NEON macht TEMPO
21.10.2004
Pro:
Berichte, Themen, Fotos, Layout
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 98 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Erinnert sich noch jemand an TEMPO? Nein? Nun, TEMPO war in den späten 80ern und frühen 90ern ein äußerst ambitionierter Versuch, ein neues Magazin-Format auf den Markt zu bringen. TEMPO machte wüste Dinge. Gerne erinnere ich mich noch an den mehr als erfolgreichen Versuch, auf dem Schwarzmarkt vor russischen Armeekasernen (ja, liebe Kinder. Es gab mal russische Truppen in Teilen Deutschlands) Waffen zu kaufen. Resultat? Zwei Kalaschnikows und eine Fliegerabwehrfaust plus zugehörige Lenkraketen. Schön war auch ein analoger Artikel über Drogen. Dieser kam jedoch nie zustande, weil die Redaktion das Koks selbst vernichtete, das die Redakteure unterwegs käuflich erworben hatten. Jaja, das war TEMPO. Ganz so wüst geht´s bei der NEON aber nicht zu ------------------------------------------------------------------ Mit NEON ist dem Stern bzw. Gruner + Jahr das Unternehmen "wir versuchen TEMPO zu sein" fast geglückt. NEON ist noch nicht ganz so wild, wüst und diabolisch wie die TEMPO, dafür überzeugt das Blättchen durch gute Einfälle und eine wunderbare Schreibe.Genaugenommen tut NEON genau das, was ich von einer Zeitschrift erwarte, die mich als Zielgruppe hat: nämlich sie verzichtet auf all den unnötigen Image-Klimbim, sie sagt mir nur ganz selten, was ich haben, machen und sehen muss, um mich Homo Sapiens zu nennen und Sarah Jessica Parker war nie auf dem Cover und sie wird auch nie dorthinkommen. NEON hat dafür tolle Rubriken. Ganz wichtig ist zum Beispiel "Unnützes Wissen", das ich ohnehin seit Jahren sammele. Durch NEON macht das Sammeln aber mehr Spaß oder wusstet ihr, dass der Saturn so leicht ist, dass er auf Wasser schwimmen würde, wenn man ihn denn in einen handelsüblichen Swimmingpool bekommen würde? Wahrscheinlich nicht. Durch NEON kann ich einfach besser klugscheißen als jemals zuvor und schon alleine deshalb liebe ich das Mag. Und deshalb ist NEON so unglaublich lesbar -------------------------------------------------------------- Was macht NEON anders? Nein, es ist weder nur der überragende Schreibstil, noch ist es das voll auf Hamburg Schanzenviertel getrimmte Layout. Ich mag NEON, weil es weder auf Titten, noch auf Autos und ebenso wenig auf Lippenstifte, 6-Packs oder Gimmickbeigaben setzt: NEON thematisiert das Leben vor allem auf die Wunder des Alltags bezogen. Kontinuierlich klärt es den geneigten Leser über die Grundtatbestände essenzieller Prozesse auf diesem Planeten auf. Aktuell zum Beispiel darüber, wie man wirklich ein Auto mit der Handbremse zu einer 180 Grad Drehung bringt. Dank lobenswerter Artikel über die USA erfahren wir (wer das noch nicht weiß), dass man erst über die Amis lästern sollte, wenn es einen deutschen Michael Moore gegeben hat. Und wenn Klamotten und Style eine Rolle spielen, dann solche, die nicht jeder hat. Diesen Monat z.B. die Schweizer Fiktiv-Rockband-T-Shirt-Macher von Gasoline Records (www.gasoline-records.ch). Das ist Neon. Und das ist auch gut so.Fazit ------ Für ärmliche 2,50€ momentan die beste Zeitschrift, die es für mich in Deutschland derzeit zu kaufen gibt. Lustig ist sie, bunt und ziemlich intelligent. Auch wenn ein Layout bestenfalls darüber Aussagekraft gibt, ob der Grafiker sein Handwerk versteht, soll auch das nochmal hervorgehoben werden. Denn neben BrandEins (das ich nicht mag) und der ZEIT (die ich mag) gibt es wahrscheinlich nur wenige auch nur ansatzweise so hübsche Mags wie die NEON. Wer´s nicht glaubt, kann sich einfach mal www.neon-magazin.de anschauen, da kriegt man nämlich einen guten Vorgeschmack auf das Blättchen. Nun denn: Ihr Völker dieser Welt, ihr Völker in Amerika, ihr Vlker in Europa: kauft Neon. Auf dass ich nicht nochmal so eine traumatische Erfahrung wie bei TEMPO machen muss.
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06.11.2004 20:02
Muß ich lesen. Wie sieht denn wohl ein Schanzen Layout aus?
29.10.2004 08:53
Aha, sie ist also einen zweiten Blick wert? Mein erster ist gerade erst drei Tage her, und der Test, welche Stadt zu wem passt, ist glatt durchgefallen. Warum gibt sich denn eine Zeitung, die potentiell interessant sein mag, derartig abschreckend?
27.10.2004 13:10
Klingt, als wäre ich Zielgruppe. Komisch, dass ich das immer für eines der handelsüblichen Hochglanzmagazine gehalten habe und ich bei G&J (außer bei esen&trinken) eh mißtrauisch bin.