Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Möglichkeit als "Erwachsener" sein Abi zu machen, kostenfrei |
| Kontra: |
wenig Fachbücher, teilweise mangelnde Motivation, wenig Sprachangebote |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Willkommen in meinem Leben.
In diesem Bericht erfahrt ihr etwas über das „Produkt“, das momentan einen großen Teil in meinem Leben einnimmt! Nein, es ist kein Mann, sondern das Niederrhein-Kolleg.
●●●●● Muss das nicht College heißen? ●●●●●
Beginnen möchte ich gleich mit der Aussprache dieses Wortes, bzw. mit der Tatsache, dass ein Kolleg nichts mit dem Amerikanischem College zu tun hat. Kolleg ist ein deutscher Begriff, wird also auch nicht englisch ausgesprochen, sondern wie das deutsche Wort Kollege, nur eben ohne e.
Wie viele Wörter ist es lateinischen Ursprungs und kommt von collegium, was soviel wie Gemeinschaft bedeutet.
●●●●● Was ist das und was macht Trisa da? ●●●●●
Ein Kolleg ist eine Schule für Erwachsene, die momentan normalerweise in drei Jahren zum Abitur/Allgemeine Hochschulreife führt. Ein Kolleg unterscheidet sich auch ziemlich von den Kollegschulen oder Berufskollegs, die es in einigen Bundesländern gibt. Diese sind oft auf eine bestimmte Richtung spezialisiert und meistens nur jüngeren Menschen zugänglich, da sie entweder auch zu einem Berufsabschluss führen oder ähnlich den gymnasialen Oberstufen sind.
Im Gegensatz zu Abendschulen/Abendgymnasien findet der Unterricht am Kolleg tagsüber statt und im Vollzeitunterricht. D.h. Man kann nicht berufsbegleitend ein Kolleg besuchen.
Kollegs sind (meist staatliche) Einrichtungen des Zweiten Bildungsweges(ZBW), mehr dazu später.
●●●●● Das NRK (allgemein) ●●●●●
NRK ist die Abkürzung für das Niederrhein-Kolleg. Dieses wurde bereits 1953 (als Oberhausen Kolleg) gegründet und war damals das zweite Kolleg in Deutschland und das erste in Nordrhein-Westfalen. Wie einige bereits richtig vermutlich liegt es in Oberhausen in NRW. Relativ nahe der Innenstadt und in Autobahnnähe. Direkt vor der Schule befindet sich eine eigene Bushaltestelle (Niederrhein-Kolleg), von der ein Bus innerhalb weniger Minuten u.a. zum Hauptbahnhof fährt.
Genaue Schüler- und Lehrerzahlen sind mir leider nicht bekannt, ich kann also nur grob schätzen, dass es etwa 35 Lehrer gibt und 350 Studierende.
●●●●● Mein Weg ans NRK ●●●●●
Vor etwas mehr als einem Jahr begann ich mich intensiver mit der Möglichkeit nachträglich mein Abitur zu machen, zu beschäftigen. Damals lebte ich seit zwei Jahren in Bayern, wo ich mich jedoch als Ruhrpottmensch nie richtig heimisch gefühlt habe. Ich steckte in einer Arbeitsgelegenheit, die mir zwar Spaß machte, jedoch befristet war. Es war mehr als unsicher, was danach folgen sollte. Mein Sachbearbeiter bei der ARGE hatte nichts als sinnlose „Weiterbildungen“ (die diesen Namen eigentlich nicht verdienen) für mich und war der Meinung, dass es das Beste sei, über einen Aushilfsjob wieder im Einzelhandel zu arbeiten. Meine Wohnung war nichts auf Dauer, weder gefiel mir die Gegend noch der Preis, zudem stand ein Umbau an. Und in Bayern habe ich mich nie wirklich wohl gefühlt. Ich wollte mich durch einen Job und eine neue Wohnung nicht noch mehr an Augsburg binden. Zudem sah ich den Einzelhandel nie als dauerhaftes Ziel an.
Zunehmend bemerkte ich in den letzten Jahren, wie meine Bildung mehr und mehr den Bach herunter ging. Diverse Foren, jenseits jeglicher Rechtschreibregeln leisteten ihren Beitrag dazu. In mir wuchs und wuchs das Gefühl, dass dies nicht mein Weg ist.
