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Eigentlich sollten wir erwachsen werden..."

5  08.12.2003

Pro:
witzige und informative Reportagen, tolles Design

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

Zora84

Über sich:

Mitglied seit:23.11.2003

Erfahrungsberichte:51

Vertrauende:17

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

„Eigentlich sollten wir erwachsen werden“. Das ist das Motto der neuen Zeitschrift NEON.
„Siezen dich Kinder neuerdings, wenn sie dich nach der Uhrzeit fragen?“ ist ein weiterer Spruch, mit dem die Zeitschrift wirbt. Wer diesen beiden Sätzen zustimmen kann, für den ist NEON gemacht. Ein Magazin für Nicht-mehr-Jugendliche aber auch Noch-nicht-ganz-Erwachsene.

Die Werbung hatte mich neugierig gemacht und ich hatte eine lange lange Zugfahrt von Aschaffenburg nach München vor mir. Normalerweise nehme ich mir immer eine Zeitschrift mit, doch die optimale Zugfahrtunterhaltung hatte ich noch nicht gefunden. Frauenzeitschriften wie Glamour oder Freundin waren mir etwas zu platt und zu albern, der Spiegel und der Stern zwar interessant, doch auch sehr trocken.
Da grinste mich NEON an, und da mich schon die Plakatwerbung sehr ansprach wanderte es gleich in meine Tasche, trotz des stolzen Preises von 2,50 €.
Doch der weiße, ungleichmäßige Stern in der linken oberen Ecke versprach Zuversicht. Schließlich ist NEON eine Art Ableger des STERNs und somit kann schließlich nicht allzu schlechtes dabei rauskommen, dachte ich.


COVER:

Auch das Cover des erst zweiten Heftes fand ich sehr ansprechend: Auf weißem Hintergrund prangt groß NEON in roter Schrift über dem bereits erwähnten Motto „Eigentlich sollten wir erwachen werden“, darunter in der gleichen Farbe die Themen dieser Ausgabe:

Freiheit statt Frust: Strategien, um die Job-Krise gut zu überstehen
Mythos wilder Sex: Verpass ich gerade was?
Generationen-Gejammer: Warum so viele Forderungen an junge Menschen Unsinn sind
Frohes Fest: Wir verlosen Oli Kahns Handschuhe und 23 andere unbezahlbare Weihnachtsgeschenke

Darunter befindet sich ein Foto, das ca. die halbe Seite einnimmt und über das keine Schrift gelegt ist. Dadurch wirkt das Cover klar und strukturiert, nicht überlagert wie bei vielen anderen Zeitschriften. Das Foto zeigt eine Frau Anfang zwanzig unter einer brennenden Glühbirne in einem blauen Zimmer, schräg hinter ihr steht ein Mann im gleichen Alter, beide lachen und haben die Augen halb bzw. ganz geschlossen. Sie wirken wie ein Pärchen.
Auf der linken Seite hängt ein kleines Foto, das verschwommen zwei Kinder in Verkleidung zeigt, möglicherweise die beiden „Twens“ selbst in ihrer Kindheit, doch das ist nicht klar zu erkennen.
Das Foto ist vom Motiv her nicht besonderes, aber es verbreitet eine schöne Stimmung und ist technisch sehr gut gemacht,
Unter dem Foto prangt in pinker Schrift das Titelthema: Wie komme ich auf gute Ideen? - Die Kunst der Lockerheit: Schlaue Methoden, um kreativer zu werden.


INHALT:

