Nissan Micra 1.0

Erfahrungsbericht über

Nissan Micra 1.0

Gesamtbewertung (120): Gesamtbewertung Nissan Micra 1.0

493 Angebote von EUR 800,00 bis EUR 4.950,00  

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Frauenauto in Männerhand.

4  26.12.2002

Pro:
Zuverlässig, flott, übersichtlich, sparsam .

Kontra:
Wenig Platz im Fond, kein Licht im Kofferraum

Empfehlenswert: Ja 

Shellghost_1979

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:32

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 56 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es war Liebe auf den zweiten Blick. Da stand er nun auf dem Parkplatz eines Toyota-Händlers, zwei Jahre alt, 20.000 km auf der Uhr.

'nen Micra? Das ist doch ein Frauenauto, peinlich, klein, hässlich.

Oder?

Ich schaute in den Prospekt von Nissan. Soso, der Micra fährt Rally, ist ja schon irgendwie cool.

Ich schaute in Gebrauchtwagentests und TÜV-Berichte... zuverlässig war er also auch.

55 PS sind ja schon ein bisschen lächerlich, dazu dieses rundgelutschte Design, kaum Kofferraum, 155er-Reifen auf 13"-Felgen.
Und dieses "Gesicht" - wie eine minderjährige Nilpferdtranse!

Ich kratzte mich am Kopf. Sollte das mein neues Auto werden? Ich wog die Vorteile gegen die Nachteile ab.

Ein absolut unsportliches, unsexy, dafür aber zuverlässiges Auto für wenig Geld?

Ich fuhr eine Runde probe. Absolut unspektakulärer Sound und ein neutrales Fahrverhalten.

Irgendwie gefiel mir der schwarz lackierte Dreitürer dann doch recht gut.

Ich schlug zu.

Eine Woche später konnte ich ihn nach Inspektion, TÜV und Anmeldung endlich nach Hause holen.


+Preise+

Ich habe den Micra im Juni 2000 für 13.000,- DM gekauft, allerdings bei einem Händler. Er war zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre alt (EZ: Mai 1998), hatte knapp 21.000km auf dem Tacho uns sah, bis auf einen Kaugummifleck auf der Rückbank, wie neu aus.
Der Preis war sicherlich zu hoch, aber zu der Zeit war es überaus schwer, gebrauchte Kleinwagen zu bekommen.
Von Privat wäre er wohl 2000 Mark billiger gekommen.
Eine "kleine" Inspektion kommt zu rund 200,- Euro, eine "grosse" zu 300,- Euro, vorausgesetzt, es ist nichts kaputt, Ersatzteile für Japaner sind immernoch recht teuer, wie ich an einem verlorenen Nissan-Logo auf der Heckklappe feststellen durfte, das kostet "nur" 29,- Euro ;-)


+Ab Werk...+

Der Nissan Micra K11, so die exakte Modellbezeichnung, ist ab Werk mit brachialen 40KW/55PS ausgestattet, die er aus gigantischen 997ccm, verteilt auf vier Zylinder, schöpft.
Der Motor steckt nicht wie bei anderen Autos in einem Plastikkragen, sondern ist frei zugänglich, ein Punkt für Technikfreaks, die sowas gerne selber machen.

Fünf Gänge.

Vorne Scheibenbremsen, hinten Trommeln.

Weder Klima, Zigarettenanzünder oder Kofferraumbeleuchtung noch Servolenkung treiben den Spritverbrauch in die Höhe.

Das werksmässige Radio taugt nichts, die Boxen in den Türen sind soweit OK, fangen aber bei hohen Lautstärken an, die Türverkleidung unangenehm ins Schwingen zu bringen.


+Das Radio+

Die erste Fahrt brachte uns zum Bosch-Dienst, die die nötigen Kabel für eine ordentliche Beschallung einbauen sollten. Der Micra besitzt keine Boxenkabel nach hinten, was im Klartext bedeutet, dass man zuallererst mal die halbe Innenverkleidung demontieren muss.
Ausserdem muss man den Nissan-Radiostecker gegen einen Normstecker ersetzen, ist ne ziemliche Fummelei, deshalb ja Bosch-Dienst.
Inzwischen ziert übrigens ein Sony-MP3-Radio den Radioschacht. Und das hat sich bewährt.


+Das Armaturenbrett+

Das Armaturenbrett ist klar gegliedert, übersichtlich und funktional. Es wirkt sehr hochwertig.
Das Lenkrad folgt diesem Vorbild, es ist griffig und hat in der Mitte einen Hupenknopf mit Airbag. Der Beifahrer hat auch einen Airbag, darunter findet man ein vergleichsweise grosses Handschuhfach.
In der Mitte befinden sich die Bedienelemente für die Heizung, ansonsten lassen sich Licht, Scheibenwischer und Blinker über zwei Hebel am Lenkrad regeln.
Das alles ist in einem dezenten Mix aus schwarz und hellgrau gehalten. Nicht schön, nicht hässlich, sondern einfach praktisch.
Es gibt weit schlimmeres, zum Beispiel im Corsa.


