Von verlorenen Freunden und verschreckten Menschen
02.12.2008
Pro:
Darsteller (Simon Pegg, Kirsten Dunst, Jeff Bridges . . . ), teilweise recht lustig
Kontra:
einfallslose Story
Empfehlenswert:
Ja
 TheBabz
Über sich:
Vielen Dank für die zahlreichen guten Bewertungen & Kommentare zu meinem Wii-Fit-Plus-Bericht :)
Mitglied seit:24.03.2005
Erfahrungsberichte:111
Vertrauende:57
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 120 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Letzten Freitag stand mal wieder ein Kinobesuch an. Eigentlich ging der Plan in Richtung "Max Payne", aber im letzten Augenblick haben wir uns dann doch für "New York für Anfänger" entschieden - der Trailer hatte ganz lustig ausgesehen, außerdem spielt Simon Pegg mit. Fakten, Fakten, Fakten
Original-Titel: How To Lose Friends & Alienate People Regisseur: Robert Weide Land/Jahr: UK, 2008 Laufzeit: ca. 111 Minuten Genre: Romantische Komödie, leicht gesellschaftskritisch Altersfreigabe [D]: ohne Altersbeschränkung (interessant: in USA R-Rated!) Darsteller: Simon Pegg, Kirsten Dunst, Megan Fox, Jeff Bridges, Gillian Anderson Die Handlung
Sidney Young ist ein zynischer und engagierter Journalist aus Großbritannien, der sich stets auf der Suche nach den neuesten Fehltritten der Stars befindet. Dummerweise ist er in seinem Job mehr als erfolglos und zeichnet sich nur dadurch aus, dass er selber auf spektakuläre Art und Weise von den Veranstaltungen rausgeschmissen wird. Trotz allem erhält er eines Tages einen Anruf von Clayton Harding, der ihm einen Job bei New York's angesagtem Magazin Sharps anbietet. Sidney nimmt an, und fällt bereits nach kurzer Zeit durch sein wenig angepasstes Verhalten und sein respektloses Benehmen gegenüber "den ganz Großen" auf. Erst als der Verlust seiner Anstellung unvermeidbar scheint, gibt er klein bei und schreibt genauso verlogen und arschkriecherisch wie alle anderen. Und plötzlich ist er mittendrin in der angesagten Glamour-Welt... Die Darsteller & ihre Rollen
Simon Pegg als Sidney Young Vor fünf Jahren hätten sich vermutlich noch die meisten gefragt, wer zur Hölle dieser Simon Pegg denn sei. Diese Zeiten sind wohl eindeutig vorbei, hat der fast 40-jährige doch mit "Shaun of the Dead" (2004) und "Hot Fuzz" (2007) bewiesen, dass er sowohl als Comedy-Darsteller als auch als Drehbuch-Autor ein mehr als brillanter Mann ist. Auch in "Run Fatboy Run" (2007) unter der Regie des ehemaligen Friends-Stars David Schwimmer konnte er in beiden Aufgabenbereichen wieder aufs neue Überzeugen. In "New York für Anfänger" übernimmt der in Gloucester geborene die Rolle des Journalisten Sidney Young, dessen Haupttalent darin liegt, Leute gründlich vor den Kopf zu stoßen. Doch leider ist die Szene New Yorks nicht besonders offen für das eher alternative Verhalten des Britens, weshalb er quasi zur Anpassung gezwungen wird, um an der Glamour-Welt teilhaben zu können. Pegg spielt den etwas abgedrehten Halbloser Young sehr überzeugend. Die Rolle passt einfach ausgezeichnet zu ihm, und das verleiht dem Film schonmal den ersten deutlichen Pluspunkt. Kirsten Dunst als Alison Olsen Die 1982 geborene Kirsten Dunst gehört vielleicht (noch?) nicht zu den absoluten Ikonen des Showbiz, kann aber durchaus auf einige prestigeträchtige Rollen zurückblicken. So spielte sie bereits vor fast 15 Jahren eine bedeutende Nebenrolle in "Interview mit einem Vampir" und verkörperte schon in drei Teilen Spiderman's Dauerfreundin MJ. In "New York für Anfänger" spielt sie Alison, eine Kollegin von Sidney Young, die trotz einiger Startschwierigkeiten langsam aber sicher zu seiner einzigen Freundin in New York wird. Sie schreibt neben ihrer Arbeit an einem Roman und bezeichnet sich selber deshalb als das klassische Klischee... was auch wohl irgendwo nicht vollständig gelogen ist. Aber um das einfallsreichste Drehbuch aller Zeiten handelt es sich hier eh nicht, insofern kann man mit der Leistung Dunst's völlig zufrieden sein.
