Neue Musik-Trends - Tipps & Tricks

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Guccipunks & Edelschlampen: House is Back
Erfahrungsbericht von DJBingo über Neue Musik-Trends - Tipps & Tricks
24.04.2004


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Pro: für mich alles  : )
Kontra: gar nix?

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Kompletter Erfahrungsbericht

Tach Ciaois :)

Wohl kaum eine andere Musikrichtung hat in der Vergangenheit teils so heftig diskutierte Kontroversen ausgelöst wie die sogenannte „elektronische Musik“. Die Meinungen der Zuhörerschaft schwanken zumeist deutlich zwischen vor allem zwei Extremen: die einen halten sie für potentiellen Schrott den keiner braucht, zumal ja seitens der Künstler (angeblich) nicht einmal selbst Instrumente gespielt werden - die anderen wiederum sind der Auffassung, gerade diese Musik sei die Zukunft, ja viel mehr sogar ein Lebensgefühl. Welcher Gruppe man sich eher zugehörig fühlt oder ob man im Endeffekt doch vielleicht eine gemäßigtere, weil zwischen diesen Extremen positionierte, Meinung vertritt, sei jedem selbst überlassen. Fakt ist aber, dass elektronische Musikstile das Business ähnlich stark durcheinandergewürfelt haben, wie es vor vielen Jahren auch z.B. die Rock-, Pop- oder Soulmusik geschafft hat. Fakt ist ebenso, dass es eine durchaus sehr große Hörerschaft dieser Musikmutationen gibt – und vor allem ist Fakt, dass gerade die elektronische Musik ein solch riesiges Bandbreitenspektrum an verschiedenen Styles in sich integriert wie wohl kaum ein anderes Genre. Neben den Hauptgenres Trance, Techno, Drum’n’Bass und Ambient hat sich speziell in den letzten Jahren vor allem ein Stil mit zunehmender Häufigkeit verbreitet: House.


Doch was ist eigentlich House? Ja klar, es ist die Musikrichtung, die ich mit am allermeisten höre, sowohl zuhause als auch in den Clubs – aber was genau ist es? Das werde ich versuchen, euch in den kommenden Zeilen ein wenig näher zu erläutern, ferner möchte ich im Anschluss daran ein wenig auf die aktuelle Situation in der hiesigen House-Szene eingehen – denn diese befindet sich momentan in einem so starken Wandel, wie es ihn seit Jahren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten, in dieser Musikrichtung nicht mehr gegeben hat. Aber dazu später mehr, zunächst möchte ich euch ein paar allgemeine Infos über die Musikrichtung zukommen lassen. Dies empfinde ich vor allem deshalb als sinnvoll, weil seit einigen Jahren House verstärkt in vielerlei Fällen mit Trance und der Dancefloormusic verwechselt wird – und wer bisher dachte, Chartformationen wie Groove Coverage, Jan Wayne, Alcazar und ATB wären typische Vertreter dieses Genres, der darf sich nun endlich auf den Gegenbeweis gefasst machen.


::: DIE ENTSTEHUNG :::
*****************************

Der eigentlich House wurde in den späten 70er Jahren in den Clubs von Chicago / USA geboren, wobei ein Club im Speziellen auf den weiteren Werdegang dieser Musik Einfluss nehmen sollte: der „Ware House Club“ mit seinem DJ Franky Knuckles, damals eine weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Institution, wird heutzutage nicht zuletzt deshalb als Geburtsstätte dieser Musikrichtung angesehen, weil House als solches nämlich exakt durch diesen Club zu seiner Bezeichnung kam. Freilich lässt sich der damalige House mit dem heutigen kaum mehr vergleichen: in seiner Urform verstand man darunter eine durch aus tanzbare Mischung aus Funk, Soul, Jazz, Disco- und Phillysounds, heutzutage haben sich dank diversester Untergenres die Spielarten des House in den verschiedensten Bereichen breitgemacht. Die bekanntesten dieser Stile werde ich euch nun im Folgenden kurz vorstellen.


