Erfahrungsbericht über "Neue Deutsche Welle Das Beste (DVD)"

veröffentlicht 12.08.2013 | tommynews
Mitglied seit : 30.07.2005
Erfahrungsberichte : 257
Vertrauende : 142
Über sich :
28.7.2016: SILBER!! Wer liest (und kommentiert), wird gelesen, Ehrensache, dauert aber manchmal. BHs Nummer 12345 und 12468 erhalten, Danke. 13579 ist das nächste große Ziel.
Durchschnittlich
Pro ein paar erträgliche Songs, Wiedererkennen
Kontra zu viele schlechte Clips
besonders hilfreich
Bildqualität
Klang
Tonformat:
Action:
Anspruch

"Körperverletzung"

Spliff,live schlecht ausgeleuchtet

Spliff,live schlecht ausgeleuchtet

Vorweg
Wer schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat, der hat die NDW - "Neue Deutsche Welle" - natürlich direkt miterlebt. Das was der Punk versprach, hat die NDW gehalten: JEDER kann Musik machen, er muss es nur wollen, er muss es nicht können. Das hat zu Evergreens wie den "99 Luftballons", zu dem "Bruttosozialprodukt" (Text: "Jajaja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt") und Kulttiteln wie "DaDaDa", "Sommersprossen" oder "Hohe Berge" geführt. Die Bands gaben sich teilweise lustige Namen wie "Geier Sturzflug" oder "Neue Heimat". Selbstverständlich habe ich eine "Best of" CD und als es für wenig Geld sogar eine DVD mit Videos gab, musste ich zuschlagen.
Fakten zur DVD
Titel: Neue Deutsche Welle - Das Beste
Produziert von Sony Music
Format: 4:3
laut Cover zweisprachig: Deutsch und Englisch, aber das bezieht sich wohl nur auf "Play all" im Menü.
Spielzeit: knapp eine Stunde
16 Clips von 15 Bands
Preis: vor vielen Jahren wenige Euro, heute bei amazon "gebraucht" für 44 Cent erhältlich, der Ankaufswert beträgt gerade einmal 12 Cent
Tonformat: zumeist Mono
Extras: Fehlanzeige

Allgemeines zum Inhalt
In den 80er Jahren waren Video-Clips zu Musiktiteln in deutschen Landen noch nicht weit verbreitet. So war es sicher nicht leicht für die Verantwortlichen, eine halbwegs ausreichende Menge für diese DVD zusammenzutragen. Da mussten schon mal die Archive des ZDF herhalten und ein paar Auftritte im Rahmen von Shows wurden einfach ausgeschnitten und hier mit auf die Scheibe gebrannt.

Sehenswerte Clips:

Da gibt es leider keine. Ehrlich, kein einziger Clip erfüllt irgendeinen Anspruch an "Sehenswert". Wer keinen dieser Clips jemals gesehen hat, hat nichts versäumt.

Erträgliche Clips

Carbonara von Spliff hat es sogar fast in die sehenswerten Clips geschafft. Es ist eine Live-Aufnahme, leider miserabel ausgeleuchtet. Und wenn dann die Backgroundvocals einsetzen und man niemanden sieht, oder wenn man den Gitarristen sieht, obwohl der Keyborder spielt, dann ist "sehenswert" wirklich nicht mehr zu vergeben. Sonst ist der Titel selbst ja gut und man glaubt, dass da in dem Saal wirklich gute Stimmung herrschte. 5.11 ist anständig, es ist der erste Clip auf der DVD.
Hubert Kah und seine Rosemarie beginnen vielversprechend, Live-Playback, aber schnell sieht man, dass es Playback ist. Und warum der Sänger sich bewegt, als hätte er die Hose voll, ist nicht auszumachen. Der Titel selbst ist musikalisch durchaus hörenswert, flott und eingängig, der typisch sinnlose Text schadet wenig.
Auch Die Ace Cats machen es ganz ordentlich, in schwarzweiß, in das zum Ende hin immer mehr Farbe einfließt, wie aus einem alten Fernseher spielen sie ihren Titel "Heut' Nacht" im Rockabilly-Stil. Was aber dieser völlig ungekannte Titel dieser ebenso unbekannten Band auf einer "Das Beste" DVD verloren hat, wissen nur die Produzenten.
Markus "will Spaß" und den hat er in der ZDF-Hitparade. Und das Publikum geht gut mit. Seine Band, für die ja das Playback abläuft, macht das Beste daraus, verkleidet als Marilyn, Heino oder Fanatsy-Napoleon. Der "Drummer" hat sich gleich nur zwei bunte Plastikbälle zum Bearbieten hingestellt. Leider geht dem live singenden Markus gegen Ende des Liedes die Puste aus, das ist dann doch ärgerlich.
Verstörend aber doch interessant ist der zweite Titel von Spliff "Herzlichen Glückwunsch". Auch hier ist die Auswahl in der "Das Beste" DVD nicht nach nachvollziehbar. Da musste einfach Material her. Denn der Clip hält nicht, was der Text verspricht, da wird nichts mit Benzin abgefackelt, sondern es werden fette Geldgewinne verteilt.
"Knutschfleck" von Ixi ist nett anzuhören, ein echter Ohrwurm, aber auf den Text außerhalb des Refrains ("Mach' mir doch kein' Knutschfleck, alles nur kein' Knutschfleck, der Fleck hat nur den ein Zweck: Der Knutschfleck bleibt und DU -BIST - WEG!"d arf man nicht hören. Hier will eine Pubertierende einerseits noch "Doktorspielchen" mit sich machen lassen, aber auch "Im Matsch spielen". Der Clip selbst ist optisch wenig bis gar nicht erbaulich. Da sitzen Jugendliche an Pulten, die arena-ähnlich in mehreren ansteigenden Reihen um die kleine Tanzfläche angeordnet sind. Sie dürfen im Takt klatschen oder aufs Pult hauen, nur ist davon nichts zu hören. Und was die beiden weiteren Mädels in ihrer Schuluniform sollen außer dumm zu tanzen, ist auch unklar, denn für die Hintergrundstimmen sind sie nicht verantwortlich.
"Bruttosozialprodukt" von Geier Sturzflug beendet die DVD versöhnlich. Eine nette Aufnahme, die wohl in derselben Kulisse wie Ixis Knutschfleck gedreht wurde. Schnell umgebaut darf da geschraubt und geflext werden, andere spielen "Arbeiterdenkmal", haben also eine Schaufel in der Hand und bewegen sich nicht. Naja, der flotte Titel lässt diese Ungereimtheiten vergessen. Neben den ersten beiden Titeln der DVD ist dieser letzte noch mit der Beste.

