3 Wochen Auszeit!

5  10.08.2005

Pro:
Mütter finden Zeit für sich und ihre Gesundheit, Kinder können mitbehandelt werden

Kontra:
eventuell Heimweh, Anpassungsschwierigkeiten, es fallen trotzdem noch diverse Kosten an

Empfehlenswert: Ja 

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Nach einer längeren Schreib-Pause möchte ich mal wieder zu Wort kommen und berichte heute mal von meinem Kuraufenthalt auf der Insel Pellworm. Doch bevor ich ins Detail gehe, hier ein paar wichtige Informationen vorab .


WAS IST EINE MUTTER-KIND-KUR?

Eine Mutter-Kind-Kur wird von den Krankenkassen finanziert und ist eine medizinische Leistung, die 3 Wochen dauert und vor Ort eventuell auch noch um eine Woche verlängert wird. Während dieser Kurmaßnahme werden die Mutter und auch die Kinder von einem Team von Pädagogen, Ärzten, Ernährungsberaterinnen, Psychologen und Physiotherapeuten begleitet und betreut.


WELCHE VORAUSSETZUNGEN MÜSSEN GEGEBEN SEIN, UM EINE MU-KI-KUR ZU BEANTRAGEN?

Mütter mit Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie psychosomatische Erkrankungen werden am häufigsten in Mutter-Kind-Kliniken aufgenommen.

Kinder können als gesunde Begleitpersonen mitgenommen werden, wenn eine Trennung von der Mutter nicht tragbar oder zu Hause keine Betreuung gewährleistet ist oder sie werden mitbehandelt, wenn sie ebenfalls unter den häufigen Krankheiten wie z.B. Infektanfälligkeit, Atemwegserkrankungen, Verhaltensstörungen und Erkrankungen der Haut und des Bewegungsapparates leiden.


WER BEZAHLT DIE KUR?

Die vollen Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Je Kalendertag beträgt die gesetzlich geregelte Zuzahlung 10.00 Euro. Kinder sind immer von der Zuzahlung befreit. Die Krankenkasse übernimmt ebenfalls auch die Fahrtkosten. Bei Fahrten zur stationären Vorsorge beträgt die Zuzahlung 10%.


WIE BEANTRAGT MAN DIE KUR?

Man kann direkt bei der Krankenkasse Unterlagen (Formulare) anfordern, die dann entsprechend von den Ärzten bzw. Kinderärzten ausgefüllt werden. Diese werden dann an die Krankenkasse zurückgeschickt. Aus eigener Erfahrung kann ich aber an dieser Stelle nur empfehlen, sich direkt an die Caritas, AWO oder an das Müttergenesungswerk zu wenden, die regeln das direkt und geben auch Hilfestellungen bezüglich der Anträge. Auch über das Internet kann man sich direkt Antragsformulare herunterladen.


WIRD DIE KUR VOM URLAUB ABGEZOGEN?

Nein, denn nach § 10 Bundesurlaubsgesetz dürfen Maßnahmen der medizinischen Vorsorge und Rehabilitation nicht auf den Urlaub angerechnet werden. Man muss also für die Kur keinen Urlaub beantragen.


MEINE ERFAHRUNG UND VORGESCHICHTE

Vor knapp 6 Jahren hatte ich meine erste Kur ohne große Komplikationen von meiner Krankenkasse genehmigt bekommen. Da man nur alle 4 Jahre (je nach Härtefall eventuell

Bilder von Mutter-Kind-Kur
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Mutter-Kind-Kur Bild 4192414 tb
Die Kurklinik
auch schon früher) eine Mutter-Kind-Kur genehmigt bekommt, war es mal wieder an der Zeit, dass ich für mich und meine Kinder eine Auszeit bekomme. Nach 3 Umzügen innerhalb von 2 ½ Jahren, Arbeitslosigkeit, finanzielle Sorgen, Krankheit und sonstiger Tiefschläge habe ich im April 2005 bei meiner Krankenkasse die nötigen Unterlagen angefordert und sie dementsprechend von den Ärzten ausfüllen lassen.

Nach gut 14 Tagen bekam ich per Telefon (!) die Absage, dass die nötigen Indikationen nicht ausreichen, um einer Genehmigung der Kur zuzustimmen. Die Dame meinte, ob wir nicht so in den Urlaub fahren könnten und gestresst wären wir ja alle. Na super, tolle Aussichten waren das. Völlig deprimiert vereinbarte ich einen Termin bei der Caritas hier in Hannover. Eine freundliche Mitarbeiterin wies mich erst einmal darauf hin, dass die Absage hätte schriftlich von der Krankenkasse erfolgen müssen. Ich sollte die Krankenkasse noch einmal schriftlich auffordern, dieses zu tun. Leider blieb mein Schreiben unbeantwortet. So vereinbarte ich nochmals einen Termin bei der Caritas und die Mitarbeiterinnen versorgten mich mit diversen Textpassagen bezüglich eines Widerspruchs.

