Nevermind - Nirvana

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Nevermind - Nirvana

Heavy Metal - 1 - CD - Label: Geffen - Vertrieb: Universal - Veröffentlicht am: 26. August 1991 - EAN: 720642442524

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223 Erfahrungsberichte der Community

Erfahrungsbericht über "Nevermind - Nirvana"

veröffentlicht 11.04.2001 | tocotronicfan
Mitglied seit : 17.12.2000
Erfahrungsberichte : 110
Vertrauende : 55
Über sich :
Ausgezeichnet
Pro prägend für Grunge-Szene, melodiös, textlich hervorragend, energiegeladen
Kontra -
sehr hilfreich

"Das Album, welches Grunge vernichtet hat"

Wer glaubt, dass Grunge durch dieses epochale Werk von Nirvana praktisch erfunden wurde, ist auf dem Holzweg, denn genau das Gegenteil ist der Fall.
Mit dem Selbstmord von Kurt Cobain am 5. April 1994, starb zugleich auch der Grunge. Und dieser Tod des Grunge gründete eben in diesem Meisterwerk „Nevermind“. Der riesige Erfolg , den dieses Album mit sich brachte, brachte Nirvana genau in die Situation, gegen die sie immer angekämpft hatten. Nämlich Mainstream zu werden und auch von der Masse gehört zu werden. Aber alleine das war ja nicht das Verhängnisvolle, sondern, dass die neue Zuhörerschaft die Aussagen von Grunge und von Nirvana einfach nicht verstanden. So hörten die Menschen mit großem Gefallen Musik, die eigentlich im grundlegendsten gegen sie gerichtet war. Ein derartiges Unverständnis und eine derartige Ignoranz war Kurt Cobain anscheinend einfach zu viel. Andererseits spielte natürlich auch der Erfolgsdruck und die ständige Medienpräsenz eine große Rolle, doch verzweifelte er meiner Meinung nach eher an der schier grenzenlosen Dummheit der breiten Bevölkerung und in der Position, in der er sich befand, die er doch nie einnehmen wollte. In gewisser Weise war der Freitod von Kurt Cobain eine konsequente oder effektive Lösung seiner Probleme, obwohl doch sehr drastisch, da ein vollkommener Rückzug aus der Musikwelt auch genügt hätte. Er hätte dabei „nur“ mit sich selber zurecht kommen müssen – da war Selbstmord viel einfacher, was mich schlussfolgern lässt, dass Selbstmord in den meisten Fällen ein Zeichen für Feigheit oder Resignation ist.

Doch genug Gemutmaßt, nun zum eigentlichen Thema, um das sich dieser Bericht dreht – das maßstabsetzende Werk „Nevermind“. Der 1. Track dieser CD ist „Smells like teen spirit“, das wohl jeden ein Begriff sein dürfte. Der musikalische Aufbau ist maßgebend für den Grunge. Es werden abwechselnd ruhige und fast elegische, und dann wieder extrem kraftvolle und laute Passagen verwendet. Dieses Lied spiegelt den Zustand, in dem sich Kurt Cobain sah, wider. Nämlich, dass er die Masse unterhalte und er sich dabei dumm und verräterisch vorkäme. Das Unverständnis für die Aussage dieses Lied, findet man auch in der Anekdote, die Kurt in einem Interview erzählte. Als er nämlich einmal in einem Supermarkt einkaufen war, hörte er als Hintergrundmusik „Smells like teen spirit“ und da ist ihm dann klar geworden, dass die Leute ihn einfach nicht verstanden und einfach nur nach dem Trend gehen, sich aber in keinster Weise um den Inhalts dieses Trends kümmern.

In „In bloom“ geht es etwas brachial zu und man hört auch ein bisschen heraus, dass das Stück doch schon etwas älter ist und vor der Zeit von „Nevermind“ geschrieben wurde. Hier wird der einfache Mann beschrieben, der einige stereotype Eigenschaften aufweist, die nicht unbedingt als erstrebenswert anzusehen sind – also eine Protesthymne gegen Normalität, die sich anno 1991 sowie als auch heute schier unaufhaltsam auszubreiten scheint. Weiter geht’s mit dem auch sehr bekannten „Come as you are“. Es ist äußerst melodisch und eingänglich geschrieben. Vor sich hinplätschernd, zählt es zu den besten Stücken, das Nirvana jemals hervorgebracht haben. Inhaltlich geht es wieder um Individualität, die heutzutage nur mehr Schein ist, da überall einem eingeredet wird, dass man alle Freiheiten der Welt hat, doch in Wirklichkeit jede Minute beeinflusst, und in weiterer Folge gelenkt wird.

