NATASCHA UND DIE GEFÄHRLICHE FRACHT - Walthéry
Ich liebe Comics, und da kommt der Belgier in mir durch, denn kein Land hat so viele berühmte Zeichner, die unter anderem Stars wie Lucky Luke, Tim & Struppi, die Schlümpfe, das Marsupilami, Luc Orient, Dan Cooper, Benni Bärenstark und eben auch Natascha ins Leben riefen. Und damit ist nur ein Buchteil populärster Comickunst aus Belgien aufgezählt.
@@@ WER IST NATASCHA @@@
Die Comicfigur Natascha aus der Feder von Francois Walthéry wurde Anfang der 70er Jahre ins Leben gerufen.Auffällig: es gibt so gut wie keine weiblichen Hauptdarsteller, nach denen Comics benannt sind. Natascha ist eine der wenigen Ausnahmen.
Die blonde Natascha - ausgestattet mit großen Kulleraugen, einem knackigen Popo und einer blonden Mähne - ist eine Stewardess, die um die Welt reist und immer wieder neue Abenteuer erlebt. Mittlerweile wurden rund 20 Comics mit ihren Erlebnissen veröffentlicht.Natürlich ist sie meist nicht ganz alleine, wenn es gefährlich wird, denn ihr bester Freund und Kollege namens Walter ist ebenfalls als Steward immer mit an Bord. Dieser Schwerenöter ist zudem mehr Tollpatsch denn Hilfe, aber tief in seiner Seele ist er die ehrlichste Haut, auf die Natascha sich verlassen kann. Meist aber muss sie sich selber aus der Patsche helfen und Walter gleich mit aus dem Chaos ziehen.
Nicht jedes Abenteuer ist unmittelbar mit ihrem Beruf in Verbindung, aber die meisten Probleme bahnen sich doch unter Kollegen an. So geht es in diesem Band um ihre Kollegin Tina, die als Botin von Kriminellen eingesetzt wurde und nun verfolgt wird. Hierzu später...
@@@ DER SCHÖPFER VON "NATASCHA" @@@
François Walthéry wurde am 17.Januar 1946 im belgischen Argenteau geboren und war schon in seiner Kindheit vom Zeichnen begeistert.Im Jahre 1962 tritt er in das Institut St. Luc in Liège (deutsch: Lüttich) ein. Mit dem Zeichner Mittéï entwickelt er zunächst die Comicfigur Pipo, einen Comic der in der Comicserie Junior erscheint. Im Studio von Peyo - bekannt durch die "Schlümpfe" - beginnt seine professionelle Ausbildung zum Comiczeichner und -autoren.
Ab 1967 entwickelt er ein Konzept für eine eigene Figur, jene von Natascha, eine Serie, über eine sexy Flugbegleiterin, die immer wieder in neue Abenteuer verwickelt wird. Aber erst 1970 hat Natascha ihren Start und erscheint erstmals im Comicmagazin "Spirou". Später erscheinen rund 20 Alben, von denen die ersten 15 Bände auch in Deutschland erschienen sind. Bastei, Feest und Carlsen veröffentlichten die Abennteuer von Natascha.Der Zeichenstil von François Walthéry Schritt wird in seiner Darstellung als semi-realistisch definiert.
@@@ SHORTCUTS @@@Titel: Natascha und die gefährliche Fracht (Band 3)
Autor: Francois Waltéry
Assistenz Texte: Marc Wasterlein
Nach einer Erzählung von: Etienne Borgers
Erstausgabe: 1974
Genre: Comic (Semi-Realismus)
Verlag: Carlsen Comics
Seitenanzahl: 48
ISBN: 3-551-72333-8
Preis: ehemals 12,80 DM, aktuell 8,60 Euro
@@@ DIE STORY @@@Band 3 aus dem Hause Carlsen erzählt die Geschichte von der Stewardess Tina, die nachts durch die nassen Straßen hetzt und hofft, dass sie Natascha zuhause antrifft. Erleichtert sieht sie, dass Licht aus dem Appartement von Natascha scheint und klingelt Sturm.
Natascha stürmt im knappen Bademantel aus ihrem Badezimmer und öffnet verärgert. Ihr Ärger über die späte Störung verflüchtigt sich aber, als sie die verstörte Tina sieht, und sie nimmt sie erst mal in den Arm.Tina sollte Diamanten schmuggeln und ging auf den Deal ein, denn ihr Vater hatte hohe Schulden. Beim letzten Schmuggel geht die Dose kaputt und Tina gib die Diamanten in einem anderen Behälter ab. Doch die Bande ist außer sich. Tina ist auf der Flucht und kann sich nicht erklären, was an der defekten Dose so besonderes war.