Einen 2 Seiten langen Widerspruch erhielt die Krankenkasse von mir und schwuppdiwupp 3 Tage später kam wieder ein Anruf und ich erhielt die Kostenzusage für die Kur.

Nun war Eile geboten, denn ich wollte ganz gern in den Sommerferien die Kur antreten. Über´s Internet habe ich diverse Kurkliniken herausgesucht und abtelefoniert. Durch einen dummen Zufall bekam ich dann eine Zusage eines freien Kurplatzes auf der Insel Pellworm.


WIE WAR DER KURAUFENTHALT?

Nun möchte ich nicht jeden Tag der 3-wöchigen Kur dokumentieren, aber einen kleinen Einblick in so einige Abläufe gewähren.

Da meine Kinder nur als Begleitpersonen mitgekommen sind, stand mein gesundheitliches Wohlbefinden an erster Stelle. Nach einem ärztlichen Vorgespräch in der Kurklinik, bekam ich einen Wochenplan, auf dem alle Termine diverser Behandlungen verzeichnet sind. Ich bekam 2 Schlickpackungen mit anschließender Massage, zweimal Rotlichttherapie mit anschließender Massage, Fußreflexzonenmassage und war in einer Klima-Terrain-Gruppe eingeteilt. Einmal wöchentlich habe ich beim Yoga abends meine Entspannung gefunden.

Andere Angebote, wie z.B. Nordic Walking, Fit mit Musik, Chinesische Heilgymnastik etc. konnte ich leider nicht wahrnehmen, da die Klima-Terrain-Gruppe sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat.

Kurze Erklärung, was die Klima-Terrain-Gruppe ist:

Wir sind 3 x wöchentlich mit einer Therapeutin mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, haben viele Dinge über die Insel erfahren, waren in einem Museum, auf einer Vogelwarte und haben anschließend Entspannungsübungen im Gruppenraum gemacht. War ne tolle kleine Gruppe!

Damit ich diese Anwendungen in Ruhe angehen konnte, waren meine Kinder im "Kindertreff" bestens ab 8.30 Uhr untergebracht. Die Kid´s wurden mit Zwischenmahlzeiten, Mittagessen und Nachmittagssnacks versorgt. Um 16 Uhr mussten sie wieder abgeholt werden. Und so hatte man noch genügend Zeit, um eventuelle kleine Ausflüge zu starten. Am Wochenende hatte der Kindertreff geschlossen, so dass auch hier die Zeit für größere Ausflüge oder Aktionen blieb.

Der Kindertreff hat für Kinder ab 7 Jahren auch diverse Ausflüge unternommen (Leuchtturmbesichtigung, Nachtwanderung etc.)

Außerhalb des medizinischen Rahmenprogramms wurden von der Klinik direkt noch Freizeitgestaltungsmöglichkeiten angeboten. Man konnte z.B. Bernstein schleifen, T-Shirts oder Seidentücher bemalen oder Seerobben nähen (ich habe mich für das Nähen entschieden!)…einmal und nie wieder…
Auch Mutter-Kind-Aktionen wurden angeboten wie z.B. Traumfänger und Postkarten basteln und Muschelbilder gestalten, an denen man aber freiwillig dran teilnehmen konnte. Hier entstanden nur geringe Kosten.

Die 3 Wochen waren wir übrigens in einem kleinen modernen 1 ½-Zimmer-Appartement mit Dusche/WC, Tresor und Terrasse untergebracht. Zu den Mahlzeiten konnte man sich am üppigen Büffet bedienen. Die Zeiten zu den Mahlzeiten waren sehr großzügig gestaltet. Das Essen war sehr abwechslungsreich und zufrieden stellend, obwohl die trockene Grünkernfrikadelle nicht zu toppen war!

Das Personal sowie die medizinischen Mitarbeiter standen uns mit Rat und Tat zur Seite. Ein ärztlicher Dienst, auch nachts, war immer erreichbar.

Was sehr gewöhnungsbedürftig war, war der Einschluss ab 22.30 Uhr. Die Haupteingangstür wurde verschlossen und das Licht auf den Fluren notdürftig heruntergeschaltet. Hatte ein wenig den Flair von einer Haftanstalt (so wie es im Fernsehen immer zu sehen ist!). Allerdings gab es natürlich auch Nachtschwestern, die das nicht so eng gesehen haben und uns Mutti´s etwas mehr Freigang zum Hafenpub genehmigt haben.

