Nicholas Nickleby / Dickens, Charles

Nicholas Nickleby / Dickens, Charles

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... Nach „Oliver Twist“ und „Hard Times“ habe ich dieses Mal den Roman „Nicholas Nickleby“ gelesen und darüber nachgedacht. Was mich so fasziniert an dem Dichter, ist seine für die damalige Zeit mutige Art, bis dato totgeschwiegene soziale Mißstände aufzuzeigen und dadurch mögliche Verbesserungen ... Bericht lesen





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Nicholas Nickleby / Dickens, Charles Nicholas Nickleby / Dickens, Charles
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Nicholas Nickleby / Dickens, Charles Nicholas Nickleby / Dickens, Charles
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"Sonst kriegst du selbst eine Abreibung ..."
Erfahrungsbericht von uweBeelitz39 über Nicholas Nickleby / Dickens, Charles
14. Juni 2004


Produktbewertung des Autors:   

Niveau: anspruchsvoll 
Unterhaltungswert: hoch 
Spannung: ziemlich spannend 
Humor: wenig humorvoll 
Aufmachung: ok 

Pro: Deutliches Aufzeigen sozialer Mißstände
Kontra: Waren das die "guten alten Zeiten"?

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Zum wiederholten Male beschäftige ich mich jetzt in einem Bericht mit dem englischen Dichter Charles Dickens. Nach „Oliver Twist“ und „Hard Times“ habe ich dieses Mal den Roman „Nicholas Nickleby“ gelesen und darüber nachgedacht. Was mich so fasziniert an dem Dichter, ist seine für die damalige Zeit mutige Art, bis dato totgeschwiegene soziale Mißstände aufzuzeigen und dadurch mögliche Verbesserungen einzuleiten.

CHARLES DICKENS

Wurde im Jahre 1812 in Landport bei Portsmouth (GB) geboren. Mit seinen Eltern zog er schon früh zunächst nach Chatham und, als er zehn Jahre alt war, nach London. Bereits im Alter von 11 – 12 Jahren arbeitete er dort in einer Schuhcremefabrik, weil sein Vater ins Schuldgefängnis mußte. Bald kam er dann in verschiedene Anwaltsbüros, wurde 1828 freiberuflicher Gerichtsreporter, dann auch Parlamentsreporter im britischen Unterhaus (House of Commons).
1833 begann er mit der Veröffentlichung selbstgeschriebener Geschichten und Romane, die zum Teil in Form von Fortsetzungsgeschichten in Zeitungen erschienen - so auch „Nicholas Nickleby“ in 65 einzelnen Kapiteln. Für diese Geschichten schloß er Verträge mit den Zeitungsherausgebern ab, so daß er regelmäßig Geld für seine inzwischen sehr große Familie verdiente. Neben dem oben erwähnten Roman sind seine wohl bekanntesten Veröffentlichungen „David Copperfield“, „Oliver Twist“, „A Christmas Carol“, „Hard Times“, „A Tale of Two Cities“ - und ich könnte noch eine ganze Reihe mehr aufzählen; Dickens war sehr schreibfreudig.
Charles Dickens veränderte wiederholt seinen Wohnort, machte auch lange Reisen nach Nordamerika, Frankreich und Italien. Seine Ehe wurde 1858 durch seine Frau beendet. Die letzten zehn Jahre seines Lebens verbrachte er hauptsächlich in Gad´s Hill bei Rochester, wo er im Jahre 1870 starb. Sein letzter Roman „The Mysterie of Edwin Drood“ blieb unvollendet.

NICHOLAS NICKLEBY
-- D i e V o r g e s c h i c h t e --

Noch während Charles Dickens an den monatlichen Folgen für “Oliver Twist” schrieb, begann er mit den Arbeiten zu seinem neuen Werk: “The Life and Adventures of Nicholas Nickleby”. Er hatte vorher bereits eine Art „Liefervertrag“ mit den Verlegern Chapman und Hall geschlossen, worin er sich verpflichtete, das Werk in den üblichen 20 monatlichen Lieferungen einzureichen; für jede sollte er den beachtlichen Betrag von 150 Pfund erhalten.