Unerträgliche Clips

Grenzwertig zwischen erträglich und unerträglich bewegen sich UKW mit ihren Sommersprossen. Der Mitschnitt aus der ZDF-Hitparade sieht mehr wie eine Veralberung als ein echter Auftritt aus.
Auch "Verdammt lang her" pendelt zwischen erträglich und unerträglich. Immerhin ist ein recht gut gemachter Clip mit schnellen Schnitten zwischen der Band und einer Art Rahmengeschichte. Nur leider wird dieses starke Stück der Gruppe BAP hier so mies gecovert, dass der Clip hier bei "Unerträglich" landet.
Von Trio gibt es einen "richtigen" Video-Clip für "Anna, lass mich rein lass mich raus". Hier musste nach DaDaDa wohl unbedingt nachgelegt werden. Aber warum zu Teufel stehen die Künstler auf einem Flachdach in Norddeutschland und werden von einem Hubschrauber angeflogen? Der völlig lustlose Drummer setzt dem Krone auf.
Culture Beat bringen "Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund. Nun ja, man kann Klaus Kinski nicht toppen, auch wenn man einen billigen Sound unterlegt und so tut, als ob es Gesang wäre. Und die zwei/drei Textzeilen auf 4 Minuten auszudehnen, ist einfach nur doof.
Loc heißt dich in der "Schwarzen Zone" willkommen. Sie schicken dich ins All. Eine völlig sinnlose Weltuntergangsutopie klärt nicht auf, warum man ins All geschickt wird. Über die elektronischen Tricks decken wir den Mantel des Vergessens.
Extrabreit bei "Unerträglich"? Doch das geht, wenn man sich diesen Clip "Polizisten" ansieht. Es ist eine Liveaufnahme, die so schlecht aufgenommen ist, das man nur auf den "Next"-Knopf drücken kann.
Ganz übel ist "Fred vom Jupiter" von Andreas Dorau. Ist das eine missglückte Schülervorstellung? Doch wer denkt, dass das rückwärts fliegende Pappraumschiff nicht mehr getoppt werden kann, der hat die nächsten beiden Clips noch nicht gesehen.
Der zweitschlimmste Clip ist von Cosa Rosa und heißt: Rosa auf Hawai. Der übergroße Mund der Sängerin mit den doch recht schiefen Zähnen gleich zu Anfang schreckt schon ab. Völlig, aber wirklich völlig unmotiviert und ohne jeden Bezug zum Lied bewegen sich da Menschen durch Berlin, gelangen in ein Hallenbad, wo Badenixen Synchronschwimmen trainieren, zum Abschluss fallen oder springen oder schubsen sie sich alle hinein.
Screenshots
vor dem Supergau.
Bild 1 Der Keyborder und Sänger von Spliff in Aktion. Passend zum Titel trägt er die italienischen Farben auf dem T-Shirt.
Bild 2 So steht der Drummer von Hubert Kah ziemlich lange rum, obwohl man die Drums hört. Ob er ein "r" zu viel hat und gar kein Drummer ist?
Bild 3 gehört natürlich zu Trio. da stehen die drei auf einem Flachdach und der Clip ist noch flacher als das Dach
Bild 4 So sinnlos wie dieser Screenshot ist der ganze Videoclip. Wer sich die Mühe macht, kann den Titel und den Künstler eingeblendet erkennen.
Bild 5 Der Titel heißt: "Verdammt lang her" und dieser Typ steht vor einer unsichtbaren Wand auf dem Bürgersteig. Den Zusammenhang dürft ihr euch selbst zusammenreimen. Ihr dürft natürlich auch mich fragen: Hier wird ein gutes Lied gegen die Wand gefahren!
Bild 6 Fred vom Jupiter fliegt weg, man sieht jetzt nicht mehr drei völlig lustlos "tanzende" Girls, sondern drei Barbiepuppen. Dafür fliegt das Raumschiff aber rückwärts auf seinem Wattebausch-Raketenstrahl!
Bild 7 Kein Kommentar nötig, oder?
Bild 8 Markus will Spaß und gibt Gas. Dieter Thomas Heck hat ihn gerade in der ZDF-Hitparade angekündigt und dieser Titel schaffte es "Von Null auf Platz 3". Na, da darf man sich doch freuen und gegen Ende des Liedes keine Stimme mehr haben. Immerhin gibt es zum Schluss Blumen von netten Mädchen. Slips zu überreichen war im ZDF damals natürlich noch verboten. Obwohl die Kleine bestimmt "Spaß" haben wollte.
Bild 9 Die schwarze Zone verspricht, dich ins All zu schicken. Naja, wer's halt glaubt, der muss dem Liedtext folgend zu Fuß durch eine radioaktiv verseuchte Hemisphäre, in der menschliches Leben unmöglich ist, zu einem riesigen Raumschiff, das aus den Trümmern alter Satelliten zusammengebaut wurde. Alles klar?
Bild 10 Mit der Malocherhymne "Bruttosozialprodukt" endet dieser Abschnitt und mein Reigen durch die wenigen Höhen und vielen Tiefen dieser DVD, die "Das Beste" versprach.