::: DIE STILE :::
*******************

Einen kompletten Überblick über alle Stilrichtungen kann und will ich hier nicht geben, dafür wird a) der Platz nicht reichen und b) denke ich, dass die gängigsten Stilrichtungen für diesen Bericht ausreichen dürfen. So werde ich eher seltenere Stile außen vor lassen und im Groben speziell auf folgende 5 Stile mehr oder weniger kurz eingehen: Disco-, Vocal-, Latin-, Tech- und Electro-House.


◄ Disco House ►

Der wahrscheinlich älteste, gängiste und bekannteste Stil dürfte mit Sicherheit der gängige Disco House sein, weshalb ich diesem Stil einen längeren Absatz widmen möchte. Rein stilmäßig stark mit Songs der 70er-Jahre-Discoära verwandt, versteht man unter Disco-House im Groben Songs mit einem eingängigen 4/4-Takt (zumeist 125-130BpM = Beats per Minute), zumeist unterstützt durch Synthesizer und/oder orchesterähnliche Instrumente, die oft in regelmäßiger Wiederholung (Loop) mehr oder weniger kurze Samples zum Besten geben. Um mehr Abwechslung in die Sache zu bringen, greifen die Macher nicht selten auf sog. „Filter“ zurück, die über einige Augenblicke hinweg bestimmte Effekte in die Musik bringen: fehlender Bass, verzerrte Höhen oder vibrierende Stimmen sind typische Stilelemente. Die Melodiesounds erinnern häufig gewollt an die 70er – Beispiele für solche Sounds finden sich unter anderem in alten Songs bekannter Künstler, wie etwa in Stücken von Diana Ross, Chaka Khan, John Paul Young oder aber auch skurrileren Vertretern wie etwa den Weather Girls. Der typische Disco-House zeichnet sich zumeist durch fröhliche Themen aus, weshalb auch die Musik als solches vor allem ein Gefühl erzeugen soll: sei fröhlich, hab Spaß und denk an was Schönes. In vielen Fällen kommt dabei in mehr oder weniger geringem Umfang Gesang zum Einsatz, meist in Form von eingängigen, leichten Textzeilen und Refrains, wobei einige Songs oft auch lediglich nur auf sog. „gedubbte Vocals“ zurückgreifen: kurze Textsamples, die sich fortlaufend aneinandergereiht wiederholen. Seit langen Jahren wird zudem immer wieder gern von älteren Songs, speziell von solchen aus den 70er Jahren, abgecovert, sprich ein altes Thema wird in ein neues, zeitgemäßeres Gewand gebracht.


Dem Disco-House heftet hierzulande mittlerweile häufig an, speziell in den Bereichen der Schwulen- und Lesbenszene sowie auf sog. „Schicki-Partys” seine Verehrer gefunden zu haben. Nichts desto trotz gilt besonders diese Spielart des House weiterhin als ziemlich hip, seit jüngster Zeit werden daher mit schöner Regelmäßigkeit aktuelle Charthits zusätzlich auch in entsprechenden House-Versionen abgemixt – und das nicht häufig im direkten Auftrag des Künstlers: so ließen sich bereits Größen wie Justin Timberlake, Pink, Anastacia oder Madonna „tanzbarere Versionen“ ihrer Hits anfertigen.


Das größte Problem des Disco-House: er neigt zu schneller Monotonie und Eintönigkeit, einzelne Songs lassen sich kaum mehr von einander unterscheiden, wahrhafte Innovationen sind in den letzten Jahren zur echten Seltenheit geworden. Ein Club also, der die Nacht einzig mit einem Mix aus Disco House herumzukriegen versucht, dürfte alsbald auf deutlich gelichtete Reihen auf der gelangweilten Tanzfläche stoßen. Nicht zuletzt deshalb werden mittlerweile vermehrt fremde Einflüsse ausprobiert, speziell lateinamerikanische Sounds erfreuen sich zur Zeit größerer Beliebtheit. Ein Unterprodukt des Disco-House ist der sog. French House: ebenfalls sehr auf Fröhlichkeit getrimmt, ist er häufig doch deutlich minimalistischer und experimenteller (die Franzosen haben das Filtern quasi neu erfunden – kein Song, in dem nicht teils bis zum Erbrechnen mit bösesten Verzerrungen und endlos gedubbten Vocal-Loops gespielt wird).


