NKL-Klassenlotterie

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Der tägliche Hoffnungsschimmer
Erfahrungsbericht von LosGatos über NKL-Klassenlotterie
31.07.2002


Produktbewertung des Autors:   


Pro: täglich Millionen zu gewinnen
Kontra: geringe Gewinnchancen, teure Lose

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

Da ich wie viele der hierzulande regelmäßig Erfrierenden oder Durchnässten von einem Häuschen in Spanien träume und das möglichst bald, kann ich es ab und zu nicht lassen, dem Glücksspiel zu frönen, ungeachtet der niederschmetternden Resultate, die die Anwendung der Wahrscheinlichkeitsrechnung liefert.
Vor einem Jahr spielte ich erstmals bei der NKL mit.
Wer auch mit dem Gedanken spielt, sollte vielleicht erstmal meine Erfahrungen lesen. Dann kann er sein Geld immer noch hinausschmeißen.


WAS BEDEUTET KLASSENLOTTERIE ?

Die Nordwestdeutsche Klassenlotterie (derzeit die 109.) läuft ein halbes Jahr und beginnt jeweils zum 1. April und 1. Oktober. Täglich gibt es Gewinne bis zu 1 Million EURO. Ein Los gilt jeweils einen Monat. Ein Monat entspricht einer sogenannten Klasse. Im April wird also die erste Klasse gespielt, im Mai die 2. usw. bis zum September mit der 6.Klasse. Danach geht es wieder mit Klasse 1 los. Man muss nicht von Anfang an mitspielen und man kann natürlich vorzeitig (d.h. monatsweise) aussteigen.
Aber Vorsicht: Wer z.B. erst im Juni einsteigt (3.Klasse), muss zu Beginn den 3fachen Lospreis bezahlen. D.h. man muss die gar nicht gespielten Klassen nachträglich bezahlen, obwohl man da gar nichts mehr gewinnen kann.
Leider war mir <LosGatos> das anfangs auch nicht bewusst. Dummerweise habe ich ein Los nachbestellt, dass ich dann teuer bezahlen musste. Also legaler Betrug? Dazu mehr unter "WAS GIBT ES ZU GEWINNEN?" Zwar steht tatsächlich auf der Rückseite des Loses, dass das Los in der 2.Klasse doppelt so viel kostet wie in der ersten. Aber wer kommt schon auf so etwas Abwegiges, wenn er vorher nie mitgespielt hat. Ausdrücklich wird man auf diese Falle natürlich nicht hingewiesen, höchstens versteckt im Kleingedruckten.
Die Nordwestdeutsche Klassenlotterie ist eine gemeinsam von den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein betriebene Staatslotterie.
Die Gesamtgewinnsumme beträgt nahezu 1,3 Milliarden EURO. Dazu werden 2,5 Millionen Lose aufgelegt.
Der Gesamtwert aller Lose beträgt 2,1 Milliarden EURO. D.h. wie beim Lotto bleibt für den Staat ein Haufen Geld übrig.

WAS KOSTET EIN LOS?

Ein ganzes Los kostet pro Klasse 140 EURO. Für alle 6 Klassen also 840 EURO. Da das eine ganze Menge Geld ist, gibt es auch die Möglichkeit Teillose, nämlich halbe sowie Viertel- oder Achtellose zu kaufen. Ein Achtellos kostet z.B. entsprechend 17,50 EURO pro Klasse. Mit einem Achtellos bekommt man im Gewinnfall dann ein Achtel der Gewinnsumme. Bei Sachpreisen sinkt die Gewinnchance nochmal auf ein Achtel der Chance eines ganzen Loses.

WAS GIBT ES ZU GEWINNEN ?

Täglich vom 1.April bis zum 30. September wird eine sogenannte Tagesmillion ausgespielt. Daneben gibt es täglich an die 30 Sachpreise. Davon stets 24 Reisen im Wert von 5000 EURO. Die Preise nach der Tagesmillion sind variabel. Typischerweise kann es sich um ein Haus in Spanien (Wert 250.000 EURO) oder eine Nobelkarosse von Mercedes oder Audi handeln. Oder es gibt Kleinwagen wie Polo oder Smart, dafür bis zu 10 Stück pro Tag.

