Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
wunderbare Satire / kurze und knappe Geschichten / sehenswerte Karrikaturen |
| Kontra: |
höchstens die bayrische Sprache : - ) |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Liebe Leserinnen und Leser,
es ist zwar noch nicht Weihnachten, und ich versuche auch in diesem Jahr was die Einkäufe diverser Weihnachtsutensilien, von diversen Geschenken, die ich schon beizeiten bunkere abgesehen, standhaft den Lockangeboten der Supermärkte zu trotzen, denn angesichts herbstlichen Wetters verbunden mit nassen Füssen dank Dauerregen und Sturmböen bei milden 15°C kann ich mich für Lebkuchen und Co. beim besten Willen noch nicht erwärmen.
Bei Schmusenasens war jedoch just weiteres Ausmisten angesagt, da mache ich auch vor unseren Bücherregalen nicht halt.
Dabei ist mir ein kleines Büchlein in die Hände gefallen, dessen Existenz in unserem Hause mir gar nicht mehr bewusst war und dass ich gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit einmal vorstellen möchte.
***Kaufort / -grund und –preis***
Gekauft hatte ich das Buch vor einigen Jahren bei amazon.de. Der Preis liegt aktuell bei 9,90 Euro für die gebundene Ausgabe; ich schätze mal, dass dies auch schon seinerzeit der Buchpreis war. Gekauft habe ich das Büchlein, weil der Sketch alle Jahre wieder pünktlich zum Nikolaustag „Nikolausi“ im Radio zu hören ist, und jedes Mal muss ich über diese groteske Kurzgeschichte herzlich lachen.
Da ich damals noch nicht so sehr den Hörbüchern zugetan war – inzwischen haben wir den Dialog zwischen Vater und Sohn natürlich auch auf CD – habe ich eben zum Büchlein gegriffen.
***Die Autoren***
Das kleine Büchlein, das nicht nur das bekannte Werk „Nikolausi“ enthält, aber dazu einige Zeilen später mehr, stammt aus der Feder von Gerhard Polt und Hanns Christian Müller. Gerhard Polt, geboren in München am 07. Mai 1942, aufgewachsen in Altötting, studierte in Göteborg und München. Polt ist Skandinavist und Sänger, fühlt sich aber auch inzwischen in der Satire und beim Kabarett durchaus wohl. Ab und erlaubt er sich auch einen Ausflug in die Schauspielerei; so wirkte er beispielsweise in der Posse „Man spricht deutsh“, aber auch in dem Film „Germanikus“ mit.
Wer mehr über Herrn Polt erfahren möchte, für den lohnt sich ein Ausflug auf die Website: http://www.biermoesl-blosn.de/polt/.
Hanns Christian Müller, ebenfalls geboren in München am 14 April 1949, ist Regisseur, Komponist und Schriftsteller. Er hat schon einige literarische Preise eingeheimst.
Über ihn erfährt der geneigte Leser mehr unter : http://www.h-c-mueller.de/.
***Nikolausi und andere Geschichten***
Neben Nikolausi enthält das Buch noch die Geschichten:
Advent
Der Einsame
Sankt Nikolaus
Der Weihnachtsneger
Die Weihnachtsgratifikation
Doch fangen wir am Anfang an:
Nikolausi
Der kleine Sohn versucht auf seine einfältige, naive Art, dem Vater den Osterhasen als Nikolaus zu verkaufen.
Anfänglich versucht der Vater noch ruhig und wortreich dem Kleinen zu erklären, warum und weshalb es sich eben nicht um den Nikolaus handelt. Doch all sein Mühen bleibt ungelohnt: das einzige was dem Kleinen zu entlocken ist, ist „Nikolausi“.
Der Vater gerät mehr und mehr in Rage, doch alles hilft nichts: Der Kleine bleibt bei seinem Nikolausi und behält am Ende noch das letzte Wort, während dem Vater der Kamm schwillt ...
Advent
„Abfent, Abfent, ein Lichtlein prennt. Abfent, hein Lichtlein preennt ...“
Eine Reporterin gibt sich auf dem Gschwendtnerhof in Oberbayern die Ehre und versucht, mit dem be- und versoffenen Bauern ein Interview über die Adventszeit und die damit verwobenen Traditionen zu führen.
Das Ganze gerät zur Farce, denn der Herr des Hauses, Herr Gschwendtner, spricht während des Interviews einem zünftigen Bier zu und philosophiert über das Weihnachtsessen und die Zeit nach Weihnachten, sprich Fasching.