Die Arbeit an NN wurde von einer Reise sehr beeinflußt, die Dickens nach Yorkshire unternahm. Dies ist eine der nördlichsten Grafschaften Englands. Dort gab es einige sehr berüchtigte Internatsschulen, die zwar ein enormes, beeindruckendes Unterrichtsangebot machten, aber das bedeutsamste Merkmal dieser Schulen war, daß sie Eltern und anderen Vormunden die Möglichkeit einräumten, ihnen unliebsame, unerwünschte Kinder - eigentlich: Jungen - nach dort abzuschieben. Dazu gehörten in aller Regel mißgestaltete, behinderte Kinder aus reichen Familien. Die Kinder wurden dort verwahrt, hatten meist keine Ferien, die Post wurde kontrolliert, Nahrung und Kleidung waren mehr als ärmlich, medizinische Versorgung gab es so gut wie keine - die Kinder waren aus dem Weg für etwa 20 Pfund im Jahr.
Nachwuchs für diese Anstalten wurde in Zeitungsanzeigen gesucht, in denen die Schulleitung ein umfassendes Angebot für Bildung machte. Dickens hat in seinem Roman eine solche Anzeige fast wörtlich übernommen, hat nur die Namen ausgetauscht:

T e x t a u s z u g a u s d e m 3 . K a p i t e l
„… In Mr. Wackford Squeers´ Institut, Dotheboys Hall, in dem reizenden Dörfchen Dotheboys nahe Greta Bridge in Yorkshire, werden Jugendliche beherbergt, gekleidet, mit Büchern und Taschengeld sowie allem Nötigen versehen, in lebenden und toten Sprachen unterrichtet sowie in Mathematik, Orthographie, Geographie, Geometrie, Astronomie, Trigonometrie, Algebra, Fechtkunst (auf Wunsch), Schreiben, Arithmetrik, Festungsbau und allen Zweigen klassischer Literatur. Kosten: Zwanzig Guineen pro Jahr. Keine Extrakosten, keine Ferien, unvergleichliche Verpflegung …“
Was für ein Angebot! Auch in unserer Zeit würde dieses Angebot das Internat als Eliteschule ausweisen und hätte sicherlich großen Zulauf. In der Zeit von Dickens allerdings machte sich wohl niemand die Mühe, eine weite Reise aus dem Süden des Landes anzutreten, um sich an Ort und Stelle über die tatsächlichen Gegebenheiten zu überzeugen. Dickens aber tat dies, machte sich mit einem Freund auf den Weg, um für die Söhne einer verwitweten Freundin eine Schule zu suchen, nachdem er in der „Times“ eine entsprechende Anzeige gelesen hatte. Mit falschen Namen und gefälschten Papieren besuchten sie mehrere Schulen - und waren entsetzt! Zur Arbeit inspiriert, kehrte Dickens schnell nach London zurück und begann unverzüglich mit der Arbeit an „Nicholas Nickleby“.

D e r R o m a n

Er verarbeitete darin die auf der Reise nach Yorkshire gewonnenen Eindrücke. Negativer „Held“ ist Mr. Squeers, den er als Repräsentant einer ganzen Klasse beschreibt; ein Mann, dessen hervorstechende Eigenschaften Betrügerei, Ignoranz, Brutalität, Habgier sind - als Schulmeister ist er so geeignet wie ein Wolf zum Schafehüten. Dickens selbst sagt zu seiner Darstellung des niederträchtigen Squeers:
„…die Grausamkeiten und Mißhandlungen an Kindern (die er schildert) sind nur ein schwaches Abbild der Wirklichkeit. Wäre die Wirklichkeit ungeschminkt dargestellt worden, wäre diese Beschreibung für unmöglich gehalten worden …“

E i n w e n i g v o m I n h a l t :

Nach dem Tode des Vaters zieht die Familie Nickleby - Mutter, Tochter Kate und der 19Jährige Nicholas - nach London, wo der reiche Bruder des Verstorbenen, Ralph Nickleby, sich um sie kümmern soll, was für ihn als nächstem Verwandten einer mittellosen Familie Pflicht ist. Er hat nichts übrig für die Verwandten, doch Kate und Nicholas sind noch ohne Ausbildung, daher nicht in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Ralph Nickleby schickt Nicholas so weit weg wie möglich - als Hilfslehrer in die Schule von Mr. Squeers, dem er geschäftlich verbunden ist.
Squeers´ Schule, Dotheboys Hall, liegt in Yorkshire. Dorthin machen sich Squeers, Nicholas und einige neue Schüler auf den Weg, und dort erlebt Nicholas dann all die entsetzlichen Härten, Brutalitäten, Grausamkeiten, die der Dichter selbst auf seiner eigenen Reise erlebt hatte. Angeblich, einem späteren Gerichtsprotokoll zufolge, bleibt Dickens´ Schilderung noch weit hinter der Realität zurück, was ich mir nach dem Lesen dieses Romans eigentlich nicht vorstellen kann.
Kranke Knaben wurden verprügelt und alleingelassen; mehrere Knaben, die in Folge von Erkrankungen erblindet waren, wurden zusammengesperrt und ihrem Schicksal überlassen; die Schlafräume waren von Ungeziefer verseucht, das Essen ekelerregend - „…in diese (kleinen hölzernen) Schalen goß Mrs. Squeers …eine braune Mischung, die irgendwie an aufgelöste Nadelkissen ohne Bezug erinnerte und als Porridge bezeichnet wurde. Eine winzige Kruste trockenen Brotes kam in jede Schale … Das war das Frühstück“.

