Erfahrungsbericht über

Nikon D70

Gesamtbewertung (18): Gesamtbewertung Nikon D70

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Was lange währt...

5  10.01.2005 (01.07.2005)

Pro:
Sehr gute Kamera zu einem günstigen Preis

Kontra:
Keine Spiegelvorauslösung, ISO nicht unter 200

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Verarbeitung

Ausstattung

Bildqualität

Akkulaufzeit

Bedienung

mehr


Summicron

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:36

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 58 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es ist fast ein Jahr her, dass ich mit dem Kauf einer Sony F828 ernsthaft in die digitale Fotografie eingestiegen bin. Niemand kann mir nachsagen, dass ich ihr keine Chance gegeben hätte, aber schließlich beendete ich unsere Beziehung. Eine "richtige" Kamera musste her, eine digitale Spiegelreflexkamera (abgekürzt SLR für den englischen Begriff "Single Lens Reflex").

Leicht gesagt, schwer getan. Um meine Gunst bewarben sich mindestens sechs Kameras von fünf Herstellern, Tendenz steigend.

ENTSCHEIDUNGSFINDUNG, KONKURRENZ
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Am preiswertesten von allen Digital-SLRs ist die EOS 300d von Canon zu haben. Sie kam für mich nicht in Frage wegen ihrer enttäuschenden Verarbeitungsqualität mit der Anmutung eines Joghurtbechers. Fast noch schlimmer sind die Limitierungen in ihrer Bedienung, die ich noch aus meiner Zeit als Besitzer einer analogen EOS 300 in Erinnerung habe. Noch ein Gegenargument: das schwache Objektiv, das im Einsteigerset enthalten ist.

Olympus hat gerade sein Sortiment an "Four-Thirds"-Kameras erweitert. Nach der E-1 steht jetzt die E-300 in den Regalen. Sie scheint interessant, kostet mit einem ordentlichen Objektiv knappe 1000 Euros, wirkt solide verarbeitet und zukunftssicher. Leider ist das Objektivsortiment noch sehr dürftig, und Fremdhersteller wie Sigma bedienen das neue System noch sehr zögerlich. Das schien mir zu riskant.

Pentax brachte nach der Photokina die zweite SLR mit unaussprechlichem Namen heraus: die *ist Ds. Der Stern steht nicht für eine ausgelassene Unanständigkeit, hoffe ich, sondern muss wohl irgendwie mit ausgesprochen werden. "Sternist"? "Starist"? "Asteriskist"? Keine Ahnung. Aber ich soll mich ja nicht mit ihr unterhalten, und zum Fotografieren scheint sie durchaus geeignet. Preislich ist sie angesiedelt wie die Olympus. Sie ist sehr zierlich gebaut, liegt aber ganz gut in der Hand, selbst wenn man nicht so kleine Hände hat. Ich habe die Pentax von meiner Kandidatenliste gestrichen, weil mich das Objektivsortiment im Bereich der kurzen Brennweiten nicht überzeugen konnte.

Canons neues Amateur-Flaggschiff heißt EOS 20d und ist deutlich teurer als die bisher genannten Modelle. Eine reizvolle Kamera, sicherlich. Um ihr gerecht zu werden, sollte man ein passendes Objektiv dazu kaufen, etwa das neue 17-85-mm-Zoom mit Bildstabilisator oder das 17-40 mm L-Zoom. Aber damit liegt man preislich schon bei über 2000 €. Die fällt also schweren Herzens aus.

Interessant ist auch Konica-Minoltas erste Digital-SLR, die Dynax 7d, mit ins Gehäuse eingebautem Bildstabilisator. Leider liegt die 7d preislich auf einer Höhe mit der EOS 20d, und Minoltas Objektivangebot für digitale Kameras ist ausgesprochen dürftig.

Bleibt also nur noch die Nikon D70 übrig. Ihre ältere Schwester D100 ist zwar teurer und suggeriert mit ihrem Namen die Zugehörigkeit zu einer höheren Leistungsklasse, bietet tatsächlich aber eher weniger als die jüngere D70. Diese ist mit einem guten Setobjektiv, dem AF-X 18-70 mm D, für einen Preis von 1199 € verbreitet. Bei ebay fand ich einen ausgezeichneten Anbieter, der dieses Set zusätzlich mit dem passenden Systemblitzgerät für 1299 € anbot, und das war flugs meins. 100 € Rückerstattung direkt von Nikon gab es noch obendrein. Fehlte nur noch eine flotte Compact-Flash-Karte und ein Ersatzakku.