Auch die Themenauswahl gefällt mir sehr gut, schon auf dem Titelblatt ergeben sie eine gute Mischung, wie ich finde. Ich schlage also das Inhaltsverzeichnis auf und finde auf hier eine klare Strukturierung. Die Zeitschrift ist unterteilt in Themenblöcke, in diesem Heft sind es diese Felder:
WILDE WELT, hier startet NEON eine Umfrage, was junge Deutsche lächerlich finden, hier erzählen Leser, wie es ist, zehn kilo kokain in einem Auto zu finden, das man dem Zoll abgekauft hat oder wenn ein neun Meter langer Wal ins Segelboot springt. Hier findet man Anke Engelkes Lieblingssongs und pointierte Geschichten aus deutschen Städten.
Hier erfährt man 20 unnütze Fakten, wie z.B. das Hallo aus dem Ungarischen kommt und einfach „ich höre“ bedeutet, oder dass in dem Film Pulp Fiction 271 mal das Wort „Fuck“ fällt. Außerdem wird dem Mythos „Dumm f**** gut“ wissenschaftlich auf den Grund gegangen und wir erfahren, dass Annemarie Wendl alias Else Kling auch mal jung war.
Diese ersten 27 Seiten sind ein furioser Einstieg, der mir die Tränen in die Augen treibt - vor Lachen. Doch jetzt wird’s ernster:
SEHEN: (Politik & Gesellschaft): Hier wird die Geschichte einer 23-jährigen Irakerin erzählt, die als Übersetzerin fürs amerikanische Militär arbeitet und sie somit unterstützt, was ihr viel Feinde einbringt.
Weiterhin werden die Fragen gestellt: In was für einem Land leben wir eigentlich? Und: In was für einer Welt leben wir eigentlich? Hier erfahren wir etwas über „Öff!Öff!“, Mitglied der „Schenker“, einer mecklenburgischen Gruppierung von Aussteigern, die sich gerne aus Deutschland ausbürgern lassen möchten, um staatenlos zu leben. Und wir erfahren, dass in Malaysia drei SMS a la „Ich verstoße dich“ oder „du bist so unberührbar wie der Rücken meiner Mutter“ reichen, um rechtsmäßig geschieden zu sein.
Außerdem geht es um die Generationendebatte, und warum zu hohe Ansprüche an junge Menschen Unsinn sind. Und Michael Ebert stellt in seiner Kolumne die Behauptung auf, dass Castingshows eine neue Schleimer- und Bücklingsgesellschaft hervorbringen.
Interessant und informativ kommt dieser Teil daher, doch nicht ohne Witz.
FÜHLEN (Liebe-Freundschaft-Sex-Psychologie) Hier findet man das Thema „Der Mythos vom wilden Sex“, das der Frage auf den Grund geht ob wirklich alle anderen besseren und häufigeren Sex haben, als man selbst, Theresa Bäuerlein schreibt eine Kolumne übers „Fremddenken“, es wird über den Nervfaktor von Kosenamen philosophiert und warum man vom Onanieren blind werden soll. Die Berliner Band „Die Ärzte“ erzählen von Einsamkeit und Trennungsschmerz“, und eine Frau und ein Mann geben Auskunft über das Thema „Wie fühlt sich das an... die Geburt?“
Weiterhin schreiben NEON-Autoren Briefe an ihre Väter, die einen teilweise zu Tränen rühren und fünf Menschen erzählen die Geschichten, die in ihrem Geldbeutel stecken.
Rührend, witzig, einfühlsam, so präsentiert sich dieser Teil.
WISSEN (Ausbildung-Job-Körper-Gesundheit-Alltag) Hier wird über den Ursprung der Kreativität berichtet und die besten Techniken und Tricks vorgestellt, wie man selbst auf gute Ideen kommt. Tipps und Tricks gibt es auch dafür, wie man sich verhalten soll, wenn man in eine Alkoholkontrolle gerät oder was man tun soll, wenn man trotz guter Ausbildung keine Stelle bekommt. Man erfährt, woher Ohrwürmer kommen und warum man sich nicht selbst kitzeln kann.
KAUFEN (Mode-Produkte-Reise) Hier werden Produkte von Hundeshampoo über Marshmellows bis hin zu japanischen Papierpüppchen vorgestellt, Heike Makatsch erfindet das Straßenpartylicht, das Nachbarn in Großstädten einander näher bringen soll, es folgen seitenlange Modetipps und Regeln für den Urlaub auf der Skihütte.
Diesen Teil finde ich am uninteressantesten, weil es wenig zu lesen, dafür viel zu gucken gibt.
FREIE ZEIT (Fernsehen-Kino-Musik-Literatur-Computerspiele-Internet) Douglas Coupland, Autor von u.a. Generation X, erzählt von seinem neuen Buch „Hey Nostradamus“, von Michael Moore und vom Begriff der Generation. Weiterhin werden die schrecklichsten Autorenporträts auf Umschlagfotos vorgestellt, weitere neue Bücher, Filme, Cds, Computerspiele.


