... „New York“ hatte ich mir aufgespart, bis mich die Neugier nicht mehr losließ. Nicht erst einmal habe ich den schmalen Band in den Händen gehalten, um mich schließlich doch zu zwingen, zu Margaret Atwood und Alistair MacLeod zu greifen. Beide waren Glücksgriffe, das gebe ich gerne ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Cora-Lee über New York / Brett, Lily 27. Februar 2003
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
Pro:
echt
Kontra:
nur 159 Seiten
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Da ist sie. Wochenlang war ich bemüht, sie abzuwenden, doch jetzt ist sie da: die Gewissheit, kein ungelesenes Buch von Lily Brett mehr im Regal zu haben. Scheußlich. „New York“ hatte ich mir aufgespart, bis mich die Neugier nicht mehr losließ. Nicht erst einmal habe ich den schmalen Band in den Händen gehalten, um mich schließlich doch zu zwingen, zu Margaret Atwood und Alistair MacLeod zu greifen. Beide waren Glücksgriffe, das gebe ich gerne zu. Doch heute Morgen konnte ich nicht anders...
Ich liebe es, Bücher vorrätig zu haben. Dass ich eines Tages vor einem unserer Bücherregale stehe und erfolglos nach einem ungelesenen Buch suche – unvorstellbar. Wahrscheinlich wird dieser Zustand niemals eintreten. Das liegt einfach daran, dass ich jede Woche mehr Bücher kaufe, als ich (je?) lesen kann. Nicht einmal jetzt, da uns ein Umzug bevor steht und sich die Bücherkartons im Flur stapeln, muss ich mich in die Buchhandlung bequemen, wenn ich lesen möchte. Eine großzügige Menge an sorgfältig ausgewählten Büchern habe ich noch nicht eingepackt, darunter befinden sich Paul Austers „Buch der Illusionen“, Maarten’t Harts „Regenbrachvögel“ und Pavel Kohouts „Henkerin“. Außerdem die Shakespeare-Sonette und Baudelaires „Blumen des Bösen“; man weiß ja nie, ob einen noch der Größenwahn ereilt. Und bis vor wenigen Stunden stand in dieser verwaisten Billy-Regal-Reihe eben auch noch „New York“.
„New York“ ist kein Roman, sondern eine Sammlung von Texten, die Lily Brett in der „Zeit“ veröffentlicht hat. Irgendwie hatte ich befürchtet, diese kurzen Texte nicht zu mögen, denn keiner ist länger als drei Seiten und ich hatte Zweifel, dass es Lily Brett gelingen würde, ihre köstlichen Neurosen auf so beengtem Raum zu entfalten. Völlig unbegründete Zweifel, wie ich jetzt weiß. „New York“ ist ein herrliches Buch und es ist typisch Lily Brett. Nur dünner.
Sie entwirft ein Bild von einer Stadt, die mich vor allzu langer Zeit noch nicht sonderlich interessierte. Oder eigentlich ist es nicht ein Bild, sondern viele Eindrücke, die recht mühelos zu einem (dennoch und natürlich) lückenhaften Bild zusammengesetzt werden können. Im Moment erscheint mit NY gerade wie die interessanteste, aufregendste, verrückteste und lebendigste Stadt der Welt; Inspiration pur. Die Stadt, in der niemand jemals Zeit hat, in der alle in erster Linie schlank sein wollen und in der der „Take Your Dogs To Work - Day“ gegründet wurde. Die Stadt, in der es lauter ist und mehr stinkt als woanders und in der Kürbisse sprechen können.
„“Hallo, ich bin ein Eikürbis und stamme aus Oklahoma“, sagte ein Kürbis, den ich letzte Woche kaufte. Mir war, als müsste ich antworten: „Freut mich, Sie kennenzulernen.““
„Ich fühle mich auf dem Land nicht wohl. Und das Land fühlt sich in meiner Gegenwart nicht wohl.“ So ist es. Ich muss in die Großstadt.
Lily Brett beschreibt Situationen, Geschichten, Anekdoten aus ihrem Leben in New York. (Zumindest lässt sie uns das glauben.) Dabei ist sie so eindringlich, so ehrlich, so penibel, dass man als Leser ihr gegenüber wahrscheinlich nur drei Haltungen einnehmen kann: Begeisterung, Ablehnung oder Neid. Eventuell auch eine Mischung aus zweien, niemals aber Gleichgültigkeit, da bin ich sicher. Lily Brett lässt niemanden unberührt. Sie zu lesen ist nicht so wie Mary Higgins-Clark zu lesen, obwohl die beiden gemeinsam haben, dass sie im Prinzip in all ihren Büchern immer wieder das Gleiche schreiben. Bei Mary hat mich das nach dem zweiten Roman dazu veranlasst, sie für einfalls- und belanglos zu erklären. Von Lily kann ich gar nicht genug kriegen.
Vielleicht kommt sie ja mal wieder auf einer Lesereise nach Düsseldorf. Dann werde ich da sein. Auf Seite 75 erklärt sie nämlich: „Ich mag Düsseldorf.“ Und das, obwohl ein Düsseldorfer Friseur sie seinerzeit zutiefst gekränkt hat, als er ihr Ähnlichkeit mit Chers Mutter unterstellte, obwohl Lily Brett gerade mal so alt ist wie Cher selbst. Und sie hat Recht, „Düsseldorf ist eine elegante und kultivierte Stadt“ verglichen mit vielen anderen und dort „kann man die eigenen Schritte hören.“ Jetzt freue ich mich noch ein kleines bisschen mehr auf und über unseren Umzug.