Körperverletzung

Ich zitiere § 223 StGB (1): Wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Dennoch befindet sich "Alte Pizza" auf dieser DVD. Man muss diesen Clip sehen, um zu verstehen, warum ich ihn unter "Körperverletzung" einordne. Lyrics wie: "Sie ist zwar nicht die Jüngste und sie ist verbogen, doch ich habe Hunger, mein Bruder hat gelogen" machen dieses Clip, der schon optisch eine Zumutung ist, auch noch für die Gehörgänge zu einer Qual. Was zum Teufel wollen die drei maskierten Typen in den Mülltonnen vor einer Pizzeria? Denn vom Text her liegt die "alte Pizza" ja irgendwo am Bahnhof. Wissen die selbst nicht, was sie singen? "Pizzas die sind lecker, das weiß jedes Kind, drum ess' ich gerne Pizza, weil sie lecker sind." Hier wird gnadenlos die Grammatik dem Reim geopfert. Wenn man den Sänger dann mal wirklich "singen" sieht, stimmen die Lippenbewegungen mit dem Gehörten nicht überein. Noch nicht einmal die Synchronisation haben sie hinbekommen.
Zusammenfassung
Bei den ersten beiden Clips denkt man noch: Das fängt ja ganz ordentlich an, das kann noch besser werden. Wird es aber leider nicht - es wird nur schlechter. Acht von 16 Clips sind schlecht, zwei davon so schlecht, dass sie eigentlich in die Rubrik "Körperverletzung" müssten, wenn da nicht mit "Alte Pizza" der absolute Obergau für ein Musikvideo schon wäre.

Community Bewertungen

Dieser Erfahrungsbericht wurde 1077 mal gelesen und wie folgt bewertet:
69% :
> Wie bewertet man einen Erfahrungsbericht?
besonders hilfreich

Ihre Bewertung zu diesem Erfahrungsbericht

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • saffi veröffentlicht 25.04.2017
    sh
  • Regan veröffentlicht 21.02.2016
    :-)
  • Ciaochsi veröffentlicht 26.12.2015
    bh - Bei Nenas erstem großen Auftritt noch als VorVorband von Heinz Rudolf Kunze war ich sogar live dabei. Damals gab die dann so Gas, dass Heinz Rudolf ausgebuht wurde, weil alle nur noch Nena sehen wollte ;-)
  • Haben Sie Fragen? Loggen Sie sich auf Ihr Ciao-Konto ein, um dem Autor einen Kommentar zu hinterlassen. Sich anmelden

beliebteste ähnlich Produkte

Produktdaten : Neue Deutsche Welle Das Beste (DVD)

Produktbeschreibung des Herstellers

Haupteigenschaften

Genre1: Musik

EAN: 5099799054399

blu_ray: DVD

FSK: ab 6 Jahren

Produktionsjahr: 2004

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 11/08/2013