Geldgewinne gewinnt der Besitzer eines ganzen Loses ungeteilt, bei Teillosen wird bis zu 8 Teilen aufgeteilt (Aus der Tagesmillion werden dann also 8x 125.000EURO).

Sachgewinne sind natürlich schlecht teilbar. Denn wer wollte schon, gewänne er ein Haus in Spanien, dieses mit 8 wildfremden Menschen teilen. Wär ja schlimmer als Miete zahlen.
Deshalb wird bei Sachpreisen neben der Losnummer noch ein Buchstabe gezogen, der hinter der Losnummer auf dem Los steht. Nur wer den richtigen Buchstaben hat, gewinnt dann (Achtellose können z.B. neben der Losnummer die Buchstaben A bis H haben).

Jede Woche freitags gibt es eine Hauptziehung. Da winken dann neben den üblichen ca. 30 Gewinnen zusätzliche Geldgewinne, für die man teilweise nur eine bestimmte Anzahl von Endziffern richtig haben muss. Die Höhe und Anzahl der zusätzlichen Geldgewinne in den Hauptziehungen nimmt mit den Klassen zu. Hiermit dürfte auch begründet sein, warum die Lose teurer werden, wenn man erst später einsteigt. Denn sonst würde die 6. Klasse wesentlich mehr Mitspieler haben, weil da mehr zu holen ist. Und das mehr an Geld muss ja auch irgendwo herkommen.


WIE GUT SIND DIE GEWINNCHANCEN ?

Natürlich träumt jeder davon, eine Million zu gewinnen. Das ist aber überhaupt nur dann möglich, wenn man ganze Lose kauft, zum Preis von 140 EURO pro Klasse. Dazu gibt es in den Klassen 1-5 jeweils 50 bzw. 51 Chancen (die Tagesmillionen und 20 x 1 Million in der Hauptziehung am ersten Freitag des Monats). Da es 2,5 Millionen Lose gibt, beträgt die Chance also 1:50.000 pro Klasse.

Da ist es natürlich interessant, das ganze mal mit den Chancen beim Lotto zu vergleichen. Beim Lotto kostet ein Tip 0,75 EURO. Ein Vergleich macht natürlich nur bei gleichem Einsatz Sinn. Für 140 EURO kann man dann 186 Einzeltippreihen abgeben. Im Lotto ist der Gewinn zwar variabel, aber typischerweise bekommt man für einen Sechser eine Million. Die Anzahl der möglichen Zahlenkombinationen beim Lotto beträgt bekanntlich ca. 14 Millionen. Bei 186 Tipps steigt die Gewinnwahrscheinlichkeit dann auf 1: 75.270. D.h. die Chance, in der 1.-5. Klasse eine Million zu gewinnen ist etwas, wenn auch nicht dramatisch, besser als im Lotto.

Die Chancen für die niedrigeren Gewinnsummen und die Sachpreise sind natürlich etwas höher, weil mehr dieser Preise ausgespielt werden. Die Chance auf einen Sachpreisgewinn ist z.B. bei einem Viertellos doppelt so hoch wie bei einem Achtellos.


BESONDERHEITEN DER 6.KLASSE

Die 6. Klasse ist das Spiel im 6. und letzten Monat. Änderungen gibt es hinsichtlich der Anzahl der Gewinne und auch hinsichtlich der Gewinnchancen. Außerdem können dort Lose ausscheiden.

Zusätzliche Gewinne:
In der 6.Klasse gibt es neben den täglichen Ziehungen und den Zusatzgewinnen am Freitag 4 Hauptziehungen und 2 Superziehungen. In den 4 Hauptziehungen der 6. Klasse können zusätzlich noch (Stand 106.NKL, bei einem ganzen Los) 50 x 1 Million DM, 50 x 10.000 DM, 700 x 10.000 DM und 740.000 x 1440 DM gewonnen werden. In den 2 Superziehungen gibt es noch mal 55 x 1 Million DM und 200 x 100.000 DM. Heute sind es entsprechende EURO-Millionen, die winken.
Dabei reicht für die „Kleingewinne" von 840 EURO (=140 EURO bei einem Achtellos) teilweise schon, wenn nur die letzte Endziffer stimmt. Damit stehen die Chancen immerhin 10:1, dass man für ein Los sein gesamtes Geld für 6 Klassen wieder zurückerhält.

