sollte, da probierte sie es selbst mehrere Male und versuchte mit Kraft meine Vorhaut ganz hinter die Eichel zu schieben, was recht schwer ging. Sie diktierte der Helferin, dass ich noch eine leichte Phimose hätte, und wollte dann von mir wissen, ob das früher schon mal untersucht und beanstandet wurde. Außerdem stellte sie noch Fragen zu einem Muttermal (an meiner Eichel), das etwas größer und auffälliger ist (ob ich es schon immer habe, ob es schon immer so groß war).
-die Ärztin meinte schließlich, dass ich mit meinen vielen Muttermalen überall zu einer Hautuntersuchung zu einem Hautarzt muss (obwohl ich schon im Jugendalter regelmäßig zu Hautärzten musste!)

Untersuchung im Liegen:
Ich sollte mich zunächst flach auf den Rücken legen; die Ärztin machte dann eine ziemlich lange und ausführliche ganzkörperliche Untersuchung:
-sie schaute in die Augen, in den Mund und die Ohren,
-machte dann einige Reflexprüfungen mit dem Reflexhämmerchen (v.a. an Armen, Handgelenke, Beinen, an den Seiten, am Bauch),
-tastete dann die Lymphknoten (v.a. am Hals, Schlüsselbein, in Achseln) ab
-klopfte u. tastete dann am Brustkorb an den Rippen entlang, ebenso auch kurz an den Brustwarzen (wo sie noch ein Muttermal besonders monierte),
-hörte dann mit dem Stethoskop Herz und Lunge an Brust und Rücken ab und hörte dann länger überall am gesamten Bauch ab (wobei ich wieder zeitweilig so in den Bauch atmen sollte, was ich erst nicht richtig machte, weil mir ziemlich übel im Bauch war, so dass die Ärztin mich schroff anfuhr),
-danach klopfte sie dann (mit den Fingern) überall am ganzen Bauch herum,
-dann sehr gründliches und langes Abtasten am ganzen Bauch, erst leichter, dann immer fester, was unangenehm war (sie fragte mich immer wieder nach Übelkeit, Bauchweh, etc.);
-außerdem inspizierte sie sehr sorgfältig meine Blinddarmnarbe (stellte noch mehrere Fragen zur Blinddarm-OP) und untersuchte dann akribisch meinen vorgewölbten Nabel, den sie erst genauer ansah und dann länger und intensiv abtastete (was ich zwar schon von etlichen Untersuchungen früher kannte, aber trotzdem schmerzhaft war); dabei fragte sie mich noch weiter wg. meinem Nabel aus (v.a. zu früheren Untersuchungen)
-danach inspizierte und betastete sie etliche Muttermale eingehender (v.a. größere/auffälligere an Brust + Bauch), stellte auch hierzu Fragen (v.a. nach Veränderungen in letzter Zeit)
-dann tastete sie weiter in der Leistenregion ab, anschließend an Penis + Eichel (wobei mein Penis steif wurde, was ich aber schon von anderen Untersuchungen kannte)

Danach durfte ich dann aufstehen, sollte mich aber noch mal umdrehen und mit den Armen auf die Liege abgestützt vorbeugen; dabei sah mir die Ärztin kurz zwischen die Pobacken (sie schaute, ob ich Fisteln habe, wie ich es beim Magen-Darm-Arzt früher aus der Klinik her kannte!); nachdem sie der Helferin diktierte, dass keine Fisteln vorliegen, ließ die Ärztin endlich von mir ab; ich durfte dann die Unterhose wieder anziehen und zurück in den Warteraum gehen und Warten.

EKG
Ca. 10 Minuten später holte mich eine Arzthelferin in einen anderen Raum, der einige Meter weiter den Gang hinter lag. Dort wurde noch ein EKG mit Puls- und Blutdruckmessung gemacht werden, wofür ich mich zuerst auf die Liege legen musste. Die Helferin setzte mir die Elektroden verteilt auf den Oberkörper und band mir eine Blutdruckmanschette um. Im Gegensatz zu den bisherigen EKGn, die ich früher gemacht bekam, waren diesmal meine Herztöne laut im ganzen Raum zu hören. Ich sollte dann (mit den Elektroden am Oberkörper) aufstehen und 10 Kniebeugen machen, dann wieder hinlegen zur erneuten Messung.

Nachdem das auch vorbei war, durfte ich zurück in den Warteraum und mich wieder ganz anziehen. Es war ca. 17 Uhr und ich sollte dann den Gang zurück zum Pförtner in einen weiteren Warteraum gehen, wo bereits meine Mutter wartete und sich wunderte, warum es so lange gedauert hat.