Ein Studentenleben war lange nichts erstrebenswertes für mich, im Hinterkopf hatte ich die Vorstellungen von Studenten, die ich früher kennen gelernt habe.
Und doch führten mich meine Gedankenreisen nach und nach Richtung Abitur. Ein Bekannter von mir, bereits einige Jahre älter als ich, hat damals einen Abschluss auf dem ZBW nachgemacht, mit großem Erfolg. So schwer konnte das also alles nicht sein, dachte ich mir. Zudem reizte mich auch die Möglichkeit woanders einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Der Zweite Bildungsweg (ZBW) bietet Menschen, die aus dem schulpflichtigem Alter heraus sind, die Möglichkeit Schulabschlüsse nachzumachen, zum ZBW gehören neben den Kollgs auch Abendsschulen und ich glaube auch Fernlehrgänge.
Ich schaute mir zwar damals auch das Bayernkolleg an, ließ mir Unterlagen einiger anderer Kollegs zukommen, aber entschied mich letztendlich aus verschiedenen Gründen für das NRK und damit für meine frühere Heimat, das Ruhrgebiet.
●●●●● Bewerbung, Voraussetzungen und Aufnahme ●●●●●
Alles begann mit einem Telefonat mit dem Sekretariat. Es war sehr angenehm, freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend, das genaue Gegenteil zu Gesprächen bei der ARGE, die mich zu dieser Zeit begleiteten. Danach folgte einige Telefonate mit einer Beratungslehrerin. Die Bewerberberatung findet normalerweise persönlich statt, doch wegen der großen Entfernung ging es bei mir zuerst auch telefonisch.
Um mir das Wohnheim anzusehen, indem ich ein Zimmer anmieten wollte und zur Beglaubigung meiner Zeugnisse, fuhr ich einige Wochen später dann aber doch zu einem persönlichen Gespräch.
Dass ich die Voraussetzungen erfülle, erfuhr ich allerdings bereits im Vorfeld. Im Gegensatz zu einigen anderen Kollegs gibt es am NRK in der Regel keine Aufnahmeprüfung, wenn man die Voraussetzungen erfüllt:
-man muss mindestens 19 Jahre alt sein
-eine abgeschlossene Ausbildung haben ODER drei Jahre Berufstätigkeit nachweisen (hierzu zählen allerdings auch Wehr-und Ersatzdienstzeiten, Führung eines Familienhaushaltes (mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen) oder Arbeitslosigkeit)
- die Fachoberschulreife besitzen (Alternativ kann man eine Aufnahmeprüfung machen oder einen Vorkurs besuchen, der bei der örtlichen VHS (Volkshochschule) angeboten wird
Der zu stellende Antrag ist nicht allzu umfangreich und sollte für die meisten problemlos auszufüllen sein. Weiterhin muss man einen Lebenslauf und Zeugniskopien einreichen.
Nachdem ich alle Unterlagen abgegeben hatte, bekam ich kurze Zeit später den Aufnahmebescheid, mit dem ich dann auch Bafög beantragen konnte.
●●●●● Finanzierung, Bafög und Kindergeld ●●●●●
Kollegs sind förderungsfähig nach dem Bafög, man kann Schülerbafög beantragen, welches im Gegensatz zum „normalen“ Bafög darlehensfrei und elternunabhängig gewährt wird. Es gibt jedoch nach oben hin eine Altersgrenze, welche mir allerdings nicht genau bekannt ist, nähere Auskünfte erteilt das Bafög-Amt.
Der Bafög-Antrag ist auch recht schnell gestellt, man sollte nur darauf achten, dies rechtzeitig zu machen, da die Bearbeitung mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Und erst wenn der Antrag bewilligt ist, bekommt man Geld.
Wer unter 25 ist (in Ausnahmefällen 27 Jahre), ist zudem auch Kindergeld-berechtigt, damit habe ich anfangs überhaupt nicht gerechnet, da ich seit meinem 16.Lebensjahr kein Kindergeld mehr bekommen habe. Die Anträge dafür müssen von den Eltern bei der Familienkasse gestellt werden.
Wie bereits oben erwähnt darf man zwar nicht berufstätig sein, jedoch sind Nebenjobs erlaubt und möglich, so lange sie sich mit den Unterrichtszeiten vereinbaren lassen.