Typische Disco-House-Tracks: Bucketheads – The Bomb, David Morales – Needin’ U, Junior Jack – E Samba oder auch Milk & Sugar – Let The Sunshine. I
m Bereich French House laufen die Fäden speziell bei Daft Punk zusammen, die regelmäßig die übrige Szene zu diversesten Inspirationen gebracht haben. Typische French-House-Tracks: Daft Punk – One More Time, Antoine Clamaran – Dance 2, Bangalter & Falcon – So Much Love To Give und Kiko – Hook Up.


◄ Vocal House ►

Rein musikalisch sehr eng verwandt mit dem Disco House und in seiner Art fast noch am Ehesten an die Urformen des House geknüpft, ist der sog. Vocal House, der seinen Schwerpunkt, der Name lässt es erahnen, extrem stark auf den Gesang (Vocals) legt und die eigentliche Musik eher in den Hintergrund treten lässt. Der Gesang selbst erinnert in seinem Stil häufig an Soul und Jazz, nicht zuletzt deshalb lassen sich daher bei der einen oder anderen Produktion auch mal Sänger aus eben genau dieser Genres auf eine gemeinsame Plattenaufnahme ein. Der eigentliche Sound indes lässt sich vielfach nur selten eindeutig vom Disco House unterscheiden (eine Einsortierung eines Songs ist oftmals reine Ansichtssache), klingt aber oftmals ein wenig deeper, clubbiger und unkommerzieller wie eben dieser große Bruder. Auch der Vocal House wildert gerne in fremden Revieren, nicht selten verschwimmen so z.B. die Grenzen zu recht ähnlichen Genres wie dem Disco- oder Latin-House.

Typische Vocal-House-Tracks: ATFC – Bad Habit, Armand van Helden – You Don’t Know Me, Jetlag – So Right und Barbara Tucker – Stop Playin’ With My Mind.


◄ Latin House ►

Eine eher etwas ungeordnete, allerdings nicht weniger präsente Rolle nimmt der Latin House ein, der sich im Prinzip als eine Art Mélange aus den Stilrichtung des Disco- und Vocal-House versteht, seinen musikalischen Schwerpunkt aber verstärkt auf lateinamerikanische Einflüsse wie etwa Sambatrommeln, Glocken oder Trillerpfeifen legt. Zur Intensivierung werden nicht selten für die dargebotenen Gesänge auch entsprechend „südliche“ Sprachen genommen, Texte auf Spanisch und Portugiesisch sollen zusätzliches Urlaubsflair vermitteln. Nicht zuletzt deshalb gilt diese Stilrichtung neben Tech- & Progressive House auf Ibiza zu der mit angesagtesten Musik überhaupt. Als Untergruppe kommt ferner noch der stark afrikanisierte, monotonere Tribal-House in Betracht: sehr deep und technoid kommt sich der Zuhörer speziell durch die große Betonung der Percussions (Trommeln aller Art) und dem häufigen Einsatz von Stammesgesängen fast so vor, es befände er sich mitten in einem afrikanischen Kriegsritual.

Typische Latin-House-Tracks: Gypsymen - Barbarabatiri, Olav Basoski – Opium Scumbagz, Junior Jack – E Samba oder Knee Deep – Nassau Rulez.
Typische Tribal-House-Tracks: Thick Dick – Welcome To The Jungle, Harry Romero – Suck My Clock oder High Tech Child – Tribal Storm