TECHNISCHE DATEN IN KÜRZE
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Ausführlich gibt es technische Daten für Interessierte z.B. auf der ausgezeichneten dpreview.com-Webseite. Hier möchte ich nur das Wichtigste in Kürze anreißen.

Die D70 hat einen Sensor in APS-C-Größe, also 23,7 x 15,6 mm. Es ergibt sich eine scheinbare Brennweitenverlängerung gegenüber dem Kleinbildformat von 1,5. Ein 200-mm-Objektiv hat also den selben Bildwinkel wie ein 300-mm-Objektiv an einer Kleinbildkamera (für 24x36-mm-Film). Auf dieser Sensorfläche bringt die Kamera 6,1 Millionen Pixel unter. Das ist genug, um ohne weitere Bearbeitung JPGs etwa auf A4 auszudrucken. Mit der entsprechenden Software lassen sich auch viel größere Bilder in sehr guter Qualität ausdrucken.

Der Bereich der Verschlusszeiten reicht von 1/8000 Sekunde bis zu 30 Sekunden. Im manuellen Modus ist eine "Bulb"-Funktion verfügbar, der Verschluss lässt sich damit beliebig lange offen halten. Die Blitzsynchronzeit beträgt 1/500 Sekunde. Das ist für eine Kamera mit Schlitzverschluss rekordverdächtig und zum Aufhellblitzen sehr vorteilhaft. Etwas relativiert wird dieser Wert durch den einstellbaren Empfindlichkeitsbereich von 200 bis 1600 ASA. Schade, dass Nikon nicht wie etwa Canon geringere Empfindlichkeiten bis mindestens 100 ASA anbietet.

Die Nikon D70 kann Bilder entweder als JPG- oder als NEF-Datei, dem Nikon-eigenen RAW-Format, speichern, auch beides gleichzeitig. Für JPGs stehen drei Kompressionsstufen zur Verfügung, und es lassen sich Bilder in 6, 3 und 1,5 Megapixeln Auflösung speichern.

Für die Belichtungsmessung stehen drei Messverfahren zur Verfügung. Die 3D-Matrixmessung basiert auf einem 1005 Pixel großen Messbereich. Bei Verwendung von Nikon-D-Objektiven fließt die Entfernung zum Motiv in die Messung ein ("D" steht für "Distance", also Entfernung). Das Messergebnis wird mit einer Datenbank abgeglichen und die passende Belichtung gewählt. Das ist nichts Neues, sondern war schon in den analogen Top-Modellen Nikons so, funktioniert sehr gut und führt fast immer zu richtigen Belichtungen. Die mittenbetonte Integralmessung ist ein älteres, aber zuverlässiges Messverfahren, das auch schon ältere Kameras verwendet haben, vor allem z.B. die älteren manuellen Nikon-Modelle. Daher ist es besonders geeignet für Fotografen, die an ältere Kameras gewöhnt sind und sich mit deren Belichtungsmessung bestens auskennen. Schließlich gibt es noch eine echte Spotmessung, die einen Messpunkt von 1% der Sucherfläche berücksichtigt, gekoppelt an den aktiven Fokuspunkt.

Die Belichtung lässt sich um +/- 5 Blendenschritte wahlweise in Halb- oder Drittelblendenstufen korrigieren. Natürlich ist die Blitzbelichtung separat einstellbar von +1 bis -3 Blenden.

Der Autofokus stützt sich auf fünf AF-Messfelder, vier Liniensensoren sind um einen zentralen Kreuzsensor herum angeordnet. Im Sucher sind sie klar markiert (abhängig von der Helligkeit schwarz oder rot hervorgehoben - wow!). Er ist schnell und zuverlässig, eben auf dem Stand der Technik. In Verbindung mit Nikons AF-S-Objektiven (S = "Silent Wave") oder etwa Sigmas HSM (Ultraschallmotor) geht das absolut lautlos.

