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Nähtipps vom „Profi“

4  08.11.2002

Pro:
Von innen nach außen nähen, Faden anfeuchten, die beiden Fadenenden zusammenknoten, in kleinen Abständen nähen, Geduld mitbringen, Daumenschutz benutzen, auf Nähgarnfarbe achten

Kontra:
Immer eine kleine Anstrengung !

Empfehlenswert: Ja 

trampastheo

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 215 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wann: Juni 1985
Wo: Grundschule Grünwinkel Karlsruhe
Schüler: Theo T.
Klasse: 4
Endzeugnis: Mathe: 2 Deutsch: 2 Musik: 2 Textiles Werken: 6

Es ist leider wahr. Ich hatte es damals tatsächlich geschafft. Mit einer 6 im Endzeugnis, verließ ich die Grundschule von Grünwinkel in Karlsruhe. Sie konnte mir natürlich meine Schullaufbahn, die mit einem Universitätsabschluss Jahre später ihren Höhepunkt erreichte, nicht vermiesen, aber die Laune hatte mir diese bedauerliche Note damals schon genommen. Meine Lehrerin zu jener Zeit, Frau Pf. (ihr Name ähnelte dem eines scharfen Gewürzes), war für unseren Unterricht in Textiles Werken zuständig. Frau Pf, damals schon fast im Rentenalter, war eine besonders strenge Lehrerin. Während sie von uns verlangte zu Stricken und Nähen, bügelte sie im Unterricht ihre Slips (eine unglaubliche Geschichte, aber sie bügelte ihre Unterwäsche wirklich im Unterricht). Ich weiß nicht ob sie mich nicht leiden konnte oder ob ich wirklich so unbegabt mit Nadel und Faden war, aber immer waren meine Noten in ihrem und nur in ihrem Fach schlecht. Es war der reinste Horror. Mein Vater besuchte die Schule nicht um mit dem Deutsch- oder Mathelehrer zu sprechen, wie es andere Eltern getan haben, sondern suchte immer Frau Pf. auf. Gebracht hat es wenig, mit einer 5,6 am Ende der 4. Klasse, bekam ich die 6 ins Endzeugnis reingehauen. Die ganze Schule sprach damals davon.

17 Jahre später: Theo näht mittlerweile Pullis und Socken und seine eigene Unterwäsche und alles andere auch - wo auch immer das eine oder andere Loch entsteht oder Stoff gerissen ist. Und Theo näht mittlerweile so gut, dass er Frau Pf. am liebsten heute einen seiner sexy Boxershorts zeigen würde, der von ihm, genäht wurde. Oder er würde ihr gerne die Hemden zeigen, bei denen Knöpfe locker geworden sind und Theo nachgenäht hat. Aber wo ist Frau Pf. jetzt? Ich weiß es leider nicht, ansonsten wäre ich schon morgen bei ihr vor der Wohnung mit einem meiner Meisterwerke und sie würde die 6 von damals vielleicht sogar bereuen! Na ja, ich war damals wohl nicht gerade der beste im Nähen, aber mit den Jahren, dank der Hilfe meiner Mutter und der Selbstexperimentation als Single, habe ich gute Fortschritte gemacht. Einige Tipps zum Nähen von meiner Seite aus für den Anfänger an dieser Stelle:

- Immer von innen nach außen nähen
- Immer schauen ob die Nadel, die man zum Nähen benutzen wird, auch spitz genug ist, um bei einem dichten Stoff durchzukommen
- Um den Faden durch die Nadel zu bekommen, immer das Nähgarnende kurz mit dem Mund anfeuchten
- Nachdem der Faden durch die Nadel ist, einen kleinen Knoten am Ende der beiden Fadenenden bilden
- Lieber eine Nadel mit dickem Kopf benutzen, als eine mit kleinem
- in kurzen und gleichmäßigen Abständen nähen
- Daumenschutz benutzen

Vielleicht sind diese Tipps, die ich gleich auch analysieren werde, für die Hausfrau, die eine Nähmaschine im Haushalt hat, nicht unbedingt hilfreich. Für einen Studenten jedoch oder einen alleinlebenden Menschen, der keine Maschine besitzt, können sie doch ganz hilfreich sein. Also, wichtig ist es immer von außen nach innen zu nähen. Zwar kommt man zum gleichen Resultat was die Beständigkeit der Naht angeht, wenn man von außen nach innen näht, aber aus der Sicht der Optik sieht es sehr schlecht aus. Man kann es ja mal an einem alten Stoff versuchen und sehen wie die Naht von der Vorderseite aussieht! Deshalb immer von innen nach außen nähen.