Megan Fox als Sophie Maes Megan Fox, geboren 1986, ist mir zugegebenermaßen trotz ihrer Auftritte in "Transformers" (2007) und "Bekenntnisse einer Highschool-Diva" (2004) noch nicht nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Hier spielt sie jedenfalls die hübsche und erfolgreiche, aber auch etwas dümmlich-naive Schauspielerin Sophie Maes, welche von Sidney Young zu seiner persönlichen Traumfrau erklärt wird. Die Rolle ist facettenreicher, als sie auf den ersten Blick scheint - anfangs erscheint Sophie von ihrem eigenen Leben überfordert, avanciert aber dann doch recht schnell zur Diva. Und wird dadurch natürlich nicht sympathischer. Gillian Anderson als Eleanor Johnson Die mittlerweile 40-jährige Gillian Anderson ist dem Großteil der Menschheit wohl hauptsächlich als Agentin Dana Scully aus der Mistery-Serie "Akte X" bekannt. In "New York für Anfänger" hat sie schon wieder die Rolle einer Agentin, allerdings diesmal einer, die sich um das Wohl der ihr anvertrauten Stars kümmert. Im konkreten Fall ist dies neben dem äußerst liebreizenden Newcomer-Regisseur Vincent Lepak (Max Minghella, unbekannt aber unterhaltsam!) auch Sophie Maes. Und Eleanor sorgt natürlich dafür, dass auch das Sharps-Magazin nur das Beste über ihre Schützlinge schreibt. Anderson schlägt sich gut, aber es ist einfach recht schwer, sie anzusehen, ohne Dana Scully zu sehen.
Jeff Bridges als Clayton Harding Jeff Bridges, Jahrgang 1949, kennt man unter anderem aus "The Big Lebowski" (1998) und "Iron Man" (2008), wo er zugegebenermaßen mit weit weniger Haaren zu sehen war. In "New York für Anfänger" nimmt er die Rolle des Sharps-Herausgebers Clayton Harding ein, der sich in einer Art Zwiespalt befindet: Einerseits muss er sich der Glamour-Welt treu ergeben, damit sein Magazin Erfolg hat, aber andererseits möchte er eigentlich viel lieber zu denken und schreiben, wie Sidney es in seinem erfolglosen, aber respektlosen Blättchen in Großbritannien getan hat. Bridges ist hierbei sehr großartig und sorgt für die eine oder andere mehr als nette Szene. In diversen Nebenrollen begegnen wir auch in "New York für Anfänger" dem ein oder anderen nicht allzu unbekanntem Gesicht. Beispielsweise sehen wir Miriam Margoyles (z.B. "Harry Potter" und "Grabgeflüster") als polnische Vermieterin und Kate Winslet (z.B. "Heavenly Creatures" und "Titanic") sowie Daniel Craig (muss ich hier jetzt wirklich anmerken, dass er James Bond ist?) in unbenannten Selbstauftritten.
Drehbuch und Regie In vielen Kritiken wurde "New York für Anfänger" mit "Der Teufel trägt Prada" verglichen, und ich muss leider zugeben, dass dieser Vergleich wirklich nicht weit hergeholt ist. Sidney Young, ambitioniert und voller Ideale, erhält eine Stelle bei einem Zeitschriftenverlag, für die er eigentlich absolut nicht qualifiziert ist (und natürlich würden tausende von anderen Journalisten ihr Leben für diese Stelle geben!). Irgendwann gibt er auf und erliegt der Glamour-Welt, was dann zum Erfolg führt - und stellt dann halt auch irgendwann fest, dass dies eigentlich ja nie sein Wunsch gewesen ist. Nicht übermäßig einfallsreich, aber dafür genau wie "Der Teufel trägt Prada" auf einer autobiografischen Buchvorlage beruhend. In Szene gesetzt wurde das Ganze von zwei mir bislang völlig unbekannten Personen: Regie führt ein gewisser Robert Weise, das Screenplay auf der Vorlage des Romans von Toby Young fabrizierte ein Mensch namens Peter Straughan. Trotz der doch recht ausgelutschten und überraschungsarmen Haupthandlung wurde jedoch einiges getan, um den Film amüsant zu gestalten. Auch einige Aufnahmen sind sehr gelungen, beispielsweise eine Kamerafahrt ganz am Anfang, welche kurz die Lebensverhältnisse zeigt, in denen Sidney sich eigentlich befindet. Insgesamt recht gut gelungen.
Meine Meinung zum Film Als wir das Kino verließen, hat mein Freund recht treffend formuliert: "Das war der schlechteste Film mit dem [gemeint natürlich Simon Pegg], den ich jemals gesehen habe.". Was aber nicht heißen soll, dass der Film wirklich schlecht ist. Aber schauen wir uns die Sache doch mal im Detail an.