Da das NRK eine staatliche Schule ist, entstehen keinerlei Schulkosten, anders sieht es an den sehr wenigen privaten Kollegs in Deutschland aus. Die meisten Schulbücher bekommt man ebenfalls von der Schule ausgeliehen, genauso wie an anderen Schulen. So müssen z.B. Schulmaterialen selbst gekauft werden (Ordner, Taschenrechner, usw.).
●●●●● Äußerer Eindruck ●●●●●
Das NRK besteht aus drei Hauptgebäuden, in denen sich die Klassenräume und Fachräume befinden. Ebenso gibt es eine kleine Cafeteria mit Dachterrasse und eine kleine Aula, wo z.B. besondere Veranstaltungen stattfinden. Der Schulhof befindet sich zwischen den Gebäuden, wird allerdings seit dem Nichtraucherschutzgesetz kaum noch genutzt. Die Raucher, sowohl Studierende wie auch Lehrer, dürfen seitdem nur noch außerhalb des Schulgeländes rauchen, also vor dem Schultor an der Straße/Bushaltestelle.
Hinter den Gebäuden befinden sich die Wohnheime, in denen Schüler und Schülerinnen für 170€ Pauschalmiete ein Zimmer anmieten können. Dort lebe ich auch seit meinem Umzug zurück ins Ruhrgebiet. Sehr schön finde ich, dass es nicht ein großer Block ist, sondern einzelne Häuser, in denen jeweils 6 Zimmer sind, weiterhin gibt es eine Gemeinschaftsküche, ein Bad und zwei Toiletten. Ein Bild vom Wohnheim habe ich angehängt.
●●●●● Innerer Eindruck ●●●●●
Ich bin nun im zweiten Semester. Die Ausbildung ist in 6 Semester gegliedert, die jeweils ein halbes Jahr dauern, also wie ein Schulhalbjahr. Viele andere Kollegs haben statt der Semester einzelne Schuljahre. Die Vorteile der Semesterregelung sind, dass man sowohl zum Sommer- als auch zum Wintersemester anfangen kann, entweder also im Februar oder nach den Sommerferien.
Die Ferien sind dieselben wie an allen anderen Schulen in dem jeweiligen Bundesland. Zusätzlich gibt es zwei bewegliche Ferientage, die z.B. in unserer Gegend am Rosenmontag sind.
Durch diese Semesterregelung wird man jedoch nicht nur zweimal versetzt, sondern insgesamt fünf Mal, man kann also bereits nach einem halben Jahr sitzen bleiben. Allerdings muss man im Wiederholungsfall auch nur ein Semester anstelle eines Schuljahres wiederholen.
Die ersten zwei Semester bilden die sogenannte Einführungsphase. Diese dient dazu alle angebotenen Fächer kennen zu lernen, außerdem werden Grundlagen wiederholt, um den Leistungsstand aller Schüler anzugleichen (jeder hat ja eine andere Vorbildung und der Schulbesuch liegt schon einige Jahre zurück). Danach folgt die viersemestrige Kursphase, in der man seine Grund-und Leistungskurse wählt, ähnlich wie in der gymnasialen Oberstufen.
Auch die Versetzungsregelungen sind ähnlich, man sollte also auf ausreichende Leistungen achten.
Als ich im August 2007 begonnen habe, gab es vier Erstsemesterklassen, im zweiten Semester sind wir mittlerweile nur noch drei Klassen. In jeder Klasse sind zwischen 15 und 22 SchülerInnen.
Womit ich anfangs nicht gerechnet habe, ist der Altersdurchschnitt. In meiner Klasse sind gerade einmal zwei über 40-jährige, die damit eine ziemliche Ausnahme sind, die meisten sind jünger als dreißig, ein Großteil sogar unter 25 Jahre.
●●●●● Der Unterricht ●●●●●
Dieser findet von Montags bis Freitags statt und ist in Schulstunden a 45 Minuten gegliedert. Die erste Stunde beginnt um 7.30 Uhr, die achte endet um 14.50 Uhr, freitags ist spätestens um 13.00 Uhr Schluss. Dazwischen gibt es natürlich ausreichend Pausen. Je nach Stundenplan und gewählten Fächern hat man zwischendurch auch die ein oder andere Stunde unterrichtsfrei.