„New York“ ist ein Buch, das ich sehr gerne in den Copyshop, der hier noch Kopierladen heißt, tragen würde, um einige Kapitel daraus zu kopieren. Für verschiedene Menschen in meinem Umfeld gibt es Texte darin, die irgendwie zu ihnen passen. Bei manchen Sätzen stelle ich mir vor, dass A. sich darüber amüsieren oder S. mit flatternden Nasenflügeln darüber lachen könnte. An anderen Stellen sehe ich J. vor mir, die die Stirn runzeln oder D., die eine Augenbraue hochziehen würde. Und für ein paar wichtige Menschen, zu denen ich seit Jahren keinen rechten Zugang finden kann, gibt es auch den ein oder anderen mehr als passenden Text in „New York“, den ich ihnen gerne in DinA1 vergrößert und mit neongelben Unterstreichungen und knallroten Ausrufezeichen übers Bett hängen würde. „Writing to reach you... only wanna teach you about you.“, singen Travis seit Tagen. Und manchmal ist das, was ausgelassen wird, am wichtigsten.
Mein Kapitel wäre vielleicht „Großartig“ (ab Seite 55), da habe ich viel unterstrichen. Oder „Lügen“ (ab Seite 82). Ich bin nicht sicher, ob ich gern wüsste, welches Kapitel mir die Menschen, die mir am meisten bedeuten, auswählen und rauskopieren würden, wenn sie bei der Lektüre auf die selbe Idee kämen Heute sind die Copyshops ohnehin geschlossen und bis morgen hat mich der Mut wahrscheinlich schon wieder verlassen...
Wie dem auch sei: Lily Brett ist hervorragend. „New York“ ist als Taschenbuch bei List erhältlich und kostet nur 6,95€. Ich habe schon Nachschub geordert: „Alles halb so schlimm“ habe ich noch nicht. Vor den „Auschwitz Poems“ fürchte ich mich noch ein wenig. Aber eines Tages.
Pro: genial, humorvoll Kontra: leider nur 159 Seiten
...Buch
Lily Brett – New York –
Mein Bericht bezieht sich auf das Taschenbuch aus dem Suhrkamp Verlag, Erste Auflage 2001. Alles in allem sind es 159 Seiten, die man leider viel zu schnell durchgelesen hat.
## Die Autorin ##
Lily Brett, 1946 in Deutschland als Tochter jüdischer Eltern geboren, siedelte 1948 aus verständlichen Gründen mit ihren Eltern nach Australien aus. Ihre Eltern lernten sich im Ghetto von Lodz kennen, wurden in Auschwitz getrennt, ... ...Rockmagazin und lebt heute in New York.
## Das Buch & meine persönlichen Eindrücke davon ##
Wer jetzt einen Roman erwartet hat, den muss ich enttäuschen. New York ist ein Sammelsurium von Texten, die Lily in der „Zeit“ veröffentlicht hatte (übrigens der einzige Punkt warum ich diese Zeitung damals kurzfristig abbonierte), die sich aber irgendwie doch zu einer Art Roman zusammenfügen. Diese Geschichten sind mitten aus dem Leben gegriffen, das sich ...
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Pro: Banale Dinge werden mit viel Humor wiedergegeben Kontra: Nichts
...arbeiten. Heute lebt sie in New York.
2) Das Buch (s S. 2 des Buches): Ein Jahr lang hat Lily Brett in der Wochenzeitung DIE ZEIT über ihr Leben in New York berichtet. Die Text zeichnen ein Bild der Stadt und ihres Lebensgefühls; sie fügen sich aber gleichzeitig zu einem Selbstportrait der Autorin, die mit ihrer Offenheit und ihrem Mut die Herzen der Herzen der Leser längst für sich gewonnen hat. Mit ihren Texten beweist Lily Brett ihre Meisterschaft ... ...wie es ist, wenn sie New York mal für ein paar Tage verlassen will- sie vermisst die Stadt schon ehe sie über den Hudson gefahren ist.
- 2. Ausschuß:
Lily Brett stellt humorvoll da, wie anonym New York ist.
- 3. Das Auto:
Ihr Auto gibt den Geist auf und sie lernt dadurch eine riesen Menge von Menschen kennen und das im anonymen New York.
- 4. Bazillen:
Sie macht sich darüber lustig, dass so viele Menschen Türklinken und alles mögliche erst ...
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...LilyBrett, eine waschechte New Yorkerin, hat bereits eine ganze Reihe Bücher und Gedichtbände veröffentlicht, doch ihr neuestes Buch "Zu sehen" ist bei weitem ihr persönlichstes.
Ihre Themen lassen sich unmittelbar an den Kapitelüberschriften ablesen: "Altern", "Meine Tochter", "Sex", "NewYork", "Tod" und "Liebe". Und es sind interessante Betrachtungen, die LilyBrett anstellt, denn mittlerweile ist sie über fünfzig Jahre und hat eine Menge Erfahrungen gemacht. Auch mit ihrem Körper, der jetzt endlich soviel wiegt, wie sie es sich immer vorgestellt ist nun endlich zufrieden. Der Preis dafür ist jedoch regelmäßiges Kraft-Training. Als Party-Gag am Rande kann sie mittlerweile sogar ihren Mann kurz hochstemmen. Gut, ihm gefällt das nicht so besonders, aber er wird auch nicht gefragt. A propos Mann. Es hat eine ganze Weile und einige...
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