Nicht so toll finde ich das grellweiße Autofokus-Hilfslicht, das bei unzureichenden Lichtverhältnissen dafür sorgen soll, dass die D70 dennoch scharfstellen kann. Beim Versuch unbemerkter Porträtaufnahmen zieht diese Lampe jedoch jede Aufmerksamkeit auf sich. Zum Glück lässt sich die Lampe abschalten, und bei aufgesetztem Blitzgerät übernimmt dessen rotes Hilfslicht diese Aufgabe, und das nicht ganz so auffällig.

Der Weißabgleich der D70 bietet die von anderen Digitalkameras gewohnten Möglichkeiten. In der Regel liefert die Automatik hier gute Ergebnisse, aber bei Bedarf kann man gezielte Einstellungen vornehmen und sogar Abweichungen vom Standard einfach definieren.

Schließlich gibt es eine Abblendtaste. Mit ihr lässt sich das Objektiv auf den per Programm oder manuell eingestellten Wert abblenden, um die Schärfentiefe im Sucherbild vorab beurteilen zu können.

Was es nicht gibt, soll auch erwähnt werden: eine Spiegel-Vorauslösung. Diese dient dazu, den Spiegel vor der Aufnahme hochzuklappen. Damit werden dann durch den Spiegelschwung verursachte Schwingungen vermieden. Bei Aufnahmen vom Staiv mit langen Brennweiten und Belichtungszeiten zwischen etwa 1/15 und 1 Sekunde macht sich das durchaus bemerkbar. Aber wie gesagt: bei der D70 fehlt diese Möglichkeit leider. Lässt sich sowas nicht vielleicht per Firmware-Update nachrüsten?

VERARBEITUNG UND HAPTIK
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Die Kamera liegt gut in der Hand. Sie wiegt ohne Batterien und Objektiv knapp 600 Gramm. Sie kann entweder mit Li-Ion-Akkus Typ EN-EL3 betrieben werden oder über den mitgelieferten Adapter mit drei Batterien vom Typ CR2. Die Akkus kann man entweder original von Nikon kaufen und rund 60 € anlegen, es gibt sie aber auch von Fremdherstellern für 5 bis 8 € - allerdings mit dem Risiko, minderwertige Akkus zu kaufen, die der Kamera angeblich den Garaus machen können, ohne dass dafür dann die Garantie eintritt. Meine 6-€-Akkus haben der Kamera bisher kein Leids angetan. So oder so ist die D70 äußerst sparsam im Stromverbrauch, so dass eine Akkuladung sehr, sehr lange hält. Ich neige dazu, sehr häufig den Monitor zur Bildkontrolle zu nutzen und anhand vergrößerter Ansichten die Schärfe zu prüfen. Außerdem habe ich viel Spaß an der drahtlosen Blitzfotografie, für die ich das eingebaute Blitzgerät nutze, um damit das externe Nikon-Blitzgerät SB-600 zu steuern. Trotzdem habe ich den Akku erst nach 420 Aufnahmen neu laden müssen. (Woher ich das so genau weiß? Es gibt eine Software namens "Opanda IExif", mit der man besonders komfortabel Exif-Daten auslesen kann. Darin enthalten ist auch eine Info über die Gesamtzahl der Verschlussauslösungen der Kamera.) Nach diesen 420 Aufnahmen war der Akku übrigens keineswegs leer, sondern zeigte an, dass der Ladezustand nachlässt.

Die Verarbeitung der D70 ist sehr gut. Sie verfügt über ein Chassis aus Metall, das mit Kunststoff verkleidet ist. Sie fühlt sich sehr solide an, jedenfalls sehr viel Vertrauen erweckender als etwa Canons EOS 300d.

BEDIENUNG
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Eine digitale Spiegelreflexkamera ist deutlich komplexer als eine analoge. Ganz klar: zu den üblichen Funktionen jeder Kamera (Verschluss auf und zu und nur ein kleines Bisschen mehr) kommt bei analogen noch eine Funktion für das Zurückspulen des Films, bei digitalen gibt es jedoch noch eine Menge mehr zu bedienen und bedenken: Weißabgleich, Übertragung zum PC, Schärfen, Farbsättigung, Kontrast und einiges mehr. Da ist es schon eine Kunst, all diese Funktionen übersichtlich unterzubringen, ohne den Benutzer zu sehr zu verwirren.