„Breed“ heißt der nächste Track, der sehr gitarrenlastig und schnell ausfällt. Besonders auffallend ist hier die markante Gitarrenspur, die das Lied einen außergewöhnlichen Charakter verleiht. Natürlich wird aber auch nicht auf die Melodiösität vergessen, die ja für Grunge irgendwie prägend ist.

Mit „Lithium“ betitelt, geht es in die 5. Runde von insgesamt 12. Anfänglich gibt sich das Stück ruhig und lässig. Beim Refrain kommt aber ein laszives „Yeah“, gepaart mit hervorragenden Schlagzeugeinsätzen und fantastischen Gitarrenakkorden zum Vorschein, welche das Lied unwiderstehlich machen. Beim Text kann ich nur annehmen, was ausgesagt werden soll. Meine Interpretation zu Folge geht es um die Liebe zu sich selbst, und dass man sich so nehmen sollte, wie man ist.

Bei „Polly“ geht es um eine Vergewaltigung, wie ich aus anderen Quellen in Erfahrung brachte. Die Aussage ist mir jedoch schleierhaft (für Anregungen wäre ich sehr dankbar!). Musikalisch wird das Lied nur durch eine akustische Gitarre begleitet, die einfach perfekt mit den Gesang von Kurt Cobain harmoniert. Somit ist es eines der gefühlvollsten Lieder, die ich überhaupt kenne.

Extrem wut- und energiegeladen geht es mit „Territorial pissings“ weiter. Besonders der Schluss artet zu einem Schreigewitter aus, das einem einfach mitreißen muss. Der Text ist zwar ein bisschen spärlich, doch besteht die Aussage darin, dass sich die verschiedenen Kulturen der Erde nicht verstehen, oder nicht miteinander auskommen (wollen). Auch trägt das Lied eine Textzeile in sich, die wohl für sich spricht „Never met a wise man, if so it’s a woman“, was im Zusammenhang zu diesem Lied bedeuten soll, dass das bestehende Konfliktpotential zwischen den verschiedenen Kulturen von der männlichen Schöpfung her rührt.

„Drain you“ ist das nächste Lied, das man auf der CD findet. Musikalisch gesehen, gefällt es mir nicht so besonders gut, da ein ständiges Auf und Ab zu hören ist, das etwas arhythmisch für meine Ohren klingt – geschmacksache. In diesem Lied geht es um die Liebe, die ein viel besserer und ehrlicherer Lehrmeister als irgendein Gott ist.

Durch einen eingängigen Bassakkord eingeleitet, beginnt „Lounge act“, das sehr entspannt und gleichgültig daherkommt. Im Mittelpart wird Kurt Cobain’s Gesang aber emotionsgeladener, was sehr gut mit dem gesamten Track kulminiert.

Der nächste Track ist das kraftvolle „Stay away“, das im Refrain den markanten Ausspruch „Stay away“ aufweist. Hier werden allgemein geläufige Floskeln aufgezählt, die irgendwie die Werte der „normalen“ Gesellschaft repräsentieren. Mit solchen Leuten dieser Gesellschaft will Kurt aber nichts zu tun haben und fordert sie ganz einfach auf, sich von ihm fernzuhalten – zu recht.

„On a plain“ ist meiner Meinung nach im Vergleich zu den restlichen Stücken nicht ganz so gelungen. Der Grund dafür liegt darin, dass das Lied mit der Zeit langweilig und monoton wird. Außerdem sind keine Höhen und Tiefen vorhanden, sondern nur eine einzige brachliegende Ebene (um einmal metaphorisch zu sprechen). Hier wird wieder das Startum angesprochen, das Einen zu einen völlig anderen Menschen machen kann. Außerdem geht es auch darum, dass die Situation, in der man sich befindet, letztendlich ziemlich verlogen sich selbst gegenüber werden kann.