Auf dem Klinikgelände ist absolutes Alkoholverbot und für die Raucherinnen standen vor dem Haupteingang zwei Parkbänke nebst großem Aschenbecher zur Verfügung.

Eine Waschküche mit münzpflichtigen Waschmaschinen und Trocknern stand den Müttern auch zur Verfügung.

1x täglich hatten wir freien Eintritt in das Freizeitbad "Pelle-Welle", welches wir direkt von unserer Klinik über einen langen Gang per Karte erreichen konnten.

Am Anfang der Kur wurde uns angeboten, beim Fahrradverleih zwei Häuser weiter, uns zu einem kostengünstigerem Kurtarif, Fahrräder zu mieten. 65,-- Euro für zwei Fahrräder für 3 Wochen, naja, ob das günstig war, muss jeder für sich entscheiden.


MEIN FAZIT

Mal abgesehen vom unbeständigen Wetter und der tierisch ruhigen Insel, hat mir der Kuraufenthalt sehr gefallen. Zum einen, dass ich mich 3 Wochen nicht um den Haushalt kümmern musste, meinem Körper mal intensive Aufmerksamkeit schenken konnte, wo ich im stressigen Alltag kaum Zeit finde, diverse Freizeitangebote und Ausflüge in aller Ruhe in Angriff nehmen und einfach mal die Seele baumeln lassen konnte. Zum anderen beruhigte es mich, dass die Kinder in guter Obhut und genügend ausgelastet waren. Für mich war es eine Auftanken von Kraft und Wohlbefinden, damit ich in 4 Wochen wieder fit aus dem Erziehungsurlaub an meinem Arbeitsplatz erscheinen kann.

Bei so einem Kuraufenthalt hat man, wenn man kontaktfreudig ist, natürlich auch schnell eine Truppe Mütter gefunden, die auf der gleichen Wellenlänge sind, es spiegeln sich die gleichen Probleme mit den Kindern wieder und man fühlt sich nicht mehr so allein mit seinen alltäglichem Ärger. Wir haben viel Spaß gehabt, viel gelacht und einigen Blödsinn verzapft.

Einen kleinen negativen Punkt möchte ich aber nicht verschweigen, denn wenn so viele Kinder und Erwachsene auf so engem Raum ständig zusammen sind, bleibt es nicht aus, dass sich kleine Infekte oder auch andere Krankheiten schnell verbreiten. So blieben wir auch nicht verschont und hatten in der zweiten Woche mit Fieber und einer Erkältung zu kämpfen.

Trotzdem kann ich nur jedem empfehlen, diese Möglichkeit zu nutzen und auch bei einer Ablehnung der Krankenkasse nicht gleich die Flinte ins Korn zu schmeißen. Die Mühe, am Ball zu bleiben, lohnt sich allemal. Auch sollte man früh genug den Antrag stellen, damit ein Aufenthalt mit schulpflichtigen Kindern während der Ferien gewährleistet ist. Die Plätze sind immer schnell vergeben.

Sicherlich ist so ein Kuraufenthalt in gewisser Weise auch nicht ganz billig, denn es fallen diverse Kosten an. 220,00 Euro Eigenanteil, Fahrtkostenanteil, diverse kleinere Beträge für Freizeitgestaltungen und eventuelle Shopping-Touren an.

Auch Väter sollten sich nicht scheuen, so eine Kur zu beantragen. Es gibt schon einige Kliniken in Deutschland, die auch gestressten Papas die Möglichkeit bieten, so eine Kur in Angriff zu nehmen. Aber Eltern-Kind-Kuren sind möglich. Während unseres Aufenthaltes befand sich auch ein Ehepaar mit einem behinderten Kind in der Klinik.

Sollten noch Fragen bestehen, ich habe ein offenes Ohr und gebe gerne noch ausführlichere Ratschläge…

Liebe Grüße von Manu


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Aldi-Frau

Aldi-Frau

23.09.2005 10:30

Für mich wäre das nichts, obwohl die Kasse uns das sicher genehmigen würde. Danke für die schöne Karte. VLG Petra

Sternchen1310

Sternchen1310

02.09.2005 00:03

Toller Bericht! ich bin ja auch noch hin und hergerissen, ob ich mir eine MuKi-Kur mit meinen 3 Kindern zumuten sollte..........nötig hätte ich es bestimmt und viele haben mir dazu auch geradetn.....aber........ich überlege noch.....LG Silke ;o)

BabyBloxberg

BabyBloxberg

30.08.2005 11:43

Toller Bericht, mit vielen Informationen. (Hast du die Krankenkasse schon gewechselt??) Vielleicht sollte ich das mit meinen drei Kids auch mal versuchen, aber allein die Fahrt da hoch lässt mich schaudern! Gruß und eine gute Woche, Barbara

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