Erhöhte Chancen:
Die Chancen werden halt zum einen dadurch erhöht, dass es mehr Gewinne gibt. Zum anderen erhöhen sich die Chancen in den Hauptziehungen auch dadurch, dass Lose, die in der Hauptziehung gewinnen, ausscheiden. Beispiel: In der ersten Hauptziehung werden die Endziffern 0 und 3 gezogen. Das heißt, dass für die restlichen Hauptziehungen alle Lose, die auf 0 oder 3 enden - das sind allein 20% aller Lose - für die weiteren Hauptziehungen ausscheiden (aber nur für diese, nicht für die normalen Tagesziehungen). Dazu kommen weitere ausscheidende Lose mit höheren Gewinnen, insgesamt über 650.000 ausgeschiedene Lose nach der ersten Hauptziehung. D.h. dass für die weiteren 30 Hauptziehungsmillionen anstatt 2,5 Millionen Losen nur noch 1,85 Millionen Lose in Frage kommen. Die Chance auf eine Hauptziehungsmillion ist nach der 1. Hauptziehung für ein ganzes Los also 30 : 1,85 Millionen, entspricht einer Wahrscheinlichkeit von 1: 62.000. D.h. wer 62.000 ganze Lose kauft und dafür gut 52 Millionen EURO einsetzt, kann davon ausgehen, 1 Millionen EURO in der Hauptziehung zu gewinnen.
Ein Losverkäufer wie Norman Faber (bei dem fast jeder Millionär wird :-) ), stellt so eine Gewinnwahrscheinlichkeit graphisch derart dar, indem er die 1,85 Millionen Restlose quasi zum Nullpunkt der y-Achse macht (ist aus dem Mathe-Unterricht noch was hängengeblieben ? ) und der Mitspieler den Eindruck bekommen soll, dass zum Schluss nur noch verschwindend wenig Lose mitspielen.

Anschlusslose:
Ein Losverkäufer wie Norman Faber (s.o) muss natürlich sehen, dass er alle seine Lose an den Mann (die Frau) bringt. Ansonsten muss er hoffen, selbst damit zu gewinnen (ich hoffe, er ist von seinen eigenen Gewinnchancen genauso überzeugt wie von den Chancen seiner Kunden). Da in der 6. Klasse Hauptziehungs-Gewinnlose ausscheiden, kann er natürlich seinen Kunden einreden, dass dessen Chancen auf einen Millionengewinn urplötzlich schwinden, bloß weil er vorher dummerweise 840 EURO mit einer Endziffer gewonnen hat (entsprechend heruntergebrochen bei Achtellosen). Faber (andere Losverkäufer machen das genauso) hilft hier, indem er ein Anschlusslos anbietet. Ein altes Los raus, ein neues rein. Das neue muss natürlich für sämtliche Klassen 1-6 bezahlt werden und entspricht damit genau dem Preis für einen „Kleingewinn". Vorteil für beide: Der Mitspieler hat weiterhin alle Gewinnchancen, muss nichts draufzahlen und Faber wird sein Los los. Natürlich ist solch einmaliges Angebot nur "besten Kunden" vorbehalten, schließlich ist das Kontingent "sehr knapp und begehrt".
Diese Option habe ich jedoch nicht angenommen. In der ersten Hauptziehung fuhren meine 5 Achtel-Lose zwei "Kleingewinne" ein, das heißt 2 Lose finanzierten sich selbst. Diesen "Gewinn" (damals noch 360 DM) wollte ich behalten, um den Gesamtverlust zu reduzieren. Anstatt das Geld auszuzahlen, gratulierte mir Faber zum Gewinn, behielt diesen ein und schickte mir 2 Anschlusslose. Irgendwo im Kleingedruckten stand dann, dass ich die Anschlusslose sofort zurückschicken sollte, wenn ich sie nicht wünschte, dann bekäme ich den Gewinn. Das habe ich auch sofort getan. Derartige Vorgehensweise seitens Faber finde ich rechtlich höchst bedenklich. Was ist, wenn ich gerade verreist bin? Es ist nicht definiert, was sofort ist. Ich könnte ja auch erst abwarten, ob das Anschlusslos nicht vielleicht doch gewinnt. Wenn nicht, es doch zurückschicken und sagen, ich war verreist. Würde Faber einem dann noch das Geld erstatten?