Der Einsame
Das Ehepaar Böhm beschließt, in der Vorweihnachtszeit an einem Adventsnachmittag einen alleinstehenden Menschen für ein paar Stunden zu sich zu nehmen, um etwas Gutes zu tun. Auslöser für diese selbstlose Aktion, die vom Finanzamt als steuerlich absetztbar anerkannt wird und darüber hinaus vertraglich geregelt ist, ist der Umstand, dass Frau Böhm vor einigen Jahre Weihnachten im Krankenhaus alleine und ihr Mann respektive zuhause alleine zubringen musste. Ob dieser Erfahrung muss nun also jemand her, der einsam ist. Die Dame vom Amt hat es mit dem Ehepaar nicht leicht. Zahlreiche Personen werden vorgeschlagen, doch es sollen weder Kinder noch Jugendliche sein, noch Ausländer oder gar ein Raucher. Schlussendlich einigt man sich auf einen pensionierten, nichtrauchenden Beamten.
Der Tag kommt, und der gebuchte Einsame ist für einige Stunden Gast bei Böhmes, die selbigen mit allerlei „Leckereien“ aus dem Supermarkt bedenken, die er aus gesundheitlichen Gründen jedoch weitergehend ablehnt.
Statt eine Unterhaltung mit dem Gast zu führen, wird seitens der Gastgeber einseitig über die Hintergründe ihrer Aktion „philosophiert“ bzw. über das Angebot des Supermarktes sinniert.
Schlussendlich wird auch noch die Glotze eingeschaltet; ein denkwürdiger Adventssonntag für alle Beteiligten, den man vertragsgemäß pünktlich um 22.30 Uhr beendet.
Sankt Nikolaus
Durch die durch dunklen Straßen einer Trabantenstadt hastet ein gemieteter Nikolaus, der von Autofahrern als Verkehrshindernis beschimpft wird, als er sich samt Nikolaussack mitten auf der Straße auf die Nase legt, und der von Rockern als Kinderschreck verspottet und angepöbelt wird.
Halbwegs pünktlich, wenngleich ob der Flucht vor den Rockern leicht derangiert trifft er bei der Familie ein, für deren Sohn er den Nikolaus geben soll. Doch scheint das Erscheinen des Nikolaus nicht unbedingt willkommen: Die Glotze läuft, und halbherzig sagt der Sohn des Hauses sein Verslein auf. Er bekommt sein Präsent, der Nikolaus wird bezahlt und schon ist der Spuk vorüber. Allerdings nicht für den Nikolaus, denn unten auf der Straße warten ja die Rocker, was der eben noch beschenkte Filius mit Freuden beobachtet ...
Der Weihnachtsneger
Frau Demmeler gibt zum Besten, dass sie Weihnachten einen Neger bestellt hatte, einen seriösen, aus gutem Hause. Hintergrund war die Aktion Brot für die Welt. Allerdings monierte sie, dass der gute Mann stark geschwitzt hätte, was besonders ihrem Mann missfiel. Der Sohn hatte ohnehin keinen Sinn für Neger, denn er steht mehr auf Indianer, weshalb zum kommenden Weihnachtsfest dann ein Weihnachtsindianer auf dem Programm stünde ...
Die Weihnachtgratifikation
Eine alte Dame steht in einer Telefonzelle und reklamiert lautstark telefonisch ihre Weihnachts-Gratifikation in Höhe von 14,80 DM ...
***Meinung***
Manchmal hat es seinen guten Grund, warum man die Lektüre so manchen Druckwerkes schnell wieder vergisst: Mal liegt es an der flachen und oberflächlichen Art, mal liegt es aber auch daran, dass einem das Gelesene im Nachhinein schwer im Magen liegt, und man es ob der Unverdaulichkeit gerne verdrängt.
Im Falle von „Nikolausi und andere Geschichten“ trifft bei mir letztere Variante zu. Das Büchlein ist eine Satire, die zwar zum Schmunzeln einlädt, allerdings auch einen gehörigen moralischen Nachbrenner hat.
Während „Nikolausi“ dem Leser vor Augen führt, wie beharrlich kleine Kinder doch manchmal sein können, was uns Erwachsene oftmals gerne an den Rande des Wahnsinns treibt, so sind die übrigen Geschichten doch im Nachgang weniger amüsant, halten sie dem Leser doch unerbittlich den Spiegel vor.