Der Film beginnt mit einer Vorstellung Sidneys - er leitet die Redaktion einer kleinen und chaotischen Zeitschrift, welche in erster Linie in bösen Worten über Prominente herzieht. Seine Arbeit wird auch eher von Chaos als von wirklichem Erfolg dominiert, doch trotz allem wird der Herausgeber des exklusiven Sharps-Magazins auf Sidney aufmerksam und bietet ihm einen Job als Journalist an. Ein Job übrigens, für den tausende von Journalisten sonstwas tun würden, und hier haben wir dann auch gleich schon die erste Parallele zu "Der Teufel trägt Prada". Und so geht es fröhlich weiter, denn die Geschichte ist im Großen und Ganzen genau die gleiche: Sidney versucht genau wie damals Andrea in der Modewelt, seinen eigenen Stil und seine eigene Art zu bewahren, kommt damit aber absolut nicht weiter. Erst, als er sich der Glamourwelt in Schreib- und Lebensstil hingibt, hat er Erfolg. Und gibt seine Grundsätze auf. Insgesamt wirklich keine ausgefallene Idee, und dass es am Schluss nur "back to the roots" heißen kann ist von Anfang an klar. Sehr amüsant sind die diversen Größen des Showgeschäfts, die man im Verlauf des Films zu sehen bekommt. Zunächst einmal haben wir da die zwar wunderschöne, aber äußerst dümmliche Schauspielerin Sophie Maes, bei welcher man nach und nach hinter die naiv-süße Fassade schauen darf und auch nichts anderes entdeckt, als eine Zicke mit Kokain-Problemen. Äußerst spaßig fand ich persönlich den Regisseur Vincent Lepac, der eine äußerst alternativ-gelangweilte Art pflegt und stets mit Sonnenbrille anzutreffen ist. Am bezeichnendsten für die Flachheit der Promiwelt ist jedoch Sidneys Treffen mit einer Schauspielerin, die vor vielen Jahren sehr erfolgreich gewesen ist und nun ein Comeback plant. Während der Rest der Sharps-Redaktion sie nur belächelt, geht Sidney auf sie zu, spricht ihr seine Bewunderung aus, bittet sie sogar um ein Autogramm und rührt sie dadurch fast zu Tränen. "Das werde ich nie vergessen", sagt sie - doch weit gefehlt. Als ihr Comeback dann doch so klappt wie geplant, redet auch sie nicht mehr mit Sidney. Sehr nett.
Neben einigem an Mediensatire gibt es - wie es sich für eine Komödie gehört - natürlich auch den ein oder anderen Gag. Vieles davon kommt bei mir nicht so richtig an (Frauen, die sich als Männer in Frauenkleidern entpuppen, sind zum Beispiel einfach sehr sehr ausgelutscht) oder geht nur in Richtung Slapstick, aber das ein oder andere mal konnte ich durchaus lachen. Mein persönliches Lieblingszitat aus dem Film: "Wem muss man hier einen blasen, um einen geblasen zu kriegen?" - in seiner Einfachheit nur großartig. Viele Gags erwachsen auch einfach aus Sidneys Benehmen und Kleidung, zum Beispiel auf der in Kritiken viel zitierten 4.-Juli-Feier-Szene, wo er zwischen den Gestalten in Anzügen mit bunten Hemd und Shorts rumläuft und später recht lautstark sein Heimatland preist. Allerdings reicht dies auch nicht zu mehr als dem ein oder anderen Grinsen. Man hat ähnliches einfach schon zu oft gesehen. Ein wenig Romantik gibt es in "New York für Anfänger" auch zu sehen, in erster Linie natürlich die zarten Bande, welche zwischen Alison und Sidney entstehen. Zunächst ist es Abneigung, dann Zuneigung, dann der große Bruch und dann das semidramatische Ende. Auch hier kann man sich von Anfang an denken, wie es ausgeht. Eine Verwicklung der etwas überraschenderen Art ist, als Sidney herausfindet, wer der ominöse und stets durch Abwesenheit glänzende Freund Alisons ist. Aber auch hier kann man nicht grade mit Kreativitätspunkten um sich werfen.
Was mich etwas irritiert hat, sind die widersprüchlichen Altersfreigaben: In Deutschland hat der Film keine Beschränkung, und in Amerika ist er "R-Rated" (also frei ab 17, es sei denn, ein Erwachsener ist dabei). Ehrlich gesagt finde ich beides nicht besonders zutreffend - es gibt Brüste, einen Penis, Drogenkonsum, einen toten Hund und nicht die allerfeinste Sprache, aber insgesamt fänd ich eine etwas mittiger angesiedelte Freigabe wohl am sinnvollsten. Fazit
Ein Film, der hauptsächlich durch seine Darstellerriege überzeugt. Die Handlung ist einfallsarm, im Mittelteil wird die ganze Sache von dem ein oder anderen recht treffenden Gag gerettet. Insgesamt hätte man einfach etwas tiefer gehen können. Halbwegs lustig war's trotzdem, und deshalb gibt's für den Film 3 Sterne. Plus einen Sympathiestern für Simon Pegg macht das dann insgesamt 4 ;)
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Verwandte Tags für New York für Anfänger
|
|
05.01.2010 11:17
Ich hab die DVD grade vor mir liegen. In einer deutschen Bücherei FSK 6. Scheint dann aber immer noch fragwürdig zu sein...
13.02.2009 22:01
Der Film ist wohl nicht sooo der Brüller.
13.12.2008 14:43
Sehr schöne Kritik, wie ich finde. Allerdings empfinde ich die Besetzung des Films irgendwie nicht "stimmig"...Kirsten Dunst und Gillian Anderson? Passt das?