Das Orakel während meiner Krankheit
23.09.2004
Pro:
Einzigartigkeit, Spannung
Kontra:
Chaos, keine Antwort auf offene Fragen, kein Ende von der Geschichte im blauen Buch
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 Carmelita2905
Über sich:
Pech im Schnee: Skiunfall ☼ Glück bei der ciao-Lotterie im Januar... :-) büchersüchtig ღ...
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Normalerweise beginne ich bei meinen Buchrezessionen damit, wie ich auf das Buch aufmerksam wurde. Diesmal nicht, denn es wurde mir geschenkt. Um ehrlich zu sein: ich hätte es mir wohl auch nie gekauft… *Äußerlichkeiten*Das Buch gibt es zur Zeit nur gebunden und auf dem Umschlag steht nichts über den Inhalt – nur 2 Zitate: „Paul Auster ist der Zeremonienmeister des Zufalls“ (FAZ) & „Mein Gott, was für ein Erzähler“ (Literaturen). Kann man sich darunter was vorstellen? Ich zumindest nichts Positives… Der Umschlag ist in blau und lila gehalten. Auf der Vorderseite ist in weißen Buchstaben der Name des Autors und in gelben Buchstaben der Titel des Buches etwas querbeet geschrieben. Kein Foto, keine Zeichnung… - eher lieblos! *Inhalt* Es wird nicht einfach den Inhalt zu beschreiben, denn viel Handlung hat das Buch nicht. Hauptperson ist der 35-jährige Sidney Orr, der mit seiner Ehefrau Grace in Brooklyn lebt. Sidney, der nach einem Zusammenbruch – man hatte ihn schon abgeschrieben, auf dem Weg der gesundheitlichen Besserung ist, arbeitet als Schriftsteller und hat seit seiner schweren Krankheit aber nicht mehr geschrieben. Obwohl er seine täglichen Spaziergänge ausdehnen kann und der Gesundheitszustand sich stabilisiert, hat er irgendwie eine Schreibblockade.Auf einem seiner Spaziergänge kommt Sidney an einem Schreibwarenladen vorbei. Es ist ein kleines Geschäft, das dem Chinesen M.R. Chang gehört. Sidney geht in das Geschäft um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Bei seinem Bummel durch das Geschäft fällt ihm ein blaues Notizbuch auf, welches in Portugal hergestellt wurde. Sidney kauft das Büchlein und kommt beim Bezahlen mit M.R. Chang ins Gespräch. Zu Hause setzt sich Sidney in sein Arbeitszimmer. Kaum das er das blaue Notizbuch aufgeschlagen hat, sprudeln die Worte nur so aus ihm raus. Er schreibt einen Roman, der sich immer mehr zuspitzt. In diesem Roman spielt ein weiterer Roman eine Rolle: „Nacht des Orakels“.Seitdem Sidney wieder schreibt, geschehen unerklärliche Dinge. Grace sucht nach ihm, als er schreibt und schaut dabei ins Arbeitszimmer, aber er ist nicht da. Sidney hat aber das Zimmer nicht verlassen. Als Grace Sidney von einem Albtraum erzählt, wird ihm mulmig: Genau diese Geschichte steht in seinem blauen Buch. Grace hat aber nicht darin gelesen. Grace entfernt sich zunehmend von Sidney und dieser merkt, dass es nur noch eine Lösung gibt: Er muss in das blaue Buch eine Geschichte über Grace schreiben, damit sie eine Zukunft haben… *Meine Meinung* Wie schon erwähnt, hätte ich mir das Buch nie gekauft. Nicht nur, weil der Schutzumschlag keinen Inhalt hergibt! Hätte ich z.B. im Internet von Inhalt gelesen, hätte der mich auch nicht gerade vom Sockel gehauen.Mit etwas gemischten Gefühlen begann ich also zu lesen. Was mich schon etwas störte, dass ein neues Kapitel nur durch einen fettgedruckten (Halb-)Satz zu erkennen ist. Darüber könnte ich aber hinweg sehen. Es kommt schlimmer! Gerade hatte ich mich in Paul Austers Stil eingelesen und befand mich auf Seite 16, als eine Fußnote erscheint. Unter (1) konnte man auf der unteren Seitenhälfte einen Einschub des Ich-Erzählers Sidney Orr finden. Dieser war aber so lang, dass er bis Seite 18 ging. Dann schlägt man munter auf Seite 16 zur eigentlichen Geschichte zurück… Es gibt aber gerade am Anfang jede Menge Fußnoten, sodass man immer hin und her blättert und frustriert die Stelle sucht, wo es denn nun weitergehen soll. Dieses Durcheinander hätte man umgehen können, indem man den Text kursiv und ggf. in Klammern eingefügt hätte und der Leser den Text dann fortlaufend lesen könnte. Zum Glück befindet sich am Buch ein