Zwei schräge Vögel knacken die Tür zu Natascha's Appartement und es kommt zu einem Tumult, bei dem Tina niedergeschossen wird. Natascha schlägt wie will um sich und fällt durch einen Schlag in Ohnmacht.Sie wacht auf, sieht die leblos wirkende Tina, ruft die Polizei an und macht sich selbst auf den Weg, um die defekte Dose aus dem Spind ihrer Freundin am Airport zu holen. Noch ratlos, was sie tun soll, entdeckt sie den neuen Mini Cooper ihres Freundes Walter. Zerstreut, wie er immer ist hat er die Schlüssel stecken lassen. Im Schneetreiben jagt sie mit dem Mini Cooper los und sieht plötzlich grelle Lichter im Rückspiegel. Ein roter Ford Mustang verfolgt den grünen Mini, denn die zwei Ganoven, die Natascha zu Hause überfielen, sind ihr gefolgt in der Vermutung, sie würde die beiden zu der gesuchten Schatulle führen.
Natascha flüchtet und eine gnadenlose Verfolgungsjagd beginnt, während Walter mit dickem Schädel seinen Mini sucht und sich auf die Suche nach seinem kleinen Auto und Natascha macht.Die hat aber alle Hände voll damit zu tun, sich der beiden Gauner zu entledigen, nachdem sie vorher Walters schönen, neuen Mini zu Schrott gefahren hat. Ob das gut geht...?
@@@ ABOUT... @@@Der Eindruck des Comics ist einfach rasant. Atemlos hetzt die hübsche Heldin über 48 Seiten von einem Chaos in das andere. Mutig, wie Natascha ist, hat sie auch die Qualitäten, sich durchzusetzen. Aber die Verfolgungsjagd ist wie ein Trauma: kaum hat sie ihre Verfolger abgeschüttelt, tauchen sie wieder auf. Immer mehr lädiert, aber stets gut bewaffnet und auch gefährlich für Natascha's Freunde. Klar, ein Happy End wird es geben, und auch die angeschossene Tina überlebt das Spektakel.
Wenig hilfreich ist der vollkommen übernächtigte Walter, der frustriert immer einen Schritt zu langsam ist, um Natascha zu finden. Dafür findet er seinen zerstörten Mini und kriegt den entgültigen Frust. Naja, in diesem Comicabenteuer ist er seiner besten Freundin wahrlich keine große Hilfe.Wunderschön indes sind die Zeichnung. Die Bösewichte sehen klassisch böse aus, der Kommissar sieht aus, wie man sich Maigret vorstellt und Natasche absolute Augenweide mit leichtem Sex-Appeal und gehörigem weiblichen Charme. Landschaften, Häuser, Fahrzeuge und Personen sind brillant gezeichnet, und auch die Texte sind sehr gut aus dem Französischen übersetzt.
Die Story ist ungeheuer dynamisch umgesetzt, wie eine Mischung aus "Lola rennt" und "Speed". Wäre es ein Film, hätte es den Actionpegel von "Kill Bill Vol. 1" und den Natascha den Charme von Cameron Diaz in "Charlie's Angels".Folglich kann ich diesen Comic nur in den höchsten Tönen loben. Er ist von der Story her brillant nach einer Vorlage von Etienne Borgers realisiert und bildlich durch erstklassige Zeichnungen umgesetzt. Waltéry hat mit seiner wichtigsten der von ihm geschaffenen Comicfiguren und -serien eine Kultfigur der französischsprachigen Comics geschaffen. Schade eigentlich, dass Natascha in Deutschland nur bei Insidern bekannt ist, denn bei den fast 20 Bänden kommt keine Langweile auf.
Der hier vorgestellte Band ist übrigens einer der besten aus der Comicserie um Natascha.Jean-Louis
P.S: Bild 2 musste ich in eigener Sache einfach etwas "manipulieren" ;-)
09.05.2006 21:02
Ich kenne bisher nur die Bastei-Serie. Dort ist der Band als "Abflug für die Dimantenbande" (Band 9) erschienen. Ich kann mich dem Loblied nur anschließen, vor allem der Bemerkung über den Komissar, der Maigret ähnelt. LG Kai Rabe
12.04.2006 21:41
In den älteren europäischen Comics gibt es tatsächlich zu wenige Heldinnen. Immerhin wurde etwa zeitgleich zu Natascha auch Yoko Tsuno zum Leben erweckt. LG Kai Rabe
11.04.2006 22:28
Ahhhh daher das MMS Bild *zwinker*