+Die Sitze+

Man merkt, dass der Micra hauptsächlich als Stadtflitzer konzipiert ist. Die Sitze sind nahezu konturlos und dementsprechend unbequem auf langen Strecken. Immerhin sind sie gut gepolstert.
Die Sitzposition ist OK, allerdings schon recht beengt für meine 1,90m Körpergrösse, aber man muss ja bei meiner Grösse nicht unbedingt Micra fahren ;-)
Trotzdem hab ich in ähnlich kleineren Autos (Smart, Punto, Lupo...) schon besser gesessen.
Der Beifahrer hat genug Platz, allerdings hockt man sich relativ nahe auf der Pelle.
Die Rücksitze bezeichne ich jetzt einfach mal als Notsitze, lange Strecken kann dort niemand aushalten, bestenfalls der Sitz hinter dem Beifahrer ist noch für einen Erwachsenen zu nutzen, wenn der Beifahrer den Sitz nach vorne schiebt.


+Das Interieur+

Geschmacksneutrales Design, wo man hinschaut. Die Innenausstattung meines Micras ist in grau gehalten, die Stoffe sind robust gehalten, ohne Velour. Allerdings schwitzt man im Sommer ordentlich an Hintern und Rücken.
Es gibt keine Cupholder und kaum Ablagen, ausser dem Handschufach, der Hutablage und den zwei riesigen Türfächern. Vorne im Armaturenbrett ist eine kleine Ablage, die gerade für eine Zigarettenschachtel reicht. Darunter noch eine zweite, die man allerdings nur nutzen kann, wenn man sie mit rutschfestem Material auslegt, sonst hat man das Handy irgendwann unter dem Bremspedal liegen.
Zudem hat Nissan am Zigarettenanzünder gespart. Kabel liegen aber hinter einer Blende, die Nachrüstung ist unter Einsatz von 10,- Euro und einem Schraubenzieher problemlos möglich.


+Der Kofferraum+

Der Kofferraum ist so ne Sache. Nissan hat auch hier gespart: Es fehlt die Beleuchtung, was sich in unseren Breitengraden besonders im Winter bemerkbar macht.
Meines Wissens ist sie nachrüstbar, ich habe mir aber einfach eine Taschenlampe reingelegt.
Es gibt eine Halterung für den Verbandskasten sowie vier Festzurr-Ösen, ausserdem ist der Wagenheber praktisch verstaut.
Unter der Abdeckung befindet sich die Reserveradmulde mit einem vollwertigen Reserverad - viele Autohersteller haben hier nur ein Notrad. Daumen hoch.
Im Reserverad liegt dann auch das Bordwerkzeug, was sich auf einen Radmutterschlüssel und eine Wagenheberkurbel beschränkt.

Der Kofferraum ist für eine Einzelperson ausreichend, man bekommt etwa drei Bierkästen hinein, ohne die Sitze umklappen zu müssen ;-)
Die Rückbank ist assymetrisch umklappbar, allerdings muss man bei einem grossen Fahrer die Kopfstützen entfernen. Es gibt so oder so aber keine ebene Fläche.


+Fahren wir doch ne Runde...+

Der Micra fährt sich gut. Die Beschleunigung bis etwa 80km/h ist gut für ein Auto mit derart hohem Gewicht (950kg leer) bei solch geringer Motorleistung.
Danach wird's etwas zäh, was sich aber durch Hochdrehen der Gänge kompensieren lässt.

Es gibt keinen Drehzahlbegrenzer, man kann den zweiten Gang also locker bis 80 ausfahren, auch wenn sich der Motor dann anhört, als ob er gleich in Stücke reisst.

Wenn die Tachonadel die 120 überschreitet, kommt der Wagen nur noch langsam aus den Füssen, es vergehen selbst bei Vollgas einige Dutzend Sekunden, bis die Höchstgeschwindigkeit von 150km/h erreicht ist.
Von Situation zu Situation habe ich auch schon 175 auf dem Tacho lesen können, dann aber bergab mit Rückenwind.


+Das Fahrwerk+

Zum Fahrwerk gibt es wenig zu sagen. Der Micra muckt nicht, liegt gut in der Spur, hat eine sehr präzise Lenkung und lässt sich von Bodenwellen kaum aus der Ruhe bringen. Der Fahrer kann trotzdem über die Lenkung die Strasse lesen, wie es sein sollte.

Die Bremsen wollen getreten werden, das steht ausser Frage. Wenn man sich nicht richtig traut, hängt man schnell jemandem hinten drauf - trotz Bremskraftverstärker.

Der Wagen kommt schonmal gerne ins schlittern, besonders auf Gullideckeln und Strassenbahnschienen, dann allerdings nur hinten, uanangenehm, wenn man es nicht kennt. Überhaupt neigt der Micra eher zum Über- als zum Untersteuern.