Wie oft hat man sich schon in der Vergangenheit gequält das Ende eines Fadens durch die Nadel zu bringen? Kann ganz schön zeit- nervenraubend sein, wenn man den Trick dazu nicht kennt. Denn wenn man das Fadenende etwas mit dem Mund oder Wasser, (wem es zu borstig ist) anfeuchtet, dann wird man sehen wie schnell der Faden durch ist. Hat man den Faden durch, steht man nun kurz vor dem Nähen. Aber Moment! Wenn ich Nähe, dann geht der Faden am Ende wieder durch den Stoff! Also müssen die beiden Fadenenden zusammengeknotet werden. So, jetzt kann man anfangen zu Nähen!

Das Nähen fordert für den Anfänger auf jeden Fall Geduld und Vorsicht. Von der einen sollte man sicherheitshalber, damit die Naht auch lange hält, mehrmals die Nähprozedur rund um den Stoff, Knopf etc. wiederholen und von der anderen sollte man auf seine Finger aufpassen, denn so ein Nadelstich und vor allem wenn man etwas unerfahren mit der Nadel umgeht, kann ganz schön weh tun. Um die letztere Situation zu vermeiden hat mir meine Mutter einen ihrer uralten metallischen Daumenschützer geschenkt. Da man mit Zeigefinger und Daumen beim Nähen arbeitet, ist vor allem der Daumen gefährdet, gestochen zu werden. Ganz nützlich dieser winzige Gegenstand. Nähen sollte man auf jeden Fall in kleinen Abständen. Wenn man z.B. eine neugekaufte Socke bereits nach dem ersten Waschgang mit einem kleinen Loch vortrifft und diese natürlich nicht wegschmeißen will, sollte man in gleichmäßigen Abständen und meist kleinen Nähschritten den Stoff zusammennähen. Ist das Loch größer, wird man natürlich später schon etwas von der Naht zu sehen bekommen. Beim Nähen eines Knopfes eine Hemdes, sieht die Sache leichter aus. Man näht zwischen den zwei oder vier Löchern des Knopfes und nach einigen Durchgängen ist der Knopf wieder fest angebunden. Hier jedoch ist wiederum Vorsicht geboten: denn wenn man am Ende ein Hemd zwar mit allen Knöpfen hat, aber die Nähgarnfarbe aller Knöpfe bis auf die des angenähten weiß und unser Werk in rot ist, dann sieht das nicht besonders schön aus. Also, immer auf die Farbe des Fadens achten.

Hoffe mit einigen meiner Tipps und Tricks dem Anfänger in Sachen Nähen weitergeholfen zu haben. Niemals sollte man auf jeden Fall vergessen, dass Geduld beim Nähen wichtig ist. Und aufgeben sollte man auch niemals. Ich hätte mit der Ausrede, dass ich sowieso schon vom Grundschulalter, aufgrund der 6, niemals Nähen konnte, mein ganzes Leben damit wunderbar leben können. Aber nein - ich habe mich angestrengt, mir ein paar Ratschläge von meiner Mutter geholt und letztendlich das Nähen teilweise gut gelernt. Und was ich geschafft habe, schafft ihr auch! Frau Pf. sollte heute stolz auf mich sein!

Euer Theo


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
mnowak

mnowak

05.06.2006 15:09

Tja, ich habe es sogar von "Plage der Handarbeitslehrerin" bis an die Nähmaschine geschafft. :o) Netter "Nähüberlebensbericht".

willibald-1

willibald-1

14.10.2004 12:06

Das hat so Spaß gemacht zu lesen ....

Hobbyschneiderin

Hobbyschneiderin

13.01.2003 22:53

Witzig :-) und wieder ein nähender Mann mehr, den ich virtuell "kennengelernt" habe. Ich bin beeindruckt und wünsche weiter viel Erfolg!

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