Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Interessante Darstellung |
| Kontra: |
Spannung kommt nicht wirklich auf |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Der Spiegel lobte die Autorin Joan Didion als "die beste Feder der amerikanischen Intellektuellen", der Buchrücken ergänzte, dass dies ihr "grosser Roman über die Verstrickung der USA in das politische Geschehen in Mittelamerika - und eine virtuose Auseinandersetzung mit dem American Dream als Medieninszenierung" sei.
Kein Wunder also, dass meine Erwartungen ziemlich hochgeschraubt waren, schließlich war der Konflikt um Nicaragua eine der wichtigen Fragen der 80er Jahre für mich, der Zeit meiner politischen Initiation.
Ich möchte vorwegnehmen, dass meine Erwartungen nicht erfüllt wurden.
"Nach dem Sturm" erzählt die Geschichte von Elena McMahon, einer amerikanischen Journalistin, die 1984 in die zwielichtige Halbwelt des amerikanischen Waffenschmuggels hineingezogen wird.
Eigentlich springt sie nur für ihren erkrankten Vater ein, der schon seit Jahrzehnten bei Geschäften dieser Art mitgemacht hat. Sie bringt eine Flugzeugladung Anti-Personenminen in den Dschungel von Costa Rica, wo diese wohl an die nicaraguanischen Contras weitergeleitet werden sollen. Aber das Geschäft wird nicht reibungslos abgeschlossen, sie erhält ihr Geld nicht und wird über Wochen hin- und festgehalten. Immer enger zurrt sich das Netz der Intrigen und man ahnt, dass der Waffendeal sie in eine Falle gelockt hat.
Kurz vor Schluß erscheint in Person des amerikanischen Diplomaten Treat Morrison sozusagen der Ritter in weißer Rüstung, der ihr die Rettung zu bringen scheint. Aber den beiden frisch Verliebten ist kein Happy-End vergönnt. Auf Morrison wird ein Mordanschlag verübt, der ihr in die Schuhe geschoben werden soll. Der amerikanische Geheimdienst diffamiert sie als Waffenlieferant für die linke Regierung Nicaraguas und will somit eine außenpolitishe Eskalation erreichen. Doch da Morrison überlebt, kann er wenigsten dies verhindern.
Beim Schreiben meines Berichts finde ich die Story gar nicht so schlecht. Aber leider ist die Geschichte nicht spannend geschrieben. Didion wechselt ständig die Erzählperspektiven und springt in den Zeitebenen hin und her. Dies hat zwar auch positive Effekte: man lernt die Hauptfiguren besser kennen und steigt nach und nach tiefer in ihre Welt ein; darüber verliert man die eigentliche Geschichte aber immer wieder aus dem Blick.
Der ganze Roman ist wie eine Reportage verfasst und man fragt sich immer, wie hoch der "Wahrheitsgehalt" ist. Grundsätzlich scheinen mir die geschilderten Machenschaften schon glaubwürdig, doch die Schreibweise verstärkt die Vermutung, dass mehr dahinter steckt. Eine Erläuterung für das deutsche Publikum wäre wohl angezeigt gewesen.
Da sich fast alles im Mikrokosmos von Elena McMahon abspielt lernt man entgegen den Versprechungen des Klappentextes sehr wenig über die Verstrickungen der USA in die politschen Geschehnisse Mittelamerikas.
Ich hatte eigentlich ständig das Gefühl, dass nur Mitarbeiter des amerikanischen Außen- und Verteidigungsministeriums die Geschichte in ihrer ganzen Vielschichtigkeit und in ihren Andeutungen richtig verstehen können.
Der amerikanische Originaltitel lautet "The Last Thing He Wanted". Dies scheint mir der bessere Titel zu sein, da der deutsche eine Dynamik verspricht, die das Buch nirgends einlösen kann.
Da ich das Buch niemanden schenken würde kriegt es trotz des sicherlich vorhandenen literarischen Potenzials ein "nicht empfehlenswert".