DESIGN & WIRKUNG

Bei der Lektüre war ich sehr überrascht: Ich blieb fast bei jedem Artikel hängen und das passiert mir selten. Doch befand sich in der Zeitschrift kaum etwas, was mich nicht interessierte. Seite für Seite verschlang ich die Zeitschrift und das schöne war: sie hörte nie auf. Obwohl sie mir am Anfang in ihrem handlichen Format recht dünn vorkam, stellte ich nun fest, dass sie 162 Seiten fasste. Das relativiert für mich den Preis von 2,50 €, der mir anfangs doch recht hoch vorkam.
Schön finde ich auch die zahlreichen und liebevoll gestalteten Fotos in der Zeitschrift, die ein hohes technisches und künstlerisches Können aufweisen. Mein Lieblingsmotiv aus dieser Zeitschrift habe ich im Copyshop vergrößern lassen und nun hängt es als Poster an meiner Wand.


FAKTEN:

Die Zeitschrift erscheint ab Januar 2004 monatlich für einen Preis von 2,50 €.
Es gibt eine Internetseite www.neon-magazin.de, die „als Tauschbörse für Wissen“ dienen soll. Hier kann man Ratschläge zu seinem Spezialgebiet geben, oder mit Autoren und Lesern Informationen und Meinungen austauschen.

Sitz der Redaktion: Weihenstephaner Straße 7, 81673 München
Tel.: 089 4152774; Fax: 089 4152779

Herausgeber: Thomas Osterkorn, Andreas Petzold
Redaktionsleitung: Michael Ebert, Timm Klotzek
Art Direktor: Mirko Borsche
Redaktion: Corinna Teresa Brix, Marc Deckert, Dela Kienle, Tobias Kniebe, Franziska Reich, Oliver Stolle, Meike Schnitzler
Grafik: Sandra Eichler, Sarah Illenberger, Enite Hoffmann
Bildredaktion: Jakob Feigl
Redaktionsassistenz: Manuela Orth

NEON erscheint im Verlagshaus Gruner+Jahr AG & Co KG


FAZIT:

Ich bin bereits nach der zweiten (für mich ersten) Ausgabe so begeistert von dieser Zeitschrift, dass ich den nächsten Erscheinungstermin am 19.Januar kaum abwarten kann.
Die Zeitschrift sprüht vor Witz und Esprit und ich hoffe, dass sie diesen Stil lange beibehält.
Ich wünsche NEON alles gute und viele Leser und ich kann jedem raten, der sich von dem Satz „Eigentlich sollten wir erwachsen werden“ angesprochen fühlt, sich ein Exemplar dieser Zeitschrift zuzulegen.
Und hierbei ist es egal ob männlich oder weiblich. Auch mein Freund, der auf der Zugfahrt eigentlich seine eigene Lektüre dabei hatte, steckte ständig seinen Kopf in die Zeitschrift und riss sie mir einmal sogar dreisterweise aus der Hand.
Also, gute Unterhaltung!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
marenmoon

marenmoon

14.12.2003 22:17

Das Magazin hab ich mir auch gekauft und werde demnächst wohl hier auch noch drüber schreiben...gefällt mir auch sehr gut, bis auf ein paar kleine Makel...liebe grüße, maren

nemoine

nemoine

12.12.2003 21:42

ich lese derzeit die woman, die anderen frauenzeitschriften kann man sich nicht mehr wirklich antun. dein NEON-Bericht hat mich aber wirklich neugierig gemacht, hab das maganzin bisher noch nie gesehen oder vielleicht auch einfach nur übersehen..lg, nemo

Tritos

Tritos

12.12.2003 12:59

Die Zeitung kenne ich noch nicht, neon kenne ich höchstens aus den Aquarium(*gg*) Ich Denke die werde ich dann auch mal Lesen, denn wie in einen Lied Gesungen wird: "und fragt dich einer Ted, willst du nie Erwachsen sein?,da sag ich hier Erwachsen? was soll das denn sein?

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