Nikon ist dieses Kunststück gelungen. Es sind nicht zu viele Knöpfe und Schalter an den richtigen Stellen am Gehäuse. Einstellungen nimmt man mit einem von zwei Einstellrädern vor und hinter dem Auslöser vor. Die meisten Einstellungen sind so logisch wie z.B. das Anpassen der Blitzbelichtung: man hält den Knopf für das Blitzgerät fest und dreht dabei am hinteren Einstellrad, um die Blitzbelichtung zu vermindern oder zu erhöhen. So funktioniert z.B. auch die Einstellung der ISO-Zahl und viele andere häufig benötigte Einstellungen.

Von zentraler Bedeutung ist das Programm-Wahlrad, das links neben dem Pentaprisma auf der Oberseite des Gehäuses sitzt. Man kann wählen zwischen den üblichen Einstellungen P (Programmautomatik, "shiftbar"), A (Blendenvorwahl, von engl. Aperture = Blende), S (Verschlusszeitenvorwahl von engl. Shutter = Verschluss) und M (manuell) sowie "grüne" Vollautomatik.

Hinzu kommen diverse Motivprogramme, etwa für Portraits, Landschaftsaufnahmen, Sport usw. Interessant an diesen Motivprogrammen ist, dass nicht wie bei analogen Kameras nur Belichtungszeit und Blende damit beeinflusst werden (das Landschaftsprogramm bevorzugt kleine Blenden für viel Tiefenschärfe, das Sportprogramm kurze Zeiten, um Bewegungen "einzufrieren" usw.), sondern auch andere Parameter wie Scharfzeichnung, Farbsättigung usw. Bei Portraits etwa fällt die interne Schärfung etwas zurückhaltender aus, bei Landschaftsaufnahmen wird Grün etwas intensiver dargestellt, um nur zwei Beispiele zu nennen. Insofern ist es durchaus nützlich, auch die Motivprogramme zu verwenden.

Bei der Einstellung der 26 Individualfunktionen gefällt mir gut, dass man sich über eine Hilfetaste Erläuterungen zu den einzelnen Einstellungen holen kann, die auf dem Monitor angezeigt werden.

Ein gutes Beispiel dafür, dass die Nikon-Entwickler anscheinend wirklich nachgedacht haben, ist die "Bracketing"-Funktion für Belichtungsreihen. Man hält die "BKT"-Taste fest und dreht am hinteren Einstellrad, um die Funktion ein- oder auszuschalten. Mit dem vorderen Einstellrad stellt man unabhängig davon ein, ob man zwei oder drei Belichtungen einbeziehen möchte und in welchen Abständen zur Normalbelichtung die flankierenden Belichtungen gewünscht sind. Im übrigen ist das Bracketing nicht nur für die Belichtung allein, sondern auch für Blitzbelichtung und für Weißabgleich möglich.

Alles in allem empfiehlt es sich natürlich, sich ausführlich mit dem (sehr guten) Handbuch zu beschäftigen. Aber es ist den Nikon-Ingenieuren gelungen, die Bedienung der D70 übersichtlich und logisch zu gestalten. Gewöhnungsbedürftig war anfangs jedoch, dass die Objektive nicht im, sondern gegen den Uhrzeigersinn ins Bajonett eingerastet werden, aber daran gewöhnt man sich ja schnell.

Noch ein Beispiel für die gute Ergonomie der D70: man kann im Sucher ein Gitternetz einblenden, das z.B. bei Architekturaufnahmen zum Ausrichten an senkrechten Motivkanten gute Dienste leistet. Dieses Gitter und die Autofokus-Markierungen werden je nach den herrschenden Beleuchtungsverhältnissen in schwarz oder rot eingeblendet, um optimale Sichtbarkeit zu gewährleisten.

A propos Anleitung: die mitgelieferte Anleitung ist ausführlich und hilfreich, beschränkt sich in der Regel aber natürlich darauf zu beschreiben, wie man Funktionen auswählt oder einstellt - nicht jedoch, warum und wie sich welche Einstellung auf das Bild auswirkt. Meines Wissens gibt es bereits zwei Bücher zur D70. Eins ist blau, billig, kostet 15,95 € und taugt nicht viel (das habe ich nur mal durchgeblättert und verworfen). Das andere ist von Data Becker, kostet stolze 39,95 €, ist sein Geld aber wert, weil es sehr viele interessante Beschreibungen enthält, welche Kameraeinstellungen sich wie auswirken und wie man zusätzliche Effekte in Bildbearbeitungsprogrammen weiter verarbeitet. Mir hat dieses Buch echt geholfen.

