Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
gute Hörspiel - Umsetzung, tolle Vorleser |
| Kontra: |
lieblose Hülle der CD |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Hörbücher und Hörspiele gehören zu meinen Lieblingen. Vor allem im Auto schätze ich diese Alternative zu Radio und CD.
Vielleicht ist sinnvoll, den Unterschied zwischen einem Hörbuch und einem Hörspiel zu erklären. Ein Hörbuch hält sich eindeutig an die Romanvorlage. Es gibt bestenfalls gekürzte Varianten. Auch eine sogenannte szenische Lesung hat mehr mit einem Hörbuch als mit einem Hörspiel gemein: die Dialoge sind ausgeprägter und werden von mindestens zwei oder mehr Vorlesern vertont. Ein Hörspiel indes ist oft eine geraffte Version zu einem Buch. Teils wird extrem gekürzt, auch wenn es Inhalt und Qualität nicht zwingend beeinflusst. Hörspiele haben in der Regel eine Vielzahl von Vorlesern.
Nevada-Gas von Raymond Chandler ist solch ein Hörspiel.
@@@ HANDLUNG @@@
Es wird seine letzte Autofahrt, auch wenn der Staranwalt Hugo Candless seinen geschätzten Daimar-Club wohlgelaunt verläßt. Er gibt seinem Chauffeur das Zeichen loszufahren. Doch auf dem Weg nach Hause stirbt er: unterwegs strömt ein tödliches Gas in das Fond der Limousine und die Verriegelung der Türen ist blockiert. Cnadless stirbt qualvoll. Sein Begleiter de Ruse aber überlebt den Giftanschlag und macht sich auf die Verfolgung der Mörder...
@@@ EINDRÜCKE @@@
Das Hörspiel nach Motiven von Raymond Chandler ist mit 59 Minuten kurz, aber knackig. Größen deutschen Schauspiels wie Charles Brauer, Martin Semmelrogge und Matthias Habich geben sich als Erzähler und Sprecher die Ehre.
Die ausgeprägtesten Stimmen dieses Hörspiel sind wohl Martin Semmelrogge und Matthias Habich, deren Modulation genial und zudem markant ist. Semmelrogge ist und bleibt auch stimmlich genauso ein Schnösel, wie er es in vielen Filmrollen ist. Habich indes besticht durch seine Stimme mit großer Individualität.
Die musikalische Begleitung durch Peter Zwethoff paßt zum Ambiente eines Krimis aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, denn der Krimi stammt aus dem Jahr 1935. Der Zuhörer mag sich in Autos mit echten „Kotflügeln“ und Männern mit Trenchcoats und Hüten einfühlen.
„Nevada-Gas“ ist übrigens ein Auszug aus Chandlers Buch „Erpresser schießen nicht“. Die Übersetzung aus dem Englischen stammt von Elly Elwenspoek. Das Hörspiel wurde für den Südwestrundfunk im Jahr 1990 zurechtgeschneidert und läßt die Kürze von 59 Minuten besser verstehen: es entspricht einer Radiostunde.
Angenehm überrascht bin ich, weil die Verkürzung zum Hörspiel blendend gelungen ist. Die Dialoge und die Handlung sind bei „Nevada-Gas“ gut umgesetzt worden. Freude macht, dass sich so blendende Stimmen von Charles Brauer, Martin Semmelrogge und Matthias Habich verpflichten ließen.
Und auch wenn der Roman ein „alter Schinken“ ist und auch das Hörspiel ein paar Jahre auf dem Buckel hat, ist es erfrischenden Spannung.
Die CD-Hülle aus Karton ist vielleicht weniger ansprechend, aber das Hörspiel ist für bescheidene 5 Euro kurzweilig und die kleine Investition wert, denn es sollte erwähnt sein, dass die Spannung brisant ist. Die Hörspielbearbeitung und die Regie von Hermann Naber bei dem Hörspiel sind perfekt.
Facts: NEVADA-GAS – Raymond Chandler – DAV-Pocket – 1 CD – 59:20 Minuten – ISBN 9783898132152 – 5,00 Euro