Die schmalen, kleinen Räder sind allerdings meiner Meinung nach die Ursache für viele Fahrwerksprobleme. Mit breiteren Schlappen sähe der Wagen nicht nur besser aus, sonder wäre auch komfortabler zu fahren, OK, die Lenkung wäre schwergängiger, aber uns Jungs interessiert sowas doch nicht ;-)


+Wie sieht er eigentlich aus?+

Ach ja, die Optik.

Wie bereits oben erwähnt, sieht der Wagen von vorne irgendwie aus wie eine minderjährige Nipferdtranse. Zwei grosse, rundliche Scheinwerfer schauen einen an, der relativ grosse Kühlergrill wirkt wie Nasenlöcher.

Von der Seite betrachtet sieht der Wagen eigentlich gut aus, jedenfalls bis zur B-Säule, danach ist er etwas kurz, irgendwie.

Von Hinten sind gewisse Ähnlichkeiten mit anderen kleinen Japanern nicht von der Hand zu weisen.
Die wuchtige Karosserie steht auf vier winzig wirkenden Rädern. Dieses optische Manko kann aber durch das Nachrüsten von 6,5x14-Alus mit 195er-Schlappen behoben werden.

Die beste Ansicht ist von schräg vorne oder schräg hinten, der Blickwinkel kompensiert gewisse Proportionalitätsprobleme. ;-)

Insgesamt sieht ein schwarzer Micra etwas wie ein zu klein geratenes London-Taxi aus, besonders wegen dem für grosse Fahrer vorteilhaften hohen Dachs.


+Zuverlässigkeit+

In den 30 Monaten, den ich den Wagen habe, bin ich ca. 35.000km gefahren. In dieser Zeit waren ausser den Inspektionen und dem verlorenen Nissan-Logo keine Reparaturen fällig.
Ich musste im Januar 2002 die Vorderreifen wechseln lassen, das kostete rund 100,- Euro.
Den TÜV hat der Wagen diesen Sommer auch ohne Mängel bestanden, allerdings sollten Leute, die wenig fahren, auf ihre Abgasanlage achten, die rostet gerne, wenn das Kondenswasser darin nicht verdampft.
Der Micra soll angeblich Motorlebensdauern von mindestens 200.000km aufweisen, ohne dass Probleme auftreten.
Rost ist bis jetzt auch kein Problem, der Wagen hat diesen und jenen Kratzer, aber rosten tut da garnichts.
Apropos Kratzer: Schwarze Autos sind enorm anfällig für Kratzer, weil die Grundierung weiss ist. Man sieht die Kratzer besser als bei anderen Farben.


+Service+

Natürlich hängt es von der Werkstatt ab, aber ich habe mit Japaner-Händlern bisher durchweg gute Erfahrungen gemacht.

+Und im Winter?+

Die Heizung ist schwach, genauso die Lüftung. Im Sommer schwitzt man sich kaputt, selbst bei voll aufgedrehter Lüftung. Im Winter ist der Innenraum zwar schnell warm, aber es dauert seine Zeit, bis das Gebläse mit den Scheiben fertig wird.


+Durst+

Der Micra genehmigt sich je nach Fahrweise und Klima zwischen 6 und 7 Litern Super.
Interessant dabei ist, dass er auf der Autobahn mehr braucht als in der Stadt.
Kurzstrecken treiben den Spritverbrauch jedoch enorm nach oben.


+Flirtfaktor+

Der Micra ist definitiv kein Auto, das man sich kauft, um Frauen klarzumachen. Dazu würde ich eher irgendwas mit Stern oder Cabrioverdeck empfehlen, möglicherweise auch 'nen Käfer oder sowas.
Der Micra ist einfach ein Alltagsauto, unauffällig, robust, mit kleinen Schönheitsfehlern.
Allerdings lässt er sich bearbeiten. Mit einem Satz Alus und vielleicht einer keilförmigen Tieferlegung oder kleinem Spoiler sieht er schon erzgeil aus ;-)


+Fazit+

Ich würde diesen Wagen wieder kaufen, ich möchte ihn nicht mehr missen, auch wenn dieser Bericht hier etwas abfällig klingt ;-)
Aber im Ernst: Der Micra ist ein solider Kumpane, der auch mal Abstecher über Feldwege und durchs Skigebiet mitmacht. Es gibt ne Menge Zubehör und, was ich besonders schätze: Er ist kaum computerisiert, sodass man auch einiges mal selber machen kann.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
realRIP

realRIP

11.04.2005 09:41

Nett zu lesender und iformativer Bericht. sh von Jörg

skywalker2280

skywalker2280

04.03.2005 21:30

toller Bericht..fahre selber einen...mit 150.000 km..ohne Probleme! Gruß Jan

Winni230

Winni230

10.03.2003 17:45

Hi! Hatte bei meinem Gran-Canaria-Urlaub vor drei Jahren einen Micra als Mietwagen und war eigentlich ganz zufrieden damit. Gruß Winni

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