BLITZFOTOGRAFIE
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Die Nikon D70 verfügt über ein eingebautes Blitzgerät mit der Leitzahl 11 bei 100 ASA. Die D70 hat jedoch keine ISO-Einstellung unterhalb 200 ASA, und da liegt die Leitzahl bei 15. Wie üblich klappt das Blitzgerät je nach Einstellung automatisch heraus oder lässt sich mit einer Taste am Pentaprisma ausklappen.

Die Belichtung mit dem eingebauten Blitz birgt keine Überraschungen. Es ist gut, ihn immer dabei zu haben, er belichtet vernünftig und hat natürlich seine Grenzen, vor allem bei der Reichweite. Insbesondere muss man aufpassen, wenn man ein großes Objektiv mit Gegenlichtblende montiert hat, denn das kann den Blitz durchaus abschatten.

Für die D70 (und andere) gibt es zwei Aufsteck-Blitzgeräte, das SB-800 für knapp 400 € und das SB-600 für knapp 240 €. In meinem Set war das SB-600 enthalten, und ich bin schwer begeistert von diesem "kleinen Bruder" des SB-800. Das SB-600 hat eine Leitzahl von 30. Mit ihm kann man ausgewogen beleuchtete Blitzaufnahmen erstellen, durch den flexibel drehbaren Blitzkopf kann man gut indirekt blitzen.

Besonders bemerkenswert finde ich das so genannte "Creative Lightning System", also das kreative Blitzsystem, das im Zusammenspiel zwischen D70 und SB-600 möglich ist. Das Blitzgerät kommt mit einem Standfuß, der sich auch auf ein Stativ schrauben lässt. Damit kann man den Blitz (oder genauer bis zu drei Geräte)eingeschaltet irgendwo im Raum aufstellen und ihn bzw. sie durch ein SB-800 oder durch das eingebaute Blitzgerät der D70 auslösen. Master- und Slaveblitz stimmen sich mit Hilfe von Messblitzen mit der Kamera ab und sorgen so für ungemein plastische und auf den Punkt belichtete Blitzfotos.

Natürlich kann man auch andere Blitzgeräte, nämlich von Nikon oder über das SCA-System auch von Fremdherstellern wie Metz oder Sigma, anschließen.

BILDQUALITÄT
#####################################
Auf Anhieb wirken Bilder aus einer digitalen Spiegelreflexkamera oft enttäuschend. Sie sind meist nicht dafür gemacht, ohne weitere Bearbeitung ausgedruckt oder auf andere Weise präsentiert zu werden. Auch das kann man haben, wenn man in den Individualfunktionen einstellt, dass man Bilder für den direkten Ausdruck z.B. über einen PictBridge-kompatiblen Drucker möchte.

Deshalb braucht man zunächst eine Zeit, bis man sich einen brauchbaren Ablauf für die Verarbeitung der mit der D70 aufgenommenen Fotos erarbeitet hat.

Z.B. muss man sich grundsätzlich entscheiden, ob man RAW-Daten aufnehmen möchte (bei Nikon mit Endung "NEF"), die unbedingt nach Übertragung auf den PC bearbeitet werden müssen, oder ob man JPG-Files erzeugt. In letzterem Fall stehen weitere Entscheidungen nach der Bildgröße, Kompressionsgrad, Schärfe, Farbsättigung usw. an.

Für die Bearbeitung von RAW-Daten (also NEF-Files) wird ein Programm mitgeliefert, das ich mir wegen der allgemeinen Kritik gar nicht erst installiert habe ("Picture Project"). Viel besser soll das kostenlose "Nikon View" sein, das ich mir nach Registrierung der Kamera auf der Nikon-Homepage heruntergeladen habe. Damit kann man Fotos von der Kamera zum PC kopieren, ansehen und zur Weiterverarbeitung an ein Bildverarbeitungsprogramm durchreichen. Noch besser gefällt mir das (allerdings kostenpflichtige, 125 €) Programm CaptureOne der dänischen Firma PhaseOne. Ich benutze zur Weiterverarbeitung zurzeit PhotoImpact XL und FixFoto, ein sehr brauchbares Shareware-Programm. Photoshop CS liegt nicht gerade in meiner Preisklasse, aber es kann einen RAW-Daten-Konverter für die D70 als Plugin nachladen und spart damit zusätzliche Software.