Noch eine L e s e p r o b e (zum Nachweis der Qualität dieser Schule):
(Squeers fragt einen Schüler): „…was ist ein Pferd?“
„Ein Tier“, antwortete das Kind.
„Stimmt“, sagte Squeers. „Nicht wahr, Nickleby?“
„Es läßt sich wohl kaum bezweifeln“, murmelte Nicholas.
„Natürlich nicht“, fuhr Squeers fort. „Ein Pferd ist ein Vierfüßler, und Quadruped ist das lateinische Wort für Tier, das weiß jeder, der die Grammatik gelesen hat - wozu brauchte man sonst überhaupt eine Grammatik?“
„Wirklich, wozu?“ sagte Nicholas zerstreut.
„Und da du das gründlich gelernt hast“, wandte sich Squeers wieder an den Jungen, „kannst du jetzt in den Stall gehen und mein Pferd versorgen, aber reibe es tüchtig ab, sonst kriegst du selbst eine Abreibung. Die übrige Klasse geht Wasser heraufpumpen, bis euch jemand sagt, daß ihr aufhören dürft, denn morgen ist Waschtag, und da müssen die Kupferkessel voll sein.“
Mit diesen Worten entließ er die erste Klasse zu ihren Experimenten in praktischer Philosophie … „Das ist unsere Lehrmethode, Nickleby“, sagte er nach einer Pause.

SCHLUSSGEDANKEN

Dickens lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers nur selten von der spannungsreichen, bunten Handlung des Romans auf das Innenleben der Figuren. Es gibt auch kaum Zwischentöne oder Mischtypen - ähnlich wie schon im „Oliver Twist“. Nicholas Nickleby ist der edel denkende, moralische Gegenspieler des niederträchtigen, unmoralischen Mr. Squeers. Es wird in diesem Buch am Ende gut ausgehen, doch ich verrate nichts! Die Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere macht es dem Leser sehr leicht, sich zu entrüsten und Partei zu ergreifen. Dickens´ Verdienst ist ohne Zweifel das Erkennen und Aufzeigen sozialer Mißstände seiner Zeit. Da er schon zu seinen Lebzeiten ein vielgelesener Autor war, hatte er den Einfluß, Impulse zur Verbesserung der herrschenden Zustände zu geben. So steht in seinen Romanen die Analyse der zeitgenössischen Wirklichkeit, die Wechselbeziehung zwischen dem gesellschaftlichen Umfeld und dem individuellen Charakter im Vordergrund.

Ich empfehle jedem, der sich von einem Roman nicht nur unterhalten lassen möchte, die Lektüre einiger Werke von Charles Dickens, ob in der Originalsprache (z.B. aus dem Verlag Collins) oder in einer Übersetzung (die ich jetzt nicht nennen kann, weil die von mir benutzte Ausgabe von Collins schon mehrere Jahrzehnte alt ist). Aus diesem Grunde ist auch die Nennung des damaligen Preises nicht von Belang.

Verfilmt wurde „Nicholas Nickleby“ mindestens viermal. Die älteste Version scheint aus dem Jahre 1903 (USA) zu stammen, die jüngste war eine sechsteilige Fernsehserie aus Großbritannien, die 1980 im Dritten Programm der ARD zu sehen war.

Diesen Bericht habe ich zu meinem heutigen Ciao – „Geburtstag“ geschrieben. Ich danke allen, die ihn lesen, bewerten und evtl. kommentieren!

Uwe


 


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Bewertung für Nicholas Nickleby (2002) von  Marc12

Pro: gelunge Umsetzung
Kontra: -

...- Nicholas Nickleby Christopher Plummer - Ralph Nickleby Timothy Spall - Charles Cheeryble Juliet Stevenson - Mrs. Steers Filmstab: Regie: Doulgas McGrath Produzenten: Simon Channing Williams, John N. Hart, Jeffery Sharp Drehbuch: Douglas McGrath Filmmusik: Rachel Portman Weitere Infos: US-Titel: Nicholas Nickleby Genre: Drama Land: USA, Großbritannien, Deutschland, Niederlande Jahr: 2002 Länge: 132 Minuten FSK: ab 12 Jahren Mein Meinung Regisseur und Drehbuchautor Douglas McGrath hat sich da einen ganz schweren Brocken ausgesucht. Er geringerer als Charles Dickens hat den Roman „Nicholas Nickleby“ geschrieben. Eine über 800 Seiten Roman von Dickens hätte man locker in eine kleine Serie packen können, soviel gibt die Story her. Kaum zu glauben, dass es McGrath gelungen ist, dies in einen 2 Stunden Film zu... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als hilfreich

hilfreich
13.12.2005

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