◄ Tech House ►

In zumeist gleichem oder leicht verringertem Tempo (120-130BpM) hat speziell in deutschen Großstädten wie Hamburg und Köln in den letzten Jahren in entsprechenden Clubs der sog. Tech House seinen Erfolgszug gestartet. Bereits der Name lässt erahnen, dass diese Stilrichtung musikmäßig in starkem Ausmaße vor allem in seiner beizeiten auftretenden Monotonie deutliche Anlehnung an den allgemeinen Techno sucht und auch gefunden hat, folglich ist der Tech House mittlerweile die wohl mit undergroundigste Variante des House. Die Beats kommen allgemein recht deutlich und bestimmend härter daher, die oft düsteren, technoiden Synthesizer-Sounds treten anstelle der ansonsten eher fröhlich stimmenden Melodien und wirklichen Text sucht man zumeist vergebens – wenn es ihn denn gibt, dann meist in Form von gedubbten Samples (sprich: kurze Wort- oder Textfetzen, die sich immer und immer wieder wiederholen). Der Unterschied zum progressiven Techno ist letztendlich lediglich noch der etwas ruhigere Sound und das doch deutlich langsamere Tempo – zu deutsch: ruhiger, deeper Techno auf langsam, folglich alles andere als charttauglich und zumeist ausschließlich auf Clubs beschränkt. Kommerzieller, lauter, fordernder und allgemein energetischer präsentiert sich der verwandte Progressive House, der im weitesten sinne als eine Art verlangsamte Mischung aus Trance und Techno angesehen werden.

Typische Tech-House-Tracks: DJ Spud – Set It Off, Michael Mayer – Falling Hands, Superpitcher – Baby’s On Fire oder The Orb – Cool Harbour.
Typische Progressive House-Tracks: Cosmos – Take Me With You, Robbie Rivera – Harder Faster oder Pimp – The Light.


◄ Electro House ►

Parallel zum Tech House hat sich mit dem Electro House eine weitere neue Spielart entwickelt, die aktuell zwar noch in den Kinderschuhen steht, sich gleichzeitig aber derzeit mit massivem Druck in die heimischen Clubs pumpt. Erkennbarstes Merkmal ist der Takt: viele Stücke verzichten bewusst auf den schnell eintönig werdenden 4/4-Takt und setzten auf Breakbeat, wie er z.B. bereits in Musikarten wie Garage oder 2-Step elementar ist. Bestehende Konventionen werden bewusst mutwillig umgangen, alles scheint möglich: auf Minimalismus beschränkte Electrosamples à la Kraftwerk und harte Gitarrensounds im Stile von Nirvana finden sich genauso wie auch eher althergebrachte Elemente aus Vocal-, Latin- oder Disco-House in den Songs wieder. Auch gesangtechnisch scheint die Palette groß: mal instrumental, mal nur einzelne Samples, mal ein kompletter Text – Electro-House scheint von allem was zu bieten. Aktuell wird speziell Electro-House auch gern mit dem sog. „Bastardpop“ vermischt: aktuelle Songs, die in vielen Fällen illegal abgesampelt, mit würzigem Breakbeat versehen und in geringer Stückzahl auf den Markt geworfen werden

Typische Electro-House-Tracks: Alter Ego - Rocker, Adam Freeland – We Want Your Soul, Nudisco vs. Wir sind Helden – Denkmal oder Moonbootica – 1,2, Rock

::: DIE SZENE HEUTE :::
******************************

Nun solltet ihr bereits einen ersten Eindruck davon bekommen haben, wie vielfältig die Musik ist, die von so vielen Leuten lapidar als „House“ abgetan wird. Doch welcher Stil ist aktuell hip? Welche Musik wird primär gespielt? Wo drehen die Massen in Clubs durch und wo werden sie verschreckt die Tanzfläche verlassen? Mittlerweile ist genau das äußerst schwierig zu sagen, da sich die House-Szene aktuell, ich habe es bereits am Anfang des Textes angedeutet, in einer Art Aufbruchsstimmung befindet – bestehende, althergebrachte Konventionen werden plötzlich angezweifelt, neue Stilelemente entdeckt, alte zu Grabe getragen. Doch wieso?