RAW-Daten-Verarbeitung ermöglicht z.B. die nachträgliche Veränderung des Weißabgleichs oder anderer Parameter wie Farbton, Sättigung, Schärfe usw.

Wie gesagt: es gibt diverse Möglichkeiten für einen Arbeitsablauf nach der Aufnahme. Jeder muss wohl selbst entscheiden, was für ihn angemessen und brauchbar ist. RAW-Daten zu verarbeiten erfordert natürlich auch Zeit, und die mag nicht jeder investieren.

Wenn man die richtigen Einstellungen gefunden hat, sind die Bildergebnisse der Nikon D70 exzellent. Vor allem im Vergleich zu einer digitalen Kompaktkamera (bei mir zur Sony DSC-F828) ist ein Qualitätssprung feststellbar, trotz der mit 6 gegen 8 Megapixel geringeren Auflösung. Natürlich ist die Qualität abhängig vom eingesetzten Objektiv. Das Setobjektiv, das "AF-S 18-70 mm f3,5-4,5 G ED" liefert gute Ergebnisse mit ordentlicher Schärfe auch in den Randbereichen. Chromatische Aberrationen, ein oft gerügter Fehler der Sony 828 und anderer Kompaktkameras mit hoher Auflösung und kleinen Sensoren, die sich bemerkbar machen durch Farbsäume an hellen Kanten, sind nicht festzustellen. Kritik muss sich dieses Objektiv gefallen lassen für seine ausgeprägte Neigung zur Vignettierung. Prinzipbedingt zeigen alle Objektive eine mehr oder weniger ausgeprägte Abschattung der Bildecken. Bei Abbildungen gleichmäßig heller Flächen, etwa dem Himmel, sieht man das daran, dass die Fotos zu den Ecken hin etwas dunkler werden. Das Nikon 18-70-mm-Objektiv weist diesen Fehler sehr ausgeprägt auf. Wenn man probehalber eine weiße Wand fotografiert, erschrickt man zunächst. In der täglichen Fotografie normaler Motive fällt dieser Fehler jedoch nur sehr selten auf, und bei Bedarf lässt sich das auch durch Bildbearbeitungsprogramme weitestgehend beheben.

Auch das Farbrauschen ist erheblich geringer als bei der Sony - kein Wunder, ist doch der Bildsensor um ein Vielfaches größer. Die höheren Empfindlichkeiten von ISO 400 und 800 lassen sich noch sehr gut nutzen, da das Rauschen dort noch sehr gering ist. Bei ISO 1600 ist das Rauschen zwar sichtbar, aber immer noch hinnehmbar, wenn keine größeren gleichfarbigen Flächen wie etwa der Himmel abgebildet werden.

Anfangs war ich leicht verstimmt wegen des Fehlens einer ISO-Einstellung unter 200. Es sieht auf den ersten Blick so aus, als verschenke Nikon damit eine mögliche bessere Bildqualität. Wenn man eine Zeitlang mit der Kamera gearbeitet hat, vermisst man die niedrigeren Einstellungen nicht mehr. Die Bildqualität ist bei ISO 200 so gut, dass man kaum etwas vermisst. Vor allem kommt die etwas höhere Mindestempfindlichkeit der Bildschärfe zu Gute, wählt man dadurch doch schließlich automatisch eine kürzere Verschlusszeit oder eine kleinere Blende.