Was verbinden wir eigentlich mit der Advents und Weihnachtszeit?
Für viele ist es ein Abspulen von Traditionen, von denen die meisten eigentlich im Grunde ihres Herzens nicht wirklich überzeugt sind, wenn sie einmal ehrlich ihr Tun hinterfragen.
Während die Vorweihnachtszeit meist geprägt ist von der Planung und Vorbereitung der Festtagsvöllerei, des Zufriedenstellens des Nachwuchses durch die Beschaffung sinnvoller und unsinniger Präsente, so bleibt doch der Sinn des Weihnachtsfestes unterm Strich völlig auf der Strecke.
Natürlich darf in der Vorweihnachtszeit auch das Gutmenschentum nicht außer Acht gelassen werden. Da wird gespendet auf Teufel komm raus, Hauptsache steuerlich absetzbar. Den Rest des Jahres hat man dann wieder ein gutes und reines Gewissen, bis zum nächsten Weihnachtsfest ...
Nicht zu vergessen auch das sagenumwobene Weihnachtsgeld, das für viele unverzichtbar ist!
Ich habe nach der erneuten Lektüre des Büchleins einige Tage darüber nachgedacht, was sich denn in unserer Familie so in der Vorweihnachtszeit tut.
Zwar buchen wir keinen Nikolaus, auch gibt es bei uns an den Weihnachtsfeiertagen keine besonderen Menüs – die Weihnachtsgänse, -puten und –enten habe ich schon vor Jahren abgeschafft, weil ich einfach keine Lust mehr habe, die meiste Zeit am Herd zu stehen und die Meute zu bekochen, statt mit meiner Familie in Ruhe die Bescherung zu feiern und anschließend mit den Kindern ihre Weihnachtsgeschenke zu bestaunen und auszuprobieren -, allerdings ist auch bei uns Weihnachten zumindest im weiteren Familienkreis fast schon ein durchlaufender Posten, denn die Weihnachtsfeiertage hat man eigentlich kaum Ruhe, sondern ist entweder unterwegs auf Familienbesuch bzw. die Familie fällt bei einem selbst ein. Ruhe und Besinnlichkeit sind auf diese Weise nur schwer zu erlangen.
Offen gestanden würde ich gerne auf die Familienbesuche verzichten, um mehr Zeit für meine Männer zu haben, statt Tage vorher das Haus zu schrubben und zu wienern, einzukaufen und vorzukochen, weil ich mit der Bewirtung mal wieder an der Reihe bin. Allerdings wären dann die Omas und Opas, Tanten, Onkel und sonstige Anverwandte tödlich beleidigt. So beuge ich mich denn der Familientradition, um unnötigen Ärger zu vermeiden.
Doch alles in allem muss ich ein wenig kleinlaut zugeben, dass auch in meiner Familie Weihnachten mehr und mehr zu einem Zwischenstopp zwischen anderen Ereignissen im Laufe eines Jahres verkommt.
Mit meinen Söhnen pflege ich zwar schon seit Jahren die Tradition des Plätzchen Backens und des Advents- und Weihnachtsliedersingens, auch dekorieren wir gemeinsam das Haus am letzten Wochenende vor dem ersten Advent, doch offen gestanden war das beinahe dann auch schon alles. Natürlich sind Weihnachtslieder wie auch die Weihnachtsgeschichte ein fester Bestandteil des Heiligabend-Rituales, mehr aber irgendwie auch nicht.
Wie sagt man so schön: Die Erkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Möglicherweise gelingt es mir ja in diesem Jahr ein wenig Tempo aus dem vorweihnachtlichen Treiben herauszunehmen und mich dank der mahnenden Worte der Autoren, die man zwischen den Zeilen liest, ein wenig mehr auf den Sinn der Advents- und Weihnachtszeit zu besinnen ...
Ich finde das Büchlein klasse, gerade weil es einem so unverblümt vermittelt, wie unfeierlich doch im Grunde das Treiben rund um die Feiertage inzwischen geworden ist.
Ich empfehle es gerne weiter und vergebe, wenngleich ich mit der bayrischen Sprache ewig auf Kriegsfuß stehen werde, die Höchstwertung.
Nun danke ich wie immer für Lesungen und Kommentare, gegen Bewertungen habe ich natürlich nix *g* einzuwenden!
schmusenase