Das Album wird mit dem letzten offiziellen Track „Something in the way“ beschlossen. Anfangs nur durch eine ganz sanft gespielte akustische Gitarre begleitet, gesellen sich im Refrain Schlagzeugeinsätze und Streicher hinzu, welche dieses Lied zu einem wunderbar verträumten Arrangement werden lassen. Meiner Interpretation zufolge handelt dieses Lied von Kurt Cobain selbst, der in metaphorischer Weise über seine Entwicklung zum Rockstar spricht und sie zugleich in Frage stellt.
Wenn man etwas Geduld beweist, oder bis zur 13. Minute vorspult, bekommt man noch einen versteckten Track zu hören, der ziemlich experimentell, konfus und nicht gerade eingänglich erscheint. Betitelt ist dieses Lied übrigens mit „Endless, nameless“, was dieses Lied ziemlich gut beschreibt. Im Großen und Ganzen werden die Instrumente aufs äußerste malträtiert, auch Kurt Cobain schreit sich die Seele aus den Leib.

Für mich persönlich ist dieses Album der Inbegriff des Grunge, obwohl es gleichzeitig auch der Untergang des Grunge war. Die Kommerzialisierung der Gegenbewegung zur Kommerzialisierung musste irgendwann seine Opfer fordern. In diesem Fall, das des Kurt Cobain’s.
Nichtsdestotrotz bleibt dieses Werk wohl für immer unvergesslich, da es neue Maßstäbe in Sachen Rock gesetzt hat und irgendwie zeitlos ist. Auch noch heute finde ich das Album extrem abwechslungsreich und hörenswert. Es ist sogar so, dass das Album mit jedem mal hören in seiner Genialität wächst.
Wer also dieses Album nicht besitzt, oder auch noch nicht gehört hat, rate ich an, schnellstens diese Versäumnis aufzuholen, da man ansonsten ein Stück Musikgeschichte verpasst.

Lang lebe Kurt Cobain!


01 Smells like teen spirit
02 In bloom
03 Come as you are
04 Breed
05 Lithium
06 Polly
07 Territorial pissings
08 Drain you
09 Lounge act
10 Stay away
11 On a plain
12 Something in the way

Gesamtspielzeit: 59:23
P 1991

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Batigooool veröffentlicht 20.09.2004
    Sehr guter Bericht - war auf der Suche nach Nirvana Interpretationen und bin bei google dann über Deinen Bericht gestolpert, hat mir weitergeholfen. Wobei mir noch ausführlicherere Interpretationen gefallen hätten (Aber wir sind ja nicht in ner Literaturstunden sondern bei Coíao ;o). Denke man muss Deine Meinung nicht immer zu 100% teilen, tue es selbst aber größtenteils. Die Lieder von Cobain sind schwer und vielseitig zu interpretieren. Werde mir auch - wie unten in einem Kommentar vorgeschlagen- das Werk "'Teen Spirit : The Stories Behind Every Nirvana Song' " zulegen. Danke allmaxi für den Tip :-)
  • Teahead veröffentlicht 28.09.2002
    Huhu, den Bericht musste ich als Nirvanafan und Tocotronichasser einfach lesen! Gruß vom Teahead.
  • king19 veröffentlicht 02.03.2002
    entweder du bist ein vertreter des Rocks, so wie ich oder du bist der größte Schwätzer den ich kenne, trägst du auch heute noch löchrige Hosen und gestreifte Pullis und die Converse Schuhe? Na ja, auf jeden fall ein exelenter Bericht!
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Produktdaten : Nevermind - Nirvana

Produktbeschreibung des Herstellers

Heavy Metal - 1 - CD - Label: Geffen - Vertrieb: Universal - Veröffentlicht am: 26. August 1991 - EAN: 720642442524

Haupteigenschaften

Titel: Nevermind

Künstler: Nirvana

Komponist: .

Genre: Heavy Metal

Schlagworte: Grunge; Alternative; Pop international; Hard Rock; Rock'n'Roll

Medium: CD

Set-Inhalt: 1

Veröffentlichungsdatum: 26. August 1991

Label: Geffen

Vertrieb: Universal

EAN: 720642442524

Titel auf CD 1

1.: Smells Like Teen Spirit

2.: In Bloom

3.: Come As You Are

4.: Breed

5.: Lithium

6.: Polly

7.: Territorial Pissings

8.: Drain You

9.: Lounge Act

10.: Stay Away

11.: On a Plain

12.: Something in the Way

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