WO KANN ICH BEI DER NKL MITSPIELEN ?

Natürlich gibt es verschiedene Agenturen, die das Mitspiel ermöglichen. Ich möchte hier nur meinen "Freund" Norman Faber hervorheben (siehe dazu auch meine Meinung "ich bin schon lange Millionär"). Warum ist Herr Faber mein "Freund"? Natürlich deshalb, weil er mir fast wöchentlich Briefe schreibt, in denen er mir versichert, dass er mein Glücksspiel regelmäßig persönlich analysiert. Und ständig unterbreitet er mir Vorschläge, wie ich meine Gewinnchancen erhöhen kann. Denn schließlich wünscht er mir nichts sehnlicher als einen hohen Gewinn. Damit mir seine neuen Vorschläge auf gar keinen Fall entgehen, werden sie meist durch zusätzliche Schreiben schon vorangekündigt, um das Gewinnfieber so richtig anzuheizen.
Neue Lose werden gerne zusammen mit zusätzlichen Gewinnchancen exclusiv für Faber-Kunden angeboten. Es wird zwar versichert, dass Faber-Bonus und Zusatzlos voneinander völlig unabhängig sind. Aber dadurch wird doch so mancher in Versuchung geführt, mehr zu investieren.
Damit sei nur gesagt, wer einmal bei Faber mitgespielt hat, wird ihn nie wieder los (aus seinem Briefkasten).

WAS KOMMT NACH NKL ?

Immerhin habe ich ja in einer der Hauptziehungen schon mal 30 DM gewonnen und damit den Preis eines monatlichen Achtellos wieder zurückbekommen. Aber beim täglichen Vergleichen der Gewinnzahlen verliert man schnell die Illusion, dass da mal ein Volltreffer bei herauskommt.
Mit dem Thema Lotto habe ich ja schon vor geraumer Zeit abgeschlossen. Jauch ruft mich auch nie an und stellt seine Fragen über meine Lieblingsgruppe Bee Gees lieber schwäbischen Hausfrauen. Aber es gibt ja auch noch SKL. Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Aber da besteht womöglich die Gefahr, dass mein Los dann doch zu Jauch eingeladen wird (da wo Marcel Reif immer zeigt, dass nicht alle Sportreporter so blöd sind wie Rubenbauer, Hansch oder Guten-Abend-Allerseits) und ich dann aber dem Nichtwissen von Hella v. Sinnen hoffnungslos ausgeliefert bin.
Also der sicherste Weg zu Geld zu kommen, ist wahrscheinlich gar nicht zu zocken und das gesparte Geld zur Seite zu legen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

FAZIT

Die Chancen sind kaum besser als beim Lotto 6-aus-49. Bei meinem 6monatigen Mitspiel haben meine 5 Lose 4 mal getroffen und damit knapp 50% des Einsatzes zurückgeholt. Damit lag ich wahrscheinlich schon über dem Durchschnitt.
Wer bei NKL mitspielt, sollte sich nicht zu sehr auf einen Gewinn versteifen und nur dann spielen, wenn das eingesetzte Geld entbehrlich ist und nicht zu tiefe Löcher in die Haushaltskasse reißt.


P.S.: Wer sich wundert, weil ihm dieser Beitrag von mir vielleicht bekannt vorkommt: Ich hatte ihn schon vor längerer Zeit in der Offenen Kategorie gepostet. Nachdem Ciao nun endlich für NKL-Klassenlotterie eine eigene Kategorie geschaffen hat, habe ich den alten Beitrag löschen lassen, ihn noch mal überarbeitet und jetzt da veröffentlicht, wo er hingehört.


Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 22.5.2001
Veröffentlicht bei Dooyoo, Ciao, eComments, Yopi, Talk-On

   
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