Die Unterrichtsfächer sind in drei Bereiche gegliedert:
Sprachen und Kunst
Gesellschaftswissenschaften
Mathematik/Naturwissenschaften
und Religion erfolgt ohne Zuordnung.
Während man ab dem dritten Semester seine Kurse selbst wählt und damit mehr Einfluss auf seine Unterrichtsfächer nehmen kann, gibt es in der ersten beiden Semestern lediglich wenige Wahlfächer. Im ersten Semester werden Religion, Soziologie und Erdkunde angeboten, von denen mindestens zwei gewählt werden müssen, im zweiten Semester hatte ich die Wahl zwischen Philosophie, Kunst, Religion und Volkswirtschaftslehre.
Für alle verpflichtend ist in der Einführungsphase Deutsch, Mathematik, Geschichte und normalerweise auch Englisch und eine zweite Fremdsprache, wobei man zwischen Französisch und Latein wählen kann. Ich weiche ein bisschen von der Form ab, da ich aufgrund meiner Vorbildung, die Möglichkeit hatte Latein abwählen und diese natürlich sofort genutzt habe!
Sollte wirklich jemand den Bericht lesen, der mit dem Gedanken spielt, am NRK sein Abi zu machen, dann muss ich dazu sagen, dass sich die Fächerauswahl geringfügig verändern kann. Bei mir war es so, dass ich im ersten Semester noch zusätzlich Chemie und Informatik und im zweiten Semester nun Biologie und Physik.
Mit Erschrecken habe ich damals die Sporthalle und den Sportplatz gesehen und ahnte Fürchterliches, ich sah mich schon kopfüber vom Barren fallen oder aufgespiesst beim Versuch des Stabhochsprunges. Zum Glück bleibt uns das alles hier erspart, die Sporthalle ist mittlerweile Eigentum der Stadt und es trainieren diverse Vereine dort, ebenso auf dem Sportplatz. Auf manch anderem Kolleg gehören allerdings auch Sport und Musik auf den Stundenplan.
●●●●● Alltag ●●●●●
Während ich an diesem Bericht schreibe, wird mir bewusst, wie sehr das alles mittlerweile zum Alltag geworden ist. Anfangs war alles neu und ungewohnt, man musste sich erst wieder an das handschriftliche Schreiben gewöhnen, an Stundenpläne, Klassenräume, Lehrer und auch das Lernen an sich. Ich war zuletzt 1998 täglich in der Schule und damals hatte ich auch meist kürzere Schultage. Es war schon eine Umstellung, doch ich muss sagen, dass ich mich sehr daran gewöhnt habe und bereits nach einigen Wochen ganz und gar im Schultrott drin war. Verschlafen, Zuspätkommen, brav aufzeigen, Hausaufgaben machen oder von jemandem abschreiben, Spickzettel schreiben (natürlich nur zur Vorbereitung), Klausuren, usw.
Da man sich als volljähriger Schüler teilweise selbst entschuldigen kann, manchmal das Bett über die pq-Formel, die französische Revolution oder Cytoloie siegt, kann es schnell passieren, dass man zuviele Fehlstunden ansammelt, die zu schlechteren Noten führen. Und ich finde es auch sowohl für Studierende wie auch für Lehrer demotivierend, wenn an einem zu heißen oder zu kalten Tag mal locker die Hälfte der Klasse nicht anwesend ist.
Auch wenn mich so mancher Unterrichtstoff langweilt und ich schon ein paar Mal kritisch reflektierte, ob das die richtige Entscheidung war, so bereue ich es keinesfalls. Ich glaub gelegentliche Sinnkrisen gehören dazu, vor allem wenn man noch nicht genau weiß, was danach kommt, bzw. ob die angedachten Wege sich wirklich so gehen lassen......
Kurzbewertung zu Niederrhein-Kolleg
Bewertung für Niederrhein-Kolleg von
jaja85
ich werde mir morgen ein Zimmer anschauen :-
). Vielleicht lernen wir uns dann ja mal kennen.
Was mich noch interessieren würde- sind das gemischte Häuser?? Muss ich mir evtl. mit 2 männlichen Mitbewohnern das Bad teilen ??
Gruß Julia
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als weniger hilfreich |
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23.06.2008
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