Gewöhnen musste ich mich (und muss ich immer noch) an die andere Herangehensweise, die eine digitale Kamera gegenüber dem Fotografieren mit Negativfilm erfordert. Wer Negativfilm verwendet, sollte stets auf die Schatten messen und tendenziell lieber reichlich überbelichten. Im Labor kann solche Fehlbelichtung leicht ausgeglichen werden. Wer so mit einer digitalen Kamera arbeitet, macht es genau verkehrt herum. Hier sind überbelichtete Partien nicht zu retten, während man aus dunklen Bildern oder Bildteilen noch Erstaunliches herausholen kann. Man vergesse also alte Merksprüche wie "Belichte auf die Schatten, entwickle auf die Lichter." Stattdessen sollte man eher helle Bildpartien messen und vor allem immer an die Möglichkeit der Belichtungsreihen (Bracketing) denken. Am besten, man gewöhnt sich an, stets eine Zweitbelichtung etwa mit +2 Stufen an die Normalbelichtung anzuschließen.

FAZIT
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Ich habe mich recht schwer getan mit meiner Entscheidung für die richtige Kamera. Schließlich habe ich eine gefunden, die alles kann, was ich von einer digitalen Spiegelreflexkamera will - und noch viel, viel mehr. Wahrscheinlich wird zur Messe PMA oder zur Cebit eine neue Nikon-DSLR herauskommen, man munkelt von einer D80 und evtl. von einer D200, die der Canon EOS 20d Paroli bieten sollen. Und bestimmt werden das sehr fortschrittlichere Kameras als meine D70: noch schneller, mehr Auflösung (8 Megapixel? 10?), mehr Messfelder hier, mehr Autofokusfelder dort. Vielleicht hat sie das einzige, was ich ein wenig vermisse: eine Spiegelvorauslösung, um auch die letzte Verwacklungsgefahr bei Arbeiten vom Stativ zu bannen, und eine geringere minimale Empfindlichkeit, also ISO 100 oder gar 50. Ein größerer Monitor und ein Sucher mit stärkerer Vergrößerung wären ebenfalls von Vorteil.

Aber klar ist, dass ich mit der D70 lange Spaß an der Fotografie haben kann. Sie hat alle Fähigkeiten, die dafür sorgen, dass nicht die Kamera für etwaige schlechte Bildergebnisse verantwortlich ist, sondern allein der Typ hinter der Kamera, also ich.

Die Nikon D70 ist gut verarbeitet, lässt sich trotz ihrer Komplexität sehr gut bedienen und liefert erstklassige Ergebnisse. Dafür muss man allerdings bereit sein, sich einzuarbeiten und mit der Materie zu beschäftigen.

Es sind die Kleinigkeiten, die mich begeistern. Z.B. kann man den EXIF-Daten jedes Fotos einen Kommentar anhängen, der aus 50 Zeichen bestehen kann. Da steht jetzt bei jedem Foto mein Name und meine Adresse als Copyright-Angabe. Es ist auch die wirklich durchdachte Bedienung, die es zu einer Freude macht, mit dieser Kamera zu arbeiten.

Der Anschluss an das Nikon-Sortiment eröffnet den Zugang zu allen möglichen Zubehörteilen, vor allem zu einer Unmenge von Objektiven aller Preisklassen. Schließlich lassen sich auch viele uralte manuelle Objektive an der D70 betreiben, wenn auch mit Einschränkungen (kein Autofokus natürlich und keine Belichtungsautomatik). Und auch alle Fremdhersteller von Objektiven und Zubehör wie Sigma, Tamron & Co. bedienen das Nikon-Bajonett.

Die Nikon D70 wurde gerade die digitale Spiegelreflexkamera des Jahres in Großbritannien (wo diese Kamera eine noch deutlich höhere Reputation zu genießen scheint als hier). Egal, ob es gleich gute oder in Nuancen sogar bessere Kameras gibt: ein würdiger Titelträger ist sie allemal.


NACHTRAG JULI 2005
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Ein halbes Jahr später konnte ich jede Menge weiterer Erfahrungen mit der D70 sammeln und kann das bisher Geschriebene nur bestätigen. Ein paar Punkte verdienen es, näher ausgeführt zu werden.

1. Akku-Laufzeit
Ich habe nicht wirklich nachgezählt, aber die Menge der Bilder pro Akkuladung ist so groß, dass ich trotz intensiven Einsatzes die Akkus nur in großen Abständen aufladen muss. Als vorsichtiger Mensch habe ich mir zwei Ersatz-Akkus gekauft. Dafür muss man übrigens nicht die Original-Nikon-Teile nehmen, die mit 60 € empfindlich teuer sind. Es gibt gleichwertige Akkus u.a. bei ebay für unter 10 €. Ein Ersatz-Akku hätte jedoch gereicht, denn eine Ladung reicht locker für rund 500 Bilder. Viel länger hielten auch die sauteuren Batterien meiner analogen Kameras nicht.

