Das Geschäft mit dem Krieg
28.05.2001
Pro:
Thema immer noch aktuell
Kontra:
Gang der Handlung eher langwierig und trocken
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Wie ergreifend ist die Story?
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 Thoma
Über sich:
Mitglied seit:25.05.2001
Erfahrungsberichte:8
Vertrauende:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 27 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Mutter Courage und ihre Kinder wurde 1938 von Bertolt Brecht im dänischen Exil geschrieben und am 19.04.1941 in Zürich uraufgeführt. Sein episches Werk soll einen Gegenentwurf zum Klassischen Theater Schillers darstellen. Die Hauptfiguren:Anna Fierling (Mutter Courage) Kattrin (stumme Tochter) Eilif (älterer Sohn) Schweizerkas (jüngerer Sohn) Der Feldprediger Der Koch Die Handlung:Das Stück beschäftigt sich mit der Problematik des Kriegs und umspannt einen Zeitraum von rund 12 Jahren. Es spielt an mindestens neun verschiedenen Orten in ganz Europa während der Zeit des Dreißjährigen Kriegs von 1618 bis 1648. Die Geschichte handelt von einer reisenden Marketenderin namens Anna Fierling, die zusammen mit ihren drei Kindern und einem Planwagen umherzieht. Ihre Absicht ist es dabei, mit Hilfe von Waren Gewinn am Krieg zu erzielen. Mit dieser Tätigkeit sichert sie sich ihren Lebensunterhalt, vergißt darüber hinaus jedoch häufig ihre Verpflichtungen als Mutter. Die Courage wird als widersprüchliche Figur dargestellt: einerseits als besorgte Mutter, andererseits als eifrige Händlerin. Die familiären Beziehungen werden dabei allerdings von den Eigenschaften der Geschäftsfrau dominiert. Der schäbige Planwagen gibt Auskunft über den jeweiligen Wohlstand der Courage und spielt daher eine entscheidende Rolle. Durch die Tatsache, dass Menschen diesen Wagen ziehen müssen wird deutlich, dass die Courage diese zu Sklaven ihres Geschäftes macht. In erster Linie sind davon natürlich ihre Kinder betroffen. Doch wer meint, mit dem Krieg Geschäfte machen zu können, ohne dabei seinen eigenen Teil beizusteuern, der täuscht sich. Die Courage verliert nach und nach all ihre Zöglinge. Eilif, der kühne und kluge Sohn, läßt sich bereits im ersten Bild als Soldat anwerben. Zunächst bekommt ihm das Soldatenlos auch gar nicht schlecht. Er erhält durch den Feldhauptmann eine Auszeichnung dafür, dass er katholischen Bauern zwanzig Rinder entwendet hat. Als er jedoch in Friedenszeiten erneut eine Bauernfamilie überfällt, wird er dafür gefangengenommen und erschossen. Den redlichen Sohn verliert die Mutter Courage im dritten Bild. Er ist mittlerweile Zahlmeister des "Zweiten Finnischen Regiments", wird aber von den Katholiken schließlich gefangengenommen und ist nur noch durch Bestechungsgeld zu befreien. Als die Courage versucht, die Bestechungssumme herunterzuhandeln, ist es bereits zu spät. Elf Gewehrkugeln fordern das Leben des Schweizerkas. Die stumme Tochter Kattrin, die sich immer erhofft hat, in Friedenszeiten eine eigene Familie gründen zu können, versucht im elften Bild die Stadt Halle vor einem Überfall der Katholiken zu warnen. Das Vorhaben gelingt zwar, jedoch wird die sie von den Katholiken ermordet. Obwohl die Courage ihre Kinder verliert, will sie doch wieder "in`n Handel kommen" und auch weiterhin mit dem Krieg ihr täglich Brot verdienen. Besonders auffällig sind die jedem Bild vorangestellten Chroniken. Sie geben dem Leser soweit zusätzliche Informationen über den geschichtlichen Hintergrund, dass die im Spiel erzählte Ge-schichte der Mutter Courage nur auf diesem Hintergrund erklärbar erscheint, d.h. die Geschehnisse einer Szene werden durch die jeweilige Chronik vorweggenommen, damit sich die Spannung auf den Gang der Handlung, nicht aber auf den Schluß verlagert. Man weis, was in dem folgenden Bild geschehen wird, jedoch nicht auf welche Art und Weise dies erfolgt. Dieser Verfremdungseffekt soll den Leser davon abhalten, sich mit einer Person des Stücks zu identifizieren. Er soll aus dem Geschehen herausgerissen werden, um mit die jeweilige Situation mit seinen eigenen Augen zu beurteilen und nicht aus der Sicht eines Spielers heraus.Bewertung: Das Thema von "Mutter Courage und ihre Kinder" ist nach wie vor aktuell. Die Courage verliert zwar durch den Krieg ihre Kinder, lernt aber dennoch nichts dazu. Im Gegenteil, sie beschließt, auch weiterhin aus dem Leid von Kriegsopfer Profit zu schlagen. Wenn wir die Botschaft Brechts auf unsere Zeit übertragen, so sind die Parallelen nicht zu übersehen. Wir brauchen lediglich einen Blick in die Nachrichten zu werfen. Aus diesem Grund möchte ich die Lektüre auch empfehlen, muss allerdings dennoch eingestehen, dass es mir nicht sonderlich viel Spaß gemacht hat, das 108 Seiten starke Buch zu lesen. Der Gang der Handlung ist recht langwierig und trocken. Ein Kulturfreak wird sich davon zwar nicht abschrecken lassen, doch da kann ich schon eher die Filmversion empfehlen. Diese ist zwar meiner Meinung nach auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, dennoch wesentlich unterhaltsamer als die Textvorlage.
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21.11.2004 14:46
Deine eigene Meinung kommt mir hier zu kurz!
10.06.2001 23:47
Profit aus dem Leid von Kriegsopfern? Fallen Bomben, steigen die Aktienkurse!
28.05.2001 14:16
Gut geschrieben! Besser aber wäre es noch, wenn Du nicht nur Berichte schreibst, sondern auch andere Berichte liest, bewertest und kommentierst, damit Du hier bekannter wirst! Woher sollen die anderen wissen, dass es Dich gibt? Deine Meinung hochladen, gut, dann wird sie ein paar Mal gelesen - und dann sieht Dich keiner mehr! Reicht Dir das aus? Also, fang' ruhig mal an mit Lesen und Bewerten anderer Berichte! Sollst mal sehen, wer dann noch alles bei Dir liest! Außerdem gibt das ja nicht nur Communitypunkte! Liebe Grüße, pencil