Aufbruch in eine neue Aera
24.10.2004
Pro:
Sehr fortgeschrittene Fotografie mit grenzenlosen Moeglichkeiten
Kontra:
Nicht fuer den Strandurlaub oder Unbegeisterte geeignet
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Verarbeitung
Ausstattung
Bildqualität
Akkulaufzeit
Bedienung
mehr
 coosy
Über sich:
Mitglied seit:18.06.2000
Erfahrungsberichte:121
Vertrauende:13
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 64 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich bin jetzt seit knapp 6 Monaten stolzer Besitzer einer Nikon D70. Trotz meiner frueheren Besessenhait mit Canon hatte ich mich entschlossen, meine Kamera (Canon EOS 50) gegen eine Nikon zu tauschen, und mir daher zunaechst eine gebrauchte F-801 gekauft. Kurze Zeit spaeter folgte dann die D70. Die Nikon D70 laeutete eine neue Aera in der ambitionierten Hobby-Fotografie ein. Was weniger ambitionierte Knipser schockieren mag, ist sicherlich der Preis, aber mit rund 1000 Euro stimmt mir sicherlich jeder Foto-Begeisterte zu, dass man nicht zu viel in eine "vernuenftige" Spiegelreflex-Kamera investiert hat.
Um es vorweg zu nehmen: wer hier die technischen Daten der Kamera sucht, wird enttaeuscht warden. Es handelt sich um einen Erfahrungsbericht, nicht um eine Produktbroschuere. Wer also die genauen technischen Daten sucht, sollte sich besser auf der Nikon-Seite umschauen. Ich denke, ich werde mal einige Kommentare dokumentieren, die ich bisher zu meinem neuen Liebling bekommen habe, und die es meist zu widerlegen gilt. 1. "Mensch, die ist ja toll. Ich glaube, die kaufe ich mir auch noch vor meinem Strand-Urlaub." Diesen Kommentar hoerte ich von meinem Chef, einem der "Besserverdienenden" unter uns. Um gleich mal eines vorweg zu nehmen: die Kamera ist gaenzlich falsch aufgehoben in den Haenden von Menschen, die keine Zeit investieren wollen, sich mit der Materie zu beschaeftigen. Sie ist kein Status-Symbol und keine idiotensichere "Point & Shoot" Kamera. Die D70 ist eine Bruecke zwischen digitaler und analoger Fotografie, ebenso wie sie ein Bindeglied ist zwischen dem ambitionierten Hobby-Fotografen und dem Profi.
2. "Ich hab mal ein Bild damit gemacht und das sieht ja viel schlechter aus als mit meiner kleinen schnuckeligen IXUS 4000". Natuerlich, lieber User! Die D70 ist keine Kamera, die dem Fotografen jegliche Arbeit abnimmt, wie es die kleineren Digitalkameras tun. Sie nimmt ein Bild genau so auf, wie es mit einer analogen Spiegelreflex-Kamera aufgenommen wuerde. Das heisst, sie vergibt auch keine Fehler und konfrontiert den Fotografen mit genau diesen Fehlern. Eben deshalb muss man sich auch mit ihr beschaeftigen und anfreunden. Niemand kann eine D70 einfach so benutzen, ohne Fotografie zu verstehen. Das klappt vielleicht, wenn man simple Aufnahmen macht (Viel Licht, etc), aber sobald man sich in schwierigere Regionen wagt (Nachtaufnahmen etc), so wird einem sehr schnell bewusst, dass man arbeiten muss. Die D70 ist eine vollwertige Spiegelreflex-Kamera, keine Schnappschuss-Kamera a la IXUS 400 oder Nikon Coolpix. Waehrend eine der kleineren Kameras viele Einstellungen (Blende, Weissabgleich, Belichtungszeit etc.) weitestgehend alleine macht, so braucht die D70 schon ein wenig mehr Feingefuehl und Geduld. Dann allerdings, produziert sie Bilder, die meist alle anderen Kameras erblassen lassen.3. "Sechs Megapixel? Bei der rasanten Entwicklung ist die doch bald veraltet!" Meist kommen solche Kommentare von Leuten, die ihre eigenen Kameras auch nur fuer Schnappschuesse benutzen. Ich will das nicht verurteilen, aber muss den Vorwurf an eine Vielzahl von Fachhaendlern und Herstellern weiterreichen, die immer wieder predigen, dass mehr Pixel bessere Bilder machen. Das ist Unsinn. Nehmen wir mal Otto Normalverbraucher, zum Beispiel. Er hat eine Digitalkamera Nikon D70 mit 6 Megapixeln und fotografiert mit voller Aufloesung (3008 x 2000 Pixel). FERNSEHER: Er hat einen Fernseher, auf dem er mittels DVD-Spieler seine gebrannten Bilder-CDs ansehen kann. Die Bilder sehen auf dem Fernseher ziemlich mies aus und jeder der Verwandten lacht insgeheim, weil die Kamera, die er so teuer gekauft hat, wohl doch nicht so gut ist. Falsch! Ein Fernsehbild hat in TV-Sender-Qualitaet etwa 720 x 576 Pixel, also rund 415.000 Pixel. Um also das Bild der D70 originalgetreu darzustellen benoetigt man eine Flaeche von 4 Fernsehern nebeneinander und 3 Reihen uebereinander. Selbst dann hat man allerdings nicht die volle Aufloesung (rechnerisch: 4,16 x 3,47 Fernseher nebeneinander / uebereinander). Der qualitaetsmindernde Punkt ist also der Fernseher, nicht die Kamera. DRUCKER: Als Drucker benutzt er einen HP Deskjet 995c Farb-Tintenstrahl-Drucker mit 1200dpi Aufloesung. Zugegeben, das Bild wuerde rechnerisch auf 6,37 x 4,32cm Groesse geschrumpft, aber in der Praxis benutzt niemand so hohe Aufloesungen, um Bilder zu drucken. In der Original-Aufloesung produziert die D70 Bilder mit 300dpi Aufloesung (im JPEG-Modus), die ausreichend sind, um Bilder mit DIN A3-Groesse zu drucken, ohne dass der Laie eine Qualitaetsminderung sieht. COMPUTER-ANSICHT: Ich kann nur wiederholen, was ich bereits beim Thema Fernseher gesagt hatte. Als Beispiel nehmen wir mal einen User, der einen 15-Zoll LCD-Bildschirm hat. Die meisten dieser Bildschirme haben eine Maximale Aufloesung von 1024 x 768 Pixeln, was dann bedeutet, dass man rund drei Bildscirme nebeneinander stellen kann und das in fast drei Reihen uebereinander, um das Bild in Originalgroesse zu sehen. Ich habe mal zwei Beispiele unten angehaengt.
4. "So ein grosses Geraet und meine Kamera hat doch auch schon 12-fachen Zoom!" Stimmt, fast jede kleine Digitalkamera hat heutzutage 12-fachen Zoom. Aber aufgepasst! In der Regel ist das dann ein dreifacher optischer und ein 4-facher Digital-Zoom. Das Wort "Digital-Zoom" laesst jedem Fotografen die Nackenhaare stehen, denn das bedeutet lediglich, dass die Kamera einen Ausschnitt des Bildes nimmt und ihn dann einfach auf die gewuenschte Pixel-Zahl vergroessert. Beim Benutzen eines 4-fachen Digitalzooms steht mir theoretisch nur noch 1/8 der Pixel zur Verfuegung. Fotografiere ich also ein Bild mit einer 4-Megapixel-Kamera und benutze den vollen Zoom (3-fach optisch + 4-fach digital) so ist die Groesse des Bildes zwar noch bei 4 Megapizeln, aber die Qualitaet des Bildes an sich entspricht 500.000 Pixeln. Digitaler Zoom ist also Nonsens, wenn es um Qualitaet geht. Bei der D70 kommt ein Effekt ins Spiel, der damit zu tun hat, dass der Bild-Sensor an sich kleiner ist als ein normales Foto-Negativ. Ohne weiter in Details zu gehen bedeutet das, dass man die Brennweite des Objektivs mit 1,5 multiplizieren muss, um die tatsaechliche Brennweite zu kennen. Ein 50mm-Objektiv produziert also das Bild eines 75mm-Objektivs. Dies hat Vor-und Nachteile. Der grosse Nachteil ist, dass man schon sehr gute Objektive braucht, um gute Weitwinkel-Bilder zu erstellen. Ich selbst habe ein 18mm-Objektiv, welches suendhaft teuer war, um die Brennweite eines (weit guenstigeren) 27mm-Objektivs zu erzielen. Vorteilhaft ist dieser Effekt allerdings bei Zoom-Aufnahmen. Bei einem Drachenboot-Ruder-Rennen hier in Singapur wollten wir schauen, wie weit unser deutsches Team an der Startlinie ist mit den Vorbereitungen. Eine Bekannte mit ihrer Digitalkamera zoomte digital heran und konnte schlicht nichts mehr erkennen, da die Startlinie 400m entfernt war und die Kamera das Bild bis zur Unkenntlichkeit verstuemmelte. Ich hatte an meiner D70 ein 300mm-Objektiv mit 2-fachem "Extender" angebracht. Rechnet man nun von der Linse aus, so ergibt sich: 300mm * 2 (Extender) * 1.5 (Kamera-Multiplikator). Ich hatte also eine Brennweite von 900mm, was schon recht stattlich ist. Ein Objektiv mit einer solchen Brennweite wuerde sonst schon einige Euros kosten. Ein Vorteil der Spiegelreflex-Kameras an sich ist ueberhaupt die Tatsache, dass man Wechsel-Linsen hat. Pauschal kann man sagen, dass die Bildqualitaet leidet, je kleiner die Linse ist. Hinzu kommt, dass ein Objektiv, welches grosse Brennweiten-Differenzen abdeckt meist schlechte Lichtwerte besitzt. Dies bedeutet, dass man bei groesseren Brennweiten weit mehr Licht benoetigt, um die Belichtungszeit zu verkuerzen, und somit ein verwacklungsfreies Bild zu erzielen. Kleinere Digitalkameras leiden an genau dieser Krankheit, weshalb man bei ihnen auch weit haeufiger einen Blitz benoetigt, als bei Spiegelreflex-Kameras. 5. "So eine grosse Kamera! Die braucht doch sicher hoellisch viel Strom!" und "Wieso kann ich nicht das Display als Sucher benutzen?" Der wirkliche Stromfresser in einer Digitalkamera ist das Display. Zugegebenermassen eine oft praktische Sache und bei der D70 einer der Schwachpunkte in einigen Situationen. Viele Digitalkameras haben gar keinen optischen Sucher mehr, sondern benutzen nur noch das Display als Sucher. Die D70 kann dies nicht. Sie ist eben eine waschechte Spiegelreflex und so gehoert es sich auch, dass der Fotograf durch den Sucher schauen muss. Ergebnis dieses Umstandes ist allerdings, dass man mit einem Batteriesatz locker rund 1000 Bilder machen kann. Bei sparsamer Benutzung sind es laut meiner Erfahrungen auf einem China-Urlaub auch schon mal 1300 Bilder.
6. "Fuer den schnellen Schnappschuss ist das doch nichts." Richtig und falsch. Sicherlich ist es weit umstaendlicher, eine so grosse Kamera mitzunehmen. Allerdings vergleich ich mal meine IXUS 400 mit der D70. Halte ich beide Kameras in der Hand, bin ich mit der Nikon WESENTLICH schneller. Vom Einschalten bis zur Bereitschaft braucht die Nikon etwa 1,3 Sekunden (IXUS: 3 Sekunden). Das Ausloesen passiert innerhalb einer weiteren Sekunde, wenn's schlecht laeuft, wobei die Canon IXUS 400 sich auch gerne mal 3 Sekunden genehmigt, um zu fokussieren uns auszuloesen. Nehmen wir an, dass ich schnelle Bilder machen will, weil etwas interessantes geschieht, so brauche ich fuer 10 Bilder bei der IXUS 400 inklusive Speichern etwa 40 Sekunden. Halte ich den Ausloeser der D70 gedrueckt, so feuert sie (dank internem Speicher) 3 Bilder pro Sekunde. Der interne Speicher fasst 12 Bilder in hoechster JPEG-Aufloesung, und eine anstaendige Compact Flash-Karte kann so schnell beschrieben werden, dass ich den Ausloeser die gesamte Zeit gedrueckt halten kann. Das bedeutet also, dass ich in der gleichen Zeit, in der die IXUS 10 Bilder macht 120 Bilder erstellt habe. Den Vorteil hierbei erkennt man, wenn man mal groessere Gruppen fotografiert. Ich hatte kuerzlich 35 Leute vor der Kamera. In einem Go von wenigen Sekunden habe ich 15 Bilder von der Gruppe geschossen, was einige eventuell als sonderbar empfunden haben. Bei der anschliessenden Durchsicht kam jedoch heraus, dass ich davon pauschal 10 wegwerfen konnte, weil stets irgendjemand die Augen geschlossen hatte. ZU DEN DETAILS: Die Nikon D70 hat eine optische Aufloesung von 6 Megapixeln (3008 x 2000 Pixel). Dies reicht fuer Vergroesserungen bis DIN A3. Mit einem vollwertigen CCD-Sensor statt dem billigeren CMOS-Sensor, den man oft in Digitalkameras findet, bringt die D70 weit bessere Ergebnisse als viele teure Digitalkameras, die derzeit auf dem Markt sind. Der eingebaute Blitz ist vollkommen ausreichend fuer Ausleuchtungen bis zu knapp 4 Metern Entfernung, also beispielsweise Nacht-Portraits. Neben dem eingebauten Blitz verfuegt die D70 ueber einen Blitzschuh, auf den ein externer Blitz aufgesetzt warden kann. Die Kamera ist in der Lage, mehrere Blitz-Modi zu verwenden: Front Curtain, Rear Curtain, Rote Augen, Langsam, Rote Augen Langsam. Mit den wirklichen Details dieser Blitzeinstellungen habe ich mich allerdings (zu meiner Schande) noch nicht beschaeftigt. Mit den verschiedenen Programmen steht die Kamera einer normalen Spiegelreflex-Kamera in nichts nach. Neben dem Allround-Programm gibt es vordefinierte Programme fuer Sport, Portraits, Makro, Landschaften, Nachtportraits und Gegenleicht-Aufnahmen. Hinzu kommt dann noch, wie bei jeder anderen Spiegelreflex eigentlich auch, die Programmserie, die es erlaubt, manuell bestimmte Einstellungen zu machen. Im Punkte Gewicht ist es genau so. Die Kamera selbst wiegt 720 Gramm, allerdings ist dieser Wert weniger wichtig, denn das Gesamtgewicht wird weitestgehend vom Gewicht des jeweiligen Objektivs bestimmt. Die Filmempfindlichkeit kann zwischen ISO 200 und ISO 1600 gewaehlt warden, was ein breites Spektrum an Moeglichkeiten eroeffnet und verschiedenste Lichtverhaeltnisse erlaubt. Zudem kann die Kamera Verschlusszeiten von 30 Sekunden bis zu 1/8000 Sekunde erzielen, was ebenfalls einen grossen Spielraum bei der Fotografie zulaesst. Als Speichermedium wird ein Schacht fuer Compact Flash-Karten des Typs I und II angeboten, in den man neben den normalen CF-Karten auch Microdrives stecken kann, die dann Kapazitaeten von derzeit bis zu 4GB haben. Auf ein solches 4GB-Microdrive passen dann in hoechster JPEG-Aufloesung rund 1200 Bilder, genug also fuer einen ausgedehnten Urlaub.
KURZ UND KNACKIG: Die Nikon D70 ist nichts fuer Strand-Fotografen, die meinen, dass eine Kamera fuer 1000 Euro stets bessere Bilder macht als eine Fuji Quicksnap. Man sollte gut ueberlegen, ob man diese Investition taetigen will. Ist man allerdings gewillt, ein wenig Zeit in das Hobby Fotografie zu investieren, so ist diese Kamera momentan das Beste, was man in dieser Klasse kaufen kann. Sie bietet einem ambitionierten Fotografen die Moeglichkeit, die Kontrolle einer Spiegelreflex zu haben, dennoch aber den Komfort einer Digitalkamera zu besitzen.
Meine Ausstattung: Nikon D70 Gehaeuse Nikkor Objektiv 50mm 1:1.8 Manuell Sigma Objektiv 70-210mm 1:3.5-5.6 Autofokus Tamron Objektiv 100-300mm 1:3.5-5.6 Autofokus Tamron Objektiv 19-35mm 1:3.5-4.5 Autofokus Nikon SB-80 Blitz Nikon Infrarot-Fernausloeser MagicStor Microdrive 2,2GB und Kingston CF-Karte 1024MB
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05.07.2005 16:24
Ich nenne diese Kamera seit über 10 Monaten selbst mein Eigen und muss sagen dass du mit allem Recht hast was du hier schreibst. Es ist eine tolle Kamera, die mich bis jetzt noch nie im Stich gelassen hat. Ich habe in den USA unter anderem für eine recht große Zeitung fotografiert und war mit den Ergebnissen der D70 sehr zufrieden. Auch Baseball und Motorsport - Events hat meine D70 mit Bravur überstanden. Das einzige Manko ist der fehlende Batteriegriff mit Vertikalauslöser. Sinnvolle Accessoires sind der SB-600 Blitz (ca. 200€) und vor allem Zwei wirklich gute Objektive (Nikkor 50mm 1.4F und SIGMA 70-200mm 2.8F EX HSM)
17.05.2005 21:49
Seit einer Woche überlege und recherchiere ich und kann mich nicht entscheiden zwischen D70, D70s, coolpix 8800. Sehr guter Bericht aber ich überlege immer noch.
28.02.2005 04:09
Toller Bericht, bin auch immer noch komplett begeistert, muss aber zu meiner Schande gestehen, dass ich bisher nur einen kleinen Bruchteil dieser Kamera tatsächlich ausgereizt habe...