2. Belichtungsmessung
Die 3D-Colormatrix-Messung der D70, die auch in den Profimodellen F5/F6 bzw. D2X/D2H verwendet wird, bekommt von mir einen Sonderpreis für exakte und zuverlässigste Belichtung. Ich hatte, trotz unterschiedlichster Lichtbedingungen, bisher nicht ein einziges fehlbelichtetes Foto. Egal, unter welchen Umständen, ob bei viel oder wenig Licht, ob mit der Sonne im Rücken, von der Seite oder von vorn oder bei Kunstlicht oder Blitz: die D70 lag nicht einmal daneben. Schon meine analogen Canons waren in dieser Hinsicht ziemlich klasse, aber diese Kamera übertrifft alles, was ich bisher kannte. Ein Extrasternchen für Nikon!

3. Die D70s und das Firmware-Update
Nach Erscheinen des Nachfolgers D70s veröffentlichte Nikon auf seiner Webseite ein Firmware-Update (neue Version 2.0), das fast alle Verbesserungen des neuen Modells auch für den Vorgänger D70 verfügbar macht. Was fehlt, sind natürlich der von 1,8" auf 2" vergrößerte Monitor und der größere Bildwinkel, den das interne Blitzgerät ausleuchten kann. Dafür wurden die Menüs etwas übersichtlicher (und schwarz statt blau) und der Autofokus wurde dank verbesserter Software noch etwas schneller. Die Installation ist gut beschrieben und ist in zehn Minuten erledigt. Ich finde, das ist exzellenter Service, und das gibt noch ein Extrasternchen.

Es bleibt also auch nach fast einem Jahr meiner D70-Nutzung dabei, dass ich diese Kamera jedem wärmstens ans Herz legen kann. Einen Markenkrieg a la Nikon gegen Canon gegen Pentax gegen Minolta (usw.) muss man deswegen ja noch lange nicht vom Zaun brechen, denn die auf dem Markt befindlichen digitalen Spiegelreflexkameras haben ein Niveau erreicht, das so leicht niemanden enttäuschen wird.

NACHTRAG JULI 2006
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Über ein Jahr ist vergangen, ich habe mittlerweile mehrere tausend Fotos mit meiner D70 gemacht, und sie ist mir weiter ans Herz gewachsen. Es ist nach wie vor eine hervorragende Kamera, die ausgezeichnete Bildqualität erzielen kann.

Ich benutze seit einiger Zeit nur noch das RAW-Format ("NEF"), wandle die Bilder mit Pixmantec Rawshooter Premium ins TIFF-Format und bearbeite nach Bedarf weiter mit Photoshop Elements. Ich habe meinen Bildschirm mit einem "Spyder" kalibriert und drucke sie (wenn ich sie ausdrucke) mit einem Canon IP4200 auf Canon-Hochglanz-Fotopapier. Diese Verarbeitungskette geht zügig, die Bearbeitung ist jeweils sehr schnell und leicht zu schaffen. Die Nikon D70 liefert dafür auch weiterhin das nötige Rohmaterial in hervorragender Qualität. Natürlich schiele ich schon mal auf eine D200 -- fraglos ist das die deutlich bessere Kamera. Aber ist sie ihr Geld auch wert im Vergleich zur D70? Am 8.8.06 stellt Nikon sein neuestes Modell vor, mal sehen, ob das mich meiner D70 untreu werden lässt.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
tomrot

tomrot

22.07.2006 10:58

Top Bericht, alle Fakten, alle Infos, alles was man wissen muß, so sollte ein Bericht sein. LG tomrot

mrsschmidt

mrsschmidt

19.04.2006 13:29

bestärkt meine Kaufentscheidung nun noch mehr! Vielen Dank für den Bericht und deine Einschätzung zum Produkt.

colonski

colonski

21.11.2005 17:30

Ich knipse auch mit der D70 und brauchte noch etwas Argumentationsfutter, um die doch recht teure Kaufentscheidung vor mir selbst zu rechtfertigen. Deshalb danke für diesen Beitrag. Gruß colonski

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