AMTSLEITER
Ich wurde nun ins Büro des Amtsleiters gerufen, der mich darüber aufklärte, dass ich zunächst nur einen Bescheid bekomme mit dem Hinweis, dass ich wegen diverser Befunde später nochmals gemustert werden muss, wenn meine Schulzeit (Abitur) beendet ist. Er erklärte dabei, dass dann evt. auch weitere Untersuchungen bei Fachärzten wg. der festgestellten Befunde erfolgen. Danach durfte ich mir noch Fahrtgeld in einem Nebenraum abholen und war dann erst mal entlassen.

Ca. ein halbes Jahr vor meinem Abi erkundigte ich mich an unserem Kreiskrankenhaus nach einer Zivi-Stelle, da ich nach dem Abi ohnehin nicht gleich ins Studium gehen konnte und ich mich entschied, sowieso Zivi zu machen. Ich bekam auch eine Zivi-Stelle zugesagt und hätte direkt nach dem Abi als Zivi anfangen können.

Kurz vor dem Abi erhielt ich aber erst mal die Vorladung zur Nachmusterung, mit der ich in dem Moment gar nicht rechnete. Der Termin war im Mai 1993 wenige Tage vor der ersten Prüfung (was mich tierisch nervte!) vormittags (10 Uhr); meine Hoffnung war aber, dass es sich nur um einen kurzen formalen Termin (ohne komplette Untersuchung) handelte.

NACHMUSTERUNG:

Der Termin war diesmal auch noch vormittags (10.00 Uhr) und ich konnte so gar nicht zur Schule, was ich fiel lieber getan hätte und mich deshalb ärgerte. Ich war wieder als Letzter da, so dass ich wieder am längsten warten musste und stets als Letzter dran kam. Meine Hoffnung, dass es schnell gehen würde und nur Formalitäten abgehandelt werden, musste ich ebenfalls schnell begraben.

Der Ablauf war schließlich nahezu identisch zum ersten Termin: Anmeldung/Personalien, im Warteraum ausziehen bis auf die Unterhose, dann Urinabgabe in einem anderen Raum, dann zurück im Warteraum warten, dann Messen und Wiegen, dann wieder warten.

Gegen 12.00 Uhr kam ich schließlich wieder zur Musterungsärztin (derselben wie beim ersten Mal) rein; es war auch wieder eine Schreibkraft dabei. Der Ablauf bei der Ärztin war dann auch sehr ähnlich wie beim ersten Mal. Die Ärztin hatte bereits die Unterlagen von der ersten Musterung vorliegen und kannte mich schon. Trotzdem ging sie noch mal meine gesamte Krankengeschichte von vorne durch (mit Klinikaufenthalten, OP´s), bemängelte dann mein Gewicht (weil ich noch mal drei Kilo weniger hatte als bei der ersten Musterung). Sie sah mich ganz kritisch an und bemängelte dabei, dass ich immer noch so dürre sei und blass aussehe und fragte dann, ob ich denn in letzter Zeit öfter krank war. Da ich noch immer desöfteren Durchfälle und Magen-Darm-Probleme hatte (aber bei weitem nicht mehr so massiv wie noch im Kindesalter), fing sie an mich darüber total auszuquetschen (z.B. ob, wann wie oft ich zuletzt Durchfälle, Erbrochen habe, ob, wann, wie oft Übelkeit, Bauchweh, Krämpfe, Schmerzen am Nabel oder ob Blut im Stuhl usw. auftraten), fragte dann auch v.a. nach meinen Muttermalen (ob es zuletzt mehr wurden bzw. ob Veränderungen auftraten) und wann ich wo bei welchem Arzt seit der ersten Musterung untersucht wurde. Trotz meiner immer noch vorhandenen Beschwerden ging ich nicht mehr regelmäßig zu Kontrollterminen (obwohl ich es eigentlich sollte!), worüber die Ärztin etwas verärgert war und fortan ziemlich barsch mit mir umging.

Ich sollte mich dann wieder aufrecht vor die Ärztin stellen, die dann wieder von Kopf bis Fuß ringsum meine Muttermale überall ansah, mit denen sie insgesamt gar nicht zufrieden war; sie moserte nur noch an mir herum und ordnete daraufhin eine hautärztliche Untersuchung an, weil ihr etliche „krankhafte“ Muttermale aufgefallen waren, die "krebsig" ausgesehen haben (u.a. am re. Oberschenkel, an Hals, Brust und Bauch).