Bändchen, das als Lesezeichen dienen soll. Das hat man auch bitter nötig… Paul Auster lässt Sidney Orr erzählen, aber irgendwie redet er um den heißen Brei. Erst zum Ende erfährt man genaueres von seiner Krankheit. Außerdem gibt es kaum Handlung in diesem Buch. Alles dreht sich mehr um die Gedanken des Sidney Orr.Das Buch, welches Sidney schreibt, hat mich schnell gepackt, da es sehr spannend gestaltet ist: Eine ausweglose Situation, wo nur ein „Retter aus dem Nichts“ helfen kann. Leider schreibt Sidney diesen Roman nie zu Ende und zerreißt irgendwann sein Werk. Der interessierte Leser – in diesem Fall ich – bleibt auf der Strecke. Ich war irgendwie enttäuscht. Hab mich beim Lesen immer wieder gefragt, wie Sidney die Geschichte dreht, dass die kein kitschiges oder allzu verrücktes Ende bekommt. Naja, hat es ja auch nicht bekommen, denn es gibt ja überhaupt kein Ende! In diesem von Sidney verfassten Roman spielt wieder ein Roman eine Rolle. Er heißt wie das ursprüngliche Buch „<Nacht des Orakels>“. Über dieses Buch erfährt man nicht viel zum Inhalt, nur die Wirkung – den auslösenden Sog auf den Leser. Warum Paul Austers Roman so heißt, kann man nur spekulieren.Seid Ihr jetzt schon wirr von den vielen Romanen in den Romanen? Nein? Das kann ich nicht verstehen, denn das Buch ist das reinste Chaos. Man muss aufpassen, dass man die Personen, die in den einzelnen Büchern vorkommen, nicht durcheinander wirft. Oft blättert man nicht nur wegen der Fußnoten zurück… Trotz dieser negativen Begleitumstände (oder gerade deshalb?) hat mich dieses Buch fasziniert. Ich kann kaum sagen warum. Vielleicht liegt es an der Einzigartigkeit, denn nie zuvor hab ich so was gelesen. Man befindet sich mitten in diesem Wirrwarr – wird ein Teil davon.Es spinnt sich ein Netz – ein Labyrinth, aus dem keiner der Erzähler raus kommt. Alles endet in einer Sackgasse. Sidney Orr erkennt das. Er meint, es liegt ein Fluch auf seinem blauen Notizbuch. Seine Ehe scheint zu scheitern. Sidney will aber um seine Frau kämpfen, was vor allem den weiblichen Lesern imponiert. :-) Er will ihr verzeihen, obwohl er gar nicht weiß, was er verzeihen soll. Sidney spinnt sich seine eigene Version zusammen und fast die in dem besagten blauen Buch zusammen. Als er fertig ist, zerreißt er Seite für Seite und fühlt sich zunehmend wohler. Seine Beziehung zu Grace festigt sich wieder. Ich finde, dies klingt wie in einem Märchen. Vielleicht auch ein Grund, warum mir das Buch gefällt. Das Buch zog mich in ihren Bann wie „<Nacht des Orakels>“ auch seinen Leser in den Bann zog und damit erklär ich mir den Titel. *Fazit* Obwohl mich das Durcheinander oft ein wenig schaffte, bin ich recht begeistert gewesen. Es ist mal etwas absolut anderes als die klassischen Krimis und Romane. Man will immer wissen, wie es weiter geht, aber erfährt es nie. *Der Autor* Paul Auster wurde 1947 in New Jersey geboren. Er studierte Anglistik und Vergleichende Literaturwissenschaft. Nach seinem erfolgreichen Abschluss lebte er mehrere Jahre in Paris. Heute lebt er am Ort des Geschehens („Nacht des Orakels“ spielt ebenfalls dort) – in Brooklyn. Er ist mit der Kollegin Siri Hustvedt verheiratet und sie haben zwei Kinder.Weitere Romane von Paul Auster sind z.B. „Stadt aus Glas“ oder „Mond über Manhattan“. *Kurzinfos*gebundene Fassung mit einem Bändchen 286 Seiten Preis: 19,95 € Verlag: Rowohlt Originaltitel: „Oracle Night“ 1.Auflage: März 2004 ISBN-Nr.: 3-498-00064-0 Ich hoffe, dass Ihr inspiriert werdet und auch das Buch lest, denn ich würde mich gern mit jemanden austauschen. Es verwirrt mich, dass mich ein Buch begeistert und ich nicht weiß warum...Den Titel hab ich gewählt, weil ich das Buch während meiner 4-wöchigen Krankheit gelesen hab.
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31.12.2011 13:54
Kann mir nicht vorstellen, dass Gedanken so interessant sin :b
09.08.2011 07:04
hört sich für mich aber doch sehr interessant an....
07.03.2010 19:35
Wäre mir zu durcheinander ... aber veilleicht macht gerade das den Reiz des Buches aus ... LG bongilein