Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
sehr gute Darstellung der philosophie nietzsches |
| Kontra: |
- - |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Kaufmann war ein amerikanischer Philosoph, der 1921 in Freiburg geboren wurde und 1939 nach Amerika auswanderte. Er studierte in Harvard und promovierte über Nietzsches Werttheorie. 1980 starb er in den USA. Er übersetzte einige Werke Nietzsches ins englische und trug dazu bei das verzerrte Nietzsche–Bild aufzuklären.
So bestand Nietzsches Hautpwerk nicht aus dem Nachlass (dem sog „Willen zur Macht“) auch zeigt Kaufmann schlüssig, dass er kein romatischer Antiaufklärer war sondern in der Tradition Goethes und Heines anknüpft. Nicht zuletzt war Nietzsche weder ein Pronazi noch ein Nationalist und Militarist bzw Antisemit.
Kaufmanns Biografie ist ein äusserst nützliches und aufklärerisches Werk, daß in das Denken des Philosophen einführt , Hintergründe erklärt und Missverständnisse ausräumt. Obwohl Kaufmann kein Nietzscheaner ist, kann er seine Philosophie hervorragend interpretieren. Diese Biografie bzw Gesamtdarstellung ist sehr lesenswert, besonders weil er die anderen Interpretationen (Jaspers,George) nicht vergisst und sich ausführlich damit beschäftigt.
Zum Werk in einzelnen: Es ist keine Auflistung von Nietzsches Stationen mit Jahresangaben sondern eher eine Interpretation der Philosophie im Lichte Nietzsches Lebens. So beginnt das Werk denn auch mit einer Darstellung des Hintergrundes Nietzsches Denkens. Nach einer Einführung in die Methode seiner Philosophie kommt Kaufmann zu dem bekannten „Tod Gottes“ Aphorismus und stellt ausführlich Nietzsches Position dar.
Im zweiten Teil gibt er eine Zusammenfassung Nietzsches Denkens. Kunst und Geschichte werden wie seine Haltung zu Darwin und Rousseau, bzw zur Macht/Staat beleuchtet.
Im dritten Teil setzt sich Kaufmann mit den zwiespältigen Begriffen der Herrenrasse und dem Übermensch auseinander. Er tut dies sehr subtil und stellt dar, dass Nietzsche in seinen persönlichen Anmerkungen alles andere als ein Nationalist und Deutschtümler war (in der Tat sah sich Nietzsche lieber in der Rolle des polnischen Edelmanns- der er aber nicht war). Der Missbrauch dieser Begriffe ist nicht Nietzsche anzulasten.
Im vierten Teil schreibt Kaufmann über Nietzsches Verhältnis zu Christus und Sokrates. Er stellt dar , dass Nietzsche zwischen dem Glauben Jesu und dem der Apostel sehr wohl unterschied und Paulus als den ersten Christen ansieht. Paulus war nicht in der lage Jesu zu folgen und seine strengen Gesetze zu beachten- deshalb erfand er den Glauben an Christus. Der Glaube als Heilmittel für die, die unfähig sind das zu tun was sie für richtig halten.
Schliesslich stellt Kaufmann Nietzsches Verhältnis zu Sokrates das, welches ebenso zwiespältig war. Während sich andere Kritiker mehr mit der Nietzsche-Kritik an Sokrates beschäftigen, zeigt Kaufmann, dass er auch viel mit dem Griechen gemeinsam hatte.
Insgesamt ist diese kritische Gesamtdarstellung mit das beste was es an Nietzsche Biografien gibt. Wer die Geduld und das Interesse mitbringt kann hier eine ausführliche Einführung und Erläuterung Nietzsches Philosophie lesen. Das Buch kostet 30 DEM und ist in der Wiss. Buchgesellschaft erschienen (500 S).