Vorrangig ist der jetzige Umbruch auf Eines zurückzuführen: speziell in den letzten Jahren hat sich House im Allgemeinen nicht mehr wirklich von der Stelle bewegt, hat sich kaum mehr weiterentwickelt und stattdessen ganz dekadent auf das bis dato erfolgreiche gesetzt, ohne wirklich große Innovationen einzubringen. So klingen diverse gängige und von DJs geschätzte Lieder des neuen Jahrtausends in diversen Fällen zum Beispiel kaum anders als alte House-Klassiker der 90er Jahre – und das in einer Zeit, wo sich parallel dazu der Techno doch z.T. bedeutend weiterentwickelt hat: weg vom Rave, hin zu Progressive und Electro lautete dort das Motto. Alte Helden wie Marusha und Mark Oh’ verschwanden in der Versenkung, neue potentielle Stars wie Chris Liebing oder Lexy standen plötzlich hinter den Reglern – während im House-Bereich Alt-Stars wie Tyree Cooper oder Armand van Helden weiterhin die propagierte Spitze des maximal Möglichen darstellten. Wir kennen es alle, was passiert, wenn über Jahre hinweg keine wirklichen Innovationen ihren Weg finden: Langeweile setzt sich ein, überdrüssig flüchteten sich viele House-Clubber in andere Musikstile.


Bis dato ohne großen Erfolg, spielt doch selbst heute noch die Masse der Clubs weiterhin ein gängiges Potpourris aus Disco- und Vocal-House sowie dessen Unterarten, kaum ein anderer Stil findet momentan mehr Beachtung durch DJ’s wie eben diese beiden genannten. Doch es kommt frischer Wind ins Business ...

::: DIE SZENE MORGEN? :::
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Spätestens seit letztem Jahr steht der potentielle Ausweg aus der Eintönigkeits-Misere des House fest und die Hamburger Jungs der derzeit stark gehypten Combo „Moonbootica“ bringen es auf den Punkt: „Die Leute wollen wieder rocken“. Das Todesurteil für den klassischen House? Nicht unbedingt, denn speziell ein Stil hat diesen Wunsch erfolgreich erkannt, im Zusammenspiel mit alten Elementen neu abgemischt und scheint sich infolgedessen in der deutschen Clubkultur mehr und mehr festzusetzen: mit Breakbeats versehener Electro-House um die 130BpM mit oft massivem E-Gitarren-Einsatz, der fast schon an Crossover-Alternative erinnert, gilt derzeit als bestes Rezept für eine volle Tanzfläche. Aggressiv schreddernde Gitarrenmelodien auf Breakbeat-House – es klingt so subtil und ist dennoch so innovativ, da nämlich exakt durch diese Mélange in meinen Augen endlich das erreicht wird, was viele House-Stile bislang vergeblich versucht haben: deutliche Abgrenzung vom Rest und Songs, die sich auch für den ungeübten Hörer doch teils stark voneinander unterscheiden. Ganz besonders in Berlin hat dieser Trends längst die gängigsten Clubs erreicht, Städte wie München und auch Hamburg ziehen bereits nach, erste Stars des Genres wie Northern Lite, Kid Alex oder eben Moonbootica sind bereits geboren (wenngleich den Begriff „Star“ wohl jeder in der Szene anders versteht). Besonders gefragt sind momentan dreiste Electro-House-Cover altbekannter Hits: plötzlich ertönt Nirvana’s „Come As You Are“ aus den Boxen, kurz darauf abgelöst von gnadenlos durch den Wolf gedrehten Versionen von Deichkinds „Limit“ und dem „Denkmal“ der Berliner Helden und selbst altgediente Songs von der ehemaligen Punkrock-Röhre Joachim Deutschland werden vom neuen Trend nicht verschont – „Bastardpop“ in seiner Vollendung. Interessant ist hierbei, dass fast ausschließlich auf die originalen Stücke beim Remixen zurückgegriffen wird, Nachsingen oder Nachspielen ist eher eine ungern gesehene Seltenheit. Fazit: Breakbeat ist in, Gitarren sind hip, Punk-House ein echter Hype und 1:1-Cover im Electro-Stil der momentan letzte Schrei. Und das zeigt sich nicht zuletzt auch im momentan angesagten Kleidungsstil vieler Clubber: chic wird kombiniert mit abgefuckt, Punker-Frisuren treffen auf Gucci, Edel-Frisuren auf Schlampenlook, zerrissenes Netz auf teures Tuch. Alles scheint möglich, der Style Clash ist geboren.


Doch nicht allein dem derzeit so hippen Electro-House gehört die Zukunft: Köln und Hamburg gelten nach wie vor als Zentren der Tech-House-Bewegung, die zunehmend mehr und mehr Menschen begeistert in die Clubs strömen lässt, weitere Verbreitung alles andere als ausgeschlossen. Hier steht im Besonderes das Team des „Kompakt“-Labels um Michael Mayer im Fokus der Euphorie, die nicht zuletzt aufgrund dessen sogar bereits einen Auftritt auf der ansonsten eher kommerziellen Mayday zu verbuchen hatten. Dennoch muss man sich vor Augen halten, dass der Tech-House durch seine wesentlich monotonere Spielweise an ein letztendlich wesentlich anderes Publikum richtet: wer klassischen Techno mag, wird auch technoiden House wahrscheinlich gut finden, klassische Houser tendieren hingegen eher in die Richtung Electro-House.

::: FAZIT :::
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Lang habe ich überlegt, ob ich hier auf Ciao überhaupt einen solchen Bericht veröffentlichen sollte – getan habe ich es nicht zuletzt deshalb, um euch diese aktuellen Trends näherzubringen und gleichzeitig einen tieferen Blick in ein Genre zu ermöglichen, was für die meisten lapidar unter dem Namen „House“ läuft. Und letztendlich soll dieser Bericht auch darauf abzielen, vielleicht bei dem Einen oder Anderen doch mal Interesse für eine Musikart zu wecken, wie sie in vielen Großstadtclubs seit Langem nicht mehr wegzudenken ist. House war vielfältig, ist vielfältig und dürfte in den nächsten Jahren bei gleichbleibender Entwicklung wahrscheinlich noch vielfältiger werden – ohne in irgendeiner Art und Weise vorausgreifen zu wollen, könnte ich mir persönlich sogar vorstellen, dass House den eigentlichen Techno früher oder später vielleicht nicht ablösen aber zumindest übertrumpfen wird. Ob es wirklich so kommt ... wer weiß das schon?


Für wen ist House geeignet? Primär eigentlich für jeden, der auf gut gemachte elektronische Musik steht - Disco- und Electro-House dürften die perfekten Einstiegsdroge in eine Szene sein, für die die Party mit Sonnenaufgang oft noch längst nicht beendet ist und für die Style und Show zum Alltag gehört. Für mich ist in den letzten Jahren Housemusic als solches zu einem echten Wegbegleiter geworden, ein Leben und ganz besonders nächtliche Clubtouren ohne diese Musik erscheinen mir momentan nicht mehr als vorstellbar, weshalb ich folglich 5 Sternchen mit Auszeichnung und eine klare Empfehlung ausspreche. Ob ich mein Leben lang dem House treu bleiben werde? Keine Ahnung, neben der normalen Entwicklung des Menschen spielen sicherlich auch Einflussfaktoren wie die weitere Entwicklung dieser Musikrichtung eine immens große Rolle. Früher habe ich schließlich von Trance und anschließend auch von Techno genauso geredet und mittlerweile spielen beide Stile, Trance im Besonderen, für mich dennoch eine eher ungeordnetere Rolle. Momentan jedenfalls ist House für mich ganz persönlich durch nichts zu toppen, da diese Musikrichtung zum Inbegriff meiner derzeitigen "besten" Jahre geworden ist: Feiern bis in den Morgen, Cocktails und Becks Gold bis zum Abwinken, Clubs als zweites Zuhause, ewig viel Spaß, verschlafene Nachmittage und so weiter und so weiter ...

“People always ask us, why we like this music
And why we dance and we spin and we shout and we lift our hands in the sky
As if it were Sunday morning and we were in church
I Don’t Know”

(aus: Soul Providers – I Don’t Know)


LG aus Bremen, bingo*
(© 04/2004)

   
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