Während sie am Bauch schaute, bemängelte sie auch wieder meinen vorgewölbten Nabel, drückte eine Weile an ihm herum und meinte dabei, dass ich auch einen Nabelbruch habe, der abklärungsbedürftig sei, und stellte noch weitere Fragen dazu (ob er sich zuletzt weiter, praller, dicker vorgewölbt hat).
Auch die Unterhose musste ich dann wieder ausziehen, wobei die Ärztin sowohl das Zurückschieben der Vorhaut, wie auch die Hoden kontrollierte; mit beidem war die Ärztin nicht zufrieden und diktierte der Schreibkraft etwas von unklaren Tastbefund am re. Hoden sowie bestehender Phimose in die Unterlagen und erklärte mir, dass ich bei einem Urologen untersucht werden sollte. Da wurde mir richtig anders zumute, denn zum Urologen mochte ich seit meiner Erfahrungen im Jugendalter am liebsten gar nicht mehr. Auch beim anschließenden Sehtest fiel ich durch, so dass sie als nächstes einen Termin beim Augenarzt anordnete.

Danach kam wieder die eigentliche ganzkörperliche Untersuchung auf der Liege, die genauso gründlich war wie beim ersten Mal. Ganz besonders gründlich und noch länger als beim ersten Mal untersuchte sie dabei aber am Bauch (erst Abhören, Abklopfen, dann v.a. langes Abtasten überall); mir war nach dem Abhören (wo ich wieder den Bauch so aufblähen sollte) ganz mulmig und übel, so dass ich kurze Zeit später beim Abtasten richtig aufstoßen musste und Angst hatte, dass ich erbrechen muss (was mir früher schon manchmal bei Untersuchungen passiert ist). Die Ärztin war nun überhaupt nicht zufrieden und meinte schließlich, dass ich auch bei einem Gastroenterologen wg. Magen-Darm (zur Abklärung von Darmentzündung bzw. auf Morbus Crohn!) eingehend untersucht werden sollte. Ich bekam in dem Moment einen richtigen Schreck, da ich mich an die früheren Untersuchungen in der Klinik beim Gastro-Arzt noch gut erinnerte, die mir immer ein Graus waren. Einen Moment später ergänzte sie, dass ich für die ganzen Untersuchungen anstatt zu niedergelassenen Ärzten in eine Bundeswehrklinik (BWK) sollte, wo ich dann an einem Tag einem Gastro-Arzt, einem Hautarzt und einem Urologen zu Untersuchungen vorgestellt werden sollte.

Die Ärztin untersuchte dann weiter am Bauch und schließlich sehr gründlich an meinem Nabel, drückte, zog und drehte an ihm, was wieder richtig schmerzte und meinte währenddem schließlich, dass „bei der Gelegenheit“ (dem Termin im BWK) auch mein Bauchnabel genauer wg. meinem Nabelbruch (auf eine evt. nötige OP) abgeklärt werden soll. Ich war nun restlos bedient und völlig fertig, als ich das Wort „Klinik“ hörte; mir war schwindelig und nur noch schlecht; ich versuchte noch zu intervenieren, was aber völlig erfolglos war, denn die Ärztin erdrückte meine Widerrede schon im Keim und nörgelte recht ungehalten an mir herum (bei meiner Vorgeschichte, den Befunden und so mager und kränklich wie ich aussehe usw. gäbe es da kein Pardon). Ich war fast am heulen. Den Rest der Untersuchung bei der Ärztin (sie untersuchte noch Unterbauch, Leiste, Penis und machte einige Reflextests) ertrug ich ziemlich apathisch, genauso die EKG-Messung hinterher.

Die Ärztin klärte mich noch auf, dass ich einen ganzen Tag für die Untersuchungen bei den einzelnen Ärzten in der Klinik einplanen muss und an dem Tag komplett nüchtern dort hin kommen soll (wg. Untersuchungen von meinem Bauch) und gab mir noch einige weitere Verhaltensmaßregelungen (mind. 12 Std. vorher keinen Alkohol, keine Drogen u.ä. konsumieren; am besten nur Wasser und Tee trinken wg. der Unters. beim Gastro).

Nach dem EKG+Blutdruckmessung (mit Kniebeugen) erhielt ich dann beim Amtsvorsteher einen dicken Umschlag für die Untersuchungen im BWK, den ich ungeöffnet dort abgeben sollte. Neben meiner Neugierde wollte auch meine Mutter wissen, was drin stand, so dass ich den Umschlag dennoch zu Hause öffnete; was ich las machte mir ein ganz flaues Gefühl im Bauch; meine Mutter kopierte dann die ganzen Befunde und Überweisungen (es waren verschiedene für Magen-Darm-Arzt, Chirurgen, Urologen und Hautarzt). Bei all den Befunden und Anordnungen zu Untersuchungen machte ich mir aber schließlich leise Hoffnungen auf eine Ausmusterung.

BW-KRANKENHAUS:

Der Termin im BWK war dann ca. drei Wochen später (morgens um 9.00 Uhr), in der Woche vor meinem mündl. Abi. Nicht nur deswegen und wegen dem frühen Aufstehen (wg. der langen Fahrt) fühlte ich mich entsprechend mies. Mir war total mulmig im Bauch als meine Mutter und meine Tante mich dort hin fuhren, da ich aufgrund der gelesenen Unterlagen eine leise Vorahnung hatte, was mich erwarten würde. Was ich auf der Fahrt noch nicht ahnte, war, dass nicht alle Untersuchungen bei den einzelnen Ärzten an dem einen Tag gemacht werden konnten.

GASTROENTEROLOGE:
Zunächst wurde ich dem Gastro (Magen-Darm-Arzt) vorgestellt, der mich ca. bis Mittags in der Mangel hatte.

Komplett Ausziehen; dann Messen und Wiegen (bei einer Helferin)
-Arzt schaute mich erst im Stehen an, besprach dabei meine Krankengeschichte und fragte sehr penibel zu Magen-Darm-Problemen und den Klinikaufenthalten in meiner Jugend
-Arzt inspizierte auch meinen Nabel sowie meine Leberflecken ringsum und wies mich auf die noch folgenden Untersuchungen bei den anderen Ärzten deswegen hin

Ganzkörperl. Untersuchung auf der Liege:
-U.a. Lymphknoten tasten, Herz + Lunge abhören,
-besonders lange + gründliche Untersuchung am ganzen Bauch (Abhören, Abklopfen + v.a. Abtasten) sowie am Nabel (der tat mir hinterher richtig weh!)
-Arzt kontrollierte dann Penis + Hoden sowie (nachdem ich mich auf die Seite drehen musste) Analbereich und After; anschließend führte er eine rektale Untersuchung durch
-Er erklärte anschließend, dass Laboruntersuchungen gemacht, dann geröntgt (Lunge + Bauch - Übersicht) und danach ein Ultraschall am Bauch gemacht werden solll

Labor: Urin und Blutentnahme
Röntgen: Lunge + Bauch (Übersicht im Stehen und Liegen)

Zurück im Untersuchungszimmer; längeres Warten
-Wieder komplett ausziehen und hinlegen; Arzt schaute sich Bilder an, kam dann zu mir an die Liege
-Hörte und tastete wieder etwas an meinem Bauch (er piekte v.a. ständig an meinem Nabel) und erklärte, dass weitere Aufnahmen (Magen-Darm-Passage) gemacht werden sollten, wofür ich erst abgeführt werden sollte

Arzt untersuchte dann mit Ultraschall lange am ganzen Bauch (auch am Nabel); ich hatte schon Bauchweh, weil ich die meiste Zeit meinen Bauch so aufblähen und dick machen sollte; hinterher sagte mir der Arzt, dass bei mir Morbus Crohn abgeklärt werden muss und dafür auch eine Darmspiegelung nötig ist, die aber erst am übernächsten Tag nach intensivem Abführen stattfinden konnte; danach war ich völlig fertig mit den Nerven, denn diese Tortur kannte ich schon von meinen Klinikaufenthalten in der Jugend

HAUTARZT
Vom Gastro musste ich direkt in die Dermatologie, wo ich fast den ganzen Nachmittag verweilen musste; dort musste ich erst noch etwas Warten, bis mich eine Schwester dann in ein Untersuchungszimmer zu einem Hautarzt zur kompletten Hautuntersuchung brachte

Arzt studierte kurz Unterlagen und ordnete an, mich komplett (ganz nackt) auszuziehen (inkl. Uhr, Brille, Schmuck, etc)
-Anschließend folgte sehr akribische eingehende Untersuchung aller Leberflecken von Kopf bis Fuß; dabei fragte der Arzt mich genau aus nach früheren Hautuntersuchungen bei Hautärzten wg. den Dysplast. Naevus-Syndrom
-Zunächst im Stehen: Arzt inspizierte mich erst oberflächlich ringsum, betastete bzw. bestrich etliche Muttermale (v.a. größere, auffälligere), untersuchte dann mit einer normalen Lupe
-Im Sitzen auf der Liege: Arzt kontrollierte auch Kopfhaut, zwischen den Haaren, in und hinter den Ohren, im Mund
-Im Liegen: Arzt untersuchte mit Auflichtmikroskop fast alle Leberflecken am ganzen Körper und befühlte sie eingehend, v.a. am Oberkörper (Brust + Bauch) + Arme, wo ich die meisten habe; er untersuchte auch zwischen den Fingern und Zehen (inkl. Nägel), Achseln, Brustwarzen, Bauchnabel sowie im Genital- und Analbereich (wofür ich mich hinknien musste), da er auch etliche Muttermale an „untypischen“ Stellen fand (u.a. im Ohr, zw. Fußzehen, auf der re. Brustwarze, am Nabel und am Penis)
-besonders lange und akribisch schaute er dabei die größeren Muttermale (v.a. am Oberkörper, Armen und Oberschenkel) an; anschließend wurden die größeren und auffälligeren Muttermale mit Öl betupft und nochmals untersucht und anschließend mit einem Stift eingekreist; ich sah richtig markiert aus und fühlte mich so irgendwie aussätzig und elend
-der Arzt war insgesamt sehr unzufrieden, rügte, dass ich länger nicht mehr beim Hautarzt war und bestätigte die Musterungsärztin, dass etliche Muttermale sehr auffällig und „krebsig“ aussehen und zur feingeweblichen Untersuchung raus müssen (v.a. am Hals, an der Brust, am Bauch, im Schambereich und am Oberschenkel); aus Zeitgründen war dies aber nicht mehr am selben Tag möglich und sollte am nächsten Tag erfolgen; die Muttermale waren unregelmäßig in Form und Farbe, das am Oberschenkel in der Mitte ganz dunkel und „höckrig“ geworden; der Arzt war sich bei mir schon sehr sicher, dass es sich um Hautkrebs (Malignes Melanom) handeln würde und beschrieb mir bereits, was mich in der Folge dann erwarten würde (Ausbreitungsdiagnostik, Lymphknotenadektomie, große Bauch-OP, etc.); er machte mir richtig Angst und ich war mit den Nerven völlig am Ende, fühlte mich so elend und mies, dass ich völlig aufgelöst war und mir die Tränen kamen
-Im Stehen: anschließend wurden meine Muttermale ringsum noch aufgenommen und im PC gespeichert (Übersichtsaufnahmen von allen Seiten, Teilbereich-Aufnahmen und Detailaufnahmen vieler, auffälliger Leberflecken)

Schwester nahm mir dann in einem Nebenraum auf Anweisung des Arztes noch mal Blut ab und konnte mich auch nicht mehr aufmuntern

CHIRURG
Am gleichen Abend kam ich noch zum Chirurgen zur Untersuchung. Er sollte bei mir einen kompletten Herniencheck machen und v.a. meinen vorgewölbten Bauchnabel ganz eingehend untersuchen und abklären, ob mein Nabelbruch operiert werden muss. Der Arzt war zwar recht freundlich, konnte mich aber auch nicht aufrichten. Ich musste mich wieder ganz ausziehen und auch die Unterhose runterziehen. Der Arzt schaute zunächst auch an mir herum und suchte förmlich am Oberkörper, ganz besonders am Bauch, nach Hernien; seine Aufmerksamkeit fiel gleich auf meinen Bauchnabel und er bereitete mich gleich vorsichtig darauf vor, dass er den ganz besonders genau untersuchen muss und dass das nicht ganz angenehm sein würde; ich kannte das von vielen Untersuchungen früher, war aber ohnehin so down, dass mir alles zu viel war.

Im Liegen: Arzt machte wieder eine kurze allgemeine Untersuchung (Abhören/Abtasten), v.a. am Bauch und tastete meine Bauchdecke fast cm-weise nach Bruchlücken ab;
-nach einer ganzen Weile widmete er sich nur noch meinem Bauchnabel, inspizierte ihn ganz penibel und begann ihn intensiv abzutasten, drehte, drückte, bohrte und zog an ihm, dass ich ständig „autschte“; der Arzt war ziemlich nachdenklich und nicht zufrieden mit meinem Nabel; ich hatte hinterher richtig brennende Schmerzen am Nabel und konnte kaum mehr gerade sitzen oder stehen, was ich aber auch von früher her schon kannte;
-der Arzt schaute schließlich noch nach Leistenbrüchen, sowie Hoden- und Wasserbruch; dabei bemerkte er auch meinen verkleinerten re. Hoden und fragte mich nach meiner Hoden-OP wg. Hodenhochstand früher aus (u.a. ob es ein Leistenhoden war, was ich ihm gar nicht genau beantworten konnte).

Der Arzt untersuchte schließlich auch mit Ultraschall an meinem Bauch, hpts. am Nabel, wobei er auch einen speziellen (kleineren, schmalen) Schallkopf verwendete;

Zum Schluss erklärte mir der Arzt, dass mein Nabel vorerst nicht operiert werden müsse, aber genau darauf geachtet werden sollte, ob er sich mehr vorwölbt, praller aussieht und der Nabel sich in irgendeiner Weise verändert; solange das nicht der Fall ist und auch sonst keine Beschwerden auftreten, wäre keine OP nötig; das war für mich aber nur eine sehr geringe Beruhigung dieses schlimmen Tages, denn meine Ängste wegen dem Melanomverdacht blieben.

Am Abend bekam ich noch ein Abführmittel verabreicht und sollte weiter nüchtern bleiben für die kommenden Untersuchungen an den folgenden beiden Tagen. Ich war am Ende dieses tages selten so fertig und geschafft, was sicher nicht verwundert: zum einen die fast sichere Diagnose "Hautkrebs" vom Hautarzt, dann den ganzen Tag nur sehr intensive und eingehende Untersuchungen, das schlauchte mich richtig! Ich hatte im Nachhinein einen ziemlichen Brass auf die Musterungsärztin, die mir das "eingebrockt" hatte.

2. Tag:

GASTROENTEROLOGE

-Untersuchungszimmer: zunächst wieder ausziehen, dann allgemeine Untersuchung durch den Arzt, v.a. am Bauch und am Nabel; der Arzt monierte, dass mein Nabel recht gerötet war (er schmerzte auch noch vom Vortag) und besprach dabei die Ergebnisse der Untersuchung von meinem Nabel beim Chirurgen und erklärte, dass keine OP nötig ist, solange mein Nabelbruch nicht größer wird und mein Nabel sich nicht deutlicher vorwölbt, dass mein Nabel deshalb aber regelmäßig untersucht und kontrolliert werden sollte

Wieder zum Röntgen: ich bekam dort einen ziemlich (ekligen) Kontrastbrei, den ich von früher schon kannte; es wurde nach kurzer Wartezeit Durchleuchtung der Magen-Darm-Passage gemacht, was eine ganze Weile dauerte
Anschließend wurde ich von einer Schwester in die Urologie gebracht.

UROLOGE
Der Urologe schaute auch erst meine Unterlagen durch, sah sich die Röntgenbilder von meinem Bauch an und sagte mir dann, dass ich mich wieder ganz ausziehen soll. Dann stellte er mir etliche Fragen: zu meinem Hodenhochstand, zur Pubertät, zur Entwicklung von meinem Penis + Hoden, zu meinem Sexualleben, dann v.a. zu früheren urolog. Untersuchungen (die erste hatte ich mit 15 J. während einem Klinikaufenthalt, danach musste ich regelmäßig zum niedergelassenen Urologen, worüber er mich genau ausfragte)

Ich sollte mich dann aufstellen und die Beine etwas auseinander machen;
-Arzt griff meine Hoden und befühlte kurz das Hodensäckchen, schob dann Vorhaut am Penis ein paar mal vor und zurück;
-er bemängelte gleich die Leberflecken dort (v.a. das eine an der Eichel) und kam dann generell auf meine vielen Muttermale überall zu sprechen;
-als er von meinem Penis abließ, schaute er am Bauch weiter; sein Blick fiel zuerst auch auf meinen Nabel, an dem er gleich anfing mit einem Finger zu kreisen und zu pulen; jede Berührung schmerzte mich noch, weshalb ich zurück zuckte; der Arzt reagierte ziemlich ungehalten und fragte mich ganz vorwurfsvoll, warum mein Nabel noch nicht operiert wurde; er meinte „so wie er aussieht“ wäre das aber nötig, womit er mir noch mehr Angst machte, denn ich dachte, das Thema hätte sich seit dem Vorabend schon erledigt; aber auch da lag ich erst mal falsch, denn im Gegensatz zu den anderen Ärzten war er sehr unzufrieden wg. meinem vorgewölbten Nabel, v.a. weil er so gerötet und angeblich entzündet aussah; er kam darauf zu sprechen, dass mein Nabel auch früher schon entzündet war, fragte mich genau nach früheren Untersuchungen von meinem Nabel aus und meinte schließlich, mein Nabel sehe so „fistelig“ aus und ich könnte evt. auch eine Nabelfistel haben, was noch genauer abgeklärt werden müsste

Hinlegen auf Untersuchungsliege;
-Arzt machte eine kurze allgemeine Untersuchung (Herz, Lunge, Lymphknoten, etc.), untersuchte dann länger am Bauch, tastete dabei v.a. auch länger am Nabel und der Nabelgegend, am Unterbauch und den Seiten (Nieren); ich bekam wieder das Gefühl, als käme mein ganzer Bauch durcheinander
-Im Anschluss nahm er meinen Penis und bewegte noch einige Male die Vorhaut, bemerkte dass das Zurückschieben etwas schwer ging, sagte aber sonst nichts dazu; daran folgte eine längere Tastuntersuchung der Hoden (einzeln! War ziemlich schmerzhaft!) und vom Penis (Vorhaut + Eichel), wobei mein Penis komplett steif wurde; der Arzt wirkte dabei recht nachdenklich und sagte, dass auf jeden Fall ein Ultraschall von meinen Hoden und am Penis gemacht werden muss
-Dann wurde mir noch mal Blut abgenommen

Die Schwester begleitete mich im Anschluss in einen Nebenraum, wo ich vor einer trichterähnlichen Vorrichtung eine Urinprobe abgeben sollte, wobei gleichzeitig mein Harnstrahl gemessen wurde; anschließend wurde ich gleich wieder in den Untersuchungsraum zurück gebracht, wo ich mich gleich wieder hinlegen sollte; der Arzt hatte den Raum inzwischen verlassen und ich musste eine ganze Weile nackt da liegen und warten bis er wieder kam

Ultraschall von Bauch, harnableitenden Organen (v.a. Blase, Niere), dann von Penis und Hoden (mit anderem Schallkopf); es dauerte ziemlich lange und war z.T. auch unangenehm, v.a. als er wieder am und um den Nabel untersuchte sowie am Penis, weil der dabei wieder steif wurde; zum Glück fand der Arzt aber nichts Krankhaftes, mahnte mich aber streng, dass ich wegen meinem späten Hodenhochstand ein hohes Hodenkrebsrisiko habe und auch zukünftig in engen Abständen urologisch untersucht werden muss

DERMATOLOGIE
Um die Mittagszeit werde ich wieder zum Hautarzt gebracht, der mich zur Exzision der fraglichen, melanomverdächtigen Pigmentflecken vorbereitet; in einem Vorraum muss ich gleich alles (ganz nackt) ausziehen, komme dann in einen OP-ähnlichen Raum, wo ich mich auf eine Liege legen muss.

Der Hautarzt machte zunächst noch einmal eine oberflächliche Inspektion bzw. Untersuchung und markierte dabei die Leberflecken, die zur histologischen Untersuchung raus mussten (1 am Hals, 2 an der Brust, 1 am Bauch re., 1 am Unterbauch/im Schambereich, 1 am re. Oberschenkel oben)

Die besagten Stellen wurden schließlich örtlich mit einer Spritze betäubt, das OP-Feld entsprechend desinfiziert und dann die fraglichen Muttermale heraus geschnitten; glücklicherweise kamen die Läsionen gleich ins Labor, von wo aus schnell festgestellt werden konnte, ob es sich tatsächlich um Melanome handelt und evt. eine größere Exzision der Randbereiche nötig ist; ich war unendlich froh, als ich erfuhr, dass sich der Verdacht bei keinem der entfernten Pigmentmalen bestätigt hatte!

Allerdings handelte es sich bei den entfernten fraglichen Muttermalen bei wzweien um eine Krebsvorstufe, bei allen anderen um massiv dyspastische Pigmentflecken; der Hautarzt meinte, dass in nicht ferner Zukunft aus diesen Muttermalen sicher Hautkrebs entstanden wäre! So musste ich im Nachhinein der Musterungsärztin sogar noch dankbar sein für ihre Unnachgiebeigkeit und Gründlichkeit!

Den Rest vom Tag musste ich noch abführen wegen der Darmspiegelung; das Abführmittel war die Hölle, mir war übel und schlecht ohne Ende, und hatte einen total Bläh- und Wasserbauch (von dem vielen Trinken!). Ich musste oft aufstoßen und mich heben, aber (anders als bei meinen Klinikaufenthalten mit 15 und 16J.) diesmal zum Glück nicht erbrechen.

3.Tag:

GASTROENTEROLOGIE
Ich wurde am Morgen noch mal abgeführt und kam dann in die Gastro-Ambulanz. Nach einer kurzen allgemeinen Untersuchung im Arztzimmer (v.a. Abhören + Abtasten, Besprechung der Ergebnisse der Untersuchung beim Urologen) wurde ich in einen Durchleuchtungsraum gebracht, in dem noch zwei Untersuchungen durchgeführt, die der Arzt mit mir zuvor kurz besprach:

-Fistelographie am Nabel mit Kontrastmittelsondierung von meinem Nabel
-Koloskopie, wobei ich zu Beginn ein Dormicum gespritzt bekam und von der Untersuchung selbst nichts mehr mitbekam

Die Ergebnisse waren aber jeweils negativ, d.h. sowohl der Verdacht einer Nabelfistel wie auch der Morbus-Crohn Verdacht wurde nicht bestätigt; der Gastro-Arzt stellte allerdings die Diagnose „Reizdarm“, was für ihn aber kein Ausmusterungsgrund war.

Die Ergebnisse wurden schließlich dem KWE mitgeteilt, von dem ich im Juli 1993 schließlich meinen Endbescheid (T3 Verwendung mit Einschränkungen) erhielt, die aber für meinen Zivildienst nicht relevant waren.

Meinen Zivildienst konnte ich wegen des noch fehlenden Bescheides nicht wie geplant gleich nach dem Abi anfangen, sondern erst im Oktober 1993. Ich arbeitete da auf einer chirurg. Station in unserem Kreiskrankenhaus und musste dort in der ersten Woche (Freitag morgens) zu einer Einstellungsuntersuchung zu einem Amtsarzt ins Gesundheitsamt.

ZIVILDIENST/AMTSARZT

Die Musterung hatte letztlich auch noch große Auswirkung auf meinen Zivildienst, im Besonderen auf die Einstellungsuntersuchung, bei der ich in der ersten Woche (Anfang Oktober 1993) zu einem Amtsarzt in unser Gesundheitsamt musste.
Der Termin war morgens um 9 Uhr und erst Mittags gegen 14 Uhr bin ich dort wieder raus gekommen! Der Arzt hatte leider sämtliche Unterlagen und Informationen zu meiner Musterung und den nachfolgenden Untersuchungen in der BW-Klinik vorliegen! Der Amtsarzt war von Anfang an irgendwie voreingenommen, beanstandete auch alles mögliche und untersuchte auch alles von Kopf bis Fuß; nach einem längeren Vorgespräch musste ich dann in der Umkleide auch alles, d.h. mich ganz nackt (!), ausziehen! Fortan ließ er kein gutes Haar mehr an mir, außerdem fragte er mich auch penibel nach ellen OPs, Klinikaufenthalten, Untersuchungen bei Fachärzten usw. damals aus.
Die Befunde aus der Musterung, wegen derer ich in die Bw-Klinik war, untersuchte er dann besonders ausführlich und akribisch; u.a. hörte und tastete er so lange an meinem Bauch ab, dass ich fast erbrochen habe (!!!), weil mir nur noch schlecht war, genauso auch an meinem vorgestülpten Nabel, der am Ende nur noch weh tat! Auch sonst untersuchte er alles sehr genau, auch unten herum an Penis (Vorhaut, Eichel) und Hoden, er schaute auch zwischen die Pobacken! Außerdem schaute er auch immer wieder überall Muttermale ganz gründlich an.
Ich musste dann Urin abgebenn, von einer Helferin wurde Blut abgenommen und ein EKG gemacht und nach einer pause kam ich wieder zum Arzt rein, der mich nochmal abtastete und dann ein langes Bauch-Ultraschall machte. Am meisten ärgerte mich dann, dass er mich auch noch zu weiteren Ärzten (Hautärztin, Gastroenterologe) überwies, wohin ich während meinem ZD dann regelmäßig musste.

Mein ZD endete schließlich im Dezember 1994 mit einer ebenso eingehenden Abschlussuntersuchung bei dem gleichen Amtsarzt, mit dem Ergebnis, dass er mir dringend davon abriet jemals eine Ausbildung in der Pflege zu beginnen, da ich aus med. Sicht und bei meiner Krankengeschichte dafür völlig ungeeignet sei. Inzwischen kam es dann doch anders...
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
BiggestDreamer88

BiggestDreamer88

22.01.2010 05:25

Besonders hilfreich.Habe demnächst Musterung,aber DAS was du da beschrieben hast,werde ich mir AUF KEINEN FALL gefallen lassen.Und wenn mir irgendjemand einfach zwischen die Beine greift,gibts direkt eine gescheuert,ich mein gehts noch ?

xeasa1

xeasa1

07.11.2008 16:36

auf jeden ein BH, bin am montag dran. lg

jonathan_haeusser

jonathan_haeusser

15.03.2007 16:21

Sehr ausführlich. Ist auf jeden Fall